Eine Kinderbrille ist ein optisches Hilfsmittel zur Korrektur von Brechungs- und Stellungsfehlern der Augen bei Säuglingen, Klein- und Schulkindern sowie Jugendlichen. Sie muss ganz eigenen Anforderungen an Material, Verarbeitung, Größe, Tragekomfort und vor allem Akzeptanz gerecht werden. Kinderbrillen unterscheiden sich deshalb in vielerlei Hinsicht von denen Erwachsener. Laut Aussage des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) und der Deutschen ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) benötigen etwa 20 % aller Kinder eine Brille. Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Andere Quellen sprechen von über 30 %. Universitäts-Augenklinik Giessen.

Verordnungskriterien Die Verordnung einer Brille im Säuglings- oder Kindesalter hat fast immer einen medizinisch-therapeutischen Hintergrund. Fehlsichtigkeiten, wie Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit oder Stabsichtigkeit, können die normale Entwicklung des Sehens in frühster Kindheit beeinträchtigen und müssen rechtzeitig mit einer entsprechenden Brille korrigiert werden Kuratorium Gutes Sehen.. Ansonsten droht eine irreversible Schwachsichtigkeit (Amblyopie), die später auch mit einer optimalen Brillen- oder Kontaktlinsenkorrektur nicht mehr zu heilen ist.Herbert Kaufmann (Hrsg.): Strabismus. 3., grundlegend überarbeitete und erweiterte Auflage. Georg Thieme, Stuttgart u. a. 2004, ISBN 3-13-129723-9.und Risiken im Kindesalter. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). mini|300px|Gut sitzende Kinderbrille aus Vollkunststoff

Ein weiteres Kriterium für die umgehende Versorgung mit einer Brille ist eine drohende oder bereits vorhandene Schielerkrankung. Hier ist die Gefahr einer Amblyopie wegen des Nichtgebrauchs des schielenden Auges (Supression) noch höher. Dieses Risiko besteht selbst bei voll entwickelter Sehschärfe noch bis zum Beginn der Pubertät. Zudem kann die Brille in manchen Fällen die Stellung der Augen und somit das beidäugige Sehen beeinflussen, weshalb eine möglichst frühzeitige Korrektur erforderlich ist. Hierfür besitzen Brillengläser in bestimmten Fällen eine so genannte prismatische Wirkung, die den Strahlengang des Lichts durch das Brillenglas verändert. Diese Eigenschaft kann erreicht werden, indem man ein Prisma direkt in ein Glas einarbeitet oder es mittels einer jederzeit entfernbaren Folie auf das Glas aufklebt.

Auch bei älteren Kindern und Jugendlichen, die nicht an einer Schielerkrankung leiden, kann eine Brillenkorrektur notwendig sein. Bei einer bestehenden Kurzsichtigkeit nimmt die Sehschärfe bei zunehmender Entfernung des gerade fixierten Gegenstandes ab. Bei einer Weitsichtigkeit ist häufig das Sehen in der Nähe unzureichend und es treten Beschwerden in Form von Kopfschmerzen, Müdigkeit, brennenden Augen und Konzentrationsmangel usw. auf. Man fasst diese Art der Beschwerden unter dem Begriff Asthenopie zusammen. Sie können unter anderem durch übermäßige so genannte Akkommodation ausgelöst werden. Dieser Mechanismus dient üblicherweise der Einstellung des Auges auf unterschiedliche Objektentfernungen, kann jedoch ebenso zur Kompensation einer bestehenden Weitsichtigkeit genutzt werden. Bei einer Stabsichtigkeit (auch: Hornhautverkrümmung) ist die Entfernung kaum von Relevanz, und die Sehschärfe ist in jeder Distanz reduziert. Außerdem ändern sich die optischen Verhältnisse der Augen mit dem Wachstum und der Entwicklung der Kinder. Es ist deshalb nicht ungewöhnlich, wenn ein Kind beispielsweise erst mit 10 oder 12 Jahren die erste Brille bekommt, auch wenn zuvor durch regelmäßige Kontrollen eine Fehlsichtigkeit stets ausgeschlossen werden konnte.

Eine Brille ist bei Kindern demnach unabhängig vom Alter erforderlich, wenn:

eine refraktionsbedingte (durch Fehlsichtigkeit verursachte) Verminderung der Sehschärfe in Ferne und/oder Nähe vorliegt, höhergradige Fehlsichtigkeiten bestehen, auch wenn sie nicht direkt zu einer Sehschärfenverschlechterung führen, asthenopische Beschwerden auftreten, die durch eine geeignete Korrektur reduziert oder gar beseitigt werden oder eine Schielerkrankung droht beziehungsweise bereits vorliegt. Bundesverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), Anhang: Empfehlung zur Optischen Korrektur von Refraktionsfehlern. Bundesverband der Augenärzte Deutschlands (BVA), Nichtparetisches Schielen.

