Schwaigern () ist eine Stadt im baden-württembergischen Landkreis Heilbronn. Sie gehört zur Region Heilbronn-Franken und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Schwaigern liegt im Westen des Landkreises Heilbronn an den Ausläufern des Heuchelbergs im Tal der Lein, einem linken Nebenfluss des Neckars.

Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Schwaigerns sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten) Leingarten, Nordheim, Brackenheim, Eppingen, Gemmingen, Massenbachhausen (alle Landkreis Heilbronn) sowie die kreisfreie Stadt Heilbronn. Mit Massenbachhausen ist Schwaigern eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Stadtgliederung StadtteilEingemeindungEinwohnerStand 31. Dezember 2008. Zahlen, Fakten, Statistisches auf schwaigern.de (abgerufen am 27. September 2009)Fläche Schwaigern – 6.826 22,06 km² Massenbach 1. Juli 1971 1.916 8,50 km² Niederhofen 1. Sept. 1971 1.116 7,81 km² Stetten 1. Sept. 1971 2.158 11,13 km² Gesamt — 12.016 49,49 km²

Schwaigern besteht aus der Kernstadt Schwaigern sowie den Stadtteilen Massenbach, Niederhofen und Stetten am Heuchelberg. Zu Schwaigern gehören noch die Höfe Lachenhöfe, Marienhof und Römerhöfe, die Wohnplätze Obere Mühle und Untere Mühle (Freudenmühle) sowie die Stadtteile Birkenhöfe, Lerchenberghöfe und Waldweghöfe, zu Niederhofen die Wohnplätze Fuchsberg und Ottilienhöfe, zu Stetten die Wohnplätze Bahnhof und Obere Mühle sowie die Ortsteile Dinkelsklingenhöfe, Forchenwaldhöfe, Hornbuschhöfe und Sonnenberghöfe. Abgegangene, heute nicht mehr bestehende Orte sind auf Markung Massenbach Wilhelmstal, auf Markung Niederhofen Rindshof, auf Markung Schwaigern Dissingen und Hochstetten (beide in Schwaigern aufgegangen) sowie Waldbruderhaus.Quelle für den Abschnitt Stadtgliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 138–141 sowie Nachträge und Berichtigungen in Band VIII, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-008113-6, S. 662.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Schwaigern.

Geschichte mini|Schwaigern in den Forstlagerbüchern Andreas Kiesers (1684) mini|Schwaigern von Süden, Franz Schnorr, Kolorierte Lithographie, 1840 Bodenfunde aus der Jungsteinzeit und der römischen Zeit weisen auf eine frühe Besiedlung der Schwaigerner Gegend hin. Erstmals erwähnt wurde Schwaigern 766 in einer Urkunde des Lorscher Codex. Der Ort zählte ursprünglich zum Gartachgau. Im frühen 12. Jahrhundert werden die edelfreien Herren von Schwaigern als Ortsherren erwähnt, die im 13. Jahrhundert aus den wohl daraus hervorgegangenen Herren von Neipperg abgelöst wurden, die über eine geschickte Bündnis- und Hochzeitspolitik mit der Kraichgauer Ritterschaft, mit Württemberg, der Kurpfalz und Baden sowie ab dem 18. Jahrhundert insbesondere mit dem Haus Habsburg zu großer Bedeutung aufstiegen und in Schwaigern stets einen ihrer Verwaltungsmittelpunkte hatten.

1188 wird ein allodium (dt.: Eigengut) in Sueigren in einem Vertrag zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und König Alfons VIII. von Kastilien, in dem die Ehe von Friedrichs Sohn Konrad mit Alfons Tochter Berengaria vereinbart wurde, erwähnt.Peter Wanner: Der staufisch-kastilische Ehepakt des Jahres 1188. Erkenntnisse aus Anlass einiger "kleiner" Stadtteils- und Gemeindejubiläen 2013. In: Christhard Schrenk/Peter Wanner (Hrsg.): heilbronnica 6. Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte. Heilbronn 2016, S. 453–460, hier: S. 458–459. PDF 366 kB. Dieses Eigengut in Schwaigern gehörte mit weiteren 29 staufischen Gütern zur Morgengabe der Braut. Allerdings wurde diese Ehe niemals in die Praxis umgesetzt.

