Die Eastern Fleet (), auch als East Indies Fleet (Ostindien-Flotte) oder Far East Fleet (Fernost-Flotte) bezeichnet, war ein Flottenverband der britischen Royal Navy im Indischen und Pazifischen Ozean. Er bestand von 1941 bis 1971.

Geschichte Bereits 1904 hatte der Erste Seelord der Admiralität, Sir John Fisher, für den Kriegsfall die Zusammenführung der drei ständigen Flottenverbände im asiatisch-pazifischen Raum, der China Station, der East Indies Station und der Australia Station, unter ein einheitliches Kommando gefordert. Das Kommando dieser Eastern Fleet sollte in Singapur eingerichtet werden, zum Befehlshaber dieses Verbandes sollte der jeweilige Befehlshaber der China Station ernannt werden. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Begriff Eastern Fleet jedoch nur als generelle Bezeichnung für die im Indischen und Pazifischen Ozean stationierten Flottenverbände benutzt, die drei Verbände behielten ihre Selbständigkeit auf dem jeweiligen Kriegsschauplatz. Diese Struktur wurde bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges beibehalten. Angesichts der wachsenden japanischen Bedrohung wurde jedoch am 8. Dezember 1941, einen Tag nach dem Überfall der japanischen Kriegsmarine auf Pearl Harbor, die Eastern Fleet aufgestellt.The British Empire and the Second World War. Ashley Jackson, S. 289. Dazu wurden vorerst die Einheiten der China Station und der East India Station herangezogen. Während des Krieges wurden der Flotte weitere Verbände anderer auf alliierter Seite kämpfender Nationen unterstellt, so der Königlich-Niederländischen Marine, der Royal Australian Navy, der Royal New Zealand Navy und der United States Navy. Mit Schaffung der britischen Pacific Fleet 1944/1945 wurde die Eastern Fleet in East Indies Fleet umbenannt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Name in Far East Fleet umgewandelt, der Verantwortungsbereich der Flotte erstreckte sich über alle asiatischen Gewässer einschließlich eines Teils des Pazifischen Ozeans.

Hintergrund Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war der Indische Ozean praktisch ein „britisches Binnengewässer“. Rings um den Ozean lagen britische Besitzungen sowie Gebiete des Commonwealth. Ein Großteil strategisch wichtiger Rohstoffe wurden auf den Seewegen des Ozeans transportiert: persisches Erdöl, malaysischer Kautschuk, indischer Tee, Lebensmittel aus Australien und Neuseeland. Großbritannien musste auf die Personalressourcen Australiens und Neuseelands zurückgreifen, die sichere Passage von Schiffen im Falle eines Krieges konnte durchaus kritisch werden.

Dessen ungeachtet bestand bei der Royal Navy die Tendenz, vor allem ältere Schiffe in Asien zu stationieren und die Kräfte der China und East Indies Station zur Verstärkung der Kräfte auf anderen Kriegsschauplätzen zu nutzen. Doch gerade zu dem Zeitpunkt, an dem sie am dringendsten benötigt wurden, bestanden die Geschwader in Asien aus älteren Schiffen, die für einen Einsatz im Atlantik oder Mittelmeer zu langsam und zu verwundbar waren.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden die britischen Seeverbindungen durch den Kreuzer Admiral Graf Spee und Hilfskreuzer der deutschen Kriegsmarine bedroht. Für den Schutz der Seeverbindungen und die Suche nach der Admiral Graf Spee wurden nicht unerhebliche britische Kräfte gebunden. Mitte 1940 trat Italien auf deutscher Seite in den Krieg ein. Durch die in Italienisch-Ostafrika basierten Kriegsschiffe wurden die britischen Seeverbindungen im Roten Meer bedroht. Im Dezember 1941 trat Japan in den Krieg ein. Mit dem Überfall auf Pearl Harbor, der Versenkung der Prince of Wales und der Repulse, der Besetzung Malayas, Singapurs und Niederländisch-Indiens bestand eine weitere Bedrohung aus dem Osten.

Diese Bedrohung wurde Realität, als die japanische Marine im April 1942 in den Indischen Ozean vorstieß und den Flugzeugträger Hermes, die beiden Kreuzer Cornwall und Dorsetshire sowie weitere Kriegs- und Handelsschiffe versenkte und den Schiffsverkehr an der indischen Ostküste störte (siehe Attacke im Indischen Ozean). Der Chef des Imperialen Generalstabs, General Sir Alan Brooke, schrieb:

Es bestand die Gefahr, dass Japan die Royal Navy aus dem Indischen Ozean vertreiben würde, mit direkten Auswirkungen für Indien, und dass die deutschen Erfolge im Kaukasus und in Ägypten den Persischen Golf bedrohten.

