mini|Joseph Morand, Miniatur-PorträtAus dem Nachlass von Genevieve-Angélique Morand; 1911 in Händen der Gräfin von Villermont geb. Sibuet, der Urenkelin von Joseph Morand. vgl. Eutrope Cazalas: De Stralsund à Lunebourg: épisode de la campagne de 1813. L. Fornier, Paris 1911, S. 8 (französisch). Baron Joseph Morand (* 18. Juli 1757 in Allemans (La RivièreWeiler ca. 5 km südlich von Allemans), Département Dordogne; † 5. April 1813 in Boizenburg) war ein französischer General (Général de division) und Gouverneur in der Zeit der Koalitionskriege.

Leben und Wirken mini|hochkant|Familienwappen von 1811 Joseph Morand wurde als natürlicher Sohn des Capitaine Jérôme Morand (1716–1786), einem hochdekorierten Grenadier-Royaux,1777 im Rang eines Hauptmanns im Régiment provincial Perigueux; Auszeichnung: Chevalier de l’ordre royal et militaire de Saint-Louis, erhielt eine Rente von 300 Livre. und Marie Cressat geboren.Bulletin de la Société historique et archéologique du Périgord. Tome 35. Imprimerie de la Dordogne, Périgueux 1908, S. 407 (französisch). Nachdem er bis zu seinem 16. Lebensjahr eine Schule besucht hatte, meldete er sich am 20. Januar 1774 freiwillig zum Dienst im Régiment de Guyenne. Dort erhielt er seine erste militärische Ausbildung. Am 6. Juni 1776 wechselte er als Kadett in das Régiment de Picardie, wo er am 2. Juni 1777 zum Sous-lieutenant, am 4. Juni 1780 zum Seconde-lieutenant und am 15. Juni 1783 zum Premier-lieutenant befördert wurde.Eutrope Cazalas: De Stralsund à Lunebourg: épisode de la campagne de 1813. L. Fornier, Paris 1911, S. 6 (französisch). Im Rang eines Capitaine nahm Morand am 6. Mai 1787 seinen Abschied vom Militär und ehelichte am 28. November Jeanne-Angélique Cretin in Besançon. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, zwei Jungen und zwei Mädchen.

Nach Ausbruch der Französischen Revolution schloss sich Morand 1789 der Nationalgarde in Besançon an. Im darauffolgenden Jahr übernahm er im April das Kommando über die Nationalgarde in Saint-Étienne-de-Puycorbier. Einige Wochen später, am 2. Juli 1790, erhielt er den Auftrag im Distrikt Mussidan ein Freiwilligenbataillon der Nationalgarde zu formieren. Ende 1791 entschied sich Morand zum Wiedereintritt in den Militärdienst. Zur Armee zurückgekehrt wurde er am 12. Januar 1792 Captaine im 56e régiment d’infanterie (ab 1794 56e demi-brigade de bataille) und diente dann im Stab von Brigadegeneral Jean-Baptiste André Ruault de La Bonnerie in der Armée du Nord. Während dieser Jahre bewährte er sich bei mehreren Gelegenheiten, so bei der Belagerung von Lille und in der Schlacht von Neerwinden, bei der er eine ernste Verletzung am rechten Arm erlitt. Es folgte eine mehrmonatige Lazarettunterbringung in Lille. Dort erlangte Morand die Gewissheit, dass er seine rechte Hand nicht mehr nutzen kann. Joseph Durieux: La Dordogne militaire. Généraux et soldats de la Révolution et de l'Empire. Impr. générale du Sud-Ouest, Bergerac 1920, S. 47 (französisch). Nach der nur teilweisen Genesung wurde er Mitte Oktober 1794 zur Armée des Pyrénées-Occidentales versetzt und nahm am zweiten Feldzug gegen Spanien teil.J. Kessler: Die drey Feldzüge der Franzosen gegen die Spanier in den West-Pyrenäen in den Jahren 1793, 1794 und 1795. Johann Conrad Hinrichs, Leipzig 1804, S. 119, S. 146. Der nunmehr im Stabs- und Truppendienst eingesetzte Morand stieg bereits im November zum vorläufigen, dann per Dekret des Comité de Salut public am 13. Juni 1795 zum regulären Brigadegeneral auf.

