Das Schlafapnoe-Syndrom (SAS) ist ein Beschwerdebild, bei dem während des Schlafes wiederholt Atmungsstörungen mit Hypopnoe (Minderbelüftung der Lunge bzw. alveoläre Hypoventilation) und/oder Apnoe (kurzfristiger Atemstillstand) auftreten.Hilmar Burchardi: Ätiologie und Pathophysiologie der akuten respiratorischen Insuffizienz (ARI). In: J. Kilian, H. Benzer, F. W. Ahnefeld (Hrsg.): Grundzüge der Beatmung. Springer, Berlin u. a. 1991, ISBN 3-540-53078-9, 2., unveränderte Aufl. ebenda 1994, ISBN 3-540-57904-4, S. 47–91, hier: S. 67 f. Das Schlafapnoesyndrom führt zu Schlafstörungen, einer damit als Leitsymptom einhergehenden Tagesmüdigkeit bis hin zum Einschlafzwang (Sekundenschlaf) und weiteren Symptomen und Begleiterkrankungen.
Die kurzfristigen Atemstillstände wiederholter Apnoe führen zu einer verringerten Sauerstoffversorgung bei gleichzeitigem Anstieg des Kohlendioxidgehalts des Blutes und in deren Folge zu wiederholten Weckreaktionen. Diese Alarmreaktionen des Körpers führen jedoch meistens nicht zu einem bewussten Aufwachen, sondern lediglich zu erhöhten Körperfunktionen, beispielsweise beschleunigtem Puls und wiederholter Ausschüttung von Stresshormonen. Hierdurch wird die normale Schlafphasenabfolge gestört, sodass die Erholungs- und Regenerationsfunktion des Nachtschlafes teils erheblich gemindert wird. Da diese Reaktionen noch im Schlafzustand ablaufen, werden sie von den Betroffenen meist nicht bewusst wahrgenommen und bleiben auch später nicht in Erinnerung.
In der Schlafmedizin zählen die verschiedenen Formen des Schlafapnoe-Syndroms nach dem Klassifikationssystem für Schlafstörungen (International Classification of Sleep Disorders (ICSD)) zu den „schlafbezogenen Atmungsstörungen“.
Aussprache Die korrekte Aussprache ist dreisilbig „A-pno-e“ ([]) aufgrund der Herkunft von „Nicht-Atmung“,Duden vergleiche ebenso bei Apnoetauchen.
Formen und Ursachen Die Atmung ist gewöhnlich ein unwillkürlich regulierter Vorgang im Wechsel von Einatmen (Inspiration) und Ausatmen (Exspiration), insbesondere während des Schlafes. Hierbei stellt normalerweise nicht ein sinkender Sauerstoffgehalt des Blutes den wesentlichen Atemreiz dar, sondern ein steigender Kohlendioxidgehalt im Blut und im Hirngewebe ist der stärkste Atemstimulus für die inspiratorische Phase. Während eines vorübergehenden Stillstands der Atmung, einer Apnoe, steigt der Partialdruck des Kohlendioxids (CO2) so weit an, dass durch diesen Atemreiz bald eine (schlafstörende) Weckreaktion mit kräftigem Einatmen ausgelöst wird, bevor wegen des abfallenden Partialdrucks des Sauerstoffs (O2) (Hypoxämie) eine Ohnmacht eintreten kann.
Nach der Ursache unterscheidet man bei den während der Schlafphase mit kurzzeitigem Atemstillstand wiederholt auftretenden Apnoen zwischen der obstruktiven Form durch ein Verlegen der Atemwege (Reduzierung des Querschnitts) und der zentralen Form infolge einer gestörten Atemregulation im Gehirn. Kommt bei einem Patienten beides vor, spricht man von gemischter Form.