Einsatz während des Zweiten Weltkrieges Kriegsbeginn mini|Das Navy Office in Singapur, Sitz des Befehlshabers der China Station, 1941

Bis 1941 bestand die hauptsächliche Bedrohung aus deutschen Hilfskreuzern und U-Booten. Hauptaufgabe der Eastern Fleet war zu diesem Zeitpunkt der Schutz der Handelswege. Dazu fuhr sie Konvoischutz und suchte und vernichtete die deutschen Handelsstörer. Diese Aufgabe band starke britische Kräfte bis zur Versenkung des letzten Handelszerstörers Michel im Oktober 1943.

Am 10. Juni 1940 trat Italien in den Krieg ein. Damit wurden die britischen Nachschubwege für Öl im Persischen Golf, im Roten Meer und im Mittelmeer bedroht. Italien kontrollierte Häfen in Italienisch-Ostafrika und Tianjin (Tientsin), China. Die Regia Marina im Roten Meer, dem Indischen Ozean und westlichen Pazifik verfügte über Zerstörer, U-Boote und eine kleine Anzahl bewaffneter Handelsschiffe. Die Mehrzahl, sieben Zerstörer und acht U-Boote, war in Massaua in Eritrea als Teil der italienischen Flottille im Roten Meer stationiert. Im Jahr 1940 verlor die Regia Marina vier U-Boote und einen Zerstörer bei Angriffen auf britische Konvois im Roten Meer.

Die italienischen Seestreitkräfte in Ostafrika waren jedoch in einer Zwickmühle gefangen. Ein Auslaufen der Schiffe würde heftige britische Reaktionen hervorrufen, ein Verbleiben in den ostafrikanischen Häfen war wegen der britischen Bedrohung ebenso unmöglich. Während der britischen Ostafrika-Kampagne wurden diese Häfen von den Briten genommen. Die Italiener versuchten, zum durch deutsche Truppen besetzten Europa, der von Vichy-Truppen gehaltenen französischen Kolonie Madagaskar, nach Japan, nach Tientsin oder einen anderen neutralen Hafen auszubrechen. Einige dieser Ausbruchsversuche waren erfolgreich. Vier italienische U-Boote erreichten erfolgreich Bordeaux, zwei von drei der italienischen bewaffneten Handelsschiffe erreichten Kōbe (Japan), und einige andere Schiffe erreichten achsenfreundliche Häfen. Der Rest der italienischen Schiffe in Ostafrika wurden erobert, versenkt oder zerstört. Sechs italienische Zerstörer versuchten einen Angriff auf Port Suez und Port Sudan, wurden jedoch von kombinierten britischen See- und Luftstreitkräften zurückgeschlagen. Alle diese Schiffe gingen bei den Angriffen verloren oder wurden von den Besatzungen selbst versenkt. Bei den Aktionen gegen die italienischen Schiffe verlor die Eastern Fleet zwei Zerstörer und eine Sloop.

Die Eastern Fleet unterstützte ebenso britische und Commonwealth-Bodentruppen bei ihren Aktionen im Irak (Operation Sabine) und im Iran (Operation Countenance).

Singapur mini|Die HMS Repulse (im Hintergrund) mit Schlachtschiff Prince of Wales (links) nach den ersten japanischen Luftangriff mit Torpedos am 10. Dezember 1941

Vor dem Fall Singapurs war die Stadt Basis der Eastern Fleet und Sitz des britischen Oberkommandos für den Fernen Osten (Far East Command).

Die britische Verteidigungsplanung für den Fernen Osten beruhte auf zwei Annahmen:The British Empire and the Second World War. Ashley Jackson, S. 290. erstens, dass im westlichen Pazifik die USA ein effektiver Alliierter der Briten wären und einen Teil der US-Navy in Singapur stationierten und dass die Philippinen als vorgeschobener Flottenstützpunkt für die Briten nutzbar wären. Die zweite Annahme bestand darin, dass Japan die technischen und logistischen Möglichkeiten seiner Kriegsmarine überschätzte. Für den Fall, dass die Japaner durch die US-Navy gebunden würden, wollte man die vier veralteten Schlachtschiffe der Revenge-Klasse in den Fernen Osten entsenden, um die Defensivkraft zu stärken und die britische Flagge zu zeigen. Diese Annahmen wurden durch den Angriff der japanischen Flotte auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 zerstört. Der Angriff machte eine US-amerikanische Unterstützung der malaysischen Barriere im nördlichen Vorland Singapurs unmöglich und führte letztendlich zur Aufgabe der amerikanischen Stützpunkte auf den Philippinen. Darüber hinaus überstiegen die japanischen Fähigkeiten die britischen Erwartungen.

