mini|hochkant|Ansicht von Westen Die reformierte Kirche in Lavin () im Unterengadin im Kanton Graubünden ist ein evangelisch-reformiertes Gotteshaus unter Denkmalschutz.
Geschichte mini|Innenraum mini|Blick aus dem Chor zur Empore
Der Chronist Ulrich Campell schreibt, dass eine erste Kirche bereits 1325, nach der Trennung Lavins von der Pfarrei Susch gebaut wurde. Sie war dem Heiligen Georg (Vallader oder ) gewidmet.
Der heutige Kirchbau ist spätgotisch und wurde in der vorreformatorischen Zeit um das Jahr 1480 errichtet. Wenig später wurden die Fresken im Innern, von zwei Künstlern vermutlich aus Norditalien, aufgetragen. Sie wurden 1955/1956 wieder aufgedeckt und unter der Leitung von Franz Xaver Sauter konserviert, nachdem sie 1529 in der Reformationszeit wegen des Bilderverbots abgedeckt worden waren.
Das gemauerte Plattendach auf dem Glockenturm stammt aus dem Jahr 1935. Die Holzdecke im Kirchenschiff in Form eines Trapezes wurde 1956 eingebaut. Empore und Orgel wurden 1979 eingebaut.
Malereien Die Malereien im Chor entstanden um 1500. Sie stehen am Übergang von der Gotik zur Renaissance. Bilder in ähnlichem Stil finden sich in der Kirche Sta. Maria in Pontresina und in San Gian in Celerina.
An der Chorbogenwand ist die Verkündigung an Maria dargestellt und Gottvater sendet den mit einem Kreuz bezeichneten Jesusknaben hinab; darunter mehrere zum Teil nicht bestimmte Heilige. In der Leibung des Chorbogens sind zehn Propheten abgebildet, an seiner Innenwand und an den Chorwänden unter anderem das Gleichnis der zehn Jungfrauen und das Martyrium des heiligen Georg.
In den Spitzen der Fensterleibungen an der Südseite finden sich die Wappen der Churer Bischöfe Ortlieb von Brandis (reg. 1458–1491) und Heinrich V. von Höwen (reg. 1491–1505). Unter Ortlieb erfolgte der Umbau der Kirche, unter Heinrich V. wohl die Bemalung.
Der Chorhimmel wird bestimmt von einer übergrossen Darstellung Christi als Weltenherrscher, dessen Kopf als Dreifaltigkeitssymbol abgebildet ist. Es ist noch zu erkennen, dass ursprünglich eine kleinere Figur mit einfachem Kopf vorgesehen war. Zu beiden Seiten des mandelförmigen Strahlenkranzes, aus dem die übergrossen nackten Füsse ragen, finden sich die Symbole der vier Evangelisten, die in den Gewölbekappen neben den vier Kirchenvätern an ihren Schreibpulten abgebildet sind.
Für einen Kirchenraum ungewöhnlich ist die Darstellung der vier Elemente neben den singenden Engeln: eine Flamme für das Feuer, ein Delfin für das Wasser, ein blasenförmiger Hauch für die Luft und die Weltkugel für die Erde. Die ganze Komposition wird beherrscht von der Vier: vier Elemente, vier Evangelisten, ihre vier Symbole, vier Kirchenväter – und in der Mitte der dreieinige Gott. Übrige Ausstattung Die grau marmorierte Kanzel mit einem runden und gebauchten Korpus ist mit fallenden Voluten und vergoldeten Girlanden verziert. Am Sockel mischen sich Rocaillen mit klassischen Motiven. Ende 18. Jahrhundert. Der reich mit Intarsien belegte hölzerne Abendmahlstisch am Ort des sonst im reformierten Teil Graubündens üblichen Taufsteins stammt aus dem Jahr 1667. An der Westfassade wurde 1508 eine Darstellung von Christophorus angebracht. Sie wurde ebenfalls übermalt und ist heute sehr schlecht erhalten. Die Orgel (1979) von Orgelbau Felsberg. Sieben Register auf einem Manual und Pedal.