mini|Freie Atemwege mini|Durch Ansaugen verschlossener Atemweg
Weitaus am häufigsten ist das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Dessen unmittelbare Ursache ist die Verengung der Atemwege wegen einer im Schlaf stark ausgeprägten Erschlaffung der ringförmig um die oberen Atemwege gelegenen Muskulatur. Beim Einatmen werden daher mit dem Sog eingeatmeter Luft auch die weichen seitlichen Begrenzungen des Nasen- und Rachenraums angesaugt, wenn der Muskeltonus nicht hinreicht, während der Einatmenphase bei Unterdruck in den Atemwegen deren Formstabilität zu gewährleisten. Der nicht durch Knorpel gestützte Teil der oberen Atemwege mit dem Zungenmuskel verengt sich infolgedessen und es kommt zu einer Behinderung der Einatmung mit reduziertem Atemvolumen, einer Hypopnoe, oder zur kompletten Verlegung, einer Apnoe. Dauern die durch eine Obstruktion entstandenen Unterbrechungen der Atmung länger als etwa zehn Sekunden, führt der anwachsende Atemreiz zu inspiratorischen Atembewegungen. Hierfür bildet weniger die abgesunkene arterielle Sauerstoffsättigung als vielmehr der angestiegene Kohlendioxid-Gehalt in Blut und Gewebe bzw. Liquor den wesentlichen Atemantrieb. Infolge der obstruktiven Behinderung sind stärkere Einatmungsbewegungen erforderlich und es kommt bei erhöhtem CO2-Gehalt (Hyperkapnie) zu einer kurzen Weckreaktion des Körpers (englisch micro-arousal), mit der die Atmung dann wieder einsetzt. Meist erinnert der Patient sich an diese Ereignisse nicht. Doch wird dadurch die physiologische Schlafstruktur gestört und damit die Erholungsfunktion beeinträchtigt.
Die Anzahl der Apnoen und Hypopnoen pro Stunde wird als Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) angegeben. Bei Verengung bzw. Verschluss der oberen Atemwege entstehen bei vielen Betroffenen Schnarchgeräusche – besonders in Rückenlage und unter Alkoholeinfluss, weshalb viele der OSAS-Patienten vor allem mit Adipositas starke Schnarcher sind. Bei Schnarchern mit starker Tagesmüdigkeit besteht daher der begründete Verdacht auf OSAS. Schnarchen (Rhonchopathie) allein und auch gelegentliche, kurze Atmungsaussetzer sind nicht gesundheitsschädlich. Anhand der Daten einer Kohortenstudie wurde 1993 geschätzt, dass 1–2 % der Frauen und 2–4 % der Männer im mittleren Lebensalter vom OSAS betroffen sind.T. Young, M. Palta,J. Dempsey, J. Skatrud, S. Weber, S. Badr: The occurrence of sleep-disordered breathing among middle-aged adults. In. New England ournal of Medicine. Band 328, Nr. 17, April 1993, S. 1230–1235; PMID 8464434, doi:10.1056/NEJM199304293281704. Die Häufigkeit (Prävalenz) des Schlafapnoe-Syndroms mit einem AHI von mehr als 15 beträgt nach neueren Studien 9 % bei Männern und 4 % bei Frauen.M. Kohler, E. Blair, P. Risby, A. H. Nickol, P. Wordsworth, C. Forfar, J. R. Stradling: The prevalence of obstructive sleep apnoea and its association with aortic dilatation in Marfan’s syndrome. In: Thorax. Februar 2009. PMID 18852161 Da ein OSAS oft auch zusammen mit zentralen Atemregulationsstörungen auftritt, ist die gemischte Form ebenfalls nicht selten.
Eine Unterform der schlafbezogenen Atmungsstörungen ist der vorrangig durch einen erhöhten Strömungswiderstand in den oberen Atemwegen gekennzeichnete Symptomenkomplex (englisch Upper Airway Resistance Syndrom, UARS), bei dem der Muskeltonus noch ausreichend hoch ist, um einen Teil des Lumens der Atemwege offen zu halten. Hierbei kommt es aufgrund einer vermehrten Atemanstrengung auch ohne signifikanten Sauerstoff-Abfall ebenfalls zu vermehrten Weckreaktionen (Arousals).
Das reine zentrale Schlafapnoe-Syndrom (ZSAS) ist selten. Durch Schäden im zentralen Nervensystem (ZNS), besonders im Atemzentrum, wird die Atemmuskulatur unzureichend gesteuert – das Gehirn „vergisst“ zu atmen. Ein relevanter Risikofaktor des zentralen Schlafapnoe-Syndroms ist die Herzinsuffizienz. Man unterteilt die zentrale Schlafapnoe in fünf Typen: idiopathische zentrale Apnoe, Cheyne-Stokes-Atmung, reduzierte Atmung durch eine Höhenkrankheit, krankheitsbedingte und medikamentös bedingte Apnoe.
