Die Tropenkreischeule (Megascops choliba, Syn.: Otus choliba), gelegentlich auch Choliba-Kreischeule oder Cholibaeule genannt, ist eine Art aus der Familie der Eigentlichen Eulen. Sie kommt in neun Unterarten ausschließlich in Süd- und Zentralamerika vor.
Erscheinungsbild Mit einer Körpergröße von etwa 22 Zentimetern ist die Tropenkreischeule innerhalb ihrer Gattung eine mittelgroße Art.König et al., S. 289. Sie hat kurze Federohren und gelbe Augen. Die Art ist auffällig polymorph. Es gibt graubraune, braune und rotbraune Farbmorphen.
Verbreitung und Lebensraum Das Verbreitungsgebiet der Tropenkreischeule reicht von Costa Rica bis weit in den Süden von Südamerika. Sie besiedelt allerdings nur die Region östlich der Anden und kommt bis in den Norden von Argentinien und Uruguay vor. Sie fehlt im Westen von Ecuador, Peru und Chile. Sie gilt als Standvogel. Ihr Lebensraum sind offene Wälder, Savannen mit einzelnen Bäumen oder kleinen Waldgebieten, baumbestandenes Farmland, Waldränder und -lichtungen, Stadtparks, Weideland und Plantagen. Sie meidet dichten primären Wald. Sie kommt nur selten in Höhenlagen über vor.König et al., S. 290.
Lebensweise Die Tropenkreischeule ist eine nachtaktive Eule. Sie übertagt im dichten Blattwerk von Bäumen oder Büschen. Sehr gerne nutzt sie dabei den Schutz eines Dornbusches oder sitzt im dichten Epiphytenwachstum unmittelbar in Baumstammnähe. Der Gesang der Männchen ist häufig auch am Tage zu hören. Das Nahrungsspektrum umfasst vor allem Insekten. Dazu zählen Nachtfalter, Zikaden, Grashüpfer und Käfer sowie auch Spinnen und gelegentlich kleine Wirbeltiere.
Südlich des Äquators lassen die Männchen ihren Gesang ab August oder Anfang September erklingen. Dort fällt die Hauptbalz in den Monat September. Sie nisten überwiegend in Baumhöhlen. Das Gelege besteht aus einem bis drei weißen Eiern. Es brütet nur das Weibchen, das vom Männchen mit Nahrung versorgt wird.
Systematik In Südamerika scheint es keine Eulenart zu geben, die sehr eng mit der Tropenkreischeule verwandt ist. Die zahlreichen Unterarten bedürfen nach Ansicht des Ornithologen Claus König einer genaueren Untersuchung und sind möglicherweise eigenständige Arten. Die Andenkreischeule beispielsweise, die ihren Namen zu Ehren der Ornithologin Maria Koepcke trägt, wurde zunächst als Rasse der Tropenkreischeule beschrieben.König et al., S. 291.
Unterarten Es werden folgende Unterarten unterschieden.IOC World Bird List Owls Megascops choliba luctisonus ( & , 1921)Outram Bangs u. a. (1921), S. 89–90. kommt von Costa Rica bis ins nordwestliche Kolumbien vor. Megascops choliba margaritae (, 1915)Charles Barney Cory (1915), S. 298–299. kommt auf der Isla Margarita vor. Megascops choliba duidae (, 1929)Frank Michler Chapman (1929), S. 7–8. kommt im südlichen Venezuela vor. Megascops choliba cruciger (, 1824)Johann Baptist von Spix (1824), S. 22–23 Tafel 9. ist im östlichen Kolumbien und dem östlichen Peru über Venezuela, die Guyanas bis ins nordöstliche Brasilien verbreitet Megascops choliba surutus (, 1941)Leon Hugh Kelso (1941), S. 1. kommt in Bolivien vor. Megascops choliba decussatus (, 1823)Martin Hinrich Lichtenstein (1823), S. 59. ist im zentralen und östlichen Brasilien verbreitet. Megascops choliba choliba (, 1817)Louis Pierre Vieillot (1817), S. 39. kommt vom südlichen Brasilien bis ins östliche Paraguay vor. Megascops choliba wetmorei (, 1937)Pierce Brodkorb (1937), S. 33–34. ist im westlichen Paraguay und nördlichen Argentinien verbreitet. Megascops choliba uruguaii (, 1982)Gerrit Paulus Hekstra (1982), S. 59. kommt im südöstlichen Brasilien, in Uruguay und dem nordöstlichen Argentinien vor.
