Der Kreis Borna war ein Landkreis im Bezirk Leipzig der DDR. Von 1990 bis 1994 bestand er als Landkreis Borna in Sachsen fort. Sein Gebiet liegt heute im Landkreis Leipzig in Sachsen. Der Sitz der Kreisverwaltung befand sich in Borna.

Geographie Lage Der Kreis Borna lag südlich von Leipzig.

Nachbarkreise Der Kreis Borna grenzte im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Leipzig-Land, Grimma, Geithain, Altenburg, Zeitz und Hohenmölsen.

Naturraum Der Kreis lag im Süden der Leipziger Tieflandsbucht. Die Weißenfels-Bornaer Lößebene bildete leichtgewellte Hochflächen in 160 bis 180 m Höhe. Im Osten waren sandige Böden verbreitet, auf denen die Kiefernmischwälder des Großen Fürstenholzes wuchsen. Weiße Elster, Pleiße und Wyhra durchflossen von Süden nach Norden die Lößebene in etwa ein Kilometer breiten Talauen. Im Pleißetal lag mit 125 m der tiefste Punkt des Kreises. Infolge des verbreiteten Braunkohletagebaus war das natürliche Landschaftsbild größtenteils zerstört. Die Flussläufe wurden über weite Strecken umgeleitet.

Geschichte 1874 wurden im Königreich Sachsen im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform neue Kreishauptmannschaften und Amtshauptmannschaften eingerichtet. Die Amtshauptmannschaft Borna wurde zu Jahresbeginn 1939 in Landkreis Borna umbenannt. Nach 1945 gehörte dieser zum Land Sachsen und somit seit 1949 zur DDR. Durch das Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Länder in der Deutschen Demokratischen Republik vom 23. Juli 1952 kam es in den noch bestehenden fünf Ländern der DDR zu einer umfangreichen Kreisreform.Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern in der Deutschen Demokratischen Republik, im Gesetzblatt der DDR Nr. 99, 24. Juli 1952, S. 613ff., Online (PDF). So wurden am 25. Juli 1952 die Länder aufgelöst und 14 Bezirke eingerichtet. Hierbei wurden traditionelle Kreise aufgelöst oder in kleinere Kreise gegliedert, wobei es auch über die Grenzen der ehemaligen fünf Länder hinweg zu Gebietsänderungen kam. Der Kreis Borna wurde dem Bezirk Leipzig zugeordnet, Kreissitz wurde die Stadt Borna. Der Landkreis Borna gab 30 seiner 84 Gemeinden an den neu gebildeten Kreis Geithain ab. Der verbliebene Teil des Landkreises wurde um 8 Gemeinden des damaligen Landkreises Leipzig erweitert. folgende 30 Gemeinden wurden an den Kreis Geithain abgegeben: Altmörbitz, Bad Lausick, Benndorf, Buchheim, Dolsenhain, Ebersbach, Elbisbach, Eschefeld, Flösberg, Frankenhain, Frauendorf, Frohburg, Geithain, Gnandstein, Greifenhain, Hopfgarten, Kohren-Sahlis, Narsdorf, Nauenhain, Nenkersdorf, Neukirchen, Niedergräfenhain, Oberpickenhain, Ossa, Prießnitz, Roda, Streitwald, Syhra, Tautenhain und Wickershain im neuen Kreis Borna verblieben diese 54 Gemeinden: Audigast, Auligk, Berndorf, Beucha, Blumroda, Borna, Breunsdorf, Deutzen, Dittmannsdorf, Droßdorf, Droßkau, Elstertrebnitz, Espenhain, Eula, Görnitz, Groitzsch, Großstolpen, Großstorkwitz, Großzössen, Hagenest, Hain, Hainichen, Hemmendorf, Heuersdorf, Hohendorf, Kieritzsch, Kitzscher, Lippendorf, Lobstädt, Methewitz, Michelwitz, Mölbis, Muckern, Neukieritzsch, Oelzschau, Pegau, Peres, Pödelwitz, Pötzschau, Pulgar, Ramsdorf, Regis-Breitingen, Rötha, Ruppersdorf, Schleenhain, Steinbach, Stockheim, Stöntzsch, Thierbach, Trachenau, Trages, Weideroda, Wiederau