Lehen ist eine ehemals selbständige Gemeinde, die am 1. September 1971 in die Stadt Freiburg im Breisgau eingemeindet wurde. Lehen liegt im Nordwesten von Freiburg und grenzt im Norden an Hochdorf, im Nordosten an Landwasser, im Südosten an Betzenhausen, im Süden an Rieselfeld und im Südwesten an den Mundenhof.

In Lehen liegt auch das Lehener Bergle. Die Erhebung ist 500 m breit und 1,5 Kilometer lang, bei einer Höhe von 30 m und liegt großteils im Landschaftsschutzgebiet Mooswald. Dort sind 65 Millionen alte Gesteinsschichten nachgewiesen worden, in denen man Ammoniten findet, diese Schichten sind von einer mächtigen Schicht Löss überzogen, die das Gelände sehr fruchtbar macht.Das Lehener Bergle ist ein Kleinod aus uralter Zeit, Jelka Louisa Beule, Badische Zeitung, 10. Januar 2015, abgerufen am 9. Juni 2019

Um das Jahr 1510 wurde Joß Fritz, der Führer der Bundschuh-Bewegung, in Lehen sesshaft.

Geschichte mini|links|Nachweis der Ortschaft und des Weinbaus in Lehen durch Theatrum Europaeum von 1643 Die Erste urkundliche Erwähnung: Im Jahre 1139, im Schutzbrief des Papstes Innozenz II. vom 14. April 1139 für Ortlieb, Bischof von Basel, wird die „Ecclesia de LeheimThomas Zotz: Siedlung und Herrschaft im Raum Freiburg am Ausgang des 11. Jahrhunderts. In: Hans Schadek, Thomas Zotz (Hrsg.): Freiburg 1091–1120. Neue Forschungen zu den Anfängen der Stadt. Archäologie und Geschichte. (= Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland 7). Sigmaringen 1995, S. 49–78. “ (die Kirche zu Lehen) erstmals erwähnt. Nach neueren Forschungen ist diese Urkunde eine Fälschung aus der Zeit um 1180.Karl Schmid: Die Zähringer Kirche unter den breisgauischen Besitzungen Basels in der um 1180 auf 1139 gefälschten Papsturkunde. In: Karl Schmid (Hrsg.): Die Zähringer III. Schweizer Vorträge und neue Forschungen. Sigmaringen 1990, S. 281–304. Der Name kommt von Leheim was so viel wie Haus am Hügel bedeutet.

Auf dem Lehener Bergle (Höhe 253 m) einer 500 m breiten 1,5 km langen Erhebung, die sich 30 Meter über den Ort erhebt, sind 65 Millionen Jahre alte Gesteinsschichten des Mesozoikums nachgewiesen. In diesen Schichten sind Ammoniten zu finden, die im Ort zum Schmuck der Häuser genutzt wurden und werden.

Durch Funde von Tongefäßscherben mit Stempeldruckverzierung und Werkzeugen ist die Besiedlungen in der Hallstattzeit und in der Latènezeit nachgewiesen.

Die Besiedlung durch Römer ist ziemlich wahrscheinlich, da der Lehm der Tonwaren, die in einer römischen Siedlung bei Umkirch gefunden wurden, vom Lehener Bergle stammt.

Die Besiedlung des Gebietes lässt sich wahrscheinlich ab dem 6./7. Jahrhundert belegen, durch Notizen des Waldkircher Klosters über Fischrechte in Lehen an den Silberhöfen.

Joß Fritz und Bundschuhbewegung Als Bundschuhbewegung bezeichnet man eine Anzahl von Verschwörungen und (versuchten) Aufständen hauptsächlich von Bauern in den Jahren 1493 bis 1517 in Südwestdeutschland. Der Name kommt vom Riemenbundschuh, wie ihn der einfache Mann damals trug. Die Verschwörer nahmen Anstoß an harten Frondiensten, hohen Steuern und Abgaben, die ihnen vom Adel und der Kirche auferlegt waren.

Die ersten Aufstände fanden 1493 im Elsass statt und wurden blutig niedergeschlagen. Im Jahre 1502 formierte sich in Untergrombach bei Bruchsal eine Verschwörung, die mehrere tausend Mitglieder gehabt haben soll. Einer der Anführer war Joß Fritz. Die Verschwörung wurde durch Verrat bekannt und dann niedergeschlagen. Joß Fritz konnte entkommen.

Um das Jahr 1512 tauchte er in Lehen auf, wo er als Bannwart angestellt wurde. Hier begann er Gleichgesinnte um sich zu scharen. Der Versammlungsplatz der Gruppe war die Hartmatte bei Lehen. Erstes Ziel war es, Freiburg als Operationsbasis zu gewinnen. Dazu wurden Leute aus der Umgebung von Bretten bis zum Kinzigtal, aus dem Elsass und dem Kaiserstuhl angeworben. Auch diese Verschwörung wurde verraten und am 6. Oktober 1513 in Lehen von den Freiburger Herren niedergeschlagen. Eine der Folgen davon war, dass kein Lehener mit Waffen nach Freiburg durfte.

