Schlechtenwegen ist ein Stadtteil von Herbstein im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie Schlechtenwegen liegt im Vogelsberg an der Altefeld. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3182. Den öffentlichen Personennahverkehr stellt die Verkehrsgesellschaft Oberhessen mit den Buslinien VB-42 und VB-45 sicher.

Geschichte Der Ort liegt dicht an einem frühmittelalterlichen Höhenweg Herchenhain-Crainfeld-Steinfurt-Schlechtenwegen-Blankenau-Fulda.Willi Görich: Ortesweg, Antsanvia und Fulda in neuerer Sicht. Zur Heimführung des Bonfacius vor 1200 Jahren. In: Germania, Korrespondenzblatt der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts 33 (1955). Beilage 2. S. 68–88. S. 80, doi:10.11588/ger.1955.43631.

Ersterwähnung und Ortsname mini|Lage von Schlechtenwegen (Schletewege) auf einer Karte des Hochstifts Fulda von 1574 mini|Evangelische Kirche

Im Jahre 885 wird der Ort als „Scliedinuueke“ urkundlich erstmals erwähnt.Johannes Pistorius: Rerum Germani .Germanicarum veteres scriptores VI. Ffm. 1607. S. 526 Der Ortsname leitet sich von dem mhd. „sleht“ ab, was eben oder geglättet bedeutet. Im weiteren Verlauf der Geschichte ändert sich das Wort zu „schlecht“, was auf eine reale Verschlechterung des Höhenweges hindeutet.Lutz Reinhardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namensbuch. Dissertation Göppingen 1973, S. 329 f.

1338: „Slechtenwegen“Eduard Edwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Nr. 112, S. 32.

1442: „Slechtenwege“Eduard Edwin Becker: Riedeselsches UB. Nr. 623, S. 175.

Mittelalter Erstmals wird das Gericht zu Schlechterwegen in einer Urkunde vom 24. Juni 1342 erwähnt. Johann von Eisenbach verspricht dem Simon von Schlitz genannt Görtz den vierten Teil des Gerichts für 80 Pfund Heller zu verkaufen, falls Wyher von Blankenwald ohne Erben bleibt.StA Darmstadt B 8 Nachweis. 1480 wird „das gericht zu Slechtenwegen“ in einem Weistum erwähnt.Eduard Edwin Becker: Riedeselsches UB. Nr. 1316, S. 375. In diesem Weistum werden auch die Rechte der Riedesel in Altenschlirf genannt.Eduard Edwin Becker: Riedeselsches UB. Nr. 1316 B, S. 339. Diese Rechte werden in den folgenden Jahrhunderten wiederholt erneuert.

Hermann Riedesel bestätigt für sich und seinen Vater Hermann am 12. Dezember 1488 die Belehnung mit einem Teil der Gerichte Schlechterwegen, Bad Salzschlirf und Landenhausen durch den Fuldaer Fürstabt Johann II. von Henneberg.StA Marburg. Urk. 100 Nr. 5176. 1483 hatten sich die Familien Görtz und Riedesel bereits wegen des Gerichts in Schlechtenwegen verglichen.

Neuzeit Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Schlechtenwegen am 31. Dezember 1971 ein Stadtteil von Herbstein.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schlechtenwegen angehört(e):

vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Gericht Altenschlirf der Freiherren von Riedesel zu Eisenbach (Mannlehen des Fürstbistum Fulda) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Gericht Altenschlirf ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Altenschlirf ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HerbsteinTrennung zwischen Justiz (Landgericht Altenschlirf) und Verwaltung. ab 1825: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Lauterbach ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1866: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Lauterbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt HerbsteinAm 31. Dezember 1971 wurde Schlechtenwegen als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Herbstein eingegliedert. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Herbstein

Recht Materielles Recht In Schlechtenwegen galten die Riedesel’schen Verordnungen aus dem 18. Jahrhundert als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit diese Verordnungen keine Bestimmungen enthielten. Dieses Sonderrecht behielt theoretisch seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, in der gerichtlichen Praxis wurden aber nur noch einzelne Bestimmungen angewandt. Das Partikularrecht wurde zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 29, Anm. 92 und S. 103, Anm. 14.

Gerichtsverfassung seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Schlechtenwegen ab 1806 das „Riedeselsche Patrimonialgericht Altenschlirf“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Altenschlirf“ war daher von 1821 bis 1853 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Altenschlierf. 1853 erfolgte die Verlegung des Landgerichts nach Herbstein.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Herbstein und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Ab 1943 wurde das Amtsgericht Herbstein nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Lauterbach betreiben, bevor es 1968 endgültig aufgelöst wurde und in dem Amtsgerichtsbereich von Lauterbach zugeschlagen wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind: 1961: 200 evangelische und 26 katholische Einwohner

Politik Ortsvorsteher ist Mike Fölsing (Stand März 2022).

Regelmäßige Veranstaltungen Ende September findet auf einem Sportgelände eine Tractorpulling-Veranstaltung statt.Traktor Pulling Hessen. In: www.traktorpulling-hessen.de

Weblinks Stadtteil Schlechtenwegen im Internetauftritt der Stadt Herbstein.

Fußnoten Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Geographie (Herbstein) Kategorie:Ersterwähnung 885 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971