mini|Stadtplatz Grein, Stadttheater Grein im Rathaus, hier ohne die später hinzugefügten Fensterrahmungen (Aufnahme 1934; Foto A. Hilscher)Aus: Stadtamt Grein (Hrsg., Text Karl Hohensinner): Ein Theater, vier Jahrhunderte. Stadttheater Grein. Baugeschichte ab 1562. Stadtamt Grein, Grein 2022, S. 49. mini|hochkant=1.3|Stadttheater Grein im alten Rathaus, vor der Restaurierung 2020/22 (Aufnahme 2011) Das Stadttheater Grein befindet sich in der oberösterreichischen Stadt Grein. Es ist das älteste, noch regelmäßig bespielte Stadttheater Österreichs und Station der Kaiser-Route der Europastraße Historische Theater.
Das Theater wurde 1791 von den Greiner Bürgern und dem Magistrat der Stadt in einem Getreidespeicher (Troadkast’n) des bereits 1562/63 erbauten Greiner Rathauses im Stil des Rokoko eingerichtet. Es weist 167 SitzplätzeSitzplan des Theaters (Online pdf)., darunter noch original erhaltene Sperrsitze, und weitere Kuriositäten auf und dient seit der Eröffnung mit einigen Unterbrechungen für Theateraufführungen unterschiedlicher regionaler und überregionaler Theatergruppen.
Seit 1992 ist das Theater eine der Spielstätten der Greiner Dilettantengesellschaft. Von 1989 bis 2012 wurde alle zwei Jahre der Leopold-Wandl-Preis an österreichische Autoren für Gedichte und Prosa in Mundart im Greiner Stadttheater verliehen. Die Räumlichkeiten werden auch für Theaterausstellungen zu nicht nur regionalen Themen benutzt, die jeweils von Mai bis Oktober öffentlich zugänglich sind.
Geschichte Vor der Gründung Die Gründung des Theaters erfolgte aus einem sozialen Anlass. Am 1. August 1783 verkündete Kaiser Josef II. die Nachricht, ein Armen-Institut unter dem Namen Vereinigung Liebe des Nächsten oder kurz das sogenannte Armen-Institut zu gründen. Bisher hatte die Armenfürsorge grundsätzlich in den Händen der Kirche gelegen. Nun kümmerte man sich – im Zuge des Zeitalters des aufgeklärten Absolutismus – von staatlicher Seite darum, das höchstmögliche Wohl des Einzelnen sicherzustellen.Gustav Brachmann: Das Stadttheater in Grein. 1954, S. 249.
Ein Vorreiter dieser Idee war der Landadelige Johann Nepomuk von Buquoy, der Besitzer der südböhmischen Herrschaft Gratzen. Er hatte bereits 1779 aus seinen Gütern ein solches Armen-Institut ins Leben gerufen.Bernhard Fabian: Handbuch deutscher historischen Buchbestände in Europa. Band 2. Tschechische Republik. Schloßbibliotheken unter der Verwaltung des Nationalmuseums in Prag. Hildesheim 1997, S. 151 (). Der Erfolg dieses Ansatzes veranlasste nun die Regierung zur Nachahmung für die gesamten kaiserlichen Erblande. Die Mittel für die Armenpflege sollten durch Spenden aufgebracht werden, da sich die öffentliche Hand in einer schlechten finanziellen Lage befand. Um noch weitere Geldquellen zu erschließen, hieß es 1784 in einer kaiserlichen Hofentschließung: Übrigens werden auch Schauspiele zum Besten der Armen erlaubt. Seit dem Aufstieg der deutschen Klassiker war man sehr aufgeschlossen gegenüber Schaubühnen, man konnte zu dieser Zeit fast von einer Massenstimmung sprechen. Diese positive Stimmung herrschte auch auf dem Land, so auch in Grein, vor. Noch zogen in erster Linie die Wanderbühnen durch das Land, auch sie konnten nicht anders, als den Erlös der einen oder anderen Vorstellung wohltätigen Zwecken zukommen zu lassen.Gustav Brachmann: Das Stadttheater in Grein. 1954, S. 250.
Das verheerende Hochwasser vom Juni 1786 führte zu verstärkter Wohltätigkeit im ganzen Land. Noch im Sommer 1787 wurde auch im Schlosstheater der Greinburg von Greiner Liebhaberspielern vor der gräflichen Familie gespielt.
