Die Elektrische Kleinbahn Mansfeld war eine meterspurige, elektrische Straßenbahn im Mansfelder Bergbaurevier. Eigentümer des als Kleinbahn konzessionierten Betriebs war die Aktiengesellschaft Elektrische Kleinbahn im Mansfelder Bergrevier. Das etwa 32 Kilometer lange Streckennetz wurde 1900 eröffnet. Nachdem der Betrieb 1922 aus finanziellen Gründen eingestellt wurde, scheiterten bis 1929 mehrere Versuche die Bahn wieder zu eröffnen. Sie diente hauptsächlich dem Personenverkehr, Güterverkehr wurde nur in geringem Umfang durchgeführt.
Geschichte Vorgeschichte und Bau Das Gebiet um Hettstedt und Eisleben erhielt mit den in den 1860er und 1870er Jahren eröffneten Bahnstrecken Halle–Hann. Münden und Berlin–Blankenheim einen Eisenbahnanschluss. Da insbesondere die zweite Strecke aber ausschließlich für den Durchgangsverkehr gebaut wurde, wurde bei der Planung nur wenig Rücksicht auf weitere, nahe der Strecke liegende Ortschaften genommen. Um 1890 wurden daher Wünsche für eine bessere Erschließung der Gegend geäußert. Die als Straßenbahn geplante Strecke sollte dabei entlang vorhandener Straßen gebaut werden und zudem sollte auch Güterverkehr möglich sein. Man konnte sich bis 1896 auf einen genauen Trassenverlauf einigen, sodass am 3. Oktober 1896 eine Konzession beantragt wurde.
mini|links|Aktie über 1000 Mark der Elektrischen Kleinbahn im Mansfelder Bergrevier AG vom 8. Dezember 1898
Am 27. Juni 1898 erhielt man die entsprechende Konzession für eine schmalspurige, elektrifizierte Kleinbahn von Hettstedt nach Eisleben. Die Elektrische Kleinbahn im Mansfelder Bergrevier AG wurde daraufhin am 8. August 1896 gegründet. Nachdem im Herbst 1898 mit einem Kapital von 4,5 Millionen Mark die Bauarbeiten begannen, konnten die Arbeiten für den Unterbau noch im selben Jahr bis auf einige Brücken beendet werden. Das notwendige Bahnkraftwerk entstand beim Bahnhof Mansfeld und war Ende 1898 ebenfalls weitgehend fertiggestellt. Es versorgte zudem weitere Ortschaften der Umgebung mit Strom, noch vor der Eröffnung der Kleinbahn musste es wegen großer Nachfrage erweitert werden. Die Gleisverlegung war 1899 abgeschlossen, allerdings war die elektrische Ausrüstung der Strecke noch nicht abgeschlossen.
Erste Probefahrten erfolgten am 26. Januar, die für Anfang Februar geplante Betriebseröffnung musste wegen fehlender Restarbeiten erneut verschoben werden. Am 10. April 1900 wurde schließlich das erste, etwa 13 km lange Teilstück vom Bahnhof Mansfeld bis nach Eisleben eröffnet. Wenige Tage später sowie im Mai 1900 erfolgten weitere Betriebsaufnahmen, sodass ab dem 19. Mai 1900 Verkehr von Helfta bis zum Ort Mansfeld sowie auf der Stichstrecke zum Eislebener Bahnhof möglich war. Die kurze Strecke zum Friedhof wurde am 2. August 1900 dem Betrieb übergeben und zum 7. Oktober 1900 folgte das letzte, etwa 8 km lange Teilstück vom Ort Mansfeld bis Hettstedt. Güterverkehr wurde erst ab dem 11. Oktober 1906 genehmigt, nachdem die Konzession entsprechend geändert wurde.
Betrieb
Zunächst führte die Firma Kramer & Co. in Berlin den Betrieb durch. Obwohl 1900 insgesamt etwa 1,3 Millionen Fahrgäste transportiert wurden, erwirtschaftete die Betrieb kaum Gewinn. Noch im Oktober 1900 musste die Betreibergesellschaft Konkurs anmelden. Ab 1. Januar 1901 übernahm die Allgemeine Deutsche Kleinbahn AG den Betrieb, aber auch diese Gesellschaft ging noch 1901 bankrott, konnte aber saniert werden. Obwohl sich die Fahrgastzahl in den Folgejahren erhöhte, waren die Transporteinnahmen rückläufig. So wurden 1913 etwa 3,1 Millionen Fahrgäste transportiert. Gewinnbringend war lediglich das Kraftwerk, an das 1914 immerhin 45 Ortschaften sowie zahlreiche Betriebe der Umgebung angeschlossen waren.
mini|Bahnstation Eisleben Plan, im Vordergrund die Strecke zum Bahnhof (1905)
Infolge des Ersten Weltkrieges war die Unterhaltung von Strecke und Fahrzeugen nur unzureichend möglich. Noch am 4. August 1914 wurde die Stadtstrecke zum Friedhof Eisleben stillgelegt, im Juni 1916 folgte der Abschnitt Eisleben Plan–Eisleben Bahnhof. Im weiteren Verlauf des Krieges wurde der Verkehr ab 1916 weiter eingeschränkt, indem das Fahrplanangebot auf der verbliebenen Strecke Helfta–Hettstedt reduziert wurde. Im Februar 1919 entfiel die Zweite Klasse ersatzlos. Mit der steigenden Inflation nach Kriegsende war es nicht möglich, die Strecke und Betriebsmittel grundlegend instand zu setzen.
