mini|hochkant|Christoph Blocher (2007)

Christoph Wolfram BlocherFredy Gsteiger: Blocher – ein unschweizerisches Phänomen. Opinio, Basel 2002, ISBN 3-03999-015-2, S. 13. (* 11. Oktober 1940 in Schaffhausen; heimatberechtigt in Meilen, Zürich und Schattenhalb Abgerufen am 9. Juni 2026.) ist ein Schweizer Unternehmer, Financier und Politiker (SVP). Von 2004 bis 2007 war er Mitglied des Bundesrats. Von 1979 bis 2003 und erneut von 2011 bis 2014 gehörte er dem Nationalrat an. Von 1977 bis 2003 war er Präsident der SVP des Kantons Zürich.

Familie Christoph Blocher wuchs als siebtes von elf Kindern der Pfarrfamilie Wolfram (* 1897; † 1972)Wolfram Blocher in der Elitendatenbank der EPFL / Universität Lausanne, abgerufen am 8. April 2021. und Ida Blocher-Baur (* 1908; † 1994)Todesanzeige NZZ, 15. April 1994. in Laufen ZH auf. 1967 heiratete er die damals als Primarlehrerin tätige Silvia Kaiser (* 1945). Christoph und Silvia Blocher wohnen in Herrliberg sowie auf Schloss Rhäzüns und haben drei Töchter – Magdalena, Miriam und Rahel – und einen Sohn, Markus. Mit einem geschätzten Vermögen von 15–16 Milliarden Schweizer Franken gehört die Familie Blocher nach wie vor zu den 300 Reichsten in der Schweiz und Liechtenstein und nahm 2020 den 5. Platz ein. Somit ist die Familie Blocher die reichste Familie im Kanton Zürich (Stand 2020).

Blochers Ururgrossvater Johann Georg Blocher (1811–1899) war als Armenlehrer aus dem grenznahen Ort Beuggen in Baden eingewandert und 1861 im Kanton Bern eingebürgert worden.Wie Christoph Blocher eine Heimat bekam Tages-Anzeiger, 13. Dezember 2014. Ein Grossonkel, Eugen Blocher, war ebenfalls in der Politik aktiv; er gehörte der Basler SP an. Blochers Vater und zwei seiner Geschwister waren in der Seelsorge tätig. Der Vater war von 1933 bis 1959 Dorfpfarrer in Laufen ZH und wurde dann abgewählt. Sein Grossvater war der evangelische Geistliche Eduard Blocher.

Blochers Bruder Gerhard Blocher (1934–2016Richard Clavadetscher: Todesfall: Der "bekannteste Politikerbruder der Schweiz" ist tot. In: Aargauer Zeitung, 28. Dezember 2016.) amtierte bis zur Pensionierung als Pfarrer in Hallau (Kanton Schaffhausen). Mit seinen harschen Äusserungen (u. a. im Schweizer Fernsehen) zu den politischen Gegnern seines Bruders sorgte er wiederholt für Aufsehen. Sein Bruder Andreas Blocher (1943–2025Christof Vuille: SVP-Doyen Christoph Blocher trauert um seinen Bruder Andreas (82). In: 20 Minuten, 7. November 2025.) war Historiker und Gymnasiallehrer; er hat einen Essay über seinen Bruder Christoph veröffentlicht. Blochers älteste Schwester Judith Giovannelli-Blocher war Sozialarbeiterin und Buchautorin und lebte bis zu ihrem Tod in Biel. In ihrem autobiographischen Roman Das gefrorene Meer beschrieb sie die gemeinsame Kindheit im Pfarrhaus von Laufen ZH. Seine Schwester Sophie Blocher war Krankenschwester, Hebamme, Schulleiterin, Mitglied und später Präsidentin der Basler Mission sowie Pfarrerin in Muttenz; ausserdem baute sie ein Heim für Obdachlose aufSophie Blocher Haus und pflegte ihre Mutter in deren letzten Lebensjahren. Seine jüngste Schwester Brigitte Blocher verunfallte im April 2020 beim Wandern tödlich.

Ausbildung und Beruf Nach dem Besuch der Primar- und Sekundarschule in Uhwiesen absolvierte Christoph Blocher von 1956 bis 1958 eine landwirtschaftliche Lehre in Ossingen,René Donzé: Bei ihnen lernte Blocher chrampfen und sparen. Tages-Anzeiger, 24. November 2011. die er mit der Abschlussprüfung am Strickhof Zürich beendete. Anschliessend besuchte er 1958/59 die landwirtschaftliche Winterschule und machte drei Praktika in Buch am Irchel, Pampigny und Knonau. Ab 1961 bereitete er sich auf die Eidgenössische Matura vor. Er absolvierte 1963 die Prüfungen zur Matura Typus C und 1964 eine Zusatzprüfung in Latein. Von 1964 bis 1969 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Zürich. 1969 schloss er diese mit dem Lizenziat ab, 1971 folgte seine Promotion an der Universität Zürich mit Studienaufenthalten an den Universitäten Montpellier und Sorbonne.Ganzer Abschnitt gemäss Christoph Blochers persönlicher Website: Christoph Blocher: Die Funktion der Landwirtschaftszone und ihre Vereinbarkeit mit der schweizerischen Eigentumsgarantie. Dissertation. Schulthess, Zürich 1972.