Otus choliba chapadensis , 1982 wird heute als Synonym zur Nominatform betrachtet. Otus choliba alticola , 1937Leon Hugh Kelso (1937), S. 1., Otus choliba caucae , 1982Gerrit Paulus Hekstra (1982), S. 60., Otus choliba portoricensis , 1942Leon Hugh Kelso (1942), S. 2., Otus choliba kelsoi , 1982Gerrit Paulus Hekstra (1982), S. 61., Otus choliba montanus , 1982 und Otus choliba guyanensis , 1982 werden als Synonyme zu M. c. cruciger gesehen, Otus choliba caatingensis , 1982 als Synonym zu M. c. decussatus und Otus choliba alilicuco , 1982 als Synonym zu M. c. wetmorei.
Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung der Tropenkreischeule erfolgte 1817 durch Louis Pierre Vieillot unter dem wissenschaftlichen Namen Strix choliba. Als Verbreitungsgebiet gab er Paraguay basierend auf Aves nocturnas de rapiña de la chóliba von Félix de AzaraFélix de Azara (1802), S. 218–235. an. 1842 führte Johann Jakob Kaup die Gattung Megascops ein.Johann Jakob Kaup (1842), S. 769 Der Begriff leitet sich von für ab.Megascops The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname »choliba« hat seinen Ursprung in der Aragonesischen Sprache, da diese Eule Azara an die Zwergohreule (Otus scops) erinnerte.choliba The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Margaritae bezieht sich auf die Isla Margarita, duidae auf den Cerro Duida, uruguaii auf Uruguay, chapadensis auf Chapada dos Guimarães, caucae auf das Departamento del Cauca, portoricensis auf Puerto Rico, surutus auf den Río Surutu und guyanensis auf Guyana. Wetmorei ist Alexander Wetmore gewidmet, kelsoi Leon Hugh Kelso. Luctisonus hat seinen Ursprung in und luctisonus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, cruciger in und cruciger The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling decussatus in decussatus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, alticola in und alticola The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling und montanus in .montanus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alilicuco ist der lokale Name der Eule in der Provinz Tucumán. Schließlich bezieht sich caatingensis auf Caatinga. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay drei Bälge, gesammelt von Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) in Puerto Casado und Nueva Germania zur Verfügung. In der Literatur betrachtete er in einem von Richard Otto Rohde (1855–1912) gesammelten Exemplar aus Lambaré beschrieben durch Hans Hermann Carl Ludwig von BerlepschHans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1887), S. 27., am Río PilcomayoJohn Graham Kerr (1892), S. 141 und Río Paraguay durch John Graham Kerr, in BernalcueCarl Eduard Hellmayr (1906), S. 575. durch Carl Eduard Hellmayr, in SapucaiCharles Chubb (1910), S. 75 durch Charles Chubb, im Departamento Alto ParanáArnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 44. und Monte SociedadArnaldo de Winkelried Bertoni (1930), S. 246. durch Arnaldo de Winkelried Bertoni und in ConcepciónAlfred Laubmann (1930), S. 159 durch sich selbst als Nachweise für das Land. Außerdem lagen ihm noch Exemplare von Emil Weiske (1867–1950) und Berthold Krüger aus Concepción und von Adolf Neunteufel (1909–1979) aus Cambyretá zur Analyse vor.Alfred Laubmann (1939), S. 226–227
Einzelnachweise
Literatur
Weblinks
Kategorie:Kreischeulen