Am 1. Januar 1920 übernahm der Provinzialverband Sachsen-Anhalt die Kleinbahn und beauftragte die Elektrizitätswerk Sachsen-Anhalt AG (ESAG) mit der Betriebsführung. Diese Gesellschaft löste den unrentablen Bahnbetrieb, dessen Schulden sich 1922 auf etwa 4 Millionen Mark beliefen, vom rentablen Kraftwerk und beantragte die Betriebseinstellung der Straßenbahn am 25. November 1922. Am 2. Dezember 1922 wurde der Verkehr auf der verbliebenen Stammstrecke eingestellt. Zunächst wurde ab dem 19. Dezember 1922 als Ersatz eine Omnibuslinie der Firma Lauterwald eingerichtet, im Juni 1929 übernahm schließlich der Kraftverkehr Mansfeld GmbH den Omnibusverkehr entlang der Kleinbahn. Zwar gab es nochmals verschiedene Versuche die Bahn zu reaktivieren – so erreichte die ESAG u. a. 1928 die Umwandlung der Konzession in eine Überlandstraßenbahn – doch bis zum Juli 1929, dem spätesten Termin zur erneuten Betriebsaufnahme, konnte kein Ergebnis erreicht werden, sodass die Konzession erlosch. Der Verkauf von Betriebsanlagen und Fahrzeugen war zu diesem Zeitpunkt schon größtenteils erfolgt.
Heutiger Zustand
mini|hochkant|In der Eislebener Bahnhofstraße als Denkmal aufgestellter Fahrleitungsmast (2016)
In Eisleben und Mansfeld erinnern Fahrleitungsmasten und Gedenktafeln an die Kleinbahn. Auch die Brücke über eine ebenfalls abgebaute Strecke der Mansfelder Bergwerksbahn beim Haltepunkt Helbra Bad Anna blieb erhalten, dort wird der Bahndamm samt sogenannter „Sommerwegbrücke“ heute als Fußweg genutzt. 2023/24 wurde die denkmalgeschützte Brücke für etwa 700.000 € saniert.
Fahrzeuge
Zur Betriebseröffnung waren 1900 zwanzig vierachsige Triebwagen, die mit den Nummern 1–20 bezeichnet wurden, und ebenfalls fünfzehn dazugehörige vierachsige Beiwagen mit den Nummern 21–35 vorhanden. Alle Fahrzeuge wurden von der Breslauer Actiengesellschaft für Eisenbahnwagenbau und Maschinenbauanstalt gebaut. Die elektrische Ausrüstung kam von Walker & Co. aus Cleveland und den Siemens-Schuckert-Werken.
Da sich die vierachsigen Beiwagen bei der neigungs- und kurvenreichen Streckenführung nicht bewährten, wurden sie 1901 zu den Straßenbahnen Aachen und Breslau verkauft. Stattdessen wurden fünf zweiachsige Beiwagen von M.E. Domansky Eisenbahn-Waggonbau aus Danzig-Schellmühl erworben, diese Wagen erhielten die Nummern 30II–34II. Ebenso wurden 1902 vorrangig für die kurzen Stichstrecken in Eisleben drei zweiachsige Triebwagen von M.E. Domansky mit elektrischer Ausrüstung der Siemens-Schuckert-Werke gekauft.
Ein weiterer zweiachsiger Beiwagen wurde 1905 von der Gottfried Lindner AG beschafft, zwei weitere zweiachsige Beiwagen folgten 1909 von der Waggonfabrik Bautzen sowie als letzte Fahrzeugbeschaffung 1910 zwei vierachsige Beiwagen erneut von der Gottfried Lindner AG.
Für den Güterverkehr waren maximal 10 Güterwagen vorhanden, dazu kamen weitere 11 Fahrzeuge für bahninterne Zwecke.
Die meisten Fahrzeuge wurden 1928 verschrottet, nachdem sich kein Käufer fand. Nur die Straßenbahn Hohenstein-Ernstthal–Oelsnitz, die Straßenbahn Reutlingen, die Straßenbahn Eisenach und die Iserlohner Kreisbahn erwarben einige Fahrzeuge.
Baujahr Motorleistung in PS Sitzplätze Stehplätze Triebwagen 1–20 1898–1900 2 × 21,6 34 16 Triebwagen 21–23 1902 2 × 18,9 20 13 Beiwagen 21–35 1898–1900 - 34 16 Beiwagen 30II–34II 1902 - 18 20 Beiwagen 35II 1905 - 10 20 Beiwagen 36/37 1909 - 18 24 Beiwagen 38/39 1910 - 44 20
Siehe auch Mansfelder Bergwerksbahn
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Mansfeld Mansfeld