mini|Parade in Malolos City, Bulacan, bei der Singkaban Fiesta 2008
In der Kultur der Philippinen reflektiert sich die vielschichtige Geschichte der Philippinen, die sich über die vergangenen Jahrhunderte durch die Vermischung verschiedener indigener Zivilisationen sowie die Einbeziehung spanischer und amerikanischer Lebensweisen entwickelt hat und maßgebend durch diese fremdländischen Einflüsse geprägt wurde.
Geschichte Die ältesten, nachweisbaren, künstlerischen Zeugnisse des Menschen auf dem Territorium der Philippinen stammen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. und lassen sich in der Nähe des Laguna de Bay finden: Es sind die Petroglyphen von Angono. Jedoch sind archäologische Spuren aus dem Übergang von der Jungsteinzeit, bis 2000 v. Chr., zur Eisenzeit, ab 2000 v. Chr., auf dem Gebiet der Philippinen relativ selten.
Erste hinduistische Einflüsse lassen sich ab dem frühen Mittelalter auf Mindanao nachweisen. Bei den Ausgrabungen in Butuan konnte eine Vielzahl von religiösen hinduistischen Artefakten geborgen werden, wobei immer noch nicht klar ist, welche Verbreitung der Hinduismus auf den Philippinen hatte.
Chinesische Einflüsse lassen sich ab dem 9. Jahrhundert auf Luzon, den Visayas und Mindanao nachweisen. So wurden bei Ausgrabungen auf Negros und der Bicol-Region Waren aus der Zeit der Song- und Ming-Dynastie gefunden und die Gründung der Niederlassung Tondo in der Manilabucht lässt sich ab dieser Zeit nachweisen. Der kulturelle chinesische Einfluss auf die Inseln der Philippinen erreichte im 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts ihren Höhepunkt und endet nahezu abrupt mit Beginn der spanischen Kolonisation ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Bis heute haben jedoch ostasiatische Einflüsse auf den Inseln überlebt, was an der Popularität verschiedener Glücksspiele wie Mah-Jongg und Jueteng, in der Filipino Martial Arts sowie in der asiatischen Küche sichtbar ist. Islamische Einflüsse auf die Kultur der Völker der Philippinen lassen sich bereits früh, ab dem 9. Jahrhundert auf Mindanao, nachweisen. Diese entwickelten sich wahrscheinlich zuerst durch Handelskontakte mit der heutigen Region um Butuan City. Die philippinischen Kaufleute nutzten den Bootstyp des Balangay auf ihren Handelsrouten, mit dem sie Malakka, Borneo, Ternate und Myanmar erreichen konnten.Die Geschichte der Philippinen vor Magellan (englisch) Der Islam stieg im 15. Jahrhundert zur meistgebräuchlichen Religion in den Küstenebenen Mindanaos und Luzons auf, um ab dem Zeitpunkt des Beginns der spanischen Kolonisation an Bedeutung zu verlieren. Die Bergvölker im Inselinneren Luzons und Mindanaos hielten jedoch bis heute an ihren ethnisch-religiösen Traditionen fest, so dass sich zahlreiche Mischformen in der Religiosität im Verhältnis zum Islam und dem Christentum entwickelten.
So sind noch heute Elemente aus der vorspanischen und nichtchristlichen Kultur in der modernen philippinischen Kultur identifizierbar. Es werden bei zahlreichen indigenen Völkern und Stammesgruppen trotz des christlichen oder islamischen Glaubens die Berge als heilige Böden angesehen, in denen sie ihre Toten begraben und die Geister der Toten in den Bergwäldern leben, denen auch Opfer dargebracht werden können. Diese spirituellen Vorstellungen haben ihren Ursprung in den Überlieferungen der einheimischen indigenen Völker, die zu den austronesischen Volksstämmen der Malayo-Polynesier gehören. Diese historische Mythologie der verschiedenen indigenen Völker auf den Philippinen beeinflusste maßgebend die Mythologie der malayo-polynesischen Kultur Ozeaniens und präsentiert sich gegenwärtig als eine Mischung aus Brauchtümern des abendländischen Christentums, des südostasiatischen Islams, des Hinduismus sowie einiger buddhistischer Elemente und nicht zuletzt indigener Kulturgüter, wie dem Glauben an den Geist der Ahnen und an die spirituelle Kraft, die jedem Lebewesen innewohnt. Zum Teil gipfelt dieser Glaube auch an die Existenz von Hexen und Magier, wie die noch heute populären Geschichten um die Insel Siquijor in den Visayas zeigen.
