Basisdaten Bezirk der DDR Potsdam Kreisstadt Pritzwalk Fläche 762 km² (1989) Einwohner 32.130 (1989) Bevölkerungsdichte 42 Einwohner/km² (1989) Kfz-Kennzeichen D und P (1953–1990)DU (1974–1990)PK (1991–1993) 300px Der Kreis Pritzwalk im Bezirk Potsdam

Der Kreis Pritzwalk war ein Landkreis im Bezirk Potsdam der DDR. Von 1990 bis 1993 bestand er als Landkreis Pritzwalk im Land Brandenburg fort. Sein Gebiet liegt heute zum größten Teil im Landkreis Prignitz, kleinere Teile kamen zum Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Der Sitz der Kreisverwaltung befand sich in Pritzwalk.

Geographie mini|Kreis Pritzwalk Straßenkarte der DDR Lage und Siedlungsgeografie Der Kreis Pritzwalk lag in der nördlichen Prignitz und wurde von der Dömnitz durchflossen. Der Kreis Pritzwalk befand sich ziemlich genau auf der Hälfte der Strecke von Berlin nach Rostock. Als weitere etwas größere Fließgewässer des Kreises sind noch Kümmernitz und Stepenitz zu nennen. Die strukturschwache Großregion in der Norddeutschen Tiefebene ist siedlungsarm und agrarisch geprägt gewesen. Adeliger Großgrundbesitz und Ostelbische Junker bildeten bis 1945 die besitzende soziale Oberschicht. Informelle soziale Formen der Hörigkeit der Bauern und eine starke Stellung der örtlichen Großgrundbesitzer, die aus Zeiten der Patrimonialgerichtsbarkeit herrührten, blieben noch bis ins 20. Jahrhundert eine nachwirkende Form der überkommenen frühneuzeitlichen Ordnung, mit abnehmender Tendenz. Im 19. Jahrhundert hatte eine starke Bevölkerungsabwanderung nach Berlin eingesetzt.

Die drei wichtigsten Orte bildeten Pritzwalk (1989: 12.306 Einwohner), Putlitz (1989: 2.130 Einwohner) und Meyenburg (1989: 2.742 Einwohner). Diese Ortschaften lagen an den Enden eines gleichmäßigen Dreiecks zueinander gerichtet und durch die Fernverkehrsstraßen miteinander verbunden zentral im Kreis. Alle drei Städte übten Funktionen des Grundzentrums und Pritzwalk zumindest partiell Funktionen eines Mittelzentrums aus. Die umliegenden Dörfer und Siedlungsplätze des Kreises waren auf diese drei Städte ausgerichtet. Neben den drei Städten umfasste der Kreis seit den Gemeindefusionen von 1974 noch elf Gemeinden.

Nachbarkreise Der Kreis grenzte im Norden an die Kreise Parchim und Lübz (beide Kreise gehörten zum Bezirk Schwerin), im Osten an den Kreis Wittstock, im Süden an den Kreis Kyritz und im Westen an den Kreis Perleberg.

Die Kreise Kyritz und Perleberg gehörten zur historischen Landschaft Prignitz, während der Kreis Wittstock historisch schon dem Ruppiner Land zuzuordnen ist. Die historisch gewachsenen Bindungen zu Kyritz bildet für Pritzwalk die stärkste Einflusskonstante über die DDR hinaus.

Physische historische Geographie mini|Der größte Teil des Kreises lag zwischen der Stepenitz im Westen und der Dosse im Osten Die 44 teils mittelalterlichen Ortswüstungen des Kreises Pritzwalk sind gleichmäßig über das Kreisgebiet verteilt. Eine leichte Konzentration zeichnet sich um Putlitz, nordwestlich der Kreisstadt Pritzwalk, ab. Der Kreis Pritzwalk war, als Teil der Prignitz und östlich der Elbe gelegen, vor allem durch flache Grundmoränenflächen, die nur im Norden und Osten wellig bis kuppig sind, bestimmt. Das Kreisgebiet gehörte zum Nordbrandenburgischen Platten- und Hügelland. Typisch ist die Höhenlage zwischen 50 und 100 Meter. In diesem westlich der Dosse gelegenen Gebiet gipfelt das Ostprignitzer Hügelland in den Wamsdorfer Höhen bei Halenbeck (153 m) und erstreckt sich fast über das ganze Gebiet zwischen Meyenburg im Norden, Wittstock im Osten, Pritzwalk im Westen und Dannenwalde im Süden. Der Boden dieses Gebietes ist sehr ungleichmäßig, im Süden und Osten zwischen Heiligengrabe und Dannenwalde herrscht Sand mit größeren Waldungen. Typisch sind ausgedehnte Sandflächen in den Räumen westlich von Meyenburg und PutlitzZeitschrift für Archäologie (1983). Deutschland: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, S. 62