Brillenglasbestimmung Kinderbrillen werden wie andere Brillen durch einen Augenoptiker angefertigt und ausgeliefert. Zuvor sind zur Ermittlung der Brechkraft und Gläserstärke bestimmte augenärztliche Untersuchungen (objektive und subjektive Refraktionsbestimmung) notwendig. Zumindest bei der erstmaligen Durchführung der objektiven Refraktionsmessung muss diese mit speziellen Augentropfen zur kurzfristigen Erweiterung der Pupille (Mydriasis) und Ausschaltung der Akkommodation (Zykloplegie) vorbereitet werden.Pamela F. Gallin: Pediatric Ophthalmology. 2000. Nur so können gerade bei Kindern die tatsächlichen Werte einer Fehlsichtigkeit (Ametropie) exakt bestimmt werden, da ansonsten der unwillkürlich einsetzende Akkommodationsimpuls die Messung in erheblichem Maße verfälschen könnte.

Gegebenenfalls ist noch eine weitere Untersuchung der subjektiven Refraktion notwendig, um die endgültigen Brillenwerte zu bestimmen. Sollte zudem eine Prismenverordnung notwendig sein, werden für die Ermittlung der Prismenstärke und Basislage weitere spezielle Untersuchungen durchgeführt. Alle ermittelten Werte werden in ein Brillenrezept eingetragen, das dem Augenoptiker zur Anfertigung der Gläser übergeben wird.

Eigenschaften Die Ausstattung und Qualität von Kinderbrillen ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Allgemein erfüllen sie jedoch die Grundanforderungen hinsichtlich der typischen Aktivitäten, Beschäftigungen und des erhöhten Bewegungsdranges in allen Belangen der Haltbarkeit, Funktionalität und Sicherheit. Sie sind ein Hilfsmittel, das gewisse Einschränkungen mit sich bringt. Zu Beginn werden sie als Fremdkörper empfunden und verkleinern in gewisser Weise das Gesichtsfeld. Eine schlecht sitzende oder drückende Brille wird nur selten toleriert und ungern getragen, da sie beim Spielen oder auch in anderen Situationen eher hinderlich ist. Eine optimale Kinderbrille wird deshalb die offensichtlichen Nachteile mit positiven Eigenschaften ausgleichen.

Gläser Datei:Kinderbrille 08.jpg Datei:Kinderbrille 09.jpg +3,00 dpt: zu schwer +3,00 dpt: gut Die Größe der Brillengläser wird in erster Linie durch die Brillenfassung vorgegeben. Durchmesser von etwa 23 bis 35 Millimetern sind bei Kindern ausreichend. Je kleiner bei der Fertigung die Rohlinge für die späteren Brillengläser gewählt werden, desto geringer fällt ihr Gewicht aus, und die gesamte Brille wird leichter. Ein hoher Prozentsatz der Gläser in Kinderbrillen wiegt weniger als 10 Gramm.

In der Regel bestehen Brillengläser aus Mineralglas. Durch die Wahl von Kunststoffgläsern (CR-39)Bernhard Lachenmayr, Annemarie Buser: Auge, Brille, Refraktion. Schober-Kurs: verstehen, lernen, anwenden. 4., überarbeitete Auflage. Thieme, Stuttgart u. a. 2006, ISBN 3-13-139554-0, S. 118, books.google.de wird das Gewicht nochmals reduziert. Kunststoff hat den Vorteil der Bruchsicherheit, verkratzt jedoch deutlich schneller als Glas. Dagegen helfen spezielle Lackhärtungen, die jedoch von den Krankenkassen nicht bezahlt werden.

Hochbrechende Gläser sind bei gleicher Stärke dünner als normale Standardgläser und erzielen bei höhergradigen Fehlsichtigkeiten einen kosmetisch positiveren Effekt beim seitlichen Blick auf die Brille. Aus medizinischer Sicht bieten sie jedoch keine Vorteile.

Tönungen reduzieren den Lichteinfall und können dadurch die Sehschärfe verschlechtern. Deshalb sind sie für Kinder nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Entspiegelungen verringern störende Lichtreflexe auf dem Brillenglas und sorgen so für ein angenehmeres Sehen, insbesondere unter künstlichen Beleuchtungsverhältnissen. Für Kinderbrillen ist eine einfache Entspiegelung ausreichend. Die Zusatzkosten hierfür müssen selbst getragen werden.

