mini|Schützenstraße 9 in Berlin-Mitte, Hauptsitz von J. A. Gilka mini|Leipziger Platz 11, Wohnhaus der Familie Gilka von 1863 bis 1887 mini|Gut Kartzow wurde unter Arthur Gilka 1912–1914 zum Schloss Kartzow umgebaut mini|Kaiser-Kümmel von J. A. Gilka J. A. Gilka ist ein traditionsreiches Berlinerisches Unternehmen, welches für seinen Kümmelbranntwein „Kaiser-Kümmel“ bekannt ist. Die Ursprünge des Unternehmens gehen ins 19. Jahrhundert zurück.

Geschichte Das Unternehmen wurde von Carl Joseph Aloys Gilka (1812–1873) in der Schützenstraße 9Familiengeschichten – Treffen der Familien Gilka, Bötzow und Gilka-Bötzow, Hrsg. Bezirksamt Pankow von Berlin, 9. April 2008. Pressemitteilung. in Berlin-Mitte gegründet.Eine Quelle nennt allerdings als Herkunftsort Lokstedt bei Altona: Rudolf Köster: Eigennamen im deutschen Wortschatz. de Gruyter, Berlin 2003, S. 57, ISBN 3-11-017702-1. Gilka stammte aus Mähren. Er hatte 1836 eine vorteilhafte Ehe geschlossen; die Mitgift seiner Frau, Auguste Henriette geb. Schmidt (1820–1890),Standesamt Berlin III, Sterberegister 1890, Urkunde Nr. 478. In: Ancestry.com. Berlin, Deutschland, Sterberegister, 1874–1955 [database on-line]. in einer Höhe von 15.000 Talern diente als Grundlage, um die Destillations-, Rum- und Spritfabrik zu gründen. Den Alkohol für die Getränkeherstellung produzierte er in einer Brennerei in Düppel.Brennerei in Düppel, vor 1988, Hrsg. Freie Universität Berlin 11. Februar 2011. Sein Unternehmen trug die Initialen seines zweiten und dritten Vornamens mit Familiennamen.

Das bekannteste Produkt von Gilka war der „Kaiser-Kümmel“, ein leicht gesüßter Kümmelbranntwein aus Kümmelöl, Zucker und Spiritus, der 38 % Alkohol enthält und seit 1836 hergestellt wurde.bottlestore.de. Spirituosenschnaps. Einigen Quellen zufolge wurde es bei Hofe in Berlin getrunken, mit Sicherheit aber beim Wiener Hofe.

Gilka erwarb 1845, gemeinsam mit seinem Vater Josef Johannes Gilka, das Rittergut Dahlewitz, das er 1855 wieder verkaufte.maerkische-landsitze.de. Abgerufen am 13. März 2024 Er war ab etwa 1860 Stadtverordneter. 1863 erwarb er das 1852 von Heinrich Strack errichtete Stadtpalais Leipziger Straße 1 (später Leipziger Platz 11, im Zweiten Weltkrieg zerstört), das seine Witwe noch bis 1887 bewohnte, und wurde um 1867 Kommerzienrat. Seine Grabstelle befindet sich auf dem Dreifaltigkeits-Friedhof II in Berlin-Kreuzberg.

Nach Gilkas Tod führten seine Söhne Theodor Gilka (1841–1907) und Hermann Gilka (1843–1898) die Firma weiter. Der älteste Sohn, Alfred Gilka (1840–1896), trat nicht in die Firmenführung ein. Er heiratete 1875 Luise Bötzow und begründete damit die Linie Gilka-Bötzow.Albrecht Bertram Christoph Gilka-Bötzow: Betrachtung instationärer zementöser Schaumstrukturen, Dissertation, Technische Universität Darmstadt, Darmstadt 2016.

Theodor Gilka wurde 1887 ebenfalls Kommerzienrat. Er wohnte in Berlin in der Tiergartenstraße 34a und besaß mehrere Landgüter, darunter ab 1885 auch das Rittergut Dessow, auf dem sich eine Brauerei und eine Brennerei befanden, die er unter der Firma „Schloßbrauerei Theodor Gilka“ weiterführte. Des WeiterenGüter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. Handbuch der Königlichen Behörden, in: Niekammer’s Güter-Adressbücher, Band VII, 1. Auflage, Selbstverlag Paul Niekammer (Friedrich Nagel), Stettin 1907, S. 82 f. erwarb Theodor das Rittergut Großziethen südlich von Berlin, im Landkreis Teltow.

