Ober-Breidenbach ist ein Stadtteil von Romrod im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie Das Dorf liegt südlich des Hauptortes. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3070. Sie verbindet Ober-Breidenbach mit Nieder-Breidenbach und Windhausen. Ober-Breidenbach ist der höchstgelegene Stadtteil. Er hatte 1993 insgesamt 493 Einwohner.

Ortsgeschichte mini|Evangelische Kirche in Ober-Breidenbach

Mittelalter Der Ort wurde erstmals im Jahre 812 in der Schlitzer Markbeschreibung als Breitenbach erwähnt.Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et antquitates Fuldenses. Fulda 1844. Kap. 18, S. 58. Bis ins 14. Jahrhundert wurde allerdings nicht zwischen Ober-Breidenbach und Nieder-Breidenbach unterschieden. Die erste Erwähnung von Breidenbach im Kopiar Codex Eberhardi beschreibt die Lage an der mittelalterlichen Fernstraße: „... deinde usque ad stratam publicam, inde usque ad Breitenbah, inde usque ad Elbuuinesrod ... deinde in breitenbach...“ Übersetzung: Dann zur öffentlichen Straße nach Breitenbach, dann nach Elbenrod darauf nach Breitenbach. Eine zweite Stelle im gleichen Kopiar nennt Besitzungen des Klosters Fulda in Hopfgarten und in Breitenbah.Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et antquitates Fuldenses. Kap. 23, S. 60. Der Codex Eberhardi wurde erst um 1160 von dem Mönch Eberhard verfasst und gibt Besitzungen und Schenkungen an das Fuldaer Kloster meist nur in sehr stark verkürzter Form wieder.

1266 wird der Ortsadlige „Ylias de Bredenbach“ genannt.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Nr. 224, S. 174.

Am 30. November 1336 bekannten der Adlige Gerlach von Storndorf und seine Frau Alheyt, dass sie von Friedrich von Herzberg Güter in Nieder-Breidenbach, Storndorf und Vadenrod als Erbburglehen empfangen sollten.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. N. 765, S. 530; StAD, A 3, 250/1. Die Textstelle, die den Ort Nieder-Breidenbach urkundlich erstmals nennt, lautet: „... an vnserme gute czu Nidern Breydinbach“. Die Ersterwähnung von Ober-Breidenbach erfolgt erst 1397: „... gelegin zuo Obirn Breydenbach ...“Universitätsbibliothek Gießen, Handschrift N. F., 201 S. 18.

Unweit von Nieder- und Ober-Breidenbach gab es im Mittelalter zwei weitere Orte mit dem Ortsnamen Breidenbach, nämlich bei Lanzenhain und Pfordt.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 61. Diese sind heute Wüstungen.

In der Namenskunde wird der Ortsname als „Ort an der Verbeiterung des Baches“ gelesen. Dabei geht man von der Ortslage an einem Zufluss zur Antrift aus, dem Ocherbach.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. S. 66 f, S. 67. Die Unterscheidung zwischen Ober- und Nieder-Breidenbach beruht auf der unterschiedlichen Höhenlage beider Orte an dem erwähnten Bach.

Die nachfolgenden Ausführungen sind sehr vage und noch nicht bewiesen. Vielleicht beruhen sie auf einer Verwechslung mit den Wüstungen gleichen Namens: Als zu dieser Zeit die Pest umging, traf sie auch das alte Ober-Breidenbach. Fast alle Einwohner erkrankten damals und verstarben. Nachdem das Dorf ausgestorben war, gab es dort längere Zeit keine Besiedlung. Erst am Ende des Mittelalters fingen neue Siedler an, sich wieder in Ober-Breidenbach zu sammeln und das Dorf etwa 300 Meter weiter östlich erneut zu gründen.(Belege fehlen)

Heute ist vom alten Ober-Breidenbach kaum noch etwas zu sehen. Bis auf ein paar alte Mauerreste ist das alte Dorf völlig verschwunden.

Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Ober-Breidenbach:

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ober-Breidenbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Romrod eingegliedert. Für den Ortsteil Ober-Breidenbach wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ober-Breidenbach angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Romrod ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt RomrodDie Zugehörigkeit des Amtes Romrod anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Alsfeld, Amt Romrod ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Oberamt Alsfeld, Amt Romrod ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Romrod ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk RomrodTrennung zwischen Justiz (Landgericht Alsfeld) und Verwaltung. ab 1829: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Alsfeld (Amtssitzverlegung) ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Romrod ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Romrod

Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Ober-Breidenbach durch das Amt Romrod. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Alsfeld“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Alsfeld, das heutige Amtsgericht, das für Ober-Breidenbach zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Ober-Breidenbach 321 Einwohner. Darunter waren 6 (1,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 39 Einwohner unter 18 Jahren, 132 zwischen 18 und 49, 84 zwischen 50 und 64 und 66 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 141 Haushalten. Davon waren 45 Singlehaushalte, 39 Paare ohne Kinder und 45 Paare mit Kindern, sowie 12 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 90 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1806: 461 Einwohner, 86 Häuser • 1829: 500 Einwohner, 92 Häuser • 1867: 513 Einwohner, 89 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 499 evangelische, ein katholischer Einwohner • 1961: 449 evangelische (= 89,26 %), 53 katholische (= 10,54 %) Einwohner

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

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