Die Pflege Coburg, auch Pflege Koburg, Coburger Pflege oder Coburger Land, ist die historische Bezeichnung eines ostfränkischen Territoriums, das später im Wesentlichen den Fürstentümern Sachsen-Coburg und Sachsen-Hildburghausen entsprach. Es erstreckte sich über die heutigen Landkreise Coburg im Freistaat Bayern sowie Hildburghausen und Sonneberg im Freistaat Thüringen. Pflege als Bezeichnung für ein Amts- und Verwaltungsgebiet bezieht sich auf den Pfleger, der diesem Gebiet als Administrator und Richter vorstand. Der Begriff Coburger Land wird heute umgangssprachlich nur noch für den Landkreis mit der Stadt Coburg verwendet, auch wenn er historisch für die gesamte größere Region steht. In den hierbei nicht eingeschlossenen Teilregionen des heutigen Südthüringens haben sich teilweise eigene kleinräumige Bezeichnungen eingebürgert, die in etwa den historischen Amts- und Gerichtsbezirken oder auch Rittergütern (Schaumberger Land) entsprechen.
Geschichte Dieser Landstrich wurde mehrfach in weiblicher Erbfolge weitergegeben, so dass die dynastische Zugehörigkeit der Landesherren wiederholt auf friedlichem Wege wechselte. mini|links|hochkant=1.3|Das Fränkische Reich im Frühmittelalter mini|links|hochkant=1.3|Das Heilige Römische Reich um 1000 Vorgeschichte Nach dem Ende des Thüringerreiches 531 blieb die einstige Grenzregion zwischen den frühen Thüringern und den Franken östlich des Grabfeldes und nördlich des Volkfeld- und des Radenzgaues kaum bewohnt und dicht bewaldet. Durch sie verlief ein Abschnitt einer alten, möglicherweise prähistorischen, Heer- und HandelsstraßeZumindest der Passabschnitt über das Thüringer Schiefergebirge wurde Biel/Biehl, vermutlich von der keltischen Gottheit Belenus, genannt. Der Begriff ist stellenweise als Straßenname erhalten. Auch der Name „Bühl“ mehrerer Berge hat wohl diesen Bezug. Im unmittelbar angrenzenden östlichen Grabfeld befand sich das keltische Oppidum Steinsburg, eine Ringwallanlage auf dem Herrnberg nahe dem Rennsteig bei Siegmundsburg wurde der gleichen Epoche (Hallstatt-/Latènezeit) zugeordnet und dürfte einen Bezug zu dem von dort aus sichtbaren Oppidum haben., der bedeutendsten Nord-Süd-Verbindung von der Saale über die ansonsten mehr oder weniger unüberwindliche Kammlinie des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges zum Main. Als Reichsgut unterstand das Land nach der Reichsreform Karls des Großen keiner Gaugrafschaft.
Zwar gab es ab etwa 560 auch in diesem Gebiet eine slawische Einwanderung, doch konnten die mainwendischen und sorbischen Stämme hier bei Weitem nicht in dem Maße Fuß fassen wie nördlich des Rennsteigs und östlich der Saale. Einige Dörfer gehen auf slawische Gründungen zurück. Doch fehlen in den Städten dieser Region vollständig die für die mittelalterlichen Stadtgründungen des in Folge der Slawenfeldzüge Heinrich I. wiederbesiedelten Thüringens zwischen Saale und Unstrut typischen Wendenvorstädte und auch der slawische Einfluss auf die Sprache ist gering.
Im Raum Heldburg/Ummerstadt herrschten spätestens im 12. Jahrhundert die Herren von Wildberg, regionale Stammesadelige, deren Herrschaft als eine der 16 Untergaue im östlichen Grabfeld galt. Das Eisfelder Land um eine kleine Königspfalz war Reichsdomäne.
Sowohl hier als auch im östlich angrenzenden Reichsland zwischen dem oberen Maintal und dem Vorland des Thüringer Schiefergebirges begann eine ostfränkische Landnahme. Die Anfänge der mainfränkischen Kolonisation der Region liegen weitgehend im Dunkeln. Doch deuten alle späteren Quellen, etwa eine nach 1295 entstandene Abhandlung über die Stiftung des Klosters Banz 1071, darauf hin, dass dieses Land ab etwa 980 unter der Führung der Markgrafen von Schweinfurt systematisch besiedelt wurde.
