Projekt 68bis () oder, nach dem Typschiff, Swerdlow-Klasse, war eine Klasse von Leichten Kreuzern der sowjetischen Marine im Kalten Krieg. Die Schiffe der Swerdlowklasse waren weltweit die letzten Kreuzer mit Artilleriehauptbewaffnung, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf Kiel gelegt wurden. 14 Swerdlow-Kreuzer waren fertiggestellt, als das Bauprogramm auf Anweisung Chruschtschows 1955 gestoppt wurde, da Artilleriekreuzer wegen des Erscheinens von Lenkraketen veraltet waren.

Planung und Bau Die Schiffe gelten als verbesserte und etwas vergrößerte Version von Projekt 68. Hauptbewaffnung, Maschinenanlage und Panzerung waren identisch, aber es konnte mehr Treibstoff mitgeführt werden. Zudem war der Rumpf von Projekt 68bis geschweißt, Unterwasserschutz, Flugabwehr und Radar waren verbessert.

Linienführung und Design basieren auf der italienischen Montecuccoli-Klasse, erinnerten Experten und Besucher des Schiffes aber auch an die deutschen Schweren Kreuzer der Admiral-Hipper-Klasse. Ungewöhnlich ist die Teilung des Oberdecks durch einen kurzen Aufbau in Höhe des ersten Schornsteins, durch den auch die Mehrzweck-Artillerie-Batterie geteilt wird.

Technik Maschinenanlage Projekt 68bis wurde von einer herkömmlichen Dampfturbinenanlage angetrieben. In sechs Dampfkesseln wurde Schweröl verbrannt, um Wasser zu verdampfen und mit dem Dampfdruck zwei TW7-Turbinen zu betreiben. Die Turbinen übertrugen die Kraft auf zwei Wellen, die zwei dreiflügelige Propeller antrieben. Die Dampfkessel waren hintereinander leicht versetzt auf der Längsachse der Schiffe aufgestellt. Je drei Kessel führten ihre Abgase über einen Schornstein ab.

Bewaffnung mini|Zwei W-11-Zwillingslafetten auf Michail Kutusow, im Hintergrund ein „SPN-500“-Feuerleitgerät. Die NATO-Bezeichnung des Geräts, „Wasp Head“ (deutsch: „Wespenkopf“), erklärt sich aus dieser Perspektive. Die Hauptbewaffnung bestand aus zwölf 152-mm-Geschützen. Sie waren in vier Drillingstürmen auf der Längsachse der Schiffe aufgestellt, je zwei auf dem Achterschiff und auf der Back. „Turm B“ und „Turm C“ standen dabei auf überhöhten Barbetten, so dass sie über die niedrigeren Türme A und D hinweg feuern konnten. In den Türmen waren B-38-Geschütze verbaut, die ein Kaliber von 152,4 mm bei einer Kaliberlänge von 57 besaßen. Jedes dieser Geschütze konnte rund sieben Schüsse pro Minute abfeuern und hatte eine Reichweite von bis zu 30 Kilometern.

Zwölf 100-mm-Geschütze in sechs Zwillingstürmen bildeten die Mittelartillerie. Die SM-5-Mehrzweckgeschütze in diesen Türmen sollten sowohl gegen Schiffs- und Land- als auch gegen Luftziele eingesetzt werden. Sie konnten bei einer Kaliberlänge von 70 eine Sprenggranate rund 25 Kilometer weit schießen, während Luftziele bis zu einer Höhe von 16 Kilometern bekämpft werden konnten.

Für die Nahbereichsflugabwehr waren 32 automatische Geschütze eingebaut – deutlich weniger als bei britischen bzw. US-amerikanischen Kreuzern. Diese waren in offenen W-11-Zwillingslafetten verbaut, 4 auf dem Brückenaufbau, 4 neben dem Brückenaufbau, 2 mittschiffs und 6 auf dem achteren Aufbau.

Zwei fünffach-Torpedosätze waren zwischen den Schornsteinen, je einer an Back- und Steuerbord, offen verbaut. Sie konnten PTA-53-68-Torpedos verschießen, wurden aber in späteren Jahren von vielen Schiffen der Klasse entfernt.

Alle Kreuzer dieses Typs konnten auch als Minenleger eingesetzt werden, indem sie an Deck Seeminen mitführten, die über Führungsschienen zum Heck geschoben und dort abgesetzt wurden.

Feuerleitung und Sensoren mini|„KDP2-8“-Feuerleitgerät auf dem Brückenaufbau des Museumsschiffs Michail Kutusow mit den vier charakteristischen Auslegern der beiden Basisgeräte, 2009 Die Feuerleitung der Hauptartillerie auf Projekt 68bis stützte sich auf zwei optische „KDP2-8“-()-Koinzidenzentfernungsmesser auf den Schiffsaufbauten, von denen sich je einer auf dem Brückenaufbau und dem achtern Aufbau befand. Jeder dieser Entfernungsmesser besaß zwei Basisgeräte, deren Ausleger auf beiden Seiten des gepanzerten Beobachtungsstandes herausragten.