mini|Japanische Truppen in den Straßen Singapurs Nach der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 führte der verstärkte japanische Druck auf Französisch-Indochina zur Gewährung von Transit- und Stationierungsrechten, allerdings mit bedeutenden Einschränkungen. Ungeachtet des erzielten Übereinkommens besetzte Japan Indochina im September 1940. Die eroberten Basen ermöglichten die Ausdehnung des Schutzes der japanischen Luftwaffe für die Invasionsstreitkräfte bis nach Malaysia und Niederländisch-Ostindien. Unter diesen Umständen waren die Prince of Wales und HMS Repulse gegenüber japanischen Luftangriffen von den Basen in Indochina verwundbar. Ohne Luftunterstützung handelnd, wurden beide Schiffe im Dezember 1941 versenkt. Der moderne Flugzeugträger Indomitable sollte das Geschwader verstärken, wurde aber wegen einer Havarie aufgehalten. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die begrenzte Luftunterstützung dieses Trägers den Verlust verhindert hätte.

Rückzug aus dem Indischen Ozean Der Befehlshaber der Eastern Fleet, Admiral Somerville, stellte bei einer Inspektion der Basis in Trincomalee (Ceylon) deren Mängel fest. Der Hafen war unzureichend, anfällig gegenüber einem entschlossenen Angriff und offen für Spionage. Die Flotte benötigte eine isolierte Insel-Basis mit einem sicheren, tieferen Ankerplatz in einer geeigneten strategischen Position. Das Addu-Atoll erfüllt diese Anforderungen. Insgeheim wurde mit den Vorbereitungen für die Nutzung durch die Flotte begonnen. Sobald sie verfügbar waren, wurden die Einrichtungen auf dem Addu-Atoll von der Royal Navy genutzt.

Die Eastern Fleet war in zwei Teile aufgeteilt: Force A und Force B. Force A bestand aus der modernisierten Warspite und den zwei verfügbaren Flugzeugträgern.Royal Navy in Pacific and Indian Oceans area. Force B bestand aus den langsamen Schlachtschiffen der Revenge-Klasse des 3. Geschwaders und war in Kilindini in der Nähe von Mombasa in Kenia stationiert. Weder einzeln noch zusammen konnten die beiden Verbände der Herausforderung eines entschlossenen japanischen Angriffs entgegentreten.

Nach der Eroberung der Andamanen durch die Japaner wurden die Hauptkräfte der Flotte auf das Addu-Atoll in den Malediven zurückgezogen. Nach dem Feldzug Nagumo Chūichis in den Indischen Ozean zu Beginn des Jahres 1942 wurde die Basis der Flotte nach Kilindini verlegt, da die weiter vorgeschobenen Basen nicht gegen einen japanischen Angriff hätten verteidigt werden können. Die Flottenkräfte im Indischen Ozean waren damit auf Konvoischutz und ähnliche Aufgaben für die moderneren Einheiten der Flotte reduziert. mini|Britische Truppen landen auf Madagaskar Im Mai 1942 unterstützte die Flotte die Besetzung Madagaskars (Operation Ironclad). Dies vereitelte jeden Versuch von japanischen Schiffen, Stützpunkte auf dem von Vichy-Französischen Truppen kontrollierten Gebiet zu nutzen. Während der Invasion wurden die Schiffe der Eastern Fleet mit Schiffen der Vichy-Marine (zwei Hilfskreuzer, zwei Sloops und fünf U-Boote) sowie U-Booten der japanischen Marine (I-10, I-16, I-18, und I-20 und die Kleinst-U-Boote M-16b und M-20b) konfrontiert.

Gefechte im Indischen Ozean und im Pazifik mini|HMS Renown (Vordergrund) mit HMS Valiant (rechts) und Richelieu (links) im Indischen Ozean, 1944 mini|HMS Illustrious, Frühjahr 1944 während der gemeinsamen Operation mit USS Saratoga mini|Schwerer Kreuzer Haguro