und Zedtlitz. Hinzu kamen noch die folgenden 8 Gemeinden aus dem Landkreis Leipzig: Böhlen, Dreiskau, Kleinstorkwitz, Löbschütz, Rüben, Rüssen, Stöhna und Zehmen. Durch Gemeindegebietsänderungen und Umgliederungen über Kreisgrenzen hinweg sank die Zahl der Gemeinden von anfänglich 62 bis auf 28 bei Auflösung des Kreises zur 1. Kreisreform in Sachsen (Ende Juli 1994). 4. Dezember 1952 Umgliederung von Neukirchen-Wyhra aus dem Kreis Geithain in den Kreis Borna 4. Dezember 1952 Umgliederung von Thräna aus dem Kreis Altenburg in den Kreis Borna 1. Mai 1953 Rückgliederung von Zehmen aus dem Kreis Borna in den Kreis Leipzig 1. Januar 1957 Eingliederung von Hemmendorf in Berndorf 1. Januar 1957 Zusammenschluss von Dreiskau und Muckern zu Dreiskau-Muckern 1. Januar 1957 Zusammenschluss von Kleinstorkwitz und Rüssen zu Rüssen-Kleinstorkwitz 1. Januar 1957 Ausgliederung von Kahnsdorf aus Neukieritzsch 1. Januar 1960 Eingliederung von Stöhna in die Stadt Böhlen 1. Januar 1960 Eingliederung von Rüben in die Stadt Rötha 1. Januar 1960 Eingliederung von Blumroda in Thräna 15. September 1961 Zusammenschluss von Peres und Pulgar zu Peres-Pulgar 1. Juli 1964 Eingliederung von Trachenau in die Stadt Böhlen 2. September 1964 Eingliederung von Zahmen in Großdeuben 1. Januar 1965 Eingliederung von Görnitz in die Stadt Borna 1. Januar 1965 Eingliederung von Stöntzsch in die Stadt Pegau 1. September 1965 Eingliederung von Schleenhain in Hohendorf 1. April 1966 Eingliederung von Droßdorf, Droßkau und Pödelwitz in Großstolpen 1. Januar 1967 Zusammenschluss von Beucha und Steinbach zu Beucha-Steinbach 1. Januar 1971 Eingliederung von Hain in Kahnsdorf 1. Januar 1971 Umgliederung von Kreudnitz aus der Gde. Hain (seit 1948) in die Stadt Rötha 1. Oktober 1972 Zusammenschluss von Beucha-Steinbach und Stockheim zu Steinbach 1. Januar 1973 Zusammenschluss von Kieritzsch und Lippendorf zu Lippendorf-Kieritzsch 1. Januar 1973 Eingliederung von Großstorkwitz und Weideroda in Wiederau 1. Juli 1973 Eingliederung von Methewitz und Michelwitz in Auligk 1. August 1973 Eingliederung von Thierbach in die Stadt Kitzscher 1. August 1973 Eingliederung von Hagenest in Ramsdorf 1. Januar 1974 Eingliederung von Hohendorf in Berndorf 1. Januar 1974 Eingliederung von Dittmannsdorf in die Stadt Kitzscher 1. Januar 1974 Eingliederung von Löbschütz in die Stadt Zwenkau 1. Juli 1976 Eingliederung von Trages in Hainichen 1. Juli 1983 Eingliederung von Peres-Pulgar in Lippendorf-Kieritzsch 22. Dezember 1992 Umbenennung von Neukirchen in Neukirchen-Wyhra 1. Dezember 1993 Zusammenschluss von Neukirchen-Wyhra und Zedtlitz zu Wyhratal 1. Januar 1994 Eingliederung von Großzössen in Lobstädt 1. Januar 1994 Eingliederung von Breunsdorf in Neukieritzsch 1. Januar 1994 Eingliederung von Wiederau in die Stadt Pegau 1. März 1994 Eingliederung von Eula in die Stadt Borna