Die erste wesentlich westliche Prägung erfuhren die Filipinos durch die spanische Kolonialisierung, als der philippinische Archipel insgesamt drei Jahrhunderte lang zuerst von Spanien und später von Mexiko aus regiert wurde. Aus dieser Zeitspanne resultiert ein bedeutender Anteil an spanischen und mexikanischen Einflüssen, die in die Bräuche und die Traditionen der philippinischen Völker eingegangen sind. Bis heute zeigen sich diese Elemente der hispanischen Kultur in der traditionellen philippinischen Folkloremusik, in den Volkstänzen, in den verschiedenen Sprachen, den Speisen, in der Kunst und nicht zuletzt in der Religion.
Von 1898 bis 1946 gehörten die Philippinen zum Territorium der Vereinigten Staaten. Der amerikanische Einfluss ist heutzutage in der Verwendung der englischen Sprache und in der modernen Popkultur wie etwa dem Fastfood, der Musik, dem Film und dem Basketball erkennbar.
Dennoch pflegen die muslimischen Filipinos bis in die Gegenwart ein eigenständig gebliebenes Brauchtum und leben nach wie vor gemäß ihren individuellen Traditionen. Diese Gruppen folgen hierbei einer philippinisch-islamischen Kultur, in der Agamat (Gesetz) und Maratabat (Persönliche Ehre) eine herausragende Rolle einnehmen. Dieser gehören einige weitere muslimische Kulturschöpfungen wie der Kali, der Kulintang und der Gamelan an, die vornehmlich von den islamischen Gruppen auf den südlichen Inseln von Mindanao und dem Sulu-Archipel verwendet werden, wo sie allgegenwärtig sind.
Lebensweise Etwa zwei Fünftel der philippinischen Bevölkerung wohnen in urbanisierten Gebieten, während die restlichen drei Fünftel der Menschen in ländlichen Regionen leben, obgleich eine stetig steigende Verlagerung vom Land in die Dörfer und Städte zu verzeichnen ist. Die Mehrheit der Menschen folgt zwar den alten Traditionen, bereichert diese jedoch durch neuzeitliche Lebensweisen und Modetrends.
Die philippinische Lebensweise ist von allen asiatischen Ländern der westlichen am ähnlichsten. Diese Verwestlichung hat dabei am stärksten die großen städtischen Zentren ergriffen, während auf dem Land die traditionellen Wege des Lebens dominant geblieben sind. Dieser Gegensatz ist heute ein wesentlicher Faktor für die wachsende Ungleichheit, die sich innerhalb der Lebensstile zwischen den ländlichen und städtischen Gebieten entwickelt hat. Die philippinische Gesellschaft ist durch scharfe Unterscheidungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zwischen Landbesitzern und Pächtern oder zwischen gut ausgebildeten und weniger gebildeten Menschen geprägt. Die wichtigste soziale Gruppe im Leben eines Filipinos ist seine Familie, die in der Regel aus dem Ehemann und seiner Frau, ihren Kindern und zumeist aus ein oder mehreren älteren Familienmitgliedern besteht, die oftmals zusammen unter einem Dach leben. Der Familienzusammenhalt wird innerhalb dieser meist patriarchalischen Gemeinschaft gestützt durch die Hilfe, den Respekt vor Älteren und die Unterstützung, die ein Familienmitglied jedem anderen zugutekommen lässt.
Sprachen
Auf den Philippinen gibt es insgesamt 171 verschiedene Sprachen und Dialekte, wobei nahezu alle Sprachgruppen den austronesischen Sprachen angehören.
Die offiziellen Amtssprachen sind gemäß der aktuell gültigen Verfassung von 1987 Filipino und Englisch. Die gebräuchlichsten Sprachen sind nach der Erhebung aus dem Jahr 2000Philippine Census, 2000. Table 11. Household Population by Ethnicity, Sex and Region: 2000 die hauptsächlich im Norden des Archipels verbreitete Sprache Tagalog mit 22 Millionen Sprechern und das in den zentralen Visayas und auf Mindanao dominierende Cebuano mit 20 Millionen Sprechern. Daneben werden 11 weitere Dialekte von mehr als einer Million Filipinos gesprochen, darunter Ilokano, Hiligaynon, Waray-Waray, Bikolano und Kapampangan. Die lange Zeit vorherrschende spanische Sprache wird heutzutage kaum mehr angewendet. Diese hat sich jedoch in vielen Lehnwörtern und Begriffen der verschiedenen Sprachen erhalten.
