Michel Schwalbé (* 27. Oktober 1919 in Radom, Polen; † 8. OktoberSterbedatum laut Grabstein (siehe Bild), Traueranzeigen und dem Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Ausgabe November 2012 (PDF; 2,9 MB), S. 31. In den Medien war zuvor häufig der 9. Oktober als Todestag angegeben worden, z. B. im Tagesspiegel vom 11. Oktober 2012. 2012 in Berlin) war ein polnischer Geiger und Violinpädagoge.

Leben Polen Michel Schwalbé war Pole jüdischer Herkunft. Der Nachname Schwalbé geht wahrscheinlich auf französisch Chevalier zurück.Des Meisters erste Geige tagesspiegel.de, 26. Oktober 2009

Schwalbé studierte bei Moritz Frenkel an der Musikhochschule Warschau und schloss mit zwölf Jahren dort ab. 1933 legte er sein Abitur ab.

Frankreich und Schweiz Nach dem Abitur setzte Schwalbé seine musikalischen Studien bei Jules Boucherit auf lostfiddle.blogspot.de, 24. Mai 2011 (archivierte Webseite) (Violine), George Enescu (Interpretation) und Pierre Monteux (Kammermusik und Dirigieren) in Paris fort, wo er 1938 abschloss. 1940 floh er nach Lyon, wo er ab 1942 als Konzertmeister des dortigen Symphonieorchesters tätig war und von Prof. Bouffard unterrichtet wurde.

1944 flüchtete er erneut vor den deutschen Truppen in einem Möbelwagen versteckt in die Schweiz. Ernest Ansermet engagierte ihn 1944 als Ersten Konzertmeister des Orchestre de la Suisse Romande. In der Schweiz gründete er das Genfer Trio und das Schwalbé-Quartett (1946–48), erhielt eine Professur am Genfer Konservatorium als Nachfolger von Joseph Szigeti und war auch als Konzertmeister des Lucerne Festival Orchesters tätig.

Berliner Philharmoniker Als Herbert von Karajan ihn zu den Berliner Philharmonikern nach West-Berlin holte, empfand Schwalbé dies als einziger Überlebender seiner Familie – seine Mutter und seine Schwester wurden im Vernichtungslager Treblinka ermordet – als einen „Akt der Versöhnung“.Eleonore Büning: Karajans Konzertmeister Nachruf in der FAZ, 11. Oktober 2012 Von 1957 bis 1985 war er Konzertmeister bei den Berliner Philharmonikern. Schwalbé trat in vielen Ländern als Solist, mit kammermusikalischen Ensembles wie den Philharmonischen Solisten und als Dirigent auf.

Geige „König Maximilian“ Schwalbé spielte ab 1966 auf der Stradivari „König Maximilian“ aus dem Jahr 1709.Antonio Stradivari, Cremona, 1709, the 'King Maximilian, Unico' Beschreibung der Violine auf tarisio.com Zuvor war sie seit 1930 von Martha Drews gespielt worden, die 1904 als Solistin mit den Berliner Philharmonikern debütiert hatte.Martha Drews Musik und Gender im Internet, online abgerufen am 14. Oktober 2012 Axel Springer erwarb die Geige 1966 in Boston für 326.630 Deutsche Mark (rund 167.000 Euro), nachdem sie viele Jahre nur ausgestellt war. Auf Vermittlung von Herbert von Karajan wurde die Violine anschließend von der Axel Springer Stiftung, zu deren Stiftungszwecken die Unterstützung von Künstlern und die Aussöhnung von Juden und Deutschen gehören, Schwalbé auf Lebenszeit zur Verfügung gestellt.Michel Schwalbé, Hans Wallenberg (Herausgeber): Die König-Maximilian-Stradivari – Die ungewöhnliche Geschichte einer Geige, dargestellt in Briefen und Dokumenten, Edition AB, Hamburg, Verlag, Andreas Brylka, 1973 1973 wurde dann eine Langspielplatte mit dem Titel Antonius Stradivarius Cremonensis – Faciebat Anno 1709 – Die König-Maximilian-Stradivari gespielt von Michel Schwalbé veröffentlicht, mit der Violinsonate g-Moll von Johann Sebastian Bach, BWV 1001 und einigen Capricen von Niccolò Paganini. Karajan äußerte 1974, es sei der seltene Fall eingetreten, dass „ein preziöses Instrument einen kongenialen Partner findet, der die Fähigkeiten voll auszuschöpfen weiß“. Schwalbé gab die Geige 1992 der Stiftung zurück, die sie danach für 2,5 Millionen Deutsche Mark (rund 1,28 Millionen Euro) verkaufte.Axel Springer Stiftung (Herausgeber): Eine Stiftung im Dienste von Aussöhnung, Freiheit und Einheit. Broschüre zur Geschichte der Stiftung, veröffentlicht am 2. Mai 2012 in Berlin aus Anlass des 100. Geburtstags des Stifters.

