mini|Logo der Evangelischen Militärseelsorge miniatur|Militärseelsorger im Einsatz

Die Evangelische Militärseelsorge in Deutschland dient der seelsorgerischen Betreuung von Soldaten und Soldatinnen durch die Evangelische Kirche. Ihre Arbeit in der Militärseelsorge der Bundeswehr basiert auf einem Staatsvertrag zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Bundesrepublik Deutschland. Die Militärseelsorge als Teil der kirchlichen Arbeit wird im Auftrag und unter Aufsicht der Kirche ausgeübt. Der Staat sorgt für den organisatorischen Aufbau der Militärseelsorge und trägt ihre Kosten. Aus Kirchensteuermitteln der Soldaten werden weitergehende Aufgaben finanziert. Hintergrund für die Seelsorge ist die Gewährleistung des Rechtes der Soldaten, auch unter den besonderen Bedingungen des soldatischen Dienstes ihre Religion frei und ungestört ausüben zu können.

Sie umfasst derzeit (Stand: 17. August 2026) 100 Militärpfarrerinnen und -pfarrer im Inland und fünf Militärgeistliche im Ausland. Zusätzlich etwa gleich viele Militärseelsorgeassistentinnen und Militärseelsorgeassistenten, die an den Standorten als Ansprechpartner bereitstehen und teilweise auch für mehrere Standorte zuständig sind. Neben Gottesdiensten wird zur berufsethischen Unterstützung der Soldaten auch Lebenskundlicher Unterricht erteilt. An den Auslandsstandorten der Bundeswehr, an denen die Soldaten teilweise mit ihren ganzen Familien leben, gibt es ein komplettes Gemeindeleben. Die Angebote der Militärseelsorge richten sich ausdrücklich nicht nur an Kirchenangehörige, sondern an alle Militärangehörigen.

Zur seelsorgerlichen Begleitung der deutschen Kontingente innerhalb der integrierten NATO-Strukturen unterhält die Evangelische Militärseelsorge dauerhaft Auslandspfarrämter an verschiedenen Standorten. Dazu gehören der NATO-Standort in Norfolk (USA), die Sheppard Air Force Base (USA) zur Betreuung des deutschen fliegenden Personals während der Ausbildung, das militärische NATO-Hauptquartier SHAPE im belgischen Mons sowie der Militärstützpunkt Sigonella auf Sizilien (Italien) für den Bereich NATO-Südeuropa. Im Zuge der sicherheitspolitischen Ausrichtung auf die Landes- und Bündnisverteidigung ist seit Juli 2026 ein weiteres ständiges Auslandspfarramt bei der deutschen Panzerbrigade 45 im litauischen Rukla eingerichtet worden. Dieses ist ab Oktober voll besetzt und soll ab Februar um einen zweiten Dienstposten erweitert werden.

Neben diesen dauerhaft eingerichteten Auslandspfarrämtern werden die 100 in Deutschland tätigen Militärgeistlichen regelmäßig für jeweils mehrere Monate zur seelsorgerlichen Begleitung der Truppe in die Einsatzgebiete entsandt. Zu den Stationierungsorten im Rahmen dieser Auslandseinsätze und einsatzgleichen Verpflichtungen zählen unter anderem das Kosovo, Bosnien, Polen, Rumänien und Jordanien. Darüber hinaus begleiten die Geistