mini|Die Ostsee im März 2000, Satellitenfoto aus nördlicher Richtung Die Fauna und Flora der Ostsee ist durch eine relative Artenarmut aufgrund der weitgehenden Isolation der Ostsee von der Nordsee, des geringen Sauerstoff- und Salzgehalts sowie der (geologisch betrachtet) erst kürzlichen Entstehung nach der letzten Eiszeit geprägt.
Die Ostsee ist ein 413.000 km² großes und bis zu 459 Meter tiefes Binnenmeer in Europa. Obwohl sie damit das größte Brackwassermeer der Erde ist, ist sie ausgesprochen artenarm. Gründe sind unter anderem, dass der Wasseraustausch mit der Nordsee und damit die Einwanderung von Tier- und Pflanzenarten durch Schwellen behindert werden und dass tiefe Teile der zentralen Ostsee arm an Sauerstoff sind. Flache Regionen der Ostsee unterliegen starken Temperaturschwankungen. Die Ostsee ist ein Meer der Zuwanderer-Arten, endemische Arten gibt es nur zwei (den Plattfisch Platichthys solemdali und den Tang Fucus radicans,Ricardo T Pereyra, Lena Bergstrom, Lena Kautsky & Kerstin Johannesson: Rapid speciation in a newly opened postglacial marine environment, the Baltic Sea. BMC Evolutionary Biology, 31 March 2009 ) mehr konnten sich während der kurzen Existenz des Binnenmeeres seit der letzten Eiszeit nicht entwickeln. Die marinen Zuwanderer werden in Nordfische und Südfische unterteilt. Die Nordfische stammen aus den kälteren Gebieten der nördlichen Nordsee und der Gewässer zwischen Norwegen und Island. Dazu gehören Dorsch, Wittling, Kliesche und Scholle. Die Südfische stammen aus der Biskaya und dem Ärmelkanal. Zu ihnen zählen Hornhecht, Schwarz- und Sandgrundel. Beide Gruppen wanderten über die Nordsee in die Ostsee ein. Außerdem sind Fischarten aus den in die Ostsee mündenden Flüssen eingewandert.
Für marine Fische und die Wirbellosen ist zu beobachten, dass ihre Artenzahl mit sinkendem Salzgehalt, also von den Belten und Sunden über die südliche und mittlere bis zur nördlichen Ostsee immer mehr abnimmt. Die untere Schwelle für das Auftreten dieser Arten liegt bei einem Salzgehalt von etwa 5 ‰ bis 10 ‰. Die Regionen, in denen der Salzgehalt zwischen 5 ‰ und 8 ‰ liegt, weisen ein Minimum an Arten auf, da hier der Salzgehalt für marine Arten zu niedrig, für Süßwasserorganismen aber schon zu hoch ist. Diese Grenze liegt etwas östlich der Darßer Schwelle nördlich von Rostock. In Brackwasser bilden marine Arten oft Kümmerformen, wachsen langsamer, bleiben kleiner und haben eine geringere Lebenserwartung. Fische haben eine reduzierte Wirbelzahl, gehäusebildende Wirbellose produzieren dünnere Schalen. In der Grenzregion sind viele Arten nicht mehr fortpflanzungsfähig und die Bestände werden nur durch zuströmende Larven aufrechterhalten. Die Eier von Meeresfischen entwickeln sich oft pelagisch (schwebend im Wasser) und brauchen ein bestimmtes spezifisches Gewicht des umgebenden Wassers, um im Schwebezustand zu bleiben. Als Anpassung daran nimmt der Eidurchmesser einiger Arten mit abnehmendem Salzgehalt zu. Bei der Flunder und der Scholle, deren Eier normalerweise pelagisch sind, entwickeln sich die Eier in der Ostsee auf dem Meeresboden, haben hier allerdings eine dickere Haut. Fische, denen eine solche Anpassung nicht gelingt, wie die Sardelle, die Makrele und die Bastardmakrele, sind nur als Irrgäste in der westlichen Ostsee anzutreffen.
In den tiefen Bereichen der westlichen und zentralen Ostsee bei Bornholm, vor Gdańsk und bei Gotland fehlt Sauerstoff fast völlig. Es sind hohe Konzentrationen von Schwefelwasserstoff vorhanden und höheres Leben (Vielzellige Tiere (Metazoa)) fehlt. Stattdessen kommt es zu einer hohen Konzentration von Bakterien, Archaeen und eukaryotischen Einzellern (Protisten). Dies trifft besonders auf die Chemokline in der westlichen Ostsee zu.Klaus Jürgens: Mikrobielles Leben in den lebensfeindlichen Tiefen der Ostsee. In: Traditio et Innovatio, Forschungsmagazin der Universität Rostock, 02-08
Säugetiere
mini|Ostsee-Ringelrobbe mini|Gewöhnlicher Schweinswal mini|Kegelrobbe Kegelrobbe (Halichoerus grypus) Ostsee-Ringelrobbe (Phoca hispida botnica) Seehund (Phoca vitulina) Gewöhnlicher Schweinswal (Phocoena phocoena) Weißschnauzendelfin (Lagenorhynchus albirostris)
Knorpelfische mini|Heringshai In der Ostsee sind (stand 2008), etwa 31 Hai- und Rochenarten zu finden, wovon die meisten im Skagerrak und Kattegat vorkommen. Namen: Heike Zidowitz, Michael George, Sonja Fordham, Sven Kullander Sharks in the Baltic: Distribution, use and conservation of cartilaginous fishes in the Baltic Sea Shark Alliance, 2008 Heike Zidowitz, Carina Kaschner, Victoria Magath, Renate Thiel, Simon Weigmann, Rolf Thiel Gefährdung und Schutz der Haie und Rochen in den deutschen Meeresgebieten der Nord- und Ostsee Bundesamt für Naturschutz, 2017 Viele Arten wurden nur ein einziges Mal gesichtet oder gefunden, weshalb man hier nicht von heimischen Arten sprechen kann.Jesco Seifert Exploring the jaws of sharks resident in the German Baltic Sea Naturkundemuseum Chemnitz, 2025
In deutschen Gebieten der Ostsee sind wahrscheinlich folgende Arten heimisch: Haie Heringshai (Lamna nasus) Dornhai (Squalus acanthias) Kleingefleckter Katzenhai (Scyliorhinus canicula) Hundshai (Galeorhinus galeus) Rochen Mette K. Schiønning, Anne-Mette Kroner, Jan W. Thomsen, Henrik Carl, Peter R. Møller, Tobias K. Mildenberger A guide to sharks and skates in Danish and adjacent waters University of Copenhagen, 2025, ISBN 978-87-7481-414-6 Sternrochen (Amblyraja radiata) Nagelrochen (Raja clavata) Glattrochen (Dipturus batis)
Knochenfische Störe mini|Atlantischer Stör Russischer Stör (Acipenser gueldenstaedtii), eingeführt Atlantischer Stör (Acipenser oxyrinchus), ausgerottet Sterlet (Acipenser ruthenus), eingeführt Europäischer Stör (Acipenser sturio)
Heringsartige Maifisch (Alosa alosa) Finte (Alosa fallax) Atlantischer Hering (Clupea harengus) Europäische Sardelle (Engraulis encrasicolus) Europäische Sprotte (Sprattus sprattus)
Karpfenartige mini|Brachse mini|Rotfeder Brachse (Abramis brama) Schneider (Alburnoides bipunctatus) Ukelei (Alburnus alburnus) Zope (Ballerus ballerus) Barbe (Barbus barbus) Güster (Blicca bjoerkna) Karausche (Carassius carassius) Giebel (Carassius gibelio), eingeführt Nase (Chondrostoma nasus) Karpfen (Cyprinus carpio), eingeführt Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix), eingeführt Rapfen oder Schied (Leuciscus aspius) Döbel (Squalius cephalus) Moderlieschen (Leucaspius delineatus) Aland (Leuciscus idus) Hasel (Leuciscus leuciscus) Ziege (Pelecus cultratus) Elritze (Phoxinus phoxinus) Rotauge (Rutilus rutilus) Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus) Schleie (Tinca tinca) Zährte (Vimba vimba) Bachschmerle (Barbatula barbatula) Steinbeißer (Cobitis taenia) Europäische Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis)
Lachsartige mini|Ostseeschnäpel Kleine Maräne (Coregonus albula) Ostseeschnäpel (Coregonus maraena) Aspsik (Coregonus pallasii) Peledmaräne (Coregonus peled), eingeführt Ketalachs (Oncorhynchus keta), eingeführt Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss), eingeführt Atlantischer Lachs (Salmo salar) Forelle (Salmo trutta) Wandersaibling (Salvelinus alpinus) Europäische Äsche (Thymallus thymallus)
Dorschartige mini|Dorsch Nordische Seequappe (Ciliata septentrionalis) Vierbärtelige Seequappe (Enchelyopus cimbrius) Dorsch (Gadus morhua) Quappe (Lota lota) Schellfisch (Melanogrammus aeglefinus) Wittling (Merlangius merlangus) Hechtdorsch (Merluccius merluccius) Blauer Wittling (Micromesistius poutassou) Leng (Molva molva) Gabeldorsch (Phycis blennoides) Pollack (Pollachius pollachius) Köhler (Pollachius virens) Froschdorsch (Raniceps raninus) Stintdorsch (Trisopterus esmarkii) Franzosendorsch (Trisopterus luscus) Zwergdorsch (Trisopterus minutus)