1969 trat Blocher in die Rechtsabteilung der Ems-Chemie AG ein (vormals Emser Werke), wo er 1973 zum Direktionsvorsitzenden aufstieg. 1979 starb der Firmeninhaber Werner Oswald. Das Unternehmen war schon zuvor wegen verzögerter SortimentsanpassungenKarl Lüönd: Erfolg als Auftrag : Ems-Chemie: Die Geschichte eines unmöglichen Unternehmens. Stämpfli, Bern 2011, ISBN 978-3-7272-1311-3, S. 41.Markus Somm: Christoph Blocher. Der konservative Revolutionär. Appenzeller Verlag, Herisau 2009, ISBN 978-3-85882-482-0, S. 184. und der schlechten KonjunkturKarl Lüönd: Erfolg als Auftrag : Ems-Chemie: Die Geschichte eines unmöglichen Unternehmens. Stämpfli, Bern 2011, ISBN 978-3-7272-1311-3, S. 42/45/46. in Schwierigkeiten geraten, worauf 1981/82 die Dividende gestrichen wurde.Karl Lüönd: Erfolg als Auftrag : Ems-Chemie: Die Geschichte eines unmöglichen Unternehmens. Stämpfli, Bern 2011, ISBN 978-3-7272-1311-3, S. 46.Wolf Mettler: Liebi Fraue und Manne… Christoph Blocher – ein Lebensbild. Meier, Schaffhausen 1995, ISBN 3-85801-137-1, S. 47. Dies bewog die Erben zum Verkauf.Fredy Gsteiger: Blocher – ein unschweizerisches Phänomen. Opinio, Basel 2002, ISBN 3-03999-015-2, S. 36.Karl Lüönd: Erfolg als Auftrag : Ems-Chemie: Die Geschichte eines unmöglichen Unternehmens. Stämpfli, Bern 2011, ISBN 978-3-7272-1311-3, S. 48. Der von zwei Söhnen Oswalds mit dem Verkauf beauftragte Blocher kaufte das Unternehmen schliesslich selbst, nachdem er nach eigener Aussage keinen Käufer hatte finden können, der es ohne massiven Stellenabbau weitergeführt hätte. Danach erholte sich die Firma rasch.Fredy Gsteiger: Blocher – ein unschweizerisches Phänomen. Opinio, Basel 2002, ISBN 3-03999-015-2, S. 43. Dies und der vorteilhafte Preis, der nur rund einem Viertel des Substanzwertes des Unternehmens entsprach, sowie die Geheimhaltung der wahren Identität des Käufers vor den übrigen Mitgliedern der Erbenfamilie führten zum Verdacht, Blocher habe sich des Unternehmens dank seiner Vertrauensstellung insgeheim und preiswert bemächtigt.Fredy Gsteiger: Blocher – ein unschweizerisches Phänomen. Opinio, Basel 2002, ISBN 3-03999-015-2, S. 41–42. Christoph Oswald, Sohn des Firmengründers und Sprecher der Familie, zur Zeit des Verkaufs Generalsekretär der Ems-Gruppe und VR-Präsident der Oswald Holding AG, die die Aktien der Gruppe hielt, rechtfertigte die Geheimhaltung von Blocher als Käufer damit, dass die Übernahme einer Mehrheit der Stimmrechte nicht gefährdet werden sollte.Markus Somm: Christoph Blocher. Der konservative Revolutionär. Appenzeller Verlag, Herisau 2009, ISBN 978-3-85882-482-0, S. 187. Der von Blocher bezahlte Verkaufspreis sei der damals höchste mögliche Erlös bei gleichzeitiger Erhaltung der Arbeitsplätze und Blocher damit für die Familie «der liebste Käufer» gewesen.Fredy Gsteiger: Blocher – ein unschweizerisches Phänomen. Opinio, Basel 2002, ISBN 3-03999-015-2, S. 36.Christoph Schilling: Blocher : Aufstieg und Mission eines Schweizer Politikers und Unternehmers. Limmat Verlag, Zürich 1994, ISBN 3-85791-226-X, S. 72.

Blocher gelangte zu einem Privatvermögen von schätzungsweise zwei bis drei Milliarden Schweizer Franken, wobei vermutet wird, dass der überwiegende Teil dieser Einkünfte nicht aus Gewinnen der Ems-Chemie, sondern aus Finanzgeschäften mit Martin Ebner, namentlich aus der Übernahme und Zerschlagung der Alusuisse, stamme.Hans-Peter Bärtschi: Die industrielle Schweiz – vom 18. ins 21. Jahrhundert. Aufgebaut und ausverkauft, Baden 2011. Allein für sein VR-Präsidium in Ebners Pharma Vision (die ein riesiges Depot an Roche-Aktien hielt) bezog er in den Jahren 1991–1996 ein Salär von total 67 Mio. Franken (mehr als 1 Million pro Sitzung). Solche Bonuszahlungen waren zuvor in der Schweiz nicht üblich.Vom Bauernsohn zum Milliardär. ORFConstantin Seibt: Christoph Blocher – der Profi. Tages-Anzeiger, 26. Dezember 2011. Damit zählte Blocher zu den reichsten Schweizern.