Risikofaktoren Das OSAS hat keine spezifische einzelne Ursache. Folgende Risikofaktoren können ein OSAS begünstigen: Adipositas (Übergewicht) Alter (über 40 Jahre) Alkohol, Rauchen (Nikotin), EcstasyU. D. McCann, F. P. Sgambati, A. R. Schwartz, G. A. Ricaurte: Sleep apnea in young abstinent recreational MDMA (“Ecstasy”) consumers. In: Neurology. 2. Dezember 2009. PMID 19955499 bestimmte Medikamente, insbesondere Schlafmittel, opioide Schmerzmittel und andere sedierende und relaxierende Substanzen Behinderung der Nasenatmung durch: Polypen Nasenscheidewandverkrümmung Chronische Rhinosinusitis Rhinitis motorica Rhinitis allergica vergrößerte Rachenmandeln (v. a. bei Kindern) konstitutionelle Erschlaffung der Rachenmuskulatur, Veranlagung dolichofazialer Gesichtstyp: im Fernröntgenseitenbild eines Erwachsenen ist ein großer Unterkieferwinkel erkennbar – dadurch liegt die pharyngeale Muskulatur weit an der Rachenhinterwand, das Lumen ist verengt angeborene Fehlbildungen und Fehlstellungen des Unterkiefers (Pierre-Robin-Sequenz, Goldenhar-Syndrom, Kraniometaphysäre Dysplasie) Vergrößerung der Weichteile (z. B. Zunge), hervorgerufen durch Akromegalie Bindegewebskrankheiten wie z. B. Marfan-Syndrom Chronische Mundatmung Das ZSAS kann zusätzlich noch durch folgende Faktoren begünstigt werden: Herzprobleme: Herzinsuffizienz, Schlaganfall oder Vorhofflimmern Hirntumor Leben in großen Höhen Medikamente für die Atemwege
Schlafapnoe bei Kindern Das Schlafapnoe-Syndrom tritt bei Säuglingen und Kleinkindern nur selten auf, kann aber schon bei einmaligem Auftreten zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. Bei Frühchen oder Neun-Monats-Babys, die unter erschwerten Bedingungen geboren wurden, tritt eine Schlafapnoe am ehesten auf. Vermutet wird, dass das Gehirn die Signale noch nicht vollständig an die Lunge überträgt. Unterschieden werden muss bei Säuglingen zwischen dem sogenannten periodischen Atmen, einem normalen Phänomen, und der Schlafapnoe. Bei dem periodischen Atmen kann die Atmung für etwa zehn Sekunden aussetzen, um dann wieder regelmäßig fortzufahren. Bei Babys wird die Atmung mit einem Apnoemonitor aufgezeichnet. Dabei werden alle Atemaussetzer, die zu lange dauern, aufgezeichnet und ein Alarm ausgelöst.
Eine unregelmäßige Atmung tritt bei vielen älteren Kindern auf, häufig sind sie kurz und nicht lebensbedrohlich. Meist sind Polypen oder vergrößerte Rachenmandeln verantwortlich für apnoeähnliche Schlafzustände bei älteren Kindern.
Symptome
Die Angehörigen von OSAS-Patienten berichten meist über lautes Schnarchen, unterbrochen durch Atempausen, die mit einem heftigen, seufzenden Atemzug oder einem Schnarchlaut beendet werden. Längst nicht jeder Schnarcher aber leidet an OSAS, und nicht jeder OSAS-Patient fällt tatsächlich durch Schnarchen auf. Die beschriebene Verengung in den oberen Atemwegen kann in Einzelfällen zu einem sofortigen Verschluss führen, so dass keine Schnarchgeräusche mehr entstehen können.
Weitere Symptome des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms sind: Apnoe von mindestens zehn Sekunden bis Minuten Dauer Durchschlafstörungen Tagesmüdigkeit, Einschlafneigung am Tag Kopfschmerzen beim Erwachen, vermehrte Migräneattacken Schwindel, vor allem nach dem Aufstehen Mundtrockenheit beim Erwachen nächtliches Schwitzen Nykturie (vermehrter Harndrang während des Schlafs/nächtliches Wasserlassen) Sekundenschlafattacken/imperativer Schlafdrang, teils ohne Warnsignale Konzentrationsstörungen bis hin zu Gedächtnisstörungen depressive Verstimmung Persönlichkeitsveränderungen erektile Dysfunktion unruhiger Schlaf Bluthochdruck Bradykardie im Schlafhttp://www.gesundheits-lexikon.com/Medizingeraetediagnostik/Schlaf-Schlafstoerungen-/Schlafapnoediagnostik.html/REM-Schlaf abhängige Asystoliehttps://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2006-933922 Zittern, Angstzustände, Kreislaufschwankungen, Ohrensausen ggf. weitere sekundäre Symptome wie Wundheilungsstörungen, Haarausfall, Hautprobleme, neurologische Störungen (z. B. Sexualkopfschmerz) Vorgestreckte Kopfhaltung
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