Heitersheim (alemannisch Heitersche) ist eine Stadt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg. Seit dem 1. Oktober 2022 darf sie die Bezeichnung Malteserstadt Heitersheim führen.Bekanntmachungen des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen über die Genehmigung von sonstigen Bezeichnungen v. 1. September 2022 – Az.: IM2-2200-6/1, GABl. BW (2022), S. 819. Digitalisat
Geografie mini|Blick nach Osten Richtung Schwarzwald Geografische Lage Heitersheim liegt im Tal des südlichen Oberrheins, eingebettet zwischen der Rheinebene im Westen und dem Hügelland, welches weiter östlich in den Schwarzwald übergeht. Ein markanter Berg rund 15 km östlich der Stadt ist der im Schwarzwald gelegene 1414 m hohe Belchen. Heitersheim liegt im Übergang vom Breisgau im Norden, und dem Markgräflerland im Süden. Nach Basel im Süden sind es rund 40 Kilometer, nach Freiburg im Norden 25 Kilometer.
Geologie Heitersheim liegt auf einem fruchtbaren Schwemmlößgebiet, das je weiter man nach Westen zum Rhein kommt in kieshaltige Erde und Flusskies übergeht. Nach Osten hin sind die Hügel lösshaltig, wobei der Sand- und Steingehalt des Bodens zum Schwarzwald hin zunimmt. Dies ist eine Kulturlandschaft mit hauptsächlichem Anbau von Mais, Getreide und Reben.
Der Sulzbach fließt durch Heitersheim, er entspringt östlich von Bad Sulzburg im Schwarzwald und fließt in Richtung Rhein, wo er zusammen mit dem Ehebach und dem Eschbach in den Schottern der Niederterrasse bzw. in der Rheinaue versickert.
Nachbargemeinden Südlich von Heitersheim liegen Betberg und Seefelden, beides Ortsteile von Buggingen, westlich befindet sich Grißheim, ein Stadtteil von Neuenburg am Rhein, nördlich liegen Eschbach und Schmidhofen, ein Ortsteil von Bad Krozingen, und östlich befinden sich Wettelbrunn, ein Stadtteil von Staufen im Breisgau, sowie die Gemeinde Ballrechten-Dottingen.
Stadtgliederung Die Stadt Heitersheim besteht aus den Stadtteilen Heitersheim und Gallenweiler, die räumlich identisch sind mit den gleichnamigen Gemeinden vor der Gebietsreform der 1970er Jahre (die nordöstlich von Heitersheim gelegene Gemeinde wurde am 1. Dezember 1971 eingemeindet).
Die beiden Stadtteile bilden zugleich die beiden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung Wohnbezirk Heitersheim und Wohnbezirk Gallenweiler. Zu den Stadtteilen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer; im Stadtteil Gallenweiler liegt die abgegangene Ortschaft Muttikofen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 94–96
Das Stadtgebiet schließt eine Exklave mit Wald am Rhein, nördlich der Gemarkung Neuenburg-Grißheim und westlich vom Flugplatz Eschbach/Bremgarten mit ein. Der Stadtteil Heitersheim hat eine Fläche von 9,65 km², die gesamte Stadt mit Gallenweiler und mit dem dazugehörenden Hochwald in der Gemarkung Sulzburg eine von 11,78 km².
Heitersheim ist in eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft mit Eschbach und Ballrechten-Dottingen eingebunden.
Klima
Geschichte Kelten und Römer Das Gebiet wurde durch verschiedene Stämme der Kelten besiedelt. Bald nach dem Jahr 70 n. Chr. eroberten es die Römer. Es wurde unter Kaiser Vespasian kultiviert, die hier lebenden Kelten assimilierten sich, hinzu kamen Einwanderer aus Gallien und Italien. Die Römer errichteten auf den Hügeln Siedlungen und Gehöfte. Die Überreste einer Villa Urbana sind östlich des Malteserschlosses zu sehen; derartige Gebäude dienten Angehörigen der Reichselite als Wohnsitz. Die Ruine bei Heitersheim ist die einzige bekannte römische Villa Urbana östlich des Rheins.
Das Gebiet am Oberrhein wurde von Soldaten, Offizieren, Beamten, Händlern, Gutsherren und Veteranen besiedelt. Die Veteranen erhielten für ihre Dienste eine hohe Entlassungszahlung, nicht wenige kauften sich davon ein Landgut (Villa Rustica) unweit ihrer einstigen Garnison. Für die Besiedelung des Gebiets wählte man bevorzugt die Hügel aus, die einen Überblick über das Oberrheintal und somit eine strategisch günstige Lage boten. Ein weiterer Aspekt war das Klima, das für Landwirtschaft und Gesundheit günstig war. Das Oberrheintal war damals ein ausgedehnter Auwald mit unzähligen Seen und Tümpeln mit abgestandenem Wasser. Diese wurden nur beim Hochwasser des Rheins mit neuem Wasser gespeist und rochen entsprechend. Sie waren zudem voller Stechmücken. Das Klima war im Sommer schwülwarm. Die Römer umgaben sich in besetzten Gebieten gerne mit ihrer von zu Hause gewohnten Kultur und gestalteten ihre Siedlungen in den Provinzen wie italische Landstädte. Reste römischer Bauten sind noch heute in diesem Gebiet zu besichtigen, z. B. die besagte Villa Urbana oder die römischen Badruinen im nahegelegenen Badenweiler.
Alamannen und Franken Das Gebiet um Heitersheim war ein Teil des rechtsrheinischen römischen Agri decumates. Dieses Gebiet gehörte zur Provinz Obergermanien und war durch den Rhein, die Donau und den nordöstlich gelegenen Limes begrenzt, den die Römer um 100 errichtet hatten. Im 3. Jahrhundert kam es vermehrt zu Plünderungszügen, wahrscheinlich durch Alamannen. Die Römer gaben die direkte Herrschaft über die Agri decumates schließlich auf (siehe Limesfall) und zogen sich ab 260 hinter den Rhein zurück. Dort errichteten sie den Donau-Iller-Rhein-Limes.
Die Zivilbevölkerung vermischte sich mit alamannischen Neuankömmlingen, die römische materielle Kultur wurde aufgegeben. Holz- und Fachwerkhäuser traten an die Stelle der bisherigen Mauerarchitektur. Die römischen Gebäude wurden meist abgerissen und als Steinbruch verwendet. Bald aber bauten Alamannen sogenannte Höhenburgen, um das Gebiet zu überwachen. Sie errichteten Gutshöfe und eine Verwaltung nach römischem Vorbild.
Die Alamannen unternahmen seit der Mitte des 4. Jahrhunderts öfters Raubzüge vom ehemaligen Zehntland aus ins benachbarte römische Gallien. Sie wurden aber dabei von römischen Heeren abgewehrt, sofern diese nicht durch Bürgerkriege abgelenkt waren. Erst nach 460 gelang es den Alamannen von hier aus über den Rhein zu expandieren. Sie eroberten Teile der römischen Provinz Gallien.
Es folgten Konflikte mit den Franken, welche nach Süden expandierten. Die Alamannen führten mit den Franken von 496 bis 507 Krieg. Die Franken errangen den entscheidenden Sieg bei Zülpich unter ihrem König Chlodwig I. Das alamannische Gebiet kam an das Frankenreich der Merowinger. Das Gebiet des späteren Markgräflerlandes und des Breisgaus wurden Besitz fränkischer Adliger.
1996 wurde im Neubaugebiet Am Eschbacher Pfad ein großes Gräberfeld aus dem 6. bis 7. Jahrhundert n. Chr. entdeckt. Es ist der früheste Nachweis einer Siedlung in Heitersheim. Neben Waffen- und Schmuckbeigaben bei zahlreichen Bestattungen fand sich in einem Grab eine kleine römische Amor-Statuette aus Bronze, welche Alamannen wohl aus einem der zerstörten römischen Gutshöfe oder aus der Villa Urbana mitgenommen hatten.
Wohl um ihr Seelenheil besorgte Fränkische Adlige beschenkten um 775 verschiedene Klöster mit Grundbesitz aus diesem Gebiet. Im Lorscher Codex ist im Jahr 777 eine Schenkung von Gütern in der Heitersheimer Gemarkung an das Kloster Lorsch urkundlich erwähnt, bis 846 sieben weitere Schenkungen.Ortsliste zum Lorscher Codex, Heitersheim, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg. Aus dem ursprünglichen Dinghof entwickelte sich das Dorf Heitersheim, das später an das Kloster Murbach im Elsass überging. Zum Hof gehörte auch die dem hl. Leodegar geweihte Pfarrkirche. Zwischen 900 und 955 fielen die Ungarn in das Gebiet ein, es kam zu Verwüstungen und Plünderungen. Anschließend verwalteten vom Kaiser eingesetzte Gaugrafen die Territorien. In dieser Zeit kamen hier mächtige Adelsfamilien zu großen Besitztümern. Diese vergrößerten, vererbten oder verloren ihre Gebiete im Laufe der Zeit.