Infolge der Vermählung von Gisela von Schweinfurt, Tochter des Markgrafen im Nordgau Otto III. und Erbin von Kulmbach und Plassenburg, mit Graf Arnold von Dießen († 1091) übernahmen die Grafen von Andechs und späteren Herzöge von Meranien mit den benachbarten Gaugrafschaften am Obermain auch das Reichsland und gliederten es als nordwestlichen Vorposten in ihr Herrschaftsgebiet in Franken ein.http://www.maproom.org/00/08/present.php?m=0026 Die Verwaltung des Landes im Dienst des Herzogtums Meranien oblag den Herren von Sonneberg, die auch die Schutzvogtei über die Güter der Kirche zu Coburg innehatten.Georg Brückner: Landeskunde des Herzogthums Meiningen. Band 2: Die Topographie des Landes, Verlag Brückner und Renner, Meiningen 1853, S. 442 f.
Die geistliche Gewalt in der Region, deren Edelfreie vor dieser Besiedlungswelle dem Stift Fulda zugeneigt waren, beanspruchte ab 1074 die Benediktinerabtei Saalfeld. Mönche aus dem Erzbistum Köln, aus den Abteien St. Michael auf dem Siegberg und St. Pantaleon in Köln, dessen Erzbischof Anno II. 1056 ehemaliges Reichsdomänenland um Saalfeld, im südlichen Orlagau und um den Berg Coburg, die Dörfer Vullebach, Berkerisdorf, Grilizi, Chezzendorf, Trufelistadt, die ehemals kaiserlichen Höfe Sithmarsdorff, Lutaraha und Mirsdorf sowie den Wald bei der Burg Ahorny aus dem Erbe der Richeza, der Tochter des Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen, an sich gebracht hatte, begannen mit der umfassenden Christianisierung der autochthonen urthüringischen oder elbgermanischenJochen Haberstroh: Der Reisberg bei Scheßlitz-Burgellern in der Völkerwanderungszeit. Überlegungen zum 5. Jahrhundert n.Chr. in Nordbayern. Mit einem Beitrag von Jörg Faßbinder. GERMANIA 81-1, 2003 (PDF; 109 kB) und slawischen Bevölkerung und der Eingliederung der mainfränkischen Siedler in die entstehenden Gemeinden. Zur Wahrung ihrer Interessen und zur Sicherung ihres bedeutenden Grundbesitzes im Coburger Raum richtete die Abtei St. Peter und Paul 1075 auf dem heutigen Coburger Festungsberg eine Propstei ein. Der klösterliche Wirtschaftshof wurde ab etwa 1150 in die im Tal allmählich entstehende Stadt zur späteren Morizkirche hin verlegt, während auf dem Berg ab 1225 das meranische Schloss Coburg belegt ist. mini|225px|Die Pflege Coburg im Herrschaftsbereich der Askanier 1291–1312 mini|225px|Die Grafschaft Henneberg 1312–1353 miniatur|Die Ämter der Grafschaft Henneberg (in Flächenfärbung) und der Pflege Coburg auf einer Karte aus dem Jahr 1740, Hennebergisches Museum Kloster Veßra mini|225px|Das Heilige Römische Reich um 1400 mini|225px|Die wettinischen Lande nach 1485 mini|225px|Die Sächsischen Kreise ab 1554 miniatur|hochkant=0.9|Wappen des Fürstentums Sachsen-Coburg am Stadthaus (Kanzlei) Coburg (1601). Die Zimiere auf den Turnierhelmen sind der Landgrafschaft Thüringen, Sachsen und der Markgrafschaft Meißen zugehörig. Im oberen Teil des Wappens die Landesherren Landgrafschaft Thüringen, Herzogtum Sachsen-Lauenburg, Markgrafschaft Meißen, Grafschaft Weimar-Orlamünde und Herzogtum Berg für einen Erbanspruch durch Sibylle von Jülich-Kleve-Berg (1512–1554), im Herzschild Sachsen, darunter die wettinischen Besitzungen Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg, Mark Landsberg und Pfalzgrafschaft Sachsen. Im unteren Teil eine Arabeske anstelle des Regalienschildes, die Burggrafschaft Altenburg und die Herrschaft Eisenberg, darunter die vergangenen Herrschaften Wildberg bzw. Henneberg–Aschach–Römhild, die Grafschaft Henneberg und Sonneberg.
Die Neue Herrschaft des Hermann I. von Henneberg-Coburg Die Grafschaft Henneberg unter dem hochadeligen, gleichnamigen Adelsgeschlecht gewann im 13. Jahrhundert durch Erbe, Kauf und Vermählung beträchtliche Besitzungen hinzu. Diese Zugewinne nutzte der in der Reichspolitik hoch angesehene Graf Hermann I. von Henneberg (1224–1290), um eine eigene Erblinie zu begründen. Er residierte, wie schon zuvor sein Vater Poppo VII., der sich auch Graf von Strauf nannte, und seine Mutter Jutta von Thüringen auf der Burg Struphe, die seit 1180 im Besitz des Hauses Henneberg war. Als sein Vater 1245 starb, besaß Hermann I. bereits die 1206 als Mitgift von dessen erster Gemahlin Elisabeth von Wildberg in den Familienbesitz gekommenen Ländereien um Heldburg, die Herrschaft Callenberg, die „Talburg“ Steinach und einige unterfränkische Güter um Höchheim, Kissingen, Münnerstadt und Schweinfurt aus dem Erbe seines Onkels Otto von Botenlauben.
