mini|hochkant=1.3|Fassade des Künstlerhauses zum Königstorgraben (2007) Das Künstlerhaus Nürnberg ist ein 1910 errichtetes Gebäude und eine Kultureinrichtung der Stadt Nürnberg mit wechselvoller Geschichte. Es wurde als Künstlerhaus eröffnet, unterlag nach dem Zweiten Weltkrieg verschiedenen Nutzungen und erlangte zwischen 1973 und 1997 als KOMM, eines der ersten selbstverwalteten soziokulturellen Zentren in Deutschland, überregionale Bedeutung. Nach umfassender Sanierung und Neustrukturierung wird es seit dem 4. Dezember 1996 unter städtischer Trägerschaft in Kooperation mit den Vereinen und Gruppen des Hauses weitergeführt, zunächst unter der Bezeichnung K4 und seit Januar 2008 als Teil eines Zusammenschlusses kultureller Einrichtungen unter dem Namen Künstlerhaus im KunstKulturQuartier.

Lage und Größe mini|hochkant=1.3|Luftaufnahme, 2014 Das Künstlerhaus liegt gegenüber dem Hauptbahnhof Nürnberg am Eingang in die Altstadt, dem Königstor. Es erstreckt sich von der Königstraße bis zum sogenannten Kulturgarten und wird von der Königstormauer und dem Königstorgraben gesäumt. Die Flächen betragen insgesamt etwa 7000 Quadratmeter und sind mit Ausstellungsräumen, Kinosälen, Werkstätten, Gastronomiebetrieben, Konzert- und Veranstaltungsräumen belegt., abgerufen am 17. September 2011 Von April 2019 bis 2024 erfolgte eine Generalsanierung des Nordflügels des Künstlerhauses Für einige Gruppen und Vereine wurden Ausweichspielorte eingerichtet. Das Zentralcafé bespielte vorübergehend eine umgebaute Kantine gegenüber dem Künstlerhaus, die Werkbund Werkstatt Nürnberg sowie weitere Offene Werkstätten sind in der Peuntgasse 5–7 untergebracht.

Geschichte Nürnberger Künstlervereine im 19. Jahrhundert Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in verschiedenen deutschen Städten die Ideen zu sogenannten Künstlerhäusern. Konzipiert wurden diese von Künstlervereinen, die eine Verbesserung der vorhandenen Möglichkeiten zur Vermittlung und Vermarktung von Werken ihrer Mitglieder suchten und für diesen Zweck geeignete Räumlichkeiten einrichteten. Hier konnten einerseits regelmäßige Ausstellungen zu optimalen Bedingungen gefördert, auf der anderen Seite ein gesellige Zusammenkünfte und Veranstaltungen organisiert werden. Die ersten Künstlerhäuser entstanden 1844 in Stuttgart mit der Glocke, 1856 in Hannover im Museum für Kunst und Wissenschaft und 1857 in Düsseldorf mit dem Malkasten.Siegfried Kett: Das Nürnberger Künstlerhaus, Nürnberg 1992, S. 9.

Auch in Nürnberg kam die Künstlerhausidee bereits um Mitte des 19. Jahrhunderts auf und wurde erstmals 1867 durch den Oberlandesgerichtsrat Friedrich Dammer veröffentlicht. Für die Umsetzung zählte er auf die in der Stadt beheimateten Künstlervereine, die schon aufgrund ihrer Mitgliederzahlen einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert hatten.

Die älteste Künstlervereinigung, der Albrecht-Dürer-Verein, heute Albrecht Dürer Gesellschaft, ging ursprünglich aus der 1792 gegründeten Gesellschaft der Nürnberger Künstler und Kunstfreunde hervor. Er zählte 1867 rund 800 Mitglieder. König Ludwig I. von Bayern gehörte um 1840 zu den Förderern des Vereins. Seine Schirmherrschaft bewirkte, dass die Mitgliederzahl vorübergehend auf 1.600 Personen stieg. Unter ihnen befanden sich wichtige Amts- und Würdenträger. Der Verein hatte seinen Sitz im von der Stadt gemieteten Albrecht-Dürer-Haus, das für die wachsenden Vereinsaktivitäten zu eng wurde. Der damalige Vereinsvorsitzende, Bürgermeister Christoph von Seiler, suchte nach Alternativen. Die Herrentrinkstube diente zeitweise als Ausweichquartier, doch waren viele Mitglieder mit den dort herrschenden Bedingungen unzufrieden. Man sammelte Geld für eigene und gute Ausstellungsräume. 1867 lagen in der Vereinskasse mehr als 10.000 Gulden für diesen Zweck bereit.