1486 erhielt der Ort Marktrecht. Nach 1630 wurde der Ort mehrmals von der Pest heimgesucht, die viele Einwohner das Leben kostete. 1690 wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg die damalige Schwaigerner Burg niedergebrannt. Das um 1702 erbaute Schloss in Schwaigern wurde zum Hauptsitz der Herren von Neipperg, die 1726 in den Reichsgrafenstand erhoben wurden. 1806 kam Schwaigern durch die Mediatisierung zum Königreich Württemberg und wurde dem Oberamt Brackenheim zugeordnet. 1878 erhielt Schwaigern mit der Eröffnung des ersten Abschnitts der Kraichgaubahn von Heilbronn Richtung Eppingen Anschluss an das Schienennetz der Württembergischen Eisenbahn. Im 19. und 20. Jahrhundert zerstörten mehrere große Brände große Teile des mittelalterlichen Stadtkerns. 1938, im Zuge einer württembergischen Gebietsreform während der NS-Zeit, kam Schwaigern zum Landkreis Heilbronn. Da Schwaigern nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte die Stadt somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. 1971 wurden am 1. Juli Massenbach sowie am 1. September Stetten am Heuchelberg und Niederhofen eingemeindet.

Religionen Schwaigern ist seit der Reformation überwiegend evangelisch geprägt. Das bedeutendste Kirchenbauwerk des Ortes ist die evangelische Johanneskirche. In Schwaigern, Stetten und Niederhofen gibt es jeweils eigene evangelische Kirchengemeinden, für Massenbach und Massenbachhausen gibt es eine gemeinsame evangelische Gemeinde. Die evangelischen Gemeinden gehören alle der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim an. Die (evangelisch-pietistische) Liebenzeller Gemeinschaft unterhält in allen drei evangelischen Kirchengemeinden der Stadt eigene Gruppen. In Massenbach existiert seit 1882 eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten). Die katholische Kirchengemeinde St. Martinus Schwaigern ist neben Schwaigern für Stetten, Niederhofen und Neipperg (Teil Brackenheims) zuständig, die katholische Kirchengemeinde St. Kilian Massenbachhausen neben Massenbachhausen für Massenbach. Auch die Neuapostolische Kirche ist mit einer Kirchengemeinde in Schwaigern vertreten.

Der EC-Jugendbund hat Ortsgruppen in Schwaigern, Stetten und Niederhofen, die Liebenzeller Gemeinschaft in Schwaigern und Niederhofen, das Evangelische Jugendwerk Württemberg in Schwaigern und Stetten. In Massenbach ist der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) Massenbach/Massenbachhausen vertreten.

Politik Gemeinderat mini|Rathaus in Schwaigern Der Gemeinderat in Schwaigern hat 23 Mitglieder. Die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2024 führte zu folgendem amtliche Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzender. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften%2024Sitze2024 %2019Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 FWV/BuWFreie Wähler/Bauern und Weingärtner42,291031,16834,3835,910CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands28,80730,11728,3625,37SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands18,22417,37423,9322,94LGUListe Grüne und Unabhängige10,69218,15513,5315,84 -parteilos——3,211————gesamt10023100251002210027Wahlbeteiligung63,7 %62,3 %51,5 %54,1 %

Stadtschultheißen und Bürgermeister in Schwaigern Friedrich Benzlen (1826–1868) August Liomin (1868–1893) Karl Essich (1893–1918) Max Neunhoeffer (1919–1933) Karl Spingler (1933–1939) Fritz Siegele (1941–1945) Friedrich Vogt (1945–1954) Hellmut Zundel (1954–1963) Horst Haug (1963–1999) Johannes Hauser (1999–2015) Sabine Rotermund (seit 2015)

Rotermund wurde am 9. Oktober 2022 mit 52,8 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.

Quelle:Schwaigern: Heimatbuch der Stadt Schwaigern mit den Teilorten Massenbach, Stetten a. H. und Niederhofen. Stadtverwaltung Schwaigern, Schwaigern 1994, S. 596

Wappen und Flagge mini|120px|Wappen Schwaigerns Die Blasonierung des Schwaigerner Wappens lautet: In Rot drei (2:1) silberne Ringe. Schildhalter: über dem Schild wachsend der heilige Johannes der Täufer mit goldenem Nimbus und natürlichem Fell, die Rechte nach oben weisend, mit der Linken das natürliche Gotteslamm und schräglinken goldenen Kreuzstab mit silberner dreilatziger Fahne haltend. Die Stadtfarben sind Rot-Weiß.