Wieder entkam Joß Fritz, nach dem steckbrieflich gesucht wurde, in den Schwarzwald. Auch hier versuchte er ebenfalls einen Aufstand vorzubereiten, aber im Jahre 1517 wurde er wieder verraten. Sein Name tauchte ein letztes Mal im Jahre 1524 als einer derjenigen auf, die an der Schweizer Grenze den großen Bauernkrieg anzettelten.

Im Jahr 1525 kam es in Freiburg zu einem Aufstand, den die Bauern gewannen. Am 23. Mai 1525 besiegelte die Stadt Freiburg ihren Bund mit den Bauern durch einen Eid.

mini|links|hochkant|Vorderseite der im Juni 2013 aufgestellten Bundschuh-Eiche mini|Plakat des Mittelalterfestes 2013, der Anlass war der vereitelte Bundschuhaufstand vor 500 Jahren

Zur 500-Jahr-Feier des gescheiterten Bundschuhaufstands wurde im Juni 2013 in Lehen an der Bundschuhhalle die vom Bildhauer Thomas Rees geschaffene Bundschuh-EicheDie Bundschuh-Eiche in Freiburg-Lehen Thomas Rees aufgestellt. Sie wurde aus einer ca. 180 Jahre alten Eiche, die von der Hartmatte, dem Versammlungsplatz der Bundschuhbewegung stammt, geschnitzt und hat einen Durchmesser von 1,25 m bei einer Höhe von circa 6 m. Auf der Vorderseite des Baumes sieht man als zentrales Element den gekreuzigten Jesus. Oberhalb des Kreuzes sieht man rechts den Klerus und links den Adel die die Bauern unterdrücken. Unterhalb des Jesus sieht man zwei Figuren die ein Buch studieren und damit die bestehende Ordnung anzweifeln. Daher ergibt sich auch der Untertitel von Gottes Ordnung, Pfründefressern und verbotenen Gedanken. Auf der Rückseite des Kunstwerks ist ein Teufel mit dem Bundschuh abgebildet, der die Meinung der Freiburger Obrigkeit über den Aufstand als Teufels Werk darstellt. Darüber sind Bauern mit ihrem Führer Joß Fritz und der Fahne beim Schwur dargestellt.Bundschuh-Eiche, bz, Badische Zeitung, 4. Mai 2013, abgerufen am 8. Juni 2013. Sie ist als vierzehnte Station Bestandteil des Lehener Bundschuhpfads, der bei einer Länge von 3,4 km in der Gemeinde an 14 Stationen über Lebensumstände der Bauern und in chronologischer Reihenfolge über die Geschichte der Bewegung berichtet.

Wie der Ortsvorsteher Bernhard Schätzle sagt: „Der Bundschuh-Aufstand ist Lehens wichtigster Moment in der Geschichte. Seit über 50 Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema. Die Grundschule (Johannes-Schwarz-Schule), die Mehrzweck-Halle sowie Plätze und Straßen in Lehen sind nach dem Bundschuh und seinen Protagonisten benannt. Vieles was die Aufständischen 1513 forderten, bildet die Basis des Deutschen Grundgesetzes. Daher ist es uns ein besonderes Anliegen, die Ereignisse vor 500 Jahren hier in Lehen gebührend zu würdigen.“Bundschuh zu Lehen Bundschuh zu Lehen e. V.

20. Jahrhundert Im Ersten Weltkrieg waren die Menschen in der Kommune trotz ihrer Möglichkeiten als Selbstversorger mit Mangel und Hunger konfrontiert. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Ort wurden zur Versorgung der Stadt Freiburg herangezogen.Vgl. Daniel Schneider: Umkirch und der Breisgau im Ersten Weltkrieg. Erfahrungen und Alltag zwischen Monarchie und Demokratie, Freiburg im Breisgau/Berlin/Wien 2022, S. 32–49, 82–104.

Bis nach 1945 blieb die Zahl der Einwohner, die sich in dem rein landwirtschaftlich orientierten Dorf hauptsächlich von Reb- und Ackerbau sowie Viehzucht ernährten, nahezu konstant bei 500 bis 600. Die erzeugten Produkte dienten dem Eigenbedarf und wurden auf dem Freiburger Wochenmarkt verkauft. Nach dem Krieg wandelte sich Lehen zu einem Wohnort, die Landwirtschaft nahm immer mehr ab. Im Jahr 1959 zählte man noch 250 Stück Großvieh. Heute sind nur noch zwei landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe hier angesiedelt, wovon einer ein Weingut ist.