Kaiser Otto I. konfiszierte 962 die Territorien des abtrünnigen Gaugrafen Guntram aus dem Breisgau und übertrug sie dem Welfen Bischof Konrad aus Konstanz. Der setzte für seine Güter einen Lehens-Meier ein, der sie als Vogt verwaltete.
Zähringer und die Herren von Staufen Im 11. Jahrhundert eroberten die aus dem nördlichen Schwaben stammenden Herzöge von Zähringen viele Gebiete. Sie kamen unter anderem auch in den Besitz des heutigen Markgräflerlandes und des Breisgaus. Der bekannteste unter ihnen war der von 1078 bis 1111 regierende Berthold II. von Zähringen. Während des Investiturstreits zwischen 1075 und 1122 standen die Zähringer auf der siegreichen päpstlichen Seite. Sie konnten daher viele klösterliche und weltliche Besitztümer der unterlegenen kaiserlichen Partei an sich bringen. 1122 wurde das Gebiet der Zähringer südlich von Freiburg durch die Herren von Staufen (nicht mit den Hohenstaufern verwandt) verwaltet. Somit wurde auch Heitersheim von den Herren von Staufen und ihren Ministerialen, den Herren von Heitersheim verwaltet. Die Herren von Staufen hatten eigene Besitzungen, unter anderem die Burg bei Staufen im Breisgau und sie erhielten später von den Zähringern noch einiges dazu. Nach dem Tod von Bertold V. im Jahre 1218 erlosch die männliche Linie der Zähringer. Ihre Gebiete kamen an die Grafen von Freiburg, welche Nachkommen des Grafen Egino (I., V.) von Urach († 1236/1237) und seines Sohnes Konrad I. waren.
Johanniter
Marschall Gottfried von Staufen übergab im Jahre 1272 seinen Hof und seine Kirche in Heitersheim an die Johanniter. Deren Kommende war in Freiburg. Der Johanniterorden erwarb danach das gesamte Heitersheimer Gebiet, genügend Besitz und Macht, um Einfluss auf die regionalen Herrschaften auszuüben. Der aufstrebende Orden erwarb auch 1276 vom hiesigen Markgraf Heinrich von Hachberg umfangreiche Vollmachten. Der Johanniterorden hatte somit eine selbständige Justiz, ein eigenes Rechtswesen und eine eigene Verwaltung. Damit war der Orden in Heitersheim und seinen Gebieten eine Art Staat im Staate. Um 1297 erwarb der Orden die Ortschaft Gündlingen bei Breisach und deren Gemarkung. Im Jahr 1313 kam der Ort Bremgarten dazu, ein heutiger Ortsteil von Hartheim am Rhein. Zwei Jahre später folgte Grißheim, heute zur Stadt Neuenburg am Rhein gehörig. Seit 1346 hatte Heitersheim ein eigenes von ihm verwaltetes Siechenhaus.
Die Verwaltung des Johanniterordens in Freiburg wurde nach 1350 weiter reduziert. In den folgenden Jahren wurde der Orden ganz nach Heitersheim umgesiedelt, welches damit zur Kommende wurde. Um 1371 wurde Schlatt, ein heutiger Ortsteil von Bad Krozingen, erworben. Ein weiterer Schritt zur Machtentfaltung der Johanniter fand 1428 statt. Das Grosspriorat des Johanniterordens von Deutschland wurde nach Heitersheim verlegt. Der Großprior in Heitersheim war nunmehr Verwalter aller Johanniterhäuser; Besitzungen und Kommenden von Norditalien bis nach Schweden und vom Burgund bis nach Ungarn. Der Orden erhielt 1466 vom Kaiser das Marktrecht für den Ort auf St. Bartholomäus. Damit durfte die „Chilbi“ jedes Jahr am Montag nach dem 24. August abgehalten werden. Ein weiteres Marktrecht kam 1481 dazu. Der Klausmarkt ist jedes Jahr am 1. Montag im Dezember abzuhalten. Beide Märkte werden noch heute abgehalten. Im Jahr 1504 kamen die jetzigen Freiburger Stadtteile St. Georgen, Uffhausen und Wendlingen dazu. Von 1500 bis 1600 wurde der ehemalige Fron- und Salhof des Klosters Murbach zum repräsentativen Wasserschloss ausgebaut (s. u.).
Malteser und Fürstentum mini|hochkant|Flagge des Fürstentums Heitersheim bis 1806