Der letzte Vorstoß des Inlandeises hat dieses Hügelland nicht mehr überdeckt, das Eis ist beiderseits daran vorbeigeflossen. Im Westen füllte es das Stepenitzbecken. Die Zuflüsse der Stepenitz haben meist schmale, scharf eingeschnittene Täler, sodass die Gegend arm an Wiesen ist. Dagegen macht die lehmige Beschaffenheit des Bodens die Nordwestecke der Ostprignitz bis Pritzwalk und Freyenstein hin zu deren landwirtschaftlich wertvollstem Teil, abgesehen von der Gegend westlich der Stepenitz, wo der Sand Unfruchtbarkeit verursacht hat. Es handelt sich dabei um ein ausgesprochenes Sandergebiet mit sehr geringwertigen Böden.

Die Landwirtschaft vollzog sich auf leichtem bis mittlerem Pleistozänboden bzw. Diluvialböden. Herausragende Bedeutung kam dem Getreideanbau zu, der ein Drittel der gesamten Anbaufläche in Anspruch nahm. Auch der Hackfruchtanbau nahm mit 11,5 % gegenüber den anderen Ackerfrüchten eine bedeutungsvolle Stellung ein. Der Kreis wies eine relativ geringe Bevölkerungsdichte auf und hatte eine hohe Agrarquote.DDR, ökonomische und soziale Geographie (1990). Deutschland: Haack, S. 232 Er gehörte zu den strukturschwachen Regionen der DDR mit dörflich geprägten Milieus, die relativ abgeschlossen von den Städten existierten.Budde, G. (1997): Frauen arbeiten: weibliche Erwerbstätigkeit in Ost- und Westdeutschland nach 1945. Deutschland: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 78f Die Tuchindustrie, die in der Zeit ihrer höchsten Konjunktur bis zu 500 Arbeiter beschäftigte, blieb ein einzelner, industriell hochentwickelter, aber kleiner Industriezweig in einem agrarisch geprägten Umland. Das gesamte Umland der Stadt Berlin und damit auch noch die Prignitz stand hinsichtlich des Absatzes in Abhängigkeit von Berlin. Die pflanzliche und tierische Produktion richtete sich nach den Bedürfnissen der Großstadt Berlin.Peter Boigk: Die Bodenreform im brandenburgischen Kreis Ostprignitz 1945 - 1949. Eine historische Analyse der Vorgänge, Magisterarbeit, 1996, Kapitel 3.1 Die Landschaft, Onlineausgabe ohne Seitenzahlenangaben

Verkehr Dreh- und Angelpunkt für den Verkehr im Kreis war der Bereich „Verkehr“ der Kreisbehörden. Im Büro der Verkehrsplanung wurde der Generalverkehrsplan aufgestellt und aktualisiert. Dazu gehörte auch die Linienführung der Verkehrsunternehmen, die mit den Verkehrsträgern abgestimmt wurden. Die zuständige ständige Kommission für den Bereich Verkehr des Kreistags beschäftigte sich wiederum mit akuten Verkehrsproblemen, aber auch mit den Leitlinien der Verkehrspolitik und die Einbindung der sektorenführenden Institutionen in diesem Bereich.Reinhardt, W. (2011). Öffentlicher Personennahverkehr: Technik - rechts- und betriebswirtschaftliche Grundlagen. Deutschland: Vieweg+Teubner Verlag, S. 87 Der Kreis war durch die Autobahn Berliner Ring–Zarrentin in das Autobahnnetz der DDR eingebunden. Dem überregionalen Straßenverkehr dienten außerdem die F 103 von Kyritz über Pritzwalk nach Rostock, die F 107 von Pritzwalk über Genthin nach Karl-Marx-Stadt, die F 189 von Pritzwalk über Stendal nach Magdeburg und die F 321 von Pritzwalk nach Schwerin.

Den Kraftfahrzeugen (mit Ausnahme der Motorräder) und Anhängern wurden von etwa 1974 bis Ende 1990 dreibuchstabige Unterscheidungszeichen, die mit dem Buchstabenpaar DU begannen, zugewiesen. Die letzte für Motorräder genutzte Kennzeichenserie war DU 40-01 bis DU 60-00. Anfang 1991 erhielt der Landkreis das Unterscheidungszeichen PK. Es wurde bis Ende 1993 ausgegeben.

Mit dem Eisenbahnnetz der DDR war der Kreis Pritzwalk durch die Strecken Wittenberge–Pritzwalk–Neustrelitz, Pritzwalk–Putlitz und Meyenburg–Pritzwalk–Neustadt (Dosse) verknüpft.