Das Fehlen einer geeigneten Räumlichkeit wurde für die Greiner zu einer allgemein drückenden Frage. Das Spielen in Gaststätten war, auch weil dort ein geeigneter Saal fehlte, nicht mehr zufriedenstellend. Größere passende Baulichkeiten gab es nicht oder diese hatten eine andere Bestimmung. So kam die Kirche des im Jahre 1784 aufgelassenen Franziskanerklosters, die man seitdem als Geräteschuppen verwendete, außer Betracht, da bereits 1786 entschieden wurde, einen Betrieb zur Holzwarenerzeugung zu errichten. Schließlich wurde dann doch einige Zeit in der einstigen Kirche gespielt. Diese scheint aber ihrer Aufgabe als Behelfsbühne in erster Linie aus feuerpolizeilichen Gründen nicht entsprochen zu haben.Gustav Brachmann: Das Stadttheater in Grein. 1954, S. 251.
Gründung und frühe Jahre (1791–1913) Ein Theater in Grein (1791) Am 30. November 1790 kam der Buchbinder Xaver Dörr auf die Idee, zur Auffüllung der Armenkasse Theateraufführungen abzuhalten. Diese Idee wurde von den Greiner Verantwortlichen positiv aufgenommen. Außer dem Antragsteller Xaver Dörr ist das Theater Bürgermeister Johann Baptist Grass, Magistratsrat und Syndikus Karl Aichmayr, Ratsmann Lorenz Pfaffinger, den Bürgerausschüssen Franz Höfler, Georg Zindl und Josef Böck sowie Stadtschreiber Franz Josef Hambeckh zu verdanken. Als Räumlichkeit wurde der aus dem Jahr 1563 stammende Getreidespeicher des Rathauses verwendet. Im Dezember des Jahres 1790 wurde mit den Umbauarbeiten begonnen und Resultat war 1791 ein Rokokotheater, welches 165 Personen fassen konnte. Zur Einrichtung wurde zum Teil Holz aus den Stadtwaldungen verwendet, teilweise nahm man auch Mobiliar des 1784 aufgehobenen Franziskanerklosters in Grein. An Umbau sowie der Ausschmückung im Stil des Spätrokokos waren unter anderem der Schlossermeister Klement Treyer, der Tischler Joseph Schmidt und der Maler Andre Artner beteiligt. In den vordersten Reihen befinden sich noch heute Sperrsitze. Die Sitzbretter waren durch Schlösser senkrecht zu fixieren und somit nur für Besitzer mit passenden Schlüsseln nutzbar.Margarita Lengauer: Grein an der Donau im Strudengau, S. 13 f.Josef Puchner, Hertha Schober-Awecker: Das Greiner Stadttheater. 1962, S. 20 ().Gustav Brachmann: Das Stadttheater in Grein. 1954, S. 252. miniatur|Historischer Zuschauerraum mit den bis heute erhaltenen Sperrsitzen mini|Stadttheater Grein; Sperrsitze mit aufgeklappter Sitzfläche (Platz Nr. 7 „zugeklappt“), rückseitigem Schließmechanismus und historischer Nummerierung (Aufnahme 2022)
Musste ein Theaterbesucher auf die Toilette, so zog er sich hinter einem Vorhang in eine seitliche Nische zurück und konnte auch von diesem Ort die Handlung auf der Bühne weiter verfolgen. Das Original des Toilettenvorhanges hängt heute noch im Theater.Margarita Lengauer: Grein an der Donau im Strudengau, S. 14.
Im Rathaus befand sich ursprünglich ein Arrest. Unmittelbar neben der Arrestzelle wurde der Theatersaal gebaut. Früher durften auch die Insassen des Gefängnisses durch ein Fenster die Vorstellungen mitverfolgen. Die Besucher brachten den Gefangenen Esswaren und Tabak zu den Vorstellungen mit, damit diese so bei Laune gehalten werden konnten und die Vorstellung nicht störten. Da die Häftlinge das Theatervergnügen der Bürger jedoch zu oft durch Lärm und Spott störten, wurde das Fenster schließlich zugemauert.Leopold Höller: Grein. Das Donaustädtchen im Strudengau. 1995, S. 218.
In den frühen Jahren wurde (bei etwa 1000 Einwohnern) täglich gespielt, an Sonntagen fanden dreimal am Tag Aufführungen statt. Vor allem in den ersten Jahren nach der Eröffnung des Theaters wurden sehr viele Theaterstücke aufgeführt. Aus dem Jahr 1793 stammt der älteste Theaterzettel, der das Stück „Der Trauerschmaus“ oder „Der Bäckermeister Kasperl“ ausweist. Eine Dilettantengruppe führte diese Volkskomödie auf, die von Karl Friedrich Hensler geschrieben wurde und zu dieser Zeit auch am Wiener Leopoldstädter Theater häufig auf dem Spielplan stand.
