Gräfenhausen ist der am weitesten nördlich befindliche Stadtteil der im rheinland-pfälzischen Landkreis Südliche Weinstraße gelegenen Stadt Annweiler am Trifels und innerhalb dieser als Ortsbezirk ausgewiesen. Bis 1979 war er eine selbständige Gemeinde.
Geographie Lage Der Ort liegt etwa drei Kilometer nördlich der Kernstadt in einem Seitental der Queich im Pfälzerwald. Zu Gräfenhausen gehören zusätzlich die Wohnplätze Am Adelberg, Am Rothenhof, Hof Waldeck, In der Lehmgrube, Mettenbacherhof und Rothenhof.
Erhebungen und Gewässer Südwestlich des Ortes erstreckt sich der Große Adelberg und südlich der Mittelberg. Der Hahnenbach fließt mitten durch die Bebauung. Beim Mettenbacherhof nimmt er nacheinander den Oberen sowie den Unteren Hasenbach auf.
Geschichte Die erste Erwähnung von Gräfenhausen geht auf das Jahr 1189 zurück. Gelegentlich wird die Jahreszahl 817 erwähnt, die sich jedoch auf eine gleichnamige Wüstung in der Nähe von Landau bezieht. Zunächst unterstand der Ort dem nahen Kloster Eußerthal.
Der Ort Gräfenhausen gehörte ab der frühen Neuzeit bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zur Kurpfalz; dort unterstand er dem Oberamt Germersheim sowie der Pflege des Bereichs des bereits zu diesem Zeitpunkt aufgelösten Kloster Eußerthal. Nach der Einnahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen (1794) war Gräfenhausen von 1798 bis 1814 dem Kanton Annweiler im Département Donnersberg zugeordnet und wurde von der Mairie in Annweiler verwaltet. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress (1815) getroffenen Vereinbarungen waren die Pfalz und damit auch die Gemeinde Gräfenhausen zunächst Österreich zugeordnet worden. In einem 1816 geschlossenen Staatsvertrags trat Österreich Region an das Königreich Bayern ab. Der nunmehr Bayerische Kanton Annweiler gehörte im neu geschaffenen Rheinkreis vorläufig noch zu dem aus dem vorherigen Arrondissement gebildeten Bezirk Zweibrücken und kam am 1. August 1816 zum Bezirk Landau. Nach der Untergliederung der Bezirke in Landkommissariate (1818) gehörte Gräfenhausen zum Landkommissariat, später Bezirksamt Bergzabern, aus dem 1939 der Landkreis Bergzabern entstand.
Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Gräfenhausen 1969 mit den meisten Gemeinden des Kreises Bergzabern in den neu geschaffenen Landkreis Landau-Bad Bergzabern, der 1978 in Landkreis Südliche Weinstraße umbenannt wurde, gegliedert. 1972 wurde er außerdem verbandsangehörige Gemeinde der neu gebildeten Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels, ehe er zum 10. Juni 1979 in die benachbarte Stadt Annweiler eingemeindet wurde. Seither bildet er dort einen von insgesamt vier Ortsbezirken.
Bevölkerung mini|hochkant|Katholische Kapelle St. Johann Baptist Religion In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es im Kirchdorf Gräfenhausen selbst eine protestantische und eine katholische Schule. Bis Ende 2015 war Gräfenhausen katholischerseits eine Filiale der St. Josef Pfarrkirche in Annweiler. Seit 2016 ist sie Filiale der neu geschaffenen Pfarrei Hl. Elisabeth, die seither das gesamte Gebiet der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels umfasst.
Die Protestanten besuchten jahrhundertelang die protestantische Kirche in Queichhambach, ehe 1949 erstmals ein evangelischer Gottesdienst in Gräfenhausen gehalten wurde und seit 1971 ein eigenes Gemeindezentrum zur Verfügung steht.
