mini|Luftaufnahme der Innenstadt von Münster, 2009 mini|Domplatz und Prinzipalmarkt im Modell für Blinde (2005)

Die kreisfreie Stadt Münster (münsterländisch Mönster, , , altsächsisch Mimigernaford, ) in Westfalen ist Sitz des nach ihr benannten Regierungsbezirks in Nordrhein-Westfalen. Von 1815 bis 1946 war Münster Hauptstadt der preußischen Provinz Westfalen. Die Stadt an der Münsterschen Aa liegt zwischen dem Ruhrgebiet und Osnabrück im Zentrum des Münsterlandes und ist als zweiundzwanzigstgrößte Stadt Deutschlands eines der Oberzentren des Landes Nordrhein-Westfalen.

Münster ist seit 1917 eine Großstadt, im Jahr 2014 überstieg ihre Einwohnerzahl erstmals die Marke von 300.000 Personen. Mit 65.000 Studenten (2018) gehört Münster zu den zehn größten Universitätsstädten Deutschlands. Außerdem ist Münster durch sein fahrradfreundliches Stadtbild als Fahrradstadt bekannt.

Die Stadt ist ein wichtiger Dienstleistungs- und Verwaltungsstandort und Sitz mehrerer Hochschulen. Wichtige Gerichte und Verwaltungseinrichtungen für das Land Nordrhein-Westfalen sind in Münster ansässig, darunter der Verfassungsgerichtshof und das Oberverwaltungsgericht. Die ehemalige westfälische Provinzialhauptstadt ist heute Sitz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Münster ist Sitz eines katholischen Bischofs. Im Jahre 799 gründete Papst Leo III. bei seinem Treffen mit Karl dem Großen das Bistum Münster sowie die Diözesen Osnabrück, Minden und Paderborn. 805 wurde der heilige Ludgerus in Köln zum ersten Bischof von Münster geweiht. Von 2009 bis zu seiner Emeritierung 2025 war Felix Genn der Bischof. Seit 2026 ist Heiner Wilmer als der 76. Nachfolger des Heiligen Liudger Bischof von Münster.

Bekannt ist Münster für seine nach dem Zweiten Weltkrieg zu Teilen rekonstruierte historische Altstadt.

Geographie

Geographische Lage

mini|Gerard ter Borch: Einzug des holländischen Gesandten Adriaan Pauw (Stadtmuseum Münster)

Münster liegt an der Münsterschen Aa, 15 km südlich ihrer Mündung in die Ems, in der von sandig-lehmigen Ablagerungen überdeckten Westfälischen Tieflandsbucht inmitten einer von Streusiedlungen und Einzelhöfen geprägten Landschaft, dem Münsterland. Die saaleeiszeitlichen Sedimente des Münsterländer Kiessandzuges durchziehen die Stadt mittig in Nordsüdrichtung. Der höchste Punkt ist der Vorbergshügel im Naturschutzgebiet Vorbergs Hügel mit , der niedrigste Punkt befindet sich im Norden des Stadtgebiets an der Ems auf einer Höhe von . Münsters Innenstadt liegt auf , gemessen auf dem Prinzipalmarkt vor dem Rathaus.

Die niederländische Stadt Enschede ist etwa 65 km entfernt. Weitere Großstädte in der näheren Umgebung sind Städte im Ruhrgebiet (Herne und Bochum, jeweils etwa 55 und 59 km südwestlich wie auch Gelsenkirchen, 61 km entfernt, und Dortmund ca. 52 km südlich) sowie Osnabrück etwa 44 km nördlich, Hamm ca. 34 km südlich und Bielefeld etwa 62 km östlich.

Münster ist einer der 42 deutschen Verdichtungsräume und gehört zu den flächengrößten Städten Deutschlands. Darin sind jedoch größere, schwach besiedelte, ländliche Gebiete der 1975 eingemeindeten Orte enthalten. Nahezu die Hälfte des Stadtgebiets wird landwirtschaftlich genutzt, was die relativ geringe Bevölkerungsdichte von gut 1000 Einwohnern pro km² erklärt.

mini|links|Bronzemodell der Innenstadt von Münster

Außerdem ist das zusammenhängend bebaute Stadtgebiet flächenmäßig vergleichsweise groß, da die Bebauung niedriger ist als in anderen Städten mit vergleichbarer Einwohnerzahl. Dies resultiert vor allem aus dem hohen Anteil an Einfamilienhäusern und Villen sowie der größtenteils nur zwei- bis dreistöckigen Mietshäusern. Hochhäuser gibt es dagegen nur vereinzelt, Mietskasernen und Wolkenkratzer finden sich in Münster nicht. Auffällig im Vergleich zu anderen deutschen Städten ist, dass die Häuser häufig in Backsteinbauweise errichtet wurden und oft giebel- statt traufständig sind. Dennoch ergeben sich im Stadtzentrum rund um den historischen Kern in einigen Bereichen hohe Einwohnerdichten von bis zu 15.000 Einwohner pro km². Daraus ergibt sich eine Siedlungsdichte, das heißt die Einwohnerdichte im besiedelten Stadtgebiet, von rund 2890 Einwohnern pro km².