1248 kamen das ehemals Botenlaubener Hildburghausen, das 1234 das Hochstift Würzburg erworben hatte, der Königshof Rodach und die meranischen Besitzungen um Coburg aus der Erbmasse des ausgestorbenen Hauses Andechs zu Henneberg dazu. Zwischen beiden Häusern hatten verwandtschaftliche Beziehungen bestanden. Der Großvater Hermann I., Poppo VI. († 1190), war mit Sophie, der Tochter des Markgrafen Berthold III. von Istrien und Krain verheiratet. Um die an das Herzogtum Meranien verliehenen Lehen für das Hochstift Bamberg einziehen zu können, gewann der Bischof von Bamberg, Heinrich I. von Bilversheim, Graf Hermann I. als Befehlshaber in den Auseinandersetzungen mit Burggraf Friedrich III. von Nürnberg und Friedrich von Truhendingen, deren Ehefrauen Elisabeth und Margareta als Schwestern des verstorbenen Herzogs Otto II., wie auch die Erbtochter Otto I., Beatrix, die Witwe des Grafen Hermann II. von Orlamünde, ebenfalls Ansprüche auf das Erbe erhoben. Dafür wurden Hermann I. nach dem Langenstadter Rechtsspruch 1260 neben Coburg noch das an Meranien gefallene umfangreiche ehemalige Allod der Burggrafen von Meißen aus der Familie Sterker von Wohlsbach um Fechheim-Neustadt mitsamt dem sterkerschen Lehen Einberg und der Burg Schaumberg zugesprochen,http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45112 außerdem erhielt er die bambergische Cent und Gerichtsstätte Gestungshausen, die unter der Vogtei der Sterker gestanden hatte.
1249 erwarb Hermann I. Königsberg. Vom Erbe der Ludowinger erhielt er in demselben Jahr von seinem Halbbruder mütterlicherseits, dem Markgrafen Heinrich III. von Meißen, ein Gebiet um Schmalkalden mit der Burg Brotterode und der Herrschaft Hallenberg als Ausgleich für seinen Verzicht auf eigene Ansprüche auf das Reichsfürstentum. Diese Abfindung bestätigte Heinrich III. 1260 gegen Ende des Thüringischen Erbfolgekrieges, obwohl Hermann I. die Gegenpartei unterstützt hatte. Sein Schwager Wilhelm von Holland, bei dessen Wahl zum römisch-deutschen Gegenkönig sich Hermann I. wie zuvor bei der Wahl Heinrich Raspes gegen den Staufer Konrad IV. gestellt hatte, verlieh ihm die Reichsrechte des 1255 verstorbenen Ullrich II. von Münzenberg. Graf Hermann I. bezeichnete seine Besitzungen als Neue Herrschaft, um sie von den angestammten hennebergischen Ländereien zu unterscheiden.
Otto V. von Brandenburg und die Pflege Coburg Die Linie Henneberg-Coburg erlosch jedoch schon 1291, als der Sohn von Hermann I., Poppo VIII., verstarb. Das Land verblieb als Erbe bei dessen Halbschwester Jutta (auch: Judith) und fiel mitsamt der Formalanwartschaft auf Holland und Zeeland an ihren Gemahl, den askanischen Mitregenten Markgraf Otto den Langen von Brandenburg zu Salzwedel.Ludwig Bechstein: Geschichte und Gedichte des Minnesängers Otto von Botenlauben. G. Wigand, 1845, S. 75. Dieser setzte während seiner Abwesenheit den Grafen Wolfgang von Barby zum Pfleger (Administrator) der Herrschaft ein, woraufhin die Bezeichnung Pflege Coburg für dieses Territorium entstand. Der Pfleger saß auf dem Schloss Mainberg, sein Sohn Walter ab 1305 als Burgmann auf der im Tausch gegen das an Henneberg abgetretene Mainberg erworbenen Burg Wildberg. Ottos und Juttas einziger Sohn Hermann folgte seinem Vater von 1298 bis 1308 sowohl in Brandenburg als auch in Coburg, weshalb er als Hermann II. auch den Titel eines Grafen von Henneberg oder eines Grafen von Franken führte. Hermann erwarb 1304 Hildburghausen von Graf Konrad von Wildberg zurück. Das Schloss Hohenstein mit der Cent Ahorn war spätestens 1306 im Besitz seiner Mutter Jutta, der Witwe des Markgrafen Otto V.
Rückerwerb der Neuen Herrschaft durch Henneberg-Schleusingen