Um 1840 bildete sich aus einer Gruppe junger Künstler der Künstlerverein, er zählte um 1855 etwa 35 Mitglieder, unter ihnen der Maler Lorenz Ritter, dessen Bruder Paul Ritter und Karl Jäger. Nach einem viel beachteten Fest auf dem Schmausenbuck im Jahr 1856 zum 385. Geburtstag von Albrecht Dürer, erhielten der Zusammenschluss und seine nachfolgenden Künstlerfeste und Maskenbälle regen Zulauf. Zu den Mitgliedern zählten bald auch betuchte Bürger, die den Verein finanziell unterstützten, einer von ihnen war der jüdische Bankier Anton Kohn.

Schüler der Nürnberger Kunstgewerbeschule taten sich im Dezember des Jahres 1858 zusammen und hoben die Künstlerklause aus der Taufe. Ihr Vorbild war der aus München stammende Direktor der Kunstgewerbeschule August von Kreling. Die Zusammenkünfte fanden in dem Vereinslokal Grauer Kater in der Äußeren Laufer Gasse statt, für die Mitglieder herrschte die Pflicht zur Teilnahme. Zu besonderen Anlässen kleideten sie sich mit einer Art Mönchskutte. Als der Verein auf 80 Mitglieder angewachsen war, versuchte man wegen des Raumproblems die Neuaufnahme restriktiv zu behandeln.

Die Nürnberger Künstler vernetzten sich überregional mit dem 1863 als Ortsverein der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft gegründeten Nürnberger Local Verein der deutschen Kunstgenossenschaft. Das Ziel war die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation von berufsmäßigen Künstlern, der Aufbau eines Kunstmarktes und der Austausch von Kunstausstellungen. Der Verein spielte, neben den genannten Vereinen, keine große Rolle, zumal seine Mitglieder in diesen ebenfalls organisiert waren. Doch als Nachrichten- und Informationsbörse gewann er an Bedeutung.

Friedrich Dammer, auf den die Idee eines Nürnberger Künstlerhauses zurückging, war Mitglied der Künstlerklause. In dessen Vereinszeitung Pegasus veröffentlichte er am 11. März 1867 die Forderung nach einem Gebäude für die Künstler mit detaillierter Finanzierungsplanung, illustriert mit dem Entwurf der Giebelseite. Der Plan wurde von der Öffentlichkeit positiv aufgenommen, ein Arbeitsausschuss mit je drei Mitgliedern der Vereine gegründet und nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht. Doch bereits im Juni 1867 ließ der Ausschuss die Idee fallen. Hintergrund war eine Intervention von Bürgermeister Seiler als Vorsitzender des Albrecht-Dürer-Vereins, da sein eigenes Projekt Ausstellungsräume im Obergeschoss des Telegrafengebäudes am Hauptmarkt erhalten sollte. Auch Friedrich Dammer beschäftigte sich danach nicht mehr mit der Verwirklichung eines Künstlerhauses, verstärkt suchte er nach einer eigenen Bleibe für die Künstlerklause.Siegfried Kett: Das Nürnberger Künstlerhaus, Nürnberg 1992, S. 16.

Planung des Künstlerhauses Eine Diskussion um das Projekt Künstlerhaus wurde erst ab 1893 wieder aufgenommen, als in München mit dem Bau eines repräsentativen Künstlerhauses, dem heutigen Lenbachhaus begonnen wurde. So bemühte sich der Leiter der Kunstgewerbeschule Karl Hamer um den Zusammenschluss von Künstlerklause und Künstlerverein, scheiterte jedoch am Widerstand der Mitglieder. Der Architekt Otto Seegy entwickelte einen Plan, das ehemalige Zeugmeisterhaus in der Pfannenschmiedsgasse zu einem Gesellschaftshaus der Nürnberger Künstler umzubauen, doch auch diese Idee wurde verworfen. Als letztendliche Geburtsstunde des Nürnberger Künstlerhauses gilt der 29. Oktober 1902. Anlässlich der Einweihung des neuen Neptunbrunnens auf dem Hauptmarkt wurden der Erste Bürgermeister Georg von Schuh und der Hopfengroßhändler Ludwig von Gerngros zu Ehrenmitgliedern des Künstlervereins ernannt, die im Gegenzug eine Stiftung für den Bau gründeten und die ersten Mittel zur Verfügung stellten.

