Ober-Wegfurth ist ein Stadtteil von Schlitz im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Geografie Der Ort liegt nordöstlich von Schlitz an der Fulda. Durch das Dorf verläuft die Landesstraße 3140. Sie verbindet den Ober-Wegfurth mit Rimbach und Unter-Wegfurth.
Ortsgeschichte Mittelalter Fälschungen und Ersterwähnung Der Ort entstand an einer Furt durch die Fulda, dort wo eine historische Fernverkehrsstraße den Fluss überquerte. Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung des Dorfes stammt aus dem Zeitraum zwischen 1015 und 1110: „... De Luterenbach ... De Nuwenburc ... de Wegefurte.“ Diese Datierung ergibt sich aus dem Kopiar des Mönches Eberhard, dem sogenannten Codex Eberhardi.Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et antquitates Fuldenses. Fulda 1844. Kap. 13, S. 55. Zwei früher datierte Erwähnungen, die ebenfalls aus dem Codex Eberhardi stammen, sind Fälschungen des Mönches Eberhard,Traut Werner-Hasselbach: Die ältesten Güterverzeichnisse der Reichsabtei Fulda. Marburg 1942. S. 58–75. der den Codex Eberhardi um 1160 verfasste. Dies betrifft die Datierung zwischen 744 und 747, welche die Fälschung einer Königsurkunde beinhaltet und die villas: „Geisaha, Vfhusen, Richenbach und Wegefurtem“ nennt.Edmund Ernst Stengel: Fuldisches Urkundenbuch. Band 1. Nr. 8, S. 13. Auch die Datierung 852 ist eine Fälschung des besagten Mönches. Erst im 14. Jahrhundert wird „die jüngere, flussabwärts gelegene Siedlung Nieder-Wegfurth ... unterschieden.“
Der Ortsname bedeutet „die Stelle an der die Fernverkehrstraße die Fulda“ überquerte.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 386 f. Zusammengesetzt ist der Ortsname aus dem ahd. Wort „wec“ = Weg, StraßeFriedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 842. bzw. dem ahd. „furt“. Erst 1613 werden die beiden Orte in einer Akte des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt erwähnt: „Obernn Wegfurd“ und „Untern Wegfurd“.StAD, Abt. XIII, 2, Konv. 40, fasc. 31.
Neuzeit Ober-Wegfurth gehörte bereits im Mittelalter zur Herrschaft Schlitz. Johann Andreas Demian: Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthums Hessen, Band 2. LeRoux, Mainz o. J., S. 361.
Hier galten die Schlitzer Verordnungen aus dem 18. Jahrhundert zusammen mit Teilen des Fuldischen Rechts als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit diese speziellen Regelungen für einen Sachverhalt keine Bestimmungen enthielten. Dieses Sonderrecht behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert. In der gerichtlichen Praxis wurden die Verordnungen aber nur noch selten angewandt. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 104 und beiliegende Karte. Das Partikularrecht wurde zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst.
Am 31. Dezember 1971 wurde Ober-Wegfurth im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Schlitz eingegliedert.
Sehenswürdigkeiten Für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude des Ortes siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Ober-Wegfurth.
mini|Evangelische Kirche in Ober-Wegfurth
Die frühere Wallfahrtskirche, eine ehemalige Wehrkirche, steht oberhalb von Ober-Wegfurth auf einer Anhöhe. Sie ist romanischen Ursprungs, wurde aber 1701 völlig neu erbaut. 1880 kaufte die Ober-Wegfurther Kirchengemeinde die 1838 von der Orgelbauwerkstatt Oestreich aus Oberbimbach für die Langenschwärzer Kirche hergestellte Orgel aus der 1879 abgerissenen evangelischen Kirche in Langenschwarz. Sie wurde 1964/65 und 1990 grunderneuert.Evangelische Pfarrei Queck: Ober-Wegfurther Orgelgeschichte
Politik Ortsvorsteher ist Heidrun Blank (Stand Mai 2021).
Literatur
Weblinks
Stadtteil Ober-Wegfurth im Internetauftritt der Stadt Schlitz.
Einzelnachweise
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