Der Alpen-Lein (Linum alpinum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lein (Linum) innerhalb der Familie Leingewächse (Linaceae).
Beschreibung mini|links|Illustration aus Atlas der Alpenflora, 1882, Tafel 111 mini|Radiärsymmetrische, fünfzählige Blüte mini|Kapselfrucht und Samen
Vegetative Merkmale Der Alpen-Lein ist eine sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern. Die aufsteigenden bis aufrechten Stängel sind kahl und dicht beblättert. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind sitzend. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von bis zu 25 Millimetern und einer Breite von 0,5 bis 1 (bis 2) Millimetern linealisch-lanzettlich.
Generative Merkmale Die Blütezeit ist Juni bis Juli. Jeweils ein bis acht Blüten stehen in einem lockeren rispigen Blütenstand. Die Blütenstiele sind länger als das nächste Blatt. Die Knospen sind nickend. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind 5 bis 7 Millimeter lang, mit kahlem Hautrand und kurzer, aufgesetzter Spitze. Die hellblauen bis weißlichen Blütenkronen besitzen an ihrem Grund ein gelbes Saftmal. Die fünf freien Kronblätter sind 12 bis 20 Millimeter lang. Die Kronblätter decken sich nur mit den Rändern. Es sind zwei Kreise mit je fünf Staubblättern vorhanden. Die Staubbeutel sind weiß. Die eiförmigen Narben sind höchstens 0,8 Millimeter lang. Die aufrechte oder etwas geneigte, zehnfächrige Kapselfrucht ist 6 bis 8 Millimeter lang. Jedes Fruchtfach enthält einen schwärzlichen Samen, der 4 bis 5 Millimeter lang ist, sehr schmal und häutig berandet.
Chromosomensatz Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es liegt Diploidie oder Tetraploidie vor mit einer Chromosomenzahl von 2n = 18 oder 36.
Ökologie Beim Alpen-Lein handelt es sich um einen sommergrünen Hemikryptophyten.
Blütenökologisch handelt es sich um Scheibenblumen mit mehr oder weniger verborgenen Nektar, da sich die Nektarien an der Basis der Staubblätter befinden. Typische Bestäuber sind Insekten: Arten von Bienen, Hummeln, Wespen, Wollschweber (Bombyliidae) und Schwebfliegen (Syrphidae).
Die Diaspore ist der Samen.
Vorkommen Das Verbreitungsgebiet von Linum alpinum reicht von den Pyrenäen bis im nördlichen Ural. Der Alpen-Lein ist eine Hochgebirgspflanze, die in den montanen bis alpinen Höhenstufen in Höhenlagen von 1000 bis 2000 Metern gedeiht.
Im mitteleuropäischen Raum kommt der Alpen-Lein in den nördlichen und südlichen Kalkketten, in den Westalpen, Jura (Gebirge) vor. In Deutschland, wo sie ausschließlich in Bayern im Raum Berchtesgaden-Königssee vorkommt, ist sie in Kategorie 2 = stark gefährdet eingeordnet und ist nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders geschützt.
Die kalkliebende Pflanze besiedelt Kalkfelsfluren, Kalkschutthalden und steinige Kalkmagerrasen in sonniger Lage. Sie ist eine Charakterart der Ordnung Seslerietalia (Alpine Blaugras-Rasen, Klasse Seslerietea albicantis).
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).
Systematik Die Erstveröffentlichung von Linum alpinum erfolgte durch Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin. Synonyme für Linum alpinum sind: Linum perenne subsp. alpinum , Linum boreale , Linum komarovii , Linum komarovii subsp. boreale . Das Artepitheton alpinum bedeutet „aus den Alpen“.
Je nach Autor gibt es von der Art Linum alpinum mehrere Unterarten: Linum alpinum subsp. alpinum: Sie kommt gesichert nur in Bulgarien vor. Linum alpinum subsp. gracilius (Syn.: Linum alpinum var. gracilius ): Sie kommt nur in Italien vor. Linum alpinum subsp. julicum (Syn.: Linum julicum ) Sie kommt im ehem. Jugoslawien (etwa in Kroatien), in Italien und Frankreich sowie auf den Kanalinseln vor. Linum alpinum subsp. laeve (Syn.: Linum laeve , Linum montanum nom. illeg., Linum alpinum subsp. montanum , Linum perenne subsp. montanum ): Sie kommt gesichert in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Frankreich, Bosnien und Herzegowina und Bulgarien vor. Linum alpinum subsp. pirinicum : Sie kommt nur in Bulgarien vor.
Nicht mehr hierher wird gerechnet: Linum alpinum subsp. anglicum sensu => Linum leonii .
Nutzung Sorten werden als Zierpflanzen verwendet.
Quellen Literatur
Einzelnachweise
E. von Raab-Straube (2018+): Linaceae.: Datenblatt Linum alpinum. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 1. Verlag Carl Hanser, München 1965. S. 15–17.
Weblinks
Günther Blaich: Datenblatt mit Fotos. Gerhard Nitter: Steckbrief mit Fotos.
Kategorie:Leingewächse Kategorie:Alpenflora