Die Haupteisenbahnlinien, die alle Städte des Kreises berührten (Pritzwalk seit 1885), blieben im Wesentlichen Durchgangsstrecken. Seit der Jahrhundertwende wurden mehrere Kleinbahnen gebaut, die einen preiswerten Transport der Agrarprodukte sichern sollten. Dieses Netz von Kleinbahnen führte mit zur Steigerung der Agrarproduktion.

Auswahl an Bahnstrecken, die durch den Kreis Pritzwalk führten: Bahnstrecke Berge–Putlitz Bahnstrecke Pritzwalk–Suckow Bahnstrecke Neustadt–Meyenburg

Der 1952 gegründete VEB Kraftverkehr Kyritz mit Außenstelle Pritzwalk bediente die örtlichen und überörtlichen Verkehrsdienstleistungen, einschließlich der Kreise Wittstock/Dosse und Neuruppin und Kyritz. Dazu gehörte der Güterverkehr sowie die Transporte des Arbeiterberufsverkehrs und des Personenverkehrs. Der Kreistagsabgeordnete und Leiter einer örtlichen Gewerbebank (Bank für Handel und Handwerk) und Vorsitzender der Ständigen Kommission „Haushalt und Finanzen“ des Kreistages Pritzwalk, Hermann Lüder berichtete von seiner Gremienarbeit über die Entwicklung des überörtlichen Fahrdienstes.Sozialistische Finanzwirtschaft. (1965). Deutschland: (n.p.), S.G-4 Zu der Fahrzeugflotte des VEB Kraftverkehr gehörten unter anderen Omnibusse der Ikarusreihe: Ikarus 255, Ikarus 260, Ikarus 280. Die Verkehrsgesellschaft Perleberg – Pritzwalk mbH wurde am 31. März 1992 gegründet und bereitete damit die Kreisfusionierung vor.

Wasser Der 2019 abgelassene Flachlandspeicher Sadenbeck mit einem Einzugsgebiet von 16,6 km² und 1,0 Mill. m³ Speichervolumen bildete einen größeren Wasserspeicher. Er wurde zur Steigerung der Gemüseproduktion auf einer 454 Ha großen Beregnungsfläche der LPG (P) Sadenbeck genutzt. Probestau war 1986 und 1987 wurde der Speicher der LPG übergeben.Wasserwirtschaft, Wassertechnik. (1986). Deutschland: VEB Verlag Technik, S. 181

Als eine zweite Stufe der Zentralisierung der Wasserwirtschaft folgte die Bildung von Kreiswasserwirtschaftsbetrieben. Er sollte dem Rat des Kreises unterstellt werden und die zentralen wasserwirtschaftlichen Anlagen, die bis dahin selbständige Betriebseinheiten waren, in seine Rechtsträgerschaft übernehmen. Dieser Betrieb übernahm ohne Rücksicht auf Gemeindegrenzen zum Zeitpunkt seiner Bildung alle im Verbund arbeitenden Wasserversorgungsanlagen. Damit war erstmals erreicht, dass die in unmittelbarem technischem Zusammenhang stehenden genannten Anlagen auch organisatorisch in einer Hand waren. Dieser Konzentrationsprozess wurde schrittweise fortgesetzt.http://www.hueftprobleme.net/henriette-van-der-wall.de/1991_DDR-Wasserwirtschaft.pdf, Forschungsstelle für Umweltpolitik, Freie Universität Berlin rep 91-1: Die Wasserwirtschaft in der DDR, Henriette van der Wall, R. Andreas Kraemer, Januar 1991, S. 38

Am 12. Dezember 1963 beschloss der Ministerrat der DDR Grundsätze über die Leitung und Organisation der Wasserwirtschaft. Auf dieser Grundlage wurde die Anordnung über die Bildung der VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung vom 23. März 1964 erlassen. Darin ist festgelegt, dass für jeden Bezirk aus den bestehenden finanz- und bruttogeplanten Wasserwirtschaftsbetrieben der Bezirke, Kreise, Städte und Gemeinden bis zum 31. Dezember 1964 ein VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung gebildet wird und die öffentlichen Anlagen der Wasserversorgung und Abwasserbehandlung der Städte und Gemeinden in diese einzugliedern sind.

Energie Zu den 1983 errichteten Leitungen der Erdgastrasse gehören die Abschnitte Pritzwalk-Meyenburg-Neubrandenburg der Ferngasleitung Waren-Neubrandenburg.

Geschichte mini|Ausgangslage des Landkreises Ostprignitz (in Cyan). Dieser war mit einer Fläche von 1869 km² ungleich größer als der nachfolgende Kreis Pritzwalk. Der Altkreis besaß 138 Landgemeinden mit insgesamt 35.308 Einwohnern und 5 Städte (Ackerbürgerstädte Kyritz, Pritzwalk, Wittstock, Meyenburg, Freyenstein) mit 25.638 Einwohnern. Kreisreform