Grundeln mini|Glasgrundel Glasgrundel (Aphia minuta) Schwarzgrundel (Gobius niger) Schwimmgrundel (Gobiusculus flavescens) Schwarzmund-Grundel (Neogobius melanostomus) Strandgrundel (Pomatoschistus microps) Sandgrundel (Pomatoschistus minutus) Fleckengrundel (Pomatoschistus pictus)
Seenadelartige mini|Große Schlangennadel Große Schlangennadel (Entelurus aequoreus) Kleine Schlangennadel (Nerophis ophidion) Große Seenadel (Syngnathus acus) Kleine Seenadel (Syngnathus rostellatus) Grasnadel (Syngnathus typhle) Gewöhnlicher Schnepfenfisch (Macroramphosus scolopax) Gestreifter Leierfisch (Callionymus lyra) Gefleckter Leierfisch (Callionymus maculatus)
Scombriformes Brachsenmakrele (Brama brama) Ungestreifter Pelamide (Orcynopsis unicolor) Silberbrassen (Pterycombus brama) Pelamide (Sarda sarda) Makrele (Scomber scombrus) Makrelenhecht (Scomberesox saurus) Segelflossen-Brachsenmakrele (Taractes asper), Irrgast. Roter Thun (Thunnus thynnus)
Stachelmakrelenartige Pilotfisch (Naucrates ductor), Irrgast. Gemeiner Schiffshalter (Remora remora), Irrgast. Bläuel (Trachinotus ovatus) Bastardmakrele (Trachurus trachurus) Schwertfisch (Xiphias gladius)
Plattfische mini|Flunder mini|Scholle Lammzunge (Arnoglossus laterna) Zwergzunge (Buglossidium luteum) Hundszunge (Glyptocephalus cynoglossus) Doggerscharbe (Hippoglossoides platessoides) Heilbutt (Hippoglossus hippoglossus) Kliesche (Limanda limanda) Rotzunge (Microstomus kitt) Flunder (Platichthys flesus) Platichthys solemdali, einzige endemische Fischart der Ostsee Scholle (Pleuronectes platessa) Zwergbutt (Phrynorhombus norvegicus) Steinbutt (Scophthalmus maximus) Glattbutt (Scophthalmus rhombus) Seezunge (Solea solea) Haarbutt (Zeugopterus punctatus)
Barschartige mini|Flussbarsch mini|Dreistachliger Stichling mini|Gestreifter Seewolf mini|Steinpicker Agonus cataphractus Kaulbarsch (Gymnocephalus cernua) Flussbarsch (Perca fluviatilis) Zander (Sander lucioperca) Gewöhnliches Petermännchen (Trachinus draco) Grauer Knurrhahn (Eutrigla gurnardus) Roter Knurrhahn (Chelidonichthys lucerna) Dreistachliger Stichling (Gasterosteus aculeatus) Neunstachliger Stichling (Pungitius pungitius) Seestichling (Spinachia spinachia) Gestreifter Seewolf (Anarhichas lupus) Spitzschwanz-Schlangenstachelrücken (Lumpenus lampretaeformis) Atlantischer Butterfisch (Pholis gunellus) Aalmutter (Zoarces viviparus) Steinpicker (Agonus cataphractus) Groppe (Cottus gobio) Sibirische Groppe (Cottus poecilopus) Seehase (Cyclopterus lumpus) Liparis barbatus Großer Scheibenbauch (Liparis liparis) Kleiner Scheibenbauch (Liparis montagui) Seeskorpion (Myoxocephalus scorpius) Vierhörniger Seeskorpion (Myoxocephalus quadricornis) Seebull (Taurulus bubalis) Zwergseeskorpion (Taurulus lilljeborgi)
Sonstige Barschverwandte Adlerfisch (Argyrosomus regius) Kleiner Sandaal (Ammodytes marinus) Tobiasfisch (Ammodytes tobianus) Großer Sandaal (Hyperoplus lanceolatus) Ungefleckter Großer Sandaal (Hyperoplus immaculatus) Gewöhnlicher Hornhecht (Belone belone) Gold-Meeräsche (Chelon auratus) Dicklippige Meeräsche (Chelon labrosus) Dünnlippige Meeräsche (Chelon ramada) Europäischer Wolfsbarsch (Dicentrarchus labrax) Goldmaid (Symphodus melops) Klippenbarsch (Ctenolabrus rupestris) Gefleckter Lippfisch (Labrus bergylta) Marokko-Meerbrasse (Dentex maroccanus) Rote Fleckbrasse (Pagellus bogaraveo) Streifenbrasse (Spondyliosoma cantharus)
Sonstige Europäischer Aal (Anguilla anguilla) Meeraal (Conger conger) Hecht (Esox lucius) Lampris guttatus Schwarzer Seeteufel (Lophius budegassa) Seeteufel (Lophius piscatorius) Stint (Osmerus eperlanus) Europäischer Wels (Silurus glanis)
Neunaugen mini|Keulen-Seescheide
Flussneunauge (Lampetra fluviatilis) Meerneunauge (Petromyzon marinus)
Seescheiden Schlauchseescheide (Ciona intestinalis) Keulen-Seescheide (Clavelina lepadiformis) Tangbeere (Dendrodoa grossularia)
Stachelhäuter mini|Gemeiner Seestern mini|Lebende Strandseeigel (Psammechinus miliaris) (Kleiner Belt / Ostsee) mini|Heller Schlangenstern Heller Schlangenstern (Ophiura albida) Gemeiner Seestern (Asterias rubens)