Die Gesamtfläche des Stadtgebiets von 300,327 km² teilt sich auf in 74,181 km² Siedlungsflächen, 26,429 km² Verkehrsflächen, 194,012 km² Vegetationsflächen sowie 6,001 km² Wasserflächen. Der Umfang beträgt dabei 107 km, die Ausdehnung von Norden nach Süden 24,4 km und von Westen nach Osten 20,6 km.

Nachbargemeinden und Kreise Die Stadt grenzt an folgende Städte und Gemeinden – sie werden im Uhrzeigersinn genannt, beginnend im Nordwesten: Altenberge und Greven (Kreis Steinfurt), Telgte, Everswinkel, Sendenhorst und Drensteinfurt (Kreis Warendorf), sowie Ascheberg, Senden und Havixbeck (Kreis Coesfeld).

Stadtgliederung Das Stadtgebiet Münsters ist gemäß § 1 der Hauptsatzung der Stadt in die sechs Stadtbezirke Mitte, Nord, Ost, West, Süd-Ost und Hiltrup gegliedert. In jedem Stadtbezirk gibt es eine Bezirksvertretung mit jeweils 19 Mitgliedern, die bei jeder Kommunalwahl von der Bevölkerung des Stadtbezirks gewählt werden. Vorsitzender der Bezirksvertretung ist der Bezirksbürgermeister. Gemäß der Hauptsatzung gliedern sich die einzelnen Stadtbezirke weiter auf in Wohnbereiche. Dieser offizielle Begriff wird jedoch praktisch nicht verwendet. Stattdessen wird der Begriff des Stadtteils als Synonym für Wohnbereich benutzt. Zu statistischen Zwecken sind diese Wohnbereiche weitergehend in insgesamt 45 statistische Bezirke untergliedert.

Nachfolgend sind die Stadtbezirke mit ihren zugehörigen Wohnbereichen und weiteren Wohnplätzen gemäß der Hauptsatzung der Stadt Münster aufgelistet. Es handelt sich dabei um die offiziellen Bezeichnungen, wie sie in der Satzung aufgeführt sind und die sich teilweise von der Bezeichnung im üblichen Sprachgebrauch unterscheiden: mini|alt=|Stadtbezirke von Münster

Mitte: Kernbereich Nord: Coerde Kinderhaus Sprakel mit Sandrup Ost: Gelmer mit der Bauerschaft Gittrup Dyckburg mit Mariendorf und Sudmühle Handorf mit Kasewinkel, Kreuzbach, Laer, Dorbaum und Verth links der Ems und Werse Mauritz-Ost und Mondstraße, zusammengefasst bekannt als St. Mauritz West: Albachten Gievenbeck Mecklenbeck Nienberge mit Häger, Schonebeck und Uhlenbrock Roxel mit Altenroxel und Oberort Sentruper Höhe Süd-Ost: Angelmodde mit Hofkamp Gremmendorf mit Loddenheide Wolbeck Münster-Hiltrup: Amelsbüren mit Sudhoff, Loevelingloh und Wilbrenning Berg Fidel Hiltrup

Der Kernbereich der Stadt kann in historisch gewachsene Stadtviertel unterteilt werden. Die Grenzen dieser Stadtviertel sind oftmals nicht genau definiert. Zu den Stadtvierteln gehören unter anderem Aaseestadt, Erphoviertel, Geistviertel, Hansaviertel, Herz-Jesu-Viertel, Kreuzviertel, Kuhviertel, Mauritzviertel, Pluggendorf, Rumphorst, Südviertel, Uppenberg sowie das Zentrum Nord. Die Stadtteile der fünf Außenbezirke umfassen größtenteils die Gebiete der ehemals selbständigen Gemeinden, bevor sie im Laufe der Zeit nach Münster eingemeindet wurden.

Oberflächengewässer und Feuchtgebiete

Das Gebiet der Stadt Münster liegt hydrologisch im Flusssystem der Ems.

Im Stadtgebiet befinden sich zahlreiche Oberflächengewässer unterschiedlicher Typen, darunter Flüsse, Bäche, Kanäle und Seen. Bedeutende Fließgewässer sind die Münstersche Aa, die Werse, die Ems sowie der Emmerbach.