Nach seiner Wahl in den Bundesrat Ende 2003 kappte Blocher alle formellen Bindungen zum Unternehmen. Die Firmenleitung übernahm seine älteste Tochter Magdalena Martullo-Blocher.Der Sachverhalt ist so auf der offiziellen Website der Ems-Gruppe:. zu lesen. Die Aktienmehrheit übergab Blocher seinen Kindern, zum Teil als Schenkung und zum Teil durch Verkauf.Sergio Aiolfi (ai.): Blocher trennt sich vollumfänglich von Ems. NZZ, 31. Dezember 2003. 2008 gründete er die Firma Robinvest AG, die gemäss Handelsregistereintrag «Beratung, Erbringen von Dienstleistungen im Bereiche Unternehmensführung und Durchführung von Finanzgeschäften» bezweckt.Robinvest AG auf moneyhouse.ch.

Politik mini|Christoph Blocher am Eidgenössischen Trachtenfest 2010

Politische Karriere Als Student war Blocher Mitgründer der bürgerlichen Studentengruppe Studenten-Ring an der Universität Zürich. Weiter war er während seiner Studienzeit Präsident der juristischen Fachschaft und Mitglied des Grossen Studentenrates. 1972 trat er der Schweizerischen Volkspartei (SVP) bei. Von 1974 bis 1978 war er Mitglied des Gemeinderates von Meilen, und von 1975 bis 1980 gehörte er dem Zürcher Kantonsrat an.

Von 1977 bis 2003 war Blocher Präsident der SVP des Kantons Zürich und von 1979 bis 2003 Mitglied des Nationalrates. Blocher war 1986 Mitgründer der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (AUNS), die aus dem Aktionskomitee gegen den UNO-Beitritt hervorgegangen war, und stand ihr bis 2003 als Präsident vor.

1982 gründete Blocher die Arbeitsgruppe südliches Afrika (ASA), der er bis 1990 als Präsident vorstand. Die ASA sah in Südafrika einen wirtschaftlich und geopolitisch wichtigen Aussenposten des Westens und wollte Einfluss nehmen auf die Berichterstattung von schweizerischen Medien. Dabei unterstützte sie die Sicht der herrschenden weissen Minderheit und rechtfertigte teilweise die Apartheid.Roger Pfister: Die Schweiz und Südafrika während der Apartheid. Kontroverse und «Agenda-Setting» nach 1998. ETH Zürich, Zürich 2000, ISBN 3-905648-30-X, doi:10.3929/ethz-a-004046723, S. 6 f. Wie aus den Unterlagen des militärischen Nachrichtendienstes Südafrikas hervorgeht, die von Historiker Peter Hug aufgearbeitet wurden, mass dieser dem Kontakt zu Blocher und der ASA hohe Bedeutung zu. Blochers Ems-Patvag machte in den 1980er Jahren Geschäfte mit dem staatlichen südafrikanischen Rüstungskonzern Armscor und verkaufte ihm eine Lizenz zum Bau militärischer Zündsysteme.Blocher-Deal, Rundschau vom 10. Juli 2002.

1987 scheiterte Christoph Blocher als Ständeratskandidat für den Kanton Zürich an der Mitbewerberin Monika Weber vom Landesring der Unabhängigen.

Als Redner und Diskussionsteilnehmer sowie mit finanziellen Beiträgen trug er wesentlich zum Erfolg der SVP in Kantonen und im Bund bei. Blocher war die treibende Kraft bei der Neupositionierung der Partei. Er machte aus einer vorwiegend deutschschweizerischen, protestantischen und gewerblich-bäuerlichen Partei eine schweizweit aktive rechtsbürgerliche Kraft. Während die SVP bei den Nationalratswahlen 1975 als kleinste der vier Bundesratsparteien noch 9,9 Prozent der Stimmen machte, stieg sie 1999 mit einem Gewinn von 7,7 Prozent auf 22,6 Prozent zur Partei mit dem grössten Stimmenanteil auf und baute ihre Stellung 2003 (26,8 Prozent) und 2007 (29,0 Prozent) weiter stark aus.

Zu den Meilensteinen seiner Karriere als Nationalrat zählen:

1985: Ein rechtsbürgerliches Komitee um Blocher bekämpfte das neue Eherecht, das die Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe garantiert, unterlag aber am 22. September in einer Volksabstimmung. 1988: Unter Blochers Federführung wurde ein Kompromiss zur Aufgabe des geplanten AKW in Kaiseraugst beschlossen, das auf breiten Widerstand gestossen war.