Frühe Aufführungen Häufig aufgeführte Autoren waren unter anderem Nestroy, Kotzebue, Bäuerle und Birch-Pfeiffer. Gespielt wurde zum Teil vom einheimischen Theaterverein, aber auch von auswärtigen Schauspieltruppen, welche das Theater für eine gewisse Zeit mieten konnten. Wer den Mietzins bezahlte, bekam von der Stadtgemeinde im Bedarfsfall auch Kostüme und Requisiten zur Verfügung gestellt. Für Beschädigungen war der jeweilige Pächter verantwortlich. Das Zimmer, welches sich neben dem Spielraum befand, konnte als Garderobe benutzt werden, unter der Bedingung, dass es niemals als Schlafgemach benützt würde. Aus feuerpolizeilichen Gründen hatte sich jeder Mieter mit dem Rauchfangkehrer und dem Gerichtsdiener abzusprechen, da diese bei jeder Vorstellung anwesend sein mussten. Auch waren die Mieter für die Reinhaltung von Stiege und Vorhaus verantwortlich. Pächter waren im Laufe der Zeit unter anderem: Vinzenz Brandenberg, Johann Weiner, genannt Rosenberg, Florian Anton Hoffman, Theaterdirektor und Pächter des landesfürstlich-städtischen Theaters in St. Pölten, Joseph Walier, Kaspar Karschin, Theaterunternehmer von Ybbs, und Alois Sellack, Schauspielergesellschaftsdirektor aus München. Von den hier wirkenden, einheimischen Kräften, die sich im Allgemeinen aus Dilettanten zusammensetzten, ist vor allem Dr. Max Christ zu erwähnen.
Die Verwaltung des Theaters war zu Beginn nicht sehr ordentlich. Deshalb machte August Hambeckh am 20. Februar 1833 dem Magistrat einen Vorschlag zur finanziellen Hebung des Theaters. Demnach sollten nun die Ausgaben von der Dilettantengesellschaft selbst zu tragen sein, ein gewisser Prozentsatz des Reinertrages jeder Vorstellung sollte halb dem Kammeramt und halb dem Armeninstitut zufließen. Dieser Vorschlag wurde in der Ratssitzung am 22. März 1833 angenommen. Dem Magistrat musste vor jeder Aufführung Bescheid gegeben werden. Die Kasse, deren Schlüssel ein Beisitzer verwahrte, musste nach jeder Vorstellung in der Kanzlei abgeliefert und am nächsten Tag im Beisein des Magistrates geöffnet werden, worauf die Zählung und Teilung der Einnahmen nach dem vorgeschlagenen Plan erfolgte. Vor dem Spielertrag mussten auch die unumgänglichen Ausgaben (über deren Dringlichkeit entschied der Magistrat) bestritten werden, alles Übrige musste vom Unternehmer selbst beglichen werden. Kleidungsstücke sowie sonstige Spielrequisiten wurden vom Magistrat erst dann bezahlt, wenn sie ihm zur Aufbewahrung übergeben wurden.
Umwälzungen (1848), Renovierung (1874) und behördliche Sperre (1903–1905) Die Umwälzungen im Jahr 1848 brachten optische Veränderungen für das Greiner Stadttheater mit sich. Das Kanzleizimmer und das daranstoßende Kassenlokal, wo sich die Registratur befand, wurden von der Bürgerschaft dem Steueramt zur Verfügung gestellt. Die Akten wurden in dem neben dem Theater befindlichen Zimmer und auf der Galerie untergebracht. Das Wesen des Theaters blieb jedoch unverändert. Bis ins Jahr 1848 konnte jeder Theaterunternehmer das Theater mieten. Anfang 1849 wurde zum ersten Mal ein Ansuchen von Karl Karschin abgelehnt. Grund dafür war eine Bewilligung, welche die in Grein ansässigen Dilettanten erhielten, um mehrere Theaterstücke, das erste am Ostermontag, aufzuführen. Außerdem teilte man mit, dass man in Zukunft nicht mehr bereit wäre, das Theater an auswärtige Schauspielertruppen zu vermieten. Daher sind auch keine Mietverträge aus den späteren Jahrzehnten mehr vorhanden. Es wurde also anscheinend im Allgemeinen nur von den Greinern selbst gespielt.Josef Puchner, Hertha Schober-Awecker: Das Greiner Stadttheater. 1962, S. 21 ().
Im Frühjahr 1874 gab es die erste große Renovierung, wobei diese sich, abgesehen von den neuen Kulissen, auf das Neuausmalen von Wänden und Decke beschränkt hat. Die Marmelfarbe der Wände und die Blumenstraußmuster einzelner Deckenpartien gehören dieser Zeit an. Die darunter vorhandene ursprüngliche Ausmalung wurde auch bei der Instandsetzung 1946/47 nicht festgestellt.Gustav Brachmann: Das Stadttheater in Grein. 1954, S. 257. Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet durch den Niedergang der Dilettantengesellschaft und durch die neu auflebende Tätigkeit von Wanderbühnen. Grein war zu dieser Zeit ein beliebter Fremdenverkehrsort und ein Theaterbesuch stand meist auf der Tagesordnung der Sommergäste.