Tod mini|Grabstätte Michel Schwalbé, der bis zu seinem Lebensende mit den Berliner Philharmonikern verbunden blieb, starb wenige Wochen vor seinem 93. Geburtstag. Er wurde am 15. Oktober 2012 auf dem Jüdischen Friedhof an der Heerstraße beigesetzt.

Lehrtätigkeit Außer in Genf unterrichtete Michel Schwalbé auch in Salzburg, London und an der Hochschule der Künste Berlin. Darüber hinaus hatte er auch Gastprofessuren und Meisterklassen außerhalb Europas. Zu seinen zahlreichen Schülern zählen unter anderem: Raphael Christ, Mahler Chamber Orchestra Martin Klepper, Bayerische Staatsoper Neithard Resa, Berliner Philharmoniker, Philharmonia Quartett Berlin philharmonia-quartett-berlin.de Toru Yasunaga, Berliner PhilharmonikerBundesverdienstkreuz für Toru Yasunaga magazin.klassik.com, 27. Februar 2009 Rainer Kimstedt, Kreuzberger Streichquartett, Lehrbeauftragter an der UdK Berlin Marie Leonhardt, Konzertmeisterin im Leonhardt-Consort und Dozentin für Barockvioline am Konservatorium Rotterdam.

Ehrungen 1938: Sarasate-Preis bei the Strad 1948: Preisträger des internationalen Wettbewerbs in Scheveningen, Niederlande 1990: Ritter der Ehrenlegion, Frankreich Orden Leopolds II., Belgien Distinguished Service Order, Vereinigtes Königreich Bundesverdienstkreuz Erster Klasse

Diskographie (Auswahl) Michel Schwalbé – Virtuose Violine, mit Werken versch. Komponisten; Klavier: Karl Engel, Hör zu/Electrola (1970)Rezension von Heinz Gelking auf platte11 Richard Strauss: Ein Heldenleben op. 40, Berliner Philharmoniker, Michel Schwalbé, Herbert von Karajan, Deutsche Grammophon (1959) Richard Strauss: Also sprach Zarathustra op. 30, Berliner Philharmoniker, Michel Schwalbé, Herbert von Karajan, Deutsche Grammophon (1974) Peter Tschaikowsky: Der Schwanensee – Suite aus dem Ballett op. 20, Berliner Philharmoniker, Michel Schwalbé, Herbert von Karajan, Deutsche Grammophon (1972) Antonio Vivaldi: Die vier Jahreszeiten, Michel Schwalbé, Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan, Deutsche Grammophon (1973, LPVivaldi: Le Quattro Stagioni, Michel Schwalbé, Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan discogs.com (online) – 1985, CDVivaldi: Die Vier Jahreszeiten, Albinoni: Adagio, Corelli: Weihnachtskonzert, Michel Schwalbé, Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan discogs.com (online)) Johannes Brahms: Symphonie Nr. 1 c-moll op. 68, Berliner Philharmoniker, Michel Schwalbé, Karl Böhm, Deutsche Grammophon (1959)

Literatur Berliner Philharmoniker: Variationen mit Orchester – 125 Jahre Berliner Philharmoniker, Band 2, Biografien und Konzerte, Verlag Henschel, 2007, ISBN 978-3-89487-568-8

Weblinks

Tabellarischer Lebenslauf klassik-heute.de Des Meisters erste Geige tagesspiegel.de, 26. Oktober 2009 Karajans Konzertmeister Nachruf in der FAZ, 11. Oktober 2012

Einzelnachweise

Kategorie:Klassischer Geiger Kategorie:Mitglied der Berliner Philharmoniker Kategorie:Konzertmeister Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Polnischer Emigrant in der Schweiz Kategorie:Polnischer Emigrant in Frankreich Kategorie:Polnischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Musiker (Polen) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Ordens Leopolds II. Kategorie:Wikipedia:Träger des Ordens Leopolds II. (Ausprägung ungeklärt) Kategorie:Companion des Distinguished Service Order Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1919 Kategorie:Gestorben 2012 Kategorie:Mann