Nach seiner Beförderung diente er im September 1795 in der Armée de l’Ouest und trat am 30. Oktober 1795 in den Dienst der Armée de l’Intérieur, die zur Bekämpfung royalistischer AufständeBeteiligung an der Niederschlagung des royalistischen Aufstandes vom 5. Oktober 1795 (13. Vendémiaire) in Paris. eingesetzt wurde. Er stand nunmehr erstmals unter dem Kommando von Napoléon Bonaparte, der seit dem 27. Oktober die Armée de l’Intérieur führte.C. Clerget (Hrsg.): Tableaux des armées françaises pendant les guerres de la Révolution. R. Chapelot, Paris 1905, S. 52, S. 57 (französisch). Anschließend übernahm Morand verschiedene Platzkommandos, so am 1. Januar 1796 in Cambrai und am folgenden 1. Oktober in Metz. Am 21. März 1797 wurde er zum Kommandanten von Luxemburg und des Départements des Forêts ernannt.Joseph Durieux: La Dordogne militaire. Généraux et soldats de la Révolution et de l’Empire. Impr. générale du Sud-Ouest, Bergerac 1920, S. 49 (französisch).Auguste Orts: La guerre des paysans 1798–99 Épisode de l'histoire Belge. Bruylant-Christophe & Comp, Bruxelles 1863, S. 180 f, S. 194 (französisch). In den folgenden zwei Jahren bekämpfte Morand die dortigen bewaffneten Aufstände. Das Gefecht bei Arzfeld bildete den blutigen Höhepunkt in der von ihm befohlenen Verfolgung der Aufständischen.Johann Engling: Geschichte des sogenannten Klöppelkrieges. V. Bück, Luxemburg 1858, S. 81, S. 83–89.Der „Klöppelkrieg“, seine Interpretation und sein Nachleben in der Geschichte des Großherzogtums Luxemburg. In: Rheinische Vierteljahrsblätter. Band 48. L. Röhrscheid, Bonn 1984, S. 161–237. Den an diesem Tag gefangen genommenen Bauern drohte in Luxemburg das Kriegsgericht der 25e division militaire und damit die Verurteilung zum Tode.Johann Engling: Geschichte des sogenannten Klöppelkrieges. V. Bück, Luxemburg 1858, S. 81, S. 119, S. 121–124.Die zahlreich gefällten Todesurteile wurden von Anfang Januar bis Ende Mai 1799 durch Erschießung und Enthauptung vollstreckt. vgl. Johann Engling: Geschichte des sogenannten Klöppelkrieges. V. Bück, Luxemburg 1858, S. 118–130. Nachdem Morands Einsatz in Luxemburg und Belgien beendet war, erreichte ihn am 24. Juli 1799 die Ernennung zum Platzkommandanten von Paris.