Die Sprache Chabacano ist indessen eine auf Spanisch basierende Kreolsprache, die sich nur auf den Philippinen entwickelt hat. Sie wird vorwiegend in Ternate und im erweiterten Stadtgebiet von Zamboanga City verwendet.
Indigene Völker mini|Eine Frau der Volksgruppe der Ati, einer von mehreren einheimischen ethnischen Gruppen des Archipels Die Urvölker der Philippinen bestehen aus einer großen Anzahl ethnischer Gruppen mit malayo-polynesischem Ursprung. Sie sind die Nachkommen der frühesten Bewohner der Philippinen, die sich auf den Inseln vor Tausenden von Jahren niedergelassen und sich bis heute ihre einheimischen Gebräuche und Traditionen bewahrt haben.
Im Jahre 1990 bildeten mehr als 100 Hochlandgruppen etwa drei Prozent der philippinischen Bevölkerung. Über die Jahrhunderte blieb die indigene Kultur dieser isolierten Hochlandvölker fast vollständig unbeeinflusst. Die Kunstgegenstände dieser Gruppen sind, in einem gewissen Sinne, der letzte Rest des ehemals blühenden einheimischen Brauchtums, der aus der Zeit vor den ersten islamischen und spanischen Kontakten auf den Philippinen erhalten geblieben ist.
Eine absolute Besonderheit im historischen Brauchtum der indigenen Bevölkerung findet sich in der Ibaloi-Kultur in der Provinz Benguet. Die Ibaloi-Kultur zeichnet sich nicht nur durch ihre farbenfrohen Trachten und rhythmischen Tänzen aus, sondern auch durch die vom 10. bis 16. Jahrhundert durchgeführte Mumifizierung ihrer Toten. Diese sind als Kabayan-Mumien bekannt geworden und stehen seit 2006 auf der Vorschlagsliste der Philippinen zur Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO.
Die indigenen Völker weisen ein hohes Maß an Kreativität auf, das in der Regel zur Verschönerung von Gebrauchsgegenständen, wie Schüsseln, Körben, Kleidungsstücken, Waffen und Löffeln genutzt wird. Technologisch gesehen sind diese indigenen Gruppen zwischen den hoch entwickelten Bontocs und den Ifugao einzuordnen, die vor Tausenden von Jahren für den Bau der Reisterrassen verantwortlich waren. Ebenso zu nennende indigene Stämme sind die Bukidnon und die Kalinga, die gleichfalls von westlichen und östlichen Einflüssen weitgehend isoliert geblieben sind. Unter ihnen ist im Hinblick auf Integration und kultureller Anpassung zu christlichen Filipinos jedoch ein breites Spektrum anzutreffen.
Religion Die Philippinen sind neben Osttimor eines der beiden mehrheitlich römisch-katholischen Nationen im asiatisch-pazifischen Raum. Etwa 90 Prozent der philippinischen Bevölkerung sind Christen. Daneben gehören auf dem Archipel ca. 5 Prozent dem muslimischen Glauben an und weitere 5 Prozent verteilen sich auf andere Religionszugehörigkeiten oder besitzen keine Religion.
Katholische Kirche mini|Die Fassade der Quiapo-Kirche. Eine der vier Basilika minor in Manila Mit einem Anteil von 81 % an der Gesamtbevölkerung gehört die absolute Mehrheit auf dem Inselstaat zur römisch-katholischen Konfession. Die christliche Religion wird dabei durch eine charakteristische spanisch-katholische Tradition bestimmt, die über Jahrhunderte durch die Priester und Mönche (Prayle auf Filipino) gelehrt wurde und nun tief in der einheimischen Kultur verankert ist. Dies zeigt sich insbesondere bei Veranstaltungen wie der Misa de Gallo (Mitternachtsmesse), der Black Nazarene Prozession und den Santo Niño und Aguinaldo Prozessionen, bei denen jeweils Massen von Menschen zusammenkommen, um ihre Schutzpatrone oder Heiligen anzubeten. Weiterhin werden lokale christliche Prozessionen und Fiestas zu den Ehrentagen des jeweiligen Schutzheiligen eines Barrios oder Barangays abgehalten. Römisch-katholisch kann daher de facto als die Staatsreligion der Philippinen angesehen werden.