Zwei kleine „SPN-500“-Feuerleitgeräte () waren mittschiffs, je eines an Back- und Steuerbord, hinter dem vorderen Schornstein, aufgestellt. Diese Geräte kombinierten einen optischen Entfernungsmesser (NATO: „Wasp Head“) mit kurzer Basislänge, mit einem „Jakor-M“-Feuerleitradar () (NATO: „Sun Visor“).

„Turm B“ und „Turm C“ besaßen je ein einfaches Radargerät zur Zielortung und Feuerleitung auf dem Turmdach. Das Gerät vom Typ „Schtag B“ () (NATO: „Top Bow“) konnte große Schiffsziele in bis zu 22 km Entfernung zu orten. Auf rund 18 km Entfernung ermittelte es Daten, die genau genug waren, um das Feuer der Artillerie danach zu richten.А. Б. Широкорад: Крейсера типа Свердлов. S. 8.

Jeder der vier Hauptgeschütztürme besaß zwei einfache Periskope, die bei Ausfall der übrigen Feuerleitanlage für einfaches direktes Richten benutzt werden konnten.

Die Türme der Mittelartillerie besaßen wie die Türme „B“ und „C“ der Hauptartillerie je ein „Schtag B“-Feuerleitradar (hier allerdings mit der NATO-Bezeichnung: „Egg Cup“) auf dem rechten Teil des Turmdachs.

Zur Ortung von Luft- und Oberflächenkontakten verfügten die Schiffe des Projekts 68bis über mehrere Systeme, die im Verlauf ihrer langen Dienstzeit zum Teil ergänzt und ersetzt wurden.

Ursprünglich verfügte das Typschiff Swerdlow neben den erwähnten Feuerleitsensoren über ein einfaches Radarsystem, das sich aus einer „Fakel-MS“- () und „Fakel-MO“-()-Sender-Empfänger-Kombination sowohl auf den Mastspitzen des achteren als auch des vorderen Masts zusammensetzte.

Später wurden die meisten Schiffe der Klasse umgerüstet und modernisiert. So trug die Dserschinski nach dem Umbau zum Projekt 70-E mit verstärkter Flugabwehrbewaffnung je ein „Big Net“- und ein „Slim Net“-Luftsuchradar, ein „Low Sieve“-Radar zur Oberflächensuche sowie ein „Fang Song-E“-Feuerleitradar für die Flugabwehrraketen.

Panzerung Entsprechend ihrer Rolle als Artillerie-Großkampfschiffe waren die Kreuzer im Vergleich zu zeitgenössischen Schiffen schwer gepanzert. Ein gepanzerter rechteckiger Kasten im Rumpf – die Zitadelle – bildete die Basis des Panzerschutzes. Sie führte von „Turm A“ auf der Back über die Maschinenräume bis hinter „Turm D“ auf dem Achterschiff. Die Außenwand der Zitadelle bildete der Gürtelpanzer mit 100 mm Dicke, die Decke bestand aus 50 mm Panzerstahl. Nach vorn war sie durch eine 120 mm starke, nach achtern durch eine 100-mm-Panzerplatte im Rumpf abgeschlossen.

Der Gürtelpanzer setzte sich über die Länge der Zitadelle hinaus bis zur Bugspitze fort, war aber außerhalb der Zitadelle nur noch 20 mm stark.

Die Rudermaschine, die oberhalb des Ruders im Achterschiff und damit außerhalb der Zitadelle untergebracht war, befand sich in einem kleinen, gepanzerten Abteil, das 100 mm dicke Außenwände und ein 50 mm starkes Dach aus Panzerstahl besaß.

Gestützt auf die Zitadelle waren die vier gepanzerten Barbetten der Hauptgeschütztürme. Ihre zylindrischen Strukturen, welche die Munitionszuführung der Geschütze beherbergten, bestanden aus 175 mm starkem Panzerstahl. Die Türme der Hauptartillerie selbst waren rundum mit 75 mm Panzerstahl geschützt, an ihrer Stirnseite besaßen sie jedoch eine 175 mm dicke Panzerplatte.

Die 100-mm-Flugabwehrartillerie war dagegen nur schwach geschützt. Sie besaß pro Zwillingsturm eine 20 mm dicke Stirnplatte aus Panzerstahl und einen 10 mm dicken Rundumschutz. Die zugehörigen Barbetten waren mit 20 mm starken Panzerstahlwänden gepanzert.

Die Aufbauten waren auf den Schiffen mit 10 mm dicken Stahlwänden geschützt, die Kommandobrücke hinter „Turm B“ war jedoch mit 130 mm starken Wänden und einer 100 mm starken Decke gut geschützt. Sie war durch einen gepanzerten Aufzug mit 50 mm dicken Wänden mit der Zitadelle im Schiffsinneren verbunden.

Die beiden Entfernungsmesser besaßen einen 14 mm starken Schutz.А.Б. Широкорад: Крейсера типа Свердлов. S. 5.