Glocken mini|Glocke von Hans Heri Isen (1469), aufgestellt im Chor mini|Hinweis zur Glocke von Hans Heri Isen (1469) Ulrich Campell lobt in der Topographischen Beschreibung von 1573 die Glocken von Lavin mit folgenden Worten:
Die vier elektrisch angetriebenen Glocken hängen in zwei Etagen an Holzbalken:
Glocke 1: Durchmesser: 118,5 cm. Gewicht: ca. 1000 kg. Inschrift: «VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM SOLI DEO HONOR GLORIA 1563». Giessereiplakette: «Franciscus Sermundus Burmensis Vallis Stelline (sic!) me fecit». Wappen (Greif) mit Initialen «F S». Bilder: Sieben Apostelbüsten. Glocke 2: Durchmesser: 95 cm. Gewicht: 517 kg. Inschrift: «SEGNER PERCHÜRA TEIS GNIR E TEIS IR DAD UOSSA FIN IN ETERN. IN MEMORIAM DA NOS GENITUORS NICOLO ED IDA NOLFI-BRUNNER – 1958». Glockengiesserei H. Rüetschi AG Aarau. Glocke 3: Durchmesser: 77,5 cm. Gewicht: 257 kg. Inschrift: «O PAJAIS, O PAJAIS, TAIDLA IL PLED DAL SEGNER. IN MEMORIAM DA NOS GENITUORS NICOLO ED IDA NOLFI-BRUNNER – 1958». Glockengiesserei H. Rüetschi AG Aarau. Glocke 4: Durchmesser: 65 cm. Gewicht: 153 kg. Inschrift: «S, PROTEGIA'M,REDSCHA'M, PARDUNA'M. N MEMORIAM DA NOS GENITUORS NICOLO ED IDA NOLFI-BRUNNER – 1958». Glockengiesserei H. Rüetschi AG Aarau.
Eine 1524 datierte und nachträglich restaurierte Glocke mit Giessereiplakette «Antonio Tessadrei canpanrio in Archo fece Anno Domini 1677» (Arco Trentino) war in sehr schlechtem Zustand und wurde 1958, als die drei neuen Glocken dazukamen, entfernt. Im Chor aufgestellt mit Inschrift «anno domini dusig cccc und im lxiiii iar (1469) hans heri isen von tesin». Die Herkunft Isens ist nicht geklärt. Mit «Tesin» ist vermutlich nicht das Tessin, sondern eher Tesimo/Tisens oder das Val di Tesino im Südtirol gemeint.
Die im Chor aufgestellte Glocke von 1469 wird von den Einheimischen «sain da Gonda» (Glocke von Gonda) genannt. Diese Herkunft ist legendär und nicht zu belegen.
Kirchliche Organisation 1529 trat Lavin unter Philipp Gallicius zum evangelischen Glauben über.
Seit Anfang 2016 bilden die vier Dörfer Brail, Lavin, Susch und Zernez zusammen die Baselgia Refurmada Zernez (Kirchgemeinde Zernez), die Mitglied des Colloquium Engiadina Bassa/Val Müstair und der evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden ist.
Bilder
Literatur Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band 3, Seiten 514–517, Verlag Birkhäuser Basel, 1940 Nott Caviezel: Lavin GR. Schweizerische Kunstführer GSK. Serie 39, Nr. 381/382, 1985 Dieter Matti: Alte Bilder – neu gedeutet, Kirchliche Kunst im Passland, Band 2. Desertina, Chur 2012, ISBN 978-3-85637-369-6, Seiten 7–10.
Weblinks
Einzelnachweise
Lavin Kategorie:Bauwerk in Zernez Kategorie:Kulturgut von regionaler Bedeutung im Kanton Graubünden Kategorie:Kirchengebäude im Kanton Graubünden Lavin