Sickendorf ist ein Stadtteil der Kreisstadt Lauterbach des mittelhessischen Vogelsbergkreises. Der Ort liegt in Mittelhessen westlich von Lauterbach.
Ortsgeschichte Mittelalter Die ältesten schriftliche Erwähnungen von Sickendorf setzen erst im ausgehenden Mittelalter ein. In einem Kopiar des 15. Jahrhunderts findet sich für das Jahr 1454 der folgende Eintrag: „... mit diesen nachgeschribenen gutenn (Gütern), Nemlich Sickendorff ...Archiv Lauterbach, 67, 224, 2.“ In einer Urkunde von 1464 heißt es: „Sigkendorfe“.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest, Nr. 940, S. 259.
Der Ortsname wird in der Namensforschung als eine „Siedlung des Sicco“ erklärt.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 350.
In der Gemarkung Sickendorf befinden sich zwei Wüstungen. Diese Orte hießen Eckenrode,Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 93 f. nordwestlich von Sickendorf,Gertrud Mackenthun: Die Wüstungen im Kreis Lauterbach (Hessen). Dissertation Marburg 1948. In: Lauterbacher Sammlungen 5 (1950). S. 1–170. S. 273. und Wilmenrod,Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 400. welches nördlich von Sickendorf gelegen war.Gertrud Mackenthun: Wüstungen im Kreis Lauterbach, S. 274.
Neuzeit Im Ort steht das Schloss der Adelsfamilie Riedesel mit einem von den Gebrüdern Siesmayer gestalteten Schlosspark.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Sickendorf:
Zum 1. Februar 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Sickendorf im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Kreisstadt Lauterbach eingegliedert. Für Sickendorf wurde, wie für die übrigen durch die Gebietsreform nach Lauterbach eingegliederten Gemeinden, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Sickendorf angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Engelrod der Freiherren Riedesel zu Eisenbach ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Gericht Engelrod Die Zugehörigkeit des Gerichts Engelrod anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1623: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Gericht Engelrod (Freiherren Riedesel zu Eisenbach) 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Ulrichstein, Gericht Engelrod ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Ulrichstein, Gericht Engelrod ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Engelrod der Freiherren Riedesel zu Eisenbach ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HerbsteinTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lauterbach; Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren Riedesel zu Eisenbach) und Verwaltung. ab 1825: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Lauterbach ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Lauterbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Lauterbach ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Lauterbach
Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Sickendorf ab 1806 das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Engelrod zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Dafür wurde das standesherrliche „Landgericht Lauterbach“ geschaffen. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Lauterbach“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.
Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben und zur Zweigstelle des Amtsgerichts Alsfeld. Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen.Fünfte Verordnung zur Änderung der Gerichtlichen Zuständigkeitsverordnung Justiz vom 9. Dezember 2010 (GVBl. I S. 709–710)
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Sickendorf 168 Einwohner. Darunter waren 6 (1,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 33 Einwohner unter 18 Jahren, 63 zwischen 18 und 49, 36 zwischen 50 und 64 und 26 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 66 Haushalten. Davon waren 12 Singlehaushalte, 21 Paare ohne Kinder und 27 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 18 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 42 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1806: 48 Einwohner, 9 Häuser • 1829: 113 Einwohner, 10 Häuser • 1867: 109 Einwohner, 13 bewohnte Gebäude • 1875: 91 Einwohner, 13 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 113 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 138 evangelische (= 70,77 %) und 38 (= 19,49 %) katholische Einwohner
Politik Ortsvorsteher ist Jens Ziemer..(Stand: Juni 2022)
Persönlichkeiten Johann Wilhelm Riedesel zu Eisenbach (1705–1782), sächsisch-eisenachischer Hofgerichtsrat, Reichskammergerichtsassessor und zuletzt herzoglich braunschweigisch-lüneburgischer Geheimrat im Hochstift Osnabrück
Infrastruktur Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3144 und 3161. Nördlich des Ortes gibt es auf dem Gelände des ehemals riedeselschen Hofgutes einen Golfplatz.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Literatur
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Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Geographie (Lauterbach, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Ersterwähnung 1454 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972