Am 17. Mai 1990 wurde der Kreis in Landkreis Borna umbenannt.Durch Gesetz über die Selbstverwaltung der Gemeinden und Landkreise in der DDR (Kommunalverfassung) vom 17. Mai 1990, im Gesetzblatt der DDR 1990, Band I, S. 255, Online (PDF). Anlässlich der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde der Landkreis Borna im Oktober 1990 durch das Ländereinführungsgesetz dem wiedergegründeten Land Sachsen zugesprochen. Bei der ersten sächsischen Kreisreform ging er am 1. August 1994 fast vollständig im Landkreis Leipziger Land auf, lediglich die Gemeinde Steinbach kam zum Muldentalkreis.

Einwohnerentwicklung Kreis Borna Jahr 1960 1971 1981 1989 Einwohner 97.044 96.134 89.788 85.995

Wirtschaft Die Wirtschaft wurde vom Braunkohletagebau und von den Betrieben der Kohlenveredlung bestimmt. Seit 1800 wurde im Bornaer Revier Kohle abgebaut. Anfang der zwanziger Jahre ging man zum Großtagebau über; Großkraftwerke (Böhlen 1926) und Chemiebetriebe (Großschwelerei und Brabag-Benzinwerk 1935/36) folgten. Die wichtigsten Industriebetriebe sind der VEB Erdölkombinat »Otto Grotewohl« in Böhlen, der VEB Braunkohlenkombinat Espenhain und der VEB Braunkohlenkombinat Borna. Infolge des Braunkohlentagebaus hat die landwirtschaftliche Nutzfläche und damit die Bedeutung der Landwirtschaft stark abgenommen. Weitere bedeutende Betriebe im Kreis waren

VEB Groitzscher Rohpappenfabrik VEB Bella Schuhfabrik Groitzsch VEB Elektrotechnische Werkstätte Rötha VEB Baustoffwerke Borna VEB Thermoglas Maltitz

Verkehr Die Autobahn Berliner Ring–Hirschberg führte durch das Kreisgebiet. Dem überregionalen Straßenverkehr dienten außerdem die F 2 von Leipzig über Pegau und Groitzsch nach Schleiz, die F 93 von Borna nach Zwickau, die F 95 von Leipzig über Borna und Karl-Marx-Stadt nach Kurort Oberwiesenthal und die F 176 von Pegau über Borna nach Döbeln.

Durch den Kreis Borna verliefen die Eisenbahnstrecken Leipzig–Böhlen–Altenburg, Böhlen–Espenhain, Neukieritzsch–Borna–Chemnitz, Neukieritzsch–Pegau und Leipzig–Pegau–Gera.

Bevölkerungsdaten der Städte und Gemeinden Bevölkerungsübersicht aller 33 Gemeinden des Kreises, die 1990 in das wiedergegründete Land Sachsen kamen.

TGS AGS Gemeinde Einwohner Fläche (ha) 03.10.1990 31.12.1990 130201 14016010 Audigast 416 410 636 130202 14016020 Auligk 1.215 1.208 2.083 130203 14016030 Berndorf 471 472 1.440 130204 14016040 Steinbach 941 935 1.226 130205 14016050 Böhlen, Stadt 6.724 6.622 1.855 130206 14016060 Borna, Stadt 23.305 23.128 2.703 130207 14016070 Breunsdorfab 1994 devastiert 212 179 617 130208 14016080 Deutzen 2.775 2.770 660 130210 14016100 Dreiskau-Muckern 339 334 577 130211 14016110 Großstolpen 470 474 1.601 130212 14016120 Elstertrebnitz 1.203 1.202 1.165 130213 14016130 Espenhain 1.571 1.545 318 130214 14016140 Eula 939 939 868 130215 14016150 Groitzsch, Stadt 6319 6288 1246 130217 14016170 Großzössen 713 711 559 130220 14016200 Hainichen 517 513 1.096 130221 14016210 Heuersdorfab 2007 devastiert 327 329 761 130230 14016230 Kahnsdorf 532 530 1.154 130225 14016250 Kitzscher, Stadt 8.036 7.993 1.804 130226 14016260 Lippendorf-Kieritzsch 628 565 1.754 130227 14016270 Lobstädt 1.706 1.689 714 130231 14016310 Mölbis 355 354 743 130232 14016320 Neukieritzsch 4.201 4.184 235 130233 14016330 Neukirchen 1.509 1.496 977 130234 14016340 Oelzschau 487 487 1.110 130235 14016350 Pegau, Stadt 5.043 5.013 1.376 130237 14016370 Pötzschau 282 280 644 130238 14016380 Ramsdorf 999 997 785 130239 14016390 Regis-Breitingen, Stadt 3.971 3.932 1.085 130240 14016400 Rötha, Stadt 4.852 4.713 1.788 130241 14016410 Rüssen-Kleinstorkwitz 430 436 375 130244 14016440 Thräna 903 905 694 130247 14016470 Wiederau 648 641 782 130248 14016480 Zedtlitz 964 963 987 1302 14016 Landkreis Borna 84.003 83.237 36.416

Kfz-Kennzeichen Den Kraftfahrzeugen (mit Ausnahme der Motorräder) und Anhängern wurden von etwa 1974 bis Ende 1990 dreibuchstabige Unterscheidungszeichen, die mit den Buchstabenpaaren SC und SD begannen, zugewiesen. Die letzte für Motorräder genutzte Kennzeichenserie war SW 70-01 bis SW 85-00.

Anfang 1991 erhielt der Landkreis das Unterscheidungszeichen BNA. Es wurde bis zum 31. Juli 1994 ausgegeben. Durch die Kennzeichenliberalisierung ist es seit dem 9. November 2012 im Landkreis Leipzig erhältlich.

Literatur Roland Meyer: Denkmale im Kreis Borna, Kulturbund d. DDR, Kreisvorstand Borna, ca. 1980

Einzelnachweise

Borna Kategorie:Ehemalige Verwaltungseinheit (Landkreis Leipzig) Kategorie:Bezirk Leipzig Borna Landkreis Borna