Kölzenhain ist der nach Einwohnerzahl kleinste Ortsteil der Stadt Ulrichstein im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Das Dorf liegt südwestlich des Kernorts Ulrichstein im Vogelsberg am Streitbach. Ortsgeschichte Mittelalter Für ein frühes Entstehen des Ortes gibt es keine Belege. Die urkundliche Ersterwähnung stammt aus dem Jahre 1353: „den zehendin ... zu Kultzinheyn, zu Felkruckin“ (den Zehnten zu Kölzenhain und Feldkrücken).StAD, Urkunden Oberhessen, von Sassen. Der erwähnte Zehnte gehörte der niederadligen Familie von Sassen. 1363 tritt erneut der Zehnte zu Kölzenhein urkundlich genannt: „Cehendin di gelegin sin in dem gerichte zu Babenhusen mit ... namen und deil des Cehendin zu ... Kuôlczenhan“ urkundlichLudwig Baur, Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchiv. Darmstadt 1860 1873. 5 Bände. Band 1: (Starkenburg und Oberhessen). Nr. 988. 1592 wird in einem Salbuch „Köeltzenhain“ erwähnt.Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 354. Der Ortsname kann als „zum Gehege oder Gehölze des Cholihhizo“ gehörend erklärt werden.Karl Weigand, Oberhessische Ortsnamen. In: Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde 7, 1853, S. 241–332, S. 310. Weil aber die schriftliche Überlieferung erst sehr spät einsetzt und es keinen Vergleichsnamen gibt, ist dies nicht sichter.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973 S. 211 f.

Das Gericht Bobenhausen gehörte im Spätmittelalter den Grafen von Isenburg in Büdingen. Am 26. April 1353 wurde Clos von Sazzen von Heinrich von Isenburg mit dem Zehnten in diesem Gericht belehnt. Dieses Gericht bestand aus den Orten Bobinhusen, Obernsyfride, Hebirsdorf, Sellinrode, Wonefelde, Lyenscheit, Langenwasser aben u. nydere, Pedirsschein, Kultinheyn, Felkukin, Selginstatt und Fulkenandischeyn.Johann Philipp Kuchenbecker: Analecta Hassiaca, Vol. I-XII. Marburg 1728-1742. Coll. VII, 106.

Nach einer Urkunde vom 16. Juli 1365 besaßen die Familie von Sassen und Mengos Guldin von Amene den Zehnten und den Kirchensatz im Gericht Bobenhausen in Ganerbschaft.Heinrich Eduard Scriba, Hessische Regesten II, Nr. 1884, S. 146. Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Kölzenhain:

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin selbständige Gemeinde Kölzenhain und weitere Gemeinden zum 31. Dezember 1971 freiwillig mit der Stadt Ulrichstein zur erweiterten Stadt Ulrichstein. Für Kölzenhain wurde ein Ortsbezirk errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Kölzenhain angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Ulrichstein ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Amt Ulrichstein (Söhne der Margarethe von der Saale) ab 1570: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Ulrichstein, Gericht Bobenhausen 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Ulrichstein, Gericht Bobenhausen 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Ulrichstein, Gericht Bobenhausen ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Oberamt Alsfeld, Amt Ulrichstein ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Ulrichstein ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk SchottenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Schotten) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1838: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis LauterbachIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt UlrichsteinAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Stadt Ulrichstein. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Ulrichstein

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Kölzenhain das Amt Ulrichstein zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Kölzenhain fiel in den Gerichtsbezirk des Landgerichts Schotten. Durch Verfügung des Großherzoglich Hessischen Ministerium des Innern und der Justiz wurde am 1. Dezember 1838 Kölzenhain an den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Ulrichstein abgetreten.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Ulrichstein“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.

1943 verlor das Amtsgericht Ulrichstein seine Selbständigkeit und wurde zur Zweigstelle des Amtsgerichts Schotten.Verfügung des Landgerichtspräsidenten in Gießen vom 16. Juni 1943 — 3200 — Betrifft: Errichtung der Zweigstelle Ulrichstein des Amtsgerichts Schotten Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten und Kölzenhain kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Lauterbach.

Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben und zur Zweigstelle des Amtsgerichts Alsfeld. Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen. Bezieht sich auf die

Historische Flächenstatistik 1854: 1295 Morgen, davon 821 Äcker, 239 Wiesen, 22 WaldPhilipp Alexander Ferdinand Walther, Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. Darmstadt 1854, S. 460 f. 1961: 459 Hektar, davon 106 Wald

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Kölzenhain 168 Einwohner. Darunter waren 6 (3,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 21 Einwohner unter 18 Jahren, 66 zwischen 18 und 49, 42 zwischen 50 und 64 und 36 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 69 Haushalten. Davon waren 15 Singlehaushalte, 30 Paare ohne Kinder und 21 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 16 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 46 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1806: 275 Einwohner, 52 Häuser • 1829: 264 Einwohner, 52 Häuser • 1867: 246 Einwohner, 49 bewohnte Gebäude • 1875: 229 Einwohner, 49 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 264 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 160 evangelische (= 90,40 %), 11 katholische (= 6,21 %) Einwohner

Politik Für Kölzenhain besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Kölzenhain) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 80,15 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Kölzenhain“ an. Der Ortsbeirat wählte Volker Repp zum Ortsvorsteher.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Evangelische Kirche

Bauwerke Die Kirche, eine Fachwerkkirche auf Feldsteinsockel, gilt als älteste in Oberhessen. Das Gotteshaus hat eine Grundfläche von 6,00 × 8,50 Meter. Es wurde schon im Jahre 1592 zum ersten Mal und 1858 zum zweiten Mal erweitert. Die letzte Sanierung wurde im Jahr 2009 durchgeführt. Dabei wurde das zuvor sichtbare dekorative Fachwerk der Kirche mit Naturholzschindeln versiegelt. Die Außenansicht des Gotteshauses wird durch einen am Ostgiebel angebrachten und übers Kirchendach originell hervorkragenden und mit Schiefern verkleideten Dachreiter geprägt. Dieser trägt einen geschmückten Spitzhelm, in dem sich eine bescheidene Glocke befindet, die noch heute per Hand aus dem Altarraum geläutet wird. Der Dachreiter stammt wahrscheinlich vom Umbau 1592 her.Rainer Schmid: Fachwerkkirchen im Vogelsberg, ein Reisehandbuch. Eigenverlag Rainer Schmid, Mühlheim am Main 2013, ISBN 3-930367-31-9, S. 105.

Kölzenhain gehört zum Kirchspiel Bobenhausen II.

Vereine Es gibt zwei Vereine im Ort, nämlich die Freiwillige Feuerwehr und den Jugend-Freizeit-Club. In jedem Jahr im August findet das Backhausfest statt.

Wirtschaft und Infrastruktur Die Landesstraße 3325 verbindet Kölzenhain mit Feldkrücken und Bobenhausen II. Den öffentlichen Personennahverkehr stellt die Regionalverkehr Kurhessen mit der Buslinie VB-65 sicher. In Ortsnähe gibt es den Petershainer Hof, ein ehemaliges Forsthaus, heute Jugendwaldheim. Im Ort gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise Die Zugehörigkeit des Amtes Ulrichstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und

Literatur

Weblinks

Stadtteil Kölzenhain. In: Webauftritt der Stadt Ulrichstein.

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