Die Münstersche Aa ist das zentrale Fließgewässer der Stadt Münster. Sie entsteht aus mehreren Quellbächen im westlichen Münsterland. Sie erreicht Münster aus südwestlicher Richtung, durchfließt den Aasee sowie die Innenstadt und verläuft anschließend nordwärts zur Mündung in die Ems bei Greven. Historisch spielte die Münstersche Aa eine wichtige Rolle für die Stadtentwicklung sowie für Mühlen- und Wasseranlagen. Heute besitzt sie vor allem Bedeutung für Stadtökologie, Hochwasserschutz und Naherholung.

Die Werse verläuft insbesondere durch die östlichen Stadtteile wie Handorf und Angelmodde. Bei Handorf mündet die Werse in die Ems. Sie zeichnet sich durch naturnahe Auenlandschaften und eine vergleichsweise geringe Fließgeschwindigkeit aus. Sie wird für Freizeitaktivitäten wie Kanusport und Radtourismus genutzt und ist zugleich Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.

Die Ems verläuft ausschließlich durch die äußersten östlichen und nordöstlichen Randbereiche der Stadt, insbesondere bei Handorf, Gelmer und Gittrup. Sie erreicht das Stadtgebiet aus östlicher Richtung bei Telgte beziehungsweise Vadrup und verläuft anschließend nordwestwärts durch naturnahe Emsauen mit Feuchtwiesen und Altarmen. Große Teile der Emsauen stehen unter Naturschutz. Zudem besitzt die Ems Bedeutung für Naherholung und Tourismus.

Zu den stehenden Gewässern zählen insbesondere der beiden künstlich angelegten Seen Aasee und Hiltruper See.

Der Aasee ist ein Stausee im Südwesten der Innenstadt. Er entstand in den 1930er Jahren durch die Aufstauung der Münsterschen Aa, wurde später mehrfach erweitert und umgestaltet. Der See dient der Wasserregulierung und dem Hochwasserschutz und besitzt große Bedeutung als Naherholungsgebiet. Entlang des Aasees befinden sich Parkanlagen, Promenaden sowie kulturelle Einrichtungen und der Allwetterzoo Münster.

Der Hiltruper See liegt im südlichen Stadtgebiet im Stadtteil Hiltrup. Er entstand aus ehemaligen Kiesabbauflächen und entwickelte sich zu einem Freizeit- und Naherholungsgebiet. Teile des Uferbereichs stehen unter naturschutzfachlicher Beobachtung, da sich dort wertvolle Lebensräume für Wasservögel und andere Tierarten entwickelt haben.

Darüber hinaus verlaufen der Dortmund-Ems-Kanal und der historische Max-Clemens-Kanal durch das Stadtgebiet.

Im Stadtgebiet führt der Dortmund-Ems-Kanal unter anderem durch Amelsbüren, Hiltrup, den Hafenbereich, Coerde und Gelmer. Besonders bedeutend ist der Stadthafen südöstlich der Innenstadt, der die wirtschaftliche Entwicklung Münsters wesentlich förderte. Im Norden Münsters kreuzt der Kanal die Ems bei Gelmer auf der historischen Kanalbrücke „Alte Fahrt“. Zudem befindet sich im Stadtgebiet die Schleusenanlage Münster zur Überwindung von Höhenunterschieden. Heute besitzt der Kanal neben seiner Funktion als Bundeswasserstraße auch Bedeutung für Freizeit und Naherholung. Die Uferwege werden für Radverkehr, Spaziergänge und Wassersport genutzt.

Ergänzt wird das Gewässernetz durch zahlreiche kleinere Zuflüsse, Gräben und Teiche. Die Gewässer prägen sowohl den Naturhaushalt als auch das Landschaftsbild der Stadt und erfüllen Funktionen für Hochwasserschutz, Naherholung und Gewässerökologie.

Zu den bedeutendsten Feuchtgebieten zählen die Emsauen, die Rieselfelder Münster sowie verschiedene Feuchtwiesen, Altarme und Niedermoorbereiche entlang von Werse, Münsterscher Aa und Emmerbach. Diese Gebiete besitzen hohe Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz.

Besonders bekannt sind die Rieselfelder Münster im Norden der Stadt. Das ehemalige Verrieselungsgebiet der städtischen Abwasserreinigung entwickelte sich zu einem international bedeutsamen Feuchtgebiet und europäischen Vogelschutzgebiet. Die großflächigen Flachwasserzonen, Röhrichte und Feuchtwiesen dienen zahlreichen Zug- und Wasservogelarten als Rast- und Brutgebiet. Teile der Rieselfelder sind seit 1983 als „Feuchtgebiet internationaler Bedeutung“ nach der Ramsar-Konvention anerkannt.

Weitere wichtige Feuchtgebiete befinden sich in den Emsauen östlich von Handorf und Gelmer. Dort prägen Altgewässer, Überschwemmungsflächen und Feuchtgrünland die Landschaft. Große Teile dieser Bereiche stehen als Naturschutzgebiet „Emsaue“ unter Schutz.