Nach einigen Bauentwürfen und deren Korrekturen nach Diskussionen unter den Künstlervereinen und Einwänden aus dem Innenministerium in München, kam am 11. Dezember 1903, unter der Leitung von Georg von Schuh, der städtische Verwaltungsausschuss zusammen, um über das Projekt zu beraten. Der Sitzungsleiter berichtete, dass die Finanzierung in Höhe von 600.000 Mark durch private Spenden in Höhe von 486.000 Mark und den anfallenden Zinsen weitestgehend abgedeckt sei. Es stünde somit ein Kapital von 500.000 Mark bereit. Der Verwaltungsausschuss erkannte einmütig die Bedeutung eines Künstlerheimes für die Nürnberger Kunst und der Situation der Nürnberger Künstler an. Es solle damit ein leistungsfähiger Künstlerstand erhalten bleiben. Auch die Ausstellungen des Albrecht Dürer-Vereins bedürften dringend besserer Räume. Zudem wurde für notwendig erachtet, die städtische Kunstsammlung aus dem Dachgeschoss des Essenweinschen Rathausneubaues in das neue Künstlerhaus zu verlegen. Es wurde beschlossen, zu den Gesamtkosten von 600.000 Mark einen Beitrag der Stadt in Höhe von 100.000 Mark hinzuzugeben und das projektierte Gebäude, anstelle des abzutragenden Salzstadels auf dem Königstorzwinger, entsprechend den Plänen der Architekten Conradin Walther und Otto Seegy zu errichten. Die Aufsicht über die Bauausführung wurde dem städtischen Oberbaurat Karl Weber übertragen. Ihm wurde ein Beirat, der aus den Reihen der Stifter und den beteiligten Künstlerkreisen bestand, zur Seite gestellt. Das Gebäude solle

Am 15. Dezember 1903 erhob der Stadtmagistrat das Gutachten des Verwaltungsbauausschusses einstimmig zum Beschluss. Dem schloss sich das Gemeindekollegium in seiner Sitzung vom 22. Dezember 1903 an.

Der Bau des Künstlerhauses Als Standort des geplanten Künstlerhauses wurde der Eingang zur Stadt vom Bahnhof her gewählt. Hier war 1892 das Königstor abgebrochen worden und gab so den Blick auf ein 1810 errichtetes Salzlager frei, das sogenannte Salzstadel. Es galt allgemein als schmucklos und plump, wurde nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck benötigt und sollte nun dem neuen Bau weichen. Erste Planungen von Otto Seegy wurden insbesondere vom Innenministerium in München aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten abgelehnt. Der Entwurf des Architekten Conradin Walther, der schließlich genehmigt wurde, sah ein Sandsteingebäude vor, dass sich an die Nürnberger Bauwerke der Spätrenaissance lehnte. Er orientierte sich an Seegys vorgenommene Einteilung in ein Ausstellungsgebäude zur Königstraße hin und ein sich anschließendes Künstlerheim, nahm aber die Anregung der Kommission auf, wonach zur Verbesserung des Stadtbilds „das Ausstellungs- und Hauptgebäude unmittelbar an der Königstorbrücke nicht sofort mit großen Giebeln und vielen Stockwerken in die Höhe gehe, sondern vielmehr mit einem niedrigen Bau beginne, und wenn von diesem Bau bis zum eigentlichen Künstlerheim eine möglichst lange Horizontallinie des Dachfirsts geschaffen würde.“Siegfried Kett: Das Nürnberger Künstlerhaus, Nürnberg 1992, S. 30.

Im Juli 1905 wurde das Salzstadel abgebrochen, zudem mussten noch einige kleine Lagergebäude sowie ein Teil der Stadtmauer entfernt werden, am 24. März 1906 erfolgte der erste Spatenstich und sodann begannen die eigentlichen Bauarbeiten. Im Mai 1907 konnte mit der Errichtung des Dachs der Rohbau abgeschlossen werden. Der Innenausbau des Ausstellungstrakts konnte 1908 beendet werden, die Vollendung des Gebäudes folgte 1910 mit der Fertigstellung des Künstlerheimes.

Der Haupteingang des als Langbau konzipierten Ausstellungsgebäudes war ein Portalvorbau an der Königstraße, flankiert von zwei Ecktürmen. Über ein Vestibül gelangte man über einige Stufen zu den Ausstellungsräumen der Städtischen Galerie im Erdgeschoss. Diese waren durch zwei Pfeilerreihen der Länge nach in drei Zonen geteilt, von der die mittlere als Durchgang und Aufstellungsort für Skulpturen gedacht war. Die Seitenbereiche waren in je sechs Kabinette geteilt. Im Obergeschoss befand sich ein Oberlichtsaal von 18 Metern Länge und 10 Metern Tiefe, dem drei Seitenkabinette angeschlossen waren. Auch der Albrecht-Dürer-Verein konnte im Obergeschoss über einen Oberlichtsaal und drei Seitenkabinette verfügen. Diese Räumlichkeiten waren über einen separaten Eingang an der Königstormauer und eine Steintreppe zu erreichen.