Einwohnerentwicklung 1815 hatte der Ort insgesamt 466 Einwohner. Im amtlichen Ortschaftenverzeichnis für den Freistaat Bayern aus dem Jahr 1928 wurde die Landgemeinde Gräfenhausen, seinerzeit zum bayerischen Regierungsbezirk Pfalz und zum Bezirksamt Bergzabern gehörend, wie folgt beschrieben: Insgesamt 586 Einwohner (226 Katholiken, 355 Protestanten und 5 sonstige Christen), 116 Wohngebäude und eine Fläche von 707 Hektar; dazu gehörte der Weiler Rothenhof mit vier Wohnhäusern und zwölf Einwohnern sowie die Einzelsiedlungen Mettenbacherhof (zwei Wohngebäude, sieben Einwohner) und Waldeck-Gut (zwei Wohngebäude, zehn Einwohner).
Politik Der Ortsteil Gräfenhausen ist einer von vier Ortsbezirken der Stadt Annweiler am Trifels und verfügt über einen eigenen Ortsbeirat sowie einen Ortsvorsteher.
Ortsbeirat Der Ortsbeirat besteht aus elf Mitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsvorsteher als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Ortsbeirat: Wahl SPD WGH Gesamt 2024 5 6 11 Sitze 2019 per Mehrheitswahl 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: . Abgerufen am 14. April 2020.
Ortsvorsteher Andreas Hauck (parteilos) wurde am 25. Juni 2018 Ortsvorsteher von Gräfenhausen. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 81,95 % und am 9. Juni 2024 als einziger Bewerber mit 67,5 % jeweils für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Haucks Vorgängerin Sonja Keßler war aus beruflichen Gründen zurückgetreten.
Wappen
Kulturdenkmäler mini|Denkmalgeschützte Hofanlage
Vor Ort befinden sich insgesamt sieben Objekte, die unter Denkmalschutz stehen.Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Südliche Weinstraße (PDF; 10,0 MB). Mainz 2023.
Infrastruktur Wirtschaft Im Zuge der Haingeraide war Gräfenhausen außerdem an der sogenannten ersten Haingeraide beteiligt, die in der frühen Neuzeit aufgelöst und die teilweise der damals selbständigen Gemeinde unterstellt wurde.
Seit dem 14. Jahrhundert betrieben die Zisterzienser im Ort Weinbau: Der bekannte Spätburgunder wird ihnen zugeschrieben. Bis in die Gegenwart wird Gräfenhausen für seinen kräftigen Spätburgunder gerühmt. Vor Ort existiert die Einzellage Eselspfad (3,6 ha). Die Lage gehört zur Großlage Königsgarten.
Verkehr Nächstgelegener Bahnhof ist Annweiler am Trifels. Seit 1996 ist der Ort Bestandteil des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar. Die von der Queichtal Nahverkehrsgesellschaft (QNV) betriebene Buslinie 523 führt nach Albersweiler sowie zur Kernstadt von Annweiler. Die als Stichstraße fungierende Kreisstraße 4 verbindet den Ort mit dem Straßennetz.
Tourismus Südwestlich des Siedlungsgebiets befindet sich die unter der Regie des Pfälzerwald-Vereins stehende Schutzhütte an der Holderquelle. Mitten durch den Ort führt außerdem der Prädikatswanderweg Pfälzer Weinsteig und der mit einem gelben Balken versehene Wanderweg, der den Ort mit Contwig sowie Germersheim verbindet.
Söhne und Töchter des Ortes Hans Blinn (1925–2006), Verleger, Lehrer und Politiker (SPD)
Weblinks Infos zu Gräfenhausen Webpräsenz
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Südliche Weinstraße Kategorie:Annweiler am Trifels Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Südliche Weinstraße) Kategorie:Weinort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Ersterwähnung 1189 Kategorie:Gemeindeauflösung 1979 Kategorie:Ortsbezirk von Annweiler am Trifels