Angenrod ist ein Stadtteil von Alsfeld im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Der Ort liegt direkt südlich und oberhalb der Antrifttalsperre an der Antrift. In Angenrod trifft die Landesstraße 3070 etwa fünf Kilometer westlich der Kernstadt auf die Bundesstraße 62.
Ortsgeschichte Mittelalter Die älteste schriftliche Erwähnung von Angenrod erfolgte in einer Urkunde der Deutschordensballei Hessen aus dem Jahre 1272: „sita in Ingerode“ (gelegen in Ingerode).Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 1. Nr. 277, S. 208. Wahrscheinlich 1369 heißt es: „vnd was wir Gude und Gulde han in deme selbin Gerichte, by Namen tzu Ingerode“ (und was wir an Gütern und Gülte haben in dem gleichen Gericht, mit dem Namen Ingerode).Helfrich Bernhard Wenck: Hessische Landesgeschichte II mit einem Urkundenbuch. Band 2. Frankfurt am Main und Leipzig. 1789. Nr. 414, S. 439. Der Ortsname Ingerode leitet wird von dem Rufnamen Ingo ab. 1519 wird ein „Cuonrad Noduong zu Engerode“ genannt.StAM, Protokolle II, Marburg, C 1, fol. 131 r. Im Flusstal stand die Wasserburg Angenrod. Sie wird noch 1645 genannt. Das alte Herrenhaus wurde, nach mehreren Besitzerwechseln, von der Stadt Alsfeld gekauft und zu Wohnungen umgebaut.
Neuzeit Mit der beginnenden Neuzeit geschieht eine Bedeutungsveränderung des Ortsnamens. 1522 wird in einer Urkunde des Klosters Immichenhain „Angerode“ aufgeführt.StAM, A II, Kloster Immichenhain. 1560 heißt es: „die vonn Angerode.“StAM, Politisches Archiv, Nr. 2111, fol. 155, v. Daneben wird 1561 noch der alte Ortsnamen „Ingerode“ gebraucht.StAM, Politisches Archiv, Nr. 2111, fol. 162, v. Der Wandel zum Ortsnamen Angenrod lässt sich sprachgeschichtlich erklären, zugleich ist nun das Stammwort Anger, was Grasland bedeutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 33 f.
Die heutige Kirche wurde an der Stelle des Vorgängerbaus im Jahr 1702 erbaut.
Die jüdische Gemeinde erbaute 1797 eine Synagoge. Reste der Ruine wurden 1961 abgerissen. Der jüdische Friedhof wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet.
Im Jahre 1880 wurde eine Schule errichtet, die später zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut wurde.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Ange(n)rod:
Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Angenrod im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis als Stadtteil nach Alsfeld eingegliedert. Für Angenrod, wie für die übrigen Stadtteile von Alsfeld, wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Angenrod angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Angenrod ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Alsfeld Die Zugehörigkeit des Amtes Alsfeld anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Alsfeld, Amt Alsfeld 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Gericht Angenrod (der von Werda, genannt von Noding) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Oberamt Alsfeld, Amt Kirtorf, Gericht Angenrod ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Romrod, Gericht Angenrod ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk KirtorfTrennung zwischen Justiz (Landgericht Homberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Alsfeld ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Vogelsbergkreis, Stadt Alsfeld ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Alsfeld
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Angenrod durch das Gericht Angenrod. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1839 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg, das heutige Amtsgericht, das für Angenrod zuständig war. Im Jahre 1839 wurden die Orte Angenrod und Billertshausen an das Landgericht Alsfeld abgetreten.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Alsfeld“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Angenrod 525 Einwohner. Darunter waren 9 (1,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 81 Einwohner unter 18 Jahren, 221 zwischen 18 und 49, 123 zwischen 50 und 64 und 117 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 228 Haushalten. Davon waren 60 Singlehaushalte, 66 Paare ohne Kinder und 72 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 60 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 138 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1800: 347 Einwohner • 1829: 509 Einwohner, 81 Häuser • 1867: 562 Einwohner, 91 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 395 evangelische (= 77,60 %), 114 jüdische (= 22,40 %) Einwohner • 1961: 555 evangelische (= 88,38 %), 64 katholische (= 10,19 %) Einwohner
Politik Für Angenrod besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Angenrod) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 63,29 %. Alle Kandidaten gehörten der Liste „Bürger für Angenrod“ an. Der Ortsbeirat wählte Axel Möller zum Ortsvorsteher.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Angenrod
Sport Auf dem Rußbergring werden vom MSC Angenrod betreute Grasbahnrennen ausgetragen.
Vereine Das Vereinsleben im Ort prägen folgende Vereine: der Gesangverein, der Fußballsportverein, die Freiwillige Feuerwehr mit ihrer Jugendfeuerwehr, der Wanderverein, der Posaunenchor, der Carnevalsclub, die Gymnastikgruppe, die Tischtennisgruppe, der Motorsportverein, die Jugendgruppe und Gedenkstätte Speier Angenrod e. V.
Persönlichkeiten Gustav Korell (1871–1935), Landtagsabgeordneter und 1927 bis 1933 Bürgermeister in Angenrod
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
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