Eingemeindung Durch das im Jahre 1967 von der Landesregierung beschlossene Gemeindereformprogramm wurde die Gemeinde Lehen dem Verwaltungsraum der Stadt Freiburg zugewiesen. Um nicht völlig in der Stadt aufzugehen, nutzten Bürgermeister und Gemeinderat eine später sogar gesetzlich angebotene Form, die Ortschaftsverfassung. Nach einer Änderung der Hauptsatzung der Gemeinde wurde in einem Bürgerentscheid über diese Verfassung am 9. Mai 1971 abgestimmt. Nach der großen Zustimmung im Ort trat diese am 1. September 1971 in Kraft. Erreicht wurde dadurch, dass wichtige Teile der Verwaltung in der Gemeinde verblieben und der Ortsvorsteher im Gemeinderat ein Mitspracherecht hat.

Am 22. Juni 1971 unterzeichneten der damaligen Lehener Bürgermeister Scherer und der Oberbürgermeister der Stadt Freiburg, Eugen Keidel, im neuen Ratssaal der Stadt den Vertrag, der Lehen in die Stadt Freiburg aufnahm.

Bevölkerungsentwicklung 1789: 395 Einwohner 1871: 509 Einwohner 1939: 588 Einwohner 1976: 2023 Einwohner 2004: 2300 Einwohner 2005: 2266 Einwohner 2006: 2251 Einwohner 2008: 2313 Einwohner 2010: 2291 Einwohner 2016: 2502 Einwohner

Baugebiet im Zinklern Im März 2023 wurde der Bebauungsplan für das Baugebiet im Zinklern vom Gemeinderat Freiburg aufgestellt. Das Plangebiet schließt südlich an die bestehende Bebauung an und erstreckt sich bis zur Dreisam. Das Baugebiet war bereits im Eingemeindungsvertrag 1971 vereinbart worden. Insgesamt sind 550 Wohneinheiten vorgesehen für ca. 1400 neue Bewohner. Der zu erwartende Zuwachs macht somit über 50 % der bestehenden Bevölkerung aus. Im Zusammenhang mit dem geplanten Stadtteil Dietenbach auf der anderen Seite der Dreisam und der B 31a soll längerfristig eine Stadtbahn durch das neue Baugebiet und den Ortskern zur bisher bestehenden Haltestelle Paduaallee gebaut werden.

Verkehr Mit ÖPNV: Am Ostrand Lehens befindet sich ein wichtiger Knotenpunkt des Freiburger ÖPNV, die Haltestelle Paduaallee der Freiburger Verkehrs AG. Hier verkehren die Linie 1 der Freiburger Stadtbahn zur Stadtmitte und nach Landwasser sowie die Buslinien 31 (Paduaallee-Umkirch-Waltershofen-Merdingen-Breisach), 32 (Paduaallee-Umkirch-Waltershofen-Opfingen-Rieselfeld-Haid) sowie die Linie 19 (Paduaallee-Lehen Ziegelei(-Mundenhof / Lehen Industriegebiet)), die dabei durch den Ortskern von Lehen fahren. Im Zuge der Errichtung des neuen Stadtteils Dietenbach ist der Bau eines Ringschlusses von der Paduaallee durch das Lehener Neubaugebiet Im Zinklern über die Dreisam und die B 31a im weiteren Bedarf geplant.

Mit dem Rad: In Lehen befindet sich eine Station des Fahrradverleihsystems Frelo an der Paduaallee. Lehen ist über den FR 4 und die Sundgauallee direkt mit Betzenhausen, dem Stühlinger und der Innenstadt verbunden. Weiter südlich verläuft der FR 1 querungsfrei entlang der Dreisam.

Mit dem Auto: An der Anschlussstelle Freiburg-Mitte auf Lehener Gemarkung kreuzen sich die A5 (Karlsruhe-Basel) und die B31a (Gottenheim-Freiburg Stadtmitte), die südöstlich die Ausfahrt „Freiburg-Lehen“ hat.

Im Osten, unmittelbar an der Grenze zu Betzenhausen, liegt Lehen an der „Westrandstraße“. Diese ist eine der wichtigsten Verkehrsadern im Westen Freiburgs und trägt bei Lehen den Namen Paduaallee. Über diese ist Lehen ebenfalls gut erreichbar.

Wappen rechts|80px|Wappen von Lehen Das Lehener Wappen besteht aus einem großen L für Lehen, einer roten Sichel, die ein Rebmesser darstellen soll, und einer Rosette. Dieses Wappen wurde 1899 vom Gemeinderat Lehen aus den Vorschlägen des Generallandesarchivs angenommen. Das Wappen beruht auf einem älteren Wappen und Siegel, das die beiden Ortschaften Betzenhausen und Lehen schon seit dem frühen 18. Jahrhundert führten. Warum der ursprüngliche Stern 1899 in eine Rosette umgewandelt wurde, ist nicht mehr bekannt.

Bauwerke

hochkant|mini|links|Kirchbergplatz mit Denkmal und Kirchhof der Kirche St. Cyriak mini|hochkant|Weiherschloß jetzt Weingut Schätzle mini|Bundschuhplatz mit Bundschuh-Denkmal Die Kirche St. Cyriak in Lehen ist mit ihrem