Umbauten mini|Projekt 68 U-1 Schdanow mit dem Aufbau für die OSA-M-Raketen anstelle des Turms „C“ 1983 mini|AK-230-Maschinenkanonen auf dem Vormars des Projekt-68A-Kreuzers Michail Kutusow. Projekt 64 Projekt 64 war ein Entwurf, bei dem der Umbau der Kreuzer zu modernen Lenkwaffenkreuzern mit drei Vierfachsätzen für P-6-Seeziel- und zwei Zwillingsstartern für Flugabwehrraketen untersucht wurde.

Projekt 67EP Bei der Admiral Nachimow wurden 1955 die beiden Hauptgeschütztürme auf der Back entfernt, um eine Startvorrichtung für P-1-Seezielflugkörper (NATO: SS-N-1) zu installieren. Das Projekt wurde nicht weiter verfolgt und Admiral Nachimow für Beschusstests verwendet.

Projekt 67bis Bezeichnet den geplanten Einbau von vier Fünffachrohrsätzen mit P-6-Seezielflugkörpern.

Projekt 68 bis-ZIF War ein Projekt zur Verstärkung der Flugabwehrkapazität. Die 37-mm-W-11-Geschütze sollten durch schwere Waffen ersetzt werden.

Projekt 68A Verstärkung der Nahbereichsflugabwehr durch 8 AK-230-Maschinenkanonen. Dazu wurde der Brückenaufbau nach achtern verlängert, so dass er den vorderen Schornstein umschloss, um hier 4 der Waffen aufzustellen. Die übrigen 4 standen auf einem neuen Aufbau am Vormars oberhalb der Gefechtsbrücke. Das Gewicht der zusätzlichen Einbauten erhöhte die maximale Wasserverdrängung von 16.340 Tonnen auf nun 17.790 Tonnen. Michail Kutusow sowie zwei weitere Schiffe wurden so umgebaut.

Projekt 70-E Ein Versuch, der aktuellen Bedrohungslage durch Luftangriffe gerecht zu werden, wurde unter der Kennung Projekt 70-E umgesetzt. Der „Turm C“ der Dserschinski wurde 1960 entfernt und ihn bis 1962 durch einen Zwillingsstarter für die Marineversion der S-75-Flugabwehrrakete (NATO: SA-N-2) ersetzt. Das hintere „KDP2-8“-Feuerleitgerät wurde durch ein Feuerleitradar für die Flugabwehrraketen ersetzt.

Projekt 68 U-1 Ähnlich dem Projekt 70-E wurden hier 1968 und 1971 auf der Schdanow Flugabwehrraketen, hier des Typs Osa-M, anstelle des „Turms C“ verbaut. Zusätzlich erhielt das Schiff vier AK-230-Geschütze. Die Wasserverdrängung erhöhte sich durch die Umbauten auf 18.020 Tonnen.

Projekt 68 U-2 Die Bewaffnung der Admiral Senjawin wurde, ähnlich der Schdanow, durch OSA-M-Raketen verändert, jedoch entfernte man hier beide Türme an achtern und verbaute acht AK-230-Geschütze. Die Wasserverdrängung erhöhte sich so nur auf 17.900 Tonnen.

Schiffe des Projekts 68bis mini|Die Alexander Newski 1983 im Atlantik. Das Schiff trägt unterhalb der Spitze des Achtermasts eine nachträglich eingebaute Radarantenne. mini|Die Molotowsk 1956 in Göteborg. Die Klasse wurde 1948 mit 21 Einheiten geplant, davon sind 17 Rümpfe auf Kiel gelegt und 14 Schiffe gebaut worden. Bei mehreren Schiffen wurde der Fertigbau abgebrochen, sie wurden zum Teil als Hulks bzw. Versorgungsschiffe vollendet. Als letztes Schiff der Swerdlow-Klasse wurde die Michail Kutusow 1994 aus dem aktiven Dienst genommen.

Swerdlow Die Swerdlow (), benannt nach Jakob Swerdlow, war das Typschiff der Klasse. Sie wurde am 15. Oktober 1949 bei der Werft 189 in Leningrad auf Kiel gelegt. Sie lief am 5. Juli 1950 vom Stapel und wurde nach Abschluss der Ausbauten zwei Jahre später fertig. Vom 31. August 1952 an leistete sie ihren Dienst in der Schwarzmeerflotte. Im Juni 1953 nahm das Schiff anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten für Elisabeth II. an der von Großbritannien veranstalteten Flottenparade von Kriegsschiffen mehrerer Nationen teil. An Bord befanden sich 900 Offiziere. Die Swerdlow wurde 1989 abgewrackt.

Dserschinski Der Kreuzer Dserschinski (), benannt nach dem Geheimdienstchef Felix Dserschinski, wurde von Werft 444 in Mykolajiw am 21. Dezember 1948 auf Kiel gelegt und lief am 31. August 1950 vom Stapel. Nach ihrer Indienststellung am 30. August 1953 leistete sie ihren Dienst in der Schwarzmeerflotte. Ab 1962 wurde sie zum Projekt 70-E umgebaut, wobei einer ihrer achteren Türme durch eine Startvorrichtung für Flugabwehrraketen ersetzt wurde. Sie wurde 1989 abgewrackt.

Ordschonikidse