Die drei silbernen Ringe auf rotem Grund sind das Wappen der Grafen von Neipperg und für 1684 auch als Schwaigerner Fleckenzeichen belegt. Johannes der Täufer als Schildhalter ist Patron der Schwaigerner Kirche. Das Wappen ist in dieser Form in Siegelabdrücken ab 1591 nachweisbar, die vermutlich mit einem 1512 gefertigten Siegel hergestellt wurden. Ein Schultheißenamtssiegel aus der Zeit um 1820 zeigt nur den Wappenschild mit den drei Ringen ohne Schildhalter, der 1959 als eigentliches Stadtwappen festgehalten wurde, der Schwaigerner Tradition entsprechend aber normalerweise mit Johannes dem Täufer als Schildhalter dargestellt wird. Die Farben der Stadtflagge wurden 1925 festgelegt.Quellen für den Abschnitt Wappen und Flagge:Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1), S. 124Eberhard Gönner: Wappenbuch des Stadt- und des Landkreises Heilbronn mit einer Territorialgeschichte dieses Raumes. (= Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg. 9). Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1965, S. 136.

Partnergemeinden Partnergemeinden Schwaigerns sind seit 1988 die österreichische Gemeinde Pöndorf in Oberösterreich (mit einem Ortsteil namens Schwaigern), seit 2004 die französische Gemeinde La Teste-de-Buch im Département Gironde und seit 2009 die Schweizer Gemeinde Nottwil im Kanton Luzern.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Schwaigern Das Schloss Schwaigern wurde ab 1702 anstelle der 1690 zerstörten früheren Burg für Generalfeldmarschall Eberhard Friedrich von Neipperg erbaut und im 19. Jahrhundert von Gottlob Georg Barth und Christian Friedrich von Leins um Flügelbauten und eine Schlosskapelle zu seiner heutigen Gestalt ergänzt. An das vierflügelige Schloss grenzen ein Wirtschaftshof und ein Schlosspark an.

Die evangelische Johanneskirche (Stadtkirche) geht auf einen Bau aus dem 13. Jahrhundert zurück und wurde im 16. Jahrhundert bedeutend erweitert (durch den Baumeister Bernhard Sporer). Im Inneren befinden sich der 1510 entstandene Barbara-Altar von Jerg Ratgeb sowie Hochaltar und Schnitzaltäre. An den Innenwänden sind historische Grabsteine und Epitaphe der Grafen von Neipperg aufgestellt. Die Orgel baute Richard Rensch 1984.

Das Rathaus der Stadt wurde nach dem Stadtbrand von 1905 von Theodor Moosbrugger erbaut und weist insbesondere am Südosterker und am Eingangsbereich Stilemenete des Jugendstils auf. Auch das nahe historische Rentamt wurde nach dem Brand erneuert und im späten 20. Jahrhundert durch einen Mittelbau mit einem benachbarten Fachwerkhaus verbunden. Der Hexenturm am südöstlichen Rand der mittelalterlichen Stadt ist ein Wehrturm von 1461, der später als Gefängnis diente. Seinen Namen erhielt der Turm durch die 1713 hier eingesperrte, als Hexe angeklagte und später auf dem Scheiterhaufen verbrannte Anna Maria Heinrich. Der Turm ging einst als städtisches Geschenk zur Silberhochzeit eines Grafen an die Familie von Neipperg und kam von dieser 1986 an die Stadt Schwaigern zurück, woraufhin der Turm umfassend renoviert wurde. Er bildet mit dem angebauten Reinwaldschen Haus aus dem 17. Jahrhundert ein reizvolles Ensemble. Wachthaus, Überrest der Stadtbefestigung nahe der Pfarrstraße, Teile der Stadtmauer als Grundmauern, polygonaler Fachwerkaufsatz Barockes Helferhaus von 1769 in der Pfarrstraße, einst zweites Pfarrhaus Weitere Überreste der mittelalterlichen Stadtbefestigung haben sich vor allem im Westen des Ortskerns erhalten.