Fassung

An die Fassung einer Kinderbrille werden besondere Anforderungen an Material und Aussehen gestellt. Eine optimale Kinderbrille ist leicht und flexibel, dabei aber auch sehr stabil und haltbar. Sie sitzt gut und fest ohne zu drücken und erfüllt die Ansprüche des Kindes hinsichtlich ihres Designs und ihrer Form.

Das Material der Fassung ist ein wichtiges Kriterium für Verträglichkeit und Haltbarkeit. Üblicherweise werden unterschiedliche Metalllegierungen oder Kunststoffe verwendet, die den hohen Anforderungen gerecht werden. Kommt es beim Tragen zu allergischen Reaktionen oder sind bereits vorher Allergien gegen bestimmte Substanzen bekannt, muss dem durch eine entsprechende Materialwahl oder spezielle Beschichtungen entgegengewirkt werden. Hier bieten die Hersteller eine Reihe von Lösungen. Besonders flexible und haltbare Fassungen, die fast nach Belieben problemlos verbogen werden können und durch die Materialeigenschaften wieder selbstständig in ihre ursprüngliche Form zurückfedern, werden aus einer Kombination aus Titan und Stahl hergestellt.

Die Größe der Fassung richtet sich nach der Gesichtsgröße, der Größe der Augenhöhle (Orbita) und dem bestehenden Augenabstand. Die äußeren Begrenzungen sollten nach oben hin unter den Augenbrauen enden und diese noch sichtbar lassen, was wichtig für den mimischen Gesichtsausdruck ist. Nach unten befinden sie sich im Grenzbereich zwischen Lid- und Wangenhaut, ohne auf den Wangenknochen aufzuliegen. Zur Seite reichen sie maximal bis zum Rand der Schläfen. Je kleiner die Fassung gewählt wird, umso geringer sind die damit verbundenen Einschränkungen. Besonders das Auftreten von Gesichtsfeldeinschränkungen bei höheren Kurz- und Weitsichtigkeiten kann durch eine kleinere Fassung und nah an den Augen liegenden Gläsern auf ein Minimum reduziert werden. Sie muss jedoch groß genug sein, um ggf. ein Darüberschauen bei Aufblick zu verhindern.

Die Fassung wird unter Einhaltung strenger Zentriervorschriften (RAL-RG 915)Gütebestimmungen im Augenoptikerhandwerk. Beuth-Verlag (DIN), Ausgabe 1961-12 exakt gearbeitet, damit die Glasmitte und somit die Lage des optischen Mittelpunkts der Brillengläser genau dem Pupillenmittelpunkt entspricht. Der Mittenabstand (MA) der Fassung muss dabei genau dem Abstand der Augen (Pupillardistanz=PD) voneinander entsprechen (MA=PD).

Bügel gerahmt|links|Sitz von Brillenbügeln Brillenbügel müssen lang genug sein, um keine Druckstellen hervorzurufen, dabei jedoch einen festen Sitz gewährleisten. Um einem ausgeprägteren Bewegungsdrang gerecht zu werden, werden für Kinderbrillen oft spezielle Bügel angeboten, die hinter dem Ohr bis fast zum Ohrläppchen reichen und mit einem elastischen Anteil für einen sicheren Halt sorgen. Sie werden Gespinst-, Imperial-, Glieder- oder Sportbügel genannt und finden sich nicht selten an den Sportbrillenfassungen Erwachsener. Gegen mögliche Druckstellen oder allergische Reaktion hilft oft ein Kunststoffüberzug an dem flexiblen Teil, der hinter dem Ohr verläuft.

Eine weitere Variante, die einen festen Sitz gewährleistet, ist ein elastisches Gummiband, das an zwei geraden, nicht gebogenen, Bügeln befestigt ist und hinter dem Kopf entlangführt.

Die Bügel sind im Allgemeinen mit kleinen Scharnieren an der Fassung befestigt. Das sich hier bietende Potential an Verletzungsgefahr können Kunststoffkappen reduzieren, die über die Scharniere gezogen werden. Zudem ist es möglich, die ab einer Öffnungsweite von etwa 90 Grad meistens steifen Bügel mit Federscharnieren auszustatten, die eine Bewegung über den rechten Winkel hinaus möglich machen und so für mehr Haltbarkeit und Flexibilität sorgen.

Für Säuglinge und Kleinkinder gibt es Vollkunststofffassungen, die mit Bügeln ohne Scharniere ausgestattet sind und durch ein Gummiband gehalten werden. Es ist dabei möglich, die Brille in ein Häubchen einzuarbeiten, damit sie das Kind nicht herunterreißen kann.

Nasensteg