miniatur|Einrücken der Russen in Königsberg am 5. Januar 1813 miniatur|Beschluss der Landwehrordnung Die Ostpreußische Landwehr wurde 1813 zur Befreiung von Napoleon Bonapartes Besetzung Ostpreußens aufgestellt. Mit ihr begannen die Befreiungskriege.
Entstehung Als Generalgouverneur der Provinz hatte Ludwig Yorck von Wartenburg am 30. Dezember 1812 die Konvention von Tauroggen ausgehandelt. Als russische Truppen wenige Tage später, am 5. Januar 1813, in Königsberg einrückten, wurden sie (anders als im Siebenjährigen Krieg) als Befreier begrüßt. Dem sollte ein politischer Frontwechsel folgen. Als (gezwungene) Verbündete der Franzosen wollten die Preußen zu den Russen wechseln, in deren Diensten bereits Freiherr vom Stein als Kommissar stand. Nachdem Yorck die Aufstellung des Ostpreußischen National-Kavallerie-Regiments befohlen hatte, rief Graf Dohna die ost- und westpreußischen Landstände zusammen. Die 64 Delegierten kamen am 5. Februar 1813 in die Ostpreußische Generallandschaftsdirektion. Otto Brausewetter, Nachfahre eines Teilnehmers, erinnerte mit einem berühmten Gemälde an diese historische Stunde.
Zwei Tage später wurde die von Clausewitz, Dohna und Yorck aufgestellte Landwehrordnung vom Landtag einstimmig angenommen. Ab März 1813 stellte Karl Alexander von Bardeleben 19 Landwehr-Bataillone, 3 Landwehr-Kavallerie-Regimenter, 4 Landwehr-Feldbatterien und 2 Landwehr-Train-Bataillone mit 20.000 Mann auf. Ein Kavallerie-Regiment wurde der Nordarmee des Kronprinzen von Schweden zugeteilt. Die drei in Königsberg aufgestellten Landwehr-Bataillone wurden zum Königsberger Landwehr-Regiment formiert und unter dem Befehl von Karl Friedrich Friccius ebenfalls der Nordarmee zugeteilt. Das Königsberger Regiment kämpfte mit großer Tapferkeit in den Schlachten bei Großbeeren und Dennewitz, nahm an der Völkerschlacht bei Leipzig teil und erstürmte am 19. Oktober 1813 das Äußere Grimmaische Tor, wodurch die Verteidigung Leipzigs zusammenbrach. Der schweren Verluste wegen erhielt das Regiment im November Ersatz von der Ostfriesischen Landwehr. 1814 nahm es am Winterfeldzug in den Niederlanden teil.A. Crusius: Der Winterfeldzug in Holland, Brabant und Flandern, eine Episode aus den Befreiungskriegen 1813 und 1814. Luxemburg 1865, Digitalisat
Alle anderen ostpreußischen Einheiten bildeten die Landwehr-Division unter Graf Ludwig von Dohna, die an der Belagerung von Danzig teilnahm. Von ihren etwa 9.000 Mann fielen 2.500 oder starben an Krankheiten. Sie sollte die einzige Division der deutschen Geschichte bleiben, in der alle Offiziere gewählt wurden. Als einzige Provinz stellte Ostpreußen Landwehr-Artillerie und Landwehr-Train-Formationen auf.R. Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002. ISBN 3-88189-441-1.
Am 27. März 1813 erklärte die Krone Preußen dem Premier Empire den Krieg.
Mit der Heeresreform durch Wilhelm I. wurde auch die alte Landwehrverfassung geändert. Der Soldat diente drei Jahre unter den Fahnen, war darauf vier Jahre bei der Reserve und fünf Jahre bei der Landwehr. Mit dem vollendeten 32. Lebensjahr gehörte der Soldat zur Landwehr, die grundsätzlich nicht mobilgemacht wurde. Neu war der Reserveoffizier; er gehörte zu einem Regiment und nicht zur Landwehr seines Bezirkes.
Der Landwehr zu Ehren betrieb der Kriegsrat Johann Georg Scheffner die Errichtung eines Landwehrkreuzes auf dem Galtgarben.
Uniformierung Die Abzeichenfarben an Kragen und Ärmeln des Uniformrockes, der einreihig geknöpften dunkelblauen Litewka, sowie der Kopfbedeckung, richteten sich nach der Provinz. Die Abzeichenfarbe für Ostpreußen, Kurmark und die Neumark war Mohnrot. Die Achselklappen gaben bei den preußischen Landwehr-Infanterieregimentern durch ihre Farbe das jeweilige Bataillon wieder (I. - weiß, II. - rot und III. - gelb) und trugen zudem häufig die Nummer des Regimentes.
Allerdings hatten zum Beginn der Befreiungskriege die wenigsten Regimenter alle Männer vollständig eingekleidet. Dies ließen die preußischen Finanzen nach der jahrelangen napoleonischen Besatzung nicht zu. Viele Landwehrmänner mussten sich mit zivilen Kleidungsstücken, die teilweise, aber nicht immer, umgearbeitet und umgefärbt waren, aushelfen. Das Bild der Landwehr war dadurch in der Anfangsphase sehr buntscheckig.
Auf der Kopfbedeckung trug die Landwehr das Landwehrkreuz, um den Unterschied zu den Linienregimentern zu zeigen.
Bewaffnung Die Ausrüstung und Bewaffnung der Landwehrinfanterie war in den Anfängen 1813 bis 1815 ziemlich mangelhaft, häufig wurden auch nur Piken und Äxte als Waffen geführt und viele Soldaten hatten keine Schuhe. Die Landwehrkavallerie war bis 1816 grundsätzlich mit Lanzen ausgerüstet.
Europäische Bedeutung Yorcks Appell an die 64 Deputierten aus Ostpreußen und Westpreußen und die Annahme der Landwehrordnung durch den Landtag hatten historische Bedeutung für ganz Europa:
Literatur Adalbert Bezzenberger: Zum Andenken an die Mitglieder des Preußischen Landtages und an die Toten der Preußischen Landwehr. Neubearbeitung, Königsberg 1900 Georg Bujack: Zum Andenken an die Mitglieder des Preußischen Landtages im Februar 1813 zu Königsberg und an Thaten der Preußischen Landwehr 1813 und 1814. 1890 Graf August von Dönhoff: Königsberg und Ostpreußen zu Anfang 1813. Ein Tagebuch vom 1. Januar bis 28. Februar 1813. 1901 Karl Friedrich Friccius: Geschichte des Krieges in den Jahren 1813 und 1814 mit besonderer Rücksicht auf Ostpreußen und das Königsberger Landwehrbataillon, 1843 Arnold Nestor: Ostpreussische Landwehr. Mit fliegenden Fahnen. Berlin 1915. Paul Stettiner: Ostpreußens Erhebung und Befreiung 1812–1814. Bon, Königsberg 1913.
Weblinks Der Landtag zu Königsberg und die Errichtung der Landwehr R. de l’Homme de Courbières: Geschichte der Brandenburgisch-Preußischen Heeres-Verfassung. Berlin 1852
Einzelnachweise
Kategorie:Napoleonische Zeit (Deutschland) Kategorie:Militär (Preußen) Kategorie:Infanterie Landwehr 1813 Kategorie:Gegründet 1813 Kategorie:Militärischer Verband in den Koalitionskriegen