Hermann Gilka wohnte in Berlin in der Schützenstraße 67, erwarb 1879 das Rittergut Saßleben und ließ es umbauen. 1887 wurde er Generalkonsul von Persien. Er war 1888 großer Förderer beim Bau für das Paul-Gerhardt-Stift in der Müllerstraße 56 in Berlin.

Theodor und Hermann Gilka wurde auf Grund der hohen Qualität ihrer Erzeugnisse zu k.u.k. Hoflieferanten ernannt.

Theodor Gilkas Söhne Albert Gilka (1870–1924) und Arthur Gilka (1875–1937) führten das erfolgreiche Unternehmen fort und behielten väterliche Gut Großziethen bis mindestens 1914, als Glinka’schen Erben.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. Handbuch der Königlichen Behörden, in: Niekammer’s Güter-Adressbücher, Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 140 f. Albert Gilka, der bereits nach dem Tod seines Onkels Hermann in die Geschäftsleitung eingetreten war, wurde Kommerzienrat und erbte das Rittergut Dessow. Arthur Gilka, der nach dem Tod seines Vaters Mitinhaber wurde, wurde ebenfalls Kommerzienrat. Er legte sich unter anderem 1898 ein Rittergut mit Brennerei in Kartzow zu und produzierte dort Alkohol aus Rüben und Kartoffeln für die Likörherstellung. Auf Arthur Gilka geht auch der Neubau des Gutshauses in Kartzow nach Plänen von Eugen Schmohl ab 1912 zurück. (PDF) Der Grundbesitz der Familie Gilka lag vor allem in der Mark Brandenburg und in der Lausitz, was sich nach dem Zweiten Weltkrieg als fatal erwies: Die Familie wurde 1954 enteignet und verlor all ihre Produktionsstätten.

Bis 1972 wurde das Geschäft noch von einem Familienmitglied in Hamburg weitergeführt, dann folgte der Verkauf an Underberg.Marin Majica: Reich mit Schnaps und Bier. Ein Treffen der Berliner Bürgerfamilien Bötzow, Gilka und Gilka-Bötzow. In: Berliner Zeitung, 14. April 2008 Unter der Bezeichnung J. A. Gilka KG wird heute in Essen-Kettwig der „Kaiser-Kümmel“ produziert.

Literatur Pariser Ausstellung 1867. Amtlicher Special-Catalog der Ausstellung Preussens und der Norddeutschen Staaten, 2. Auflage, G. Bernstein, Berlin 1867, S. 277. Centralcommission des deutschen Reiches für die Wiener Weltausstellung: Prospektus. Amtlicher Bericht über die Wiener Weltausstellung im Jahre 1873, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig Februar 1874, S. 273. Deutscher Catalog. German Catalogue. Deutsche Abtheilung. German Department. Official Catalogue. Welt-Ausstellung in Philadelphia 1876., Geheime Ober-Hofbuchdruckerei R. v. Decker, Berlin 1876, S. 118. Robert Habs, L. Rosner (Hrsg.): Appetit-Lexicon, 2. Auflage, Carl Gerold’s Sohn, Wien 1894, S. 296. Egen Wichmann, Franz Leitherer: Reiz und Hülle. Gestaltete Warenverpackungen des 19. und 20. Jahrhunderts, Verlag Birkhäuser, Basel 1987, S. 122, ISBN 3-7643-1827-9. 3. (Online)-Auflage, Springer, Basel 2014, S. 122, ISBN 978-3-0348-6585-2. Thomas Majhen: Die Barfibel – Das Handbuch der Getränke und Marken, epubli GmbH Verlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-7584-3711-3.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:K.u.k. Hoflieferant Kategorie:Spirituosenhersteller Kategorie:Essen und Trinken (Essen) Kategorie:Lebensmittelhersteller (Berlin) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Essen) J. A. Gilka Kategorie:Lebensmittelhersteller (Nordrhein-Westfalen)