Am 9. November 1799 während des Staatsstreichs in Paris anwesend, unterstützte er Napoleon Bonaparte, der sich am 27. April 1800 mit der Ernennung zum Général de division erkenntlich zeigte.Arthur Chuquet: Ordres et apostilles de Napoléon (1799-1815). Tome 1. H. Champion, Paris 1911, S. 83, Nr. 192 (französisch). Nachdem er wegen seines persönlichen Einsatzes für den Chevalier von Coigny, dem Kontakte zum Baron Hyde de NeuvilleJean Guillaume Baron Hyde De Neuville: Memoirs of Baron Hyde de Neuville, Outlaw, Exile, Ambassador. Volume 1. Sands & Co, London 1913, S. 111 (englisch, Digitalisat). vorgeworfen wurden, in Ungnade gefallen war, entband ihn Napoleon von seinem Kommando in Paris.Joseph Durieux: La Dordogne militaire. Généraux et soldats de la Révolution et de l’Empire. Impr. générale du Sud-Ouest, Bergerac 1920, S. 50 f (französisch). Am 18. Juli 1800 erhielt er ein Kommando im Raum Alexandria. Dort verblieb er einige Monate.Morand erbat im März 1801 die Rückkehr zu seiner Familie nach Paris. vgl. Arthur Chuquet: Ordres et apostilles de Napoléon (1799-1815). Tome 1. H. Champion, Paris 1911, S. 111, Nr. 286 (französisch). Nach seiner Rückkehr übernahm er am 28. April 1801 die Führung der 1e division in der Armée d’Italie unter Moncey. Einige Monate später, am 22. Dezember 1801, wurde ihm das Kommando über die 23e division militaire übertragen, die zur militärisch organisierten Verwaltung auf Korsika gehörte. Auf Korsika sollte der befähigte Divisionsgeneral, der das ausdrückliche Vertrauen Napoleons genoss, die Aufständischen bekämpfen.Célestin Bosc: La conspiration d’Ajaccio contre la France en 1809, d’après la correspondance. L. Ristory, Paris 1905, S. 307 (französisch). Zusammen mit dem außerordentlichen Verwalter André-François Miot de Mélito, der im Oktober 1802 abgelöst wurde, installierte Morand eine Gewalt- und Willkürherrschaft.Jean: Vom Freiheitskampf der Korsen. Trikont, München 1978, ISBN 978-3-88167-032-6, S. 101.Per Dekret vom 12. Januar 1803 erhielt Morand weitere Befugnisse, die die Gerichtsbarkeit und Zensur umfassten. vgl. Elben: Schwäbische Chronik. Stuttgart 1803, S. 50 (Digitalisat). Den Widerstand der Aufständischen ließ er mit Verhaftungen und Erschießungen beantworten. So wie in Isolaccio-di-Fiumorbo, wo er als Vergeltungsmaßnahme am 6. Juni 1808 die Verhaftung und Inhaftierung von 167 Männern veranlasste.Einige der Männer, darunter der Bürgermeister, wurden zum Tode verurteilt und am 4. August 1808 in Bastia hingerichtet. Die anderen Gefangenen wurden größtenteils in Embrun inhaftiert, wo viele von ihnen wegen der schlechten Haftbedingungen starben. vgl. Jean-Ange Galletti: Histoire illustrée de la Corse. Impremerie de Pillet, Paris 1863, S. 524 (französisch). Unnachgiebig bekämpfte er auch die auf der Insel verbreitete Blutrache. 1809 kam es auf Korsika zur sogenannten Conspiration d’Ajaccio, in deren Folge Morand Machtmissbrauch und Fehlverhalten vorgeworfen wurde.Célestin Bosc: La conspiration d’Ajaccio contre la France en 1809, d’après la correspondance. L. Ristory, Paris 1905, S. 67–139 (französisch). Eine eigens eingesetzte Untersuchungskommission forderte später seine Entlassung, die Napoleon allerdings ablehnte.Célestin Bosc: La conspiration d’Ajaccio contre la France en 1809, d’après la correspondance. L. Ristory, Paris 1905, S. 217–222 (französisch). Morand verblieb bis zu seiner Ablösung im Juli 1811 auf Korsika. In Anerkennung seiner dort geleisteten Dienste wurde er am 11. Dezember 1803 zum Ritter und am 14. Juli 1804 zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Napoleon verlieh ihm zudem am 30. August 1811 den Titel baron de l’Empire in der Noblesse impériale und stattete ihn mit einem Baronat im Königreich Westphalen aus.Joseph Durieux: La Dordogne militaire. Généraux et soldats de la Révolution et de l’Empire. Impr. générale du Sud-Ouest, Bergerac 1920, S. 54 (französisch).

Nachdem er sich über mehrere Wochen zur Verfügung gehalten hatte, ernannte ihn Napoleon zum Botschafter im Königreich Bayern.Laut Aufstellung des französischen Kriegsministeriums vom 19. März 1890; Divisionsgeneral Joseph Morand. vgl. Bulletin de la Société historique et archéologique du Périgord. Tome XVII. Imprimiere de la Dordogne, Périgueux 1890, S. 322. Der dortige Einsatz war jedoch nicht von langer Dauer, denn bereits am 7. Februar 1812 folgte die Versetzung zum Corps d’observation de l’Elbe.Georges Six: Dictionnaire biographique des Généraux et Amiraux de la Révolution et de l'Empire (1792–1814). Band 2. Georges Saffroy, Paris 1934, S. 223 (französisch). Zweieinhalb Wochen später, am 29. Februar, erhielt er die Ernennung zum Gouverneur von Schwedisch-Pommern und residierte fortan in der Festung Stralsund. Auch dort sorgte Morand für die rücksichtslose Durchsetzung der napoleonischen Machtinteressen.

In der Zeit vom 22. Juli bis zum 15. Oktober 1812 übernahm Morand, der seine Stellung als Gouverneur beibehielt, zudem das Kommando über die in Mecklenburg stehende 34e division im 11e Corps.Arthur Chuquet: Ordres et apostilles de Napoléon (1799–1815). Tome 1. H. Champion, Paris 1911, S. 323 f, Nr. 1032 (französisch). Der Großteil der Division rückte im Oktober nach Königsberg ab. Morand verblieben zwei Bataillone vom sächsischen Regiment Prinz Maximilian und eine sächsische Batterie. Die später von zwei Bataillonen des neapolitanischen 22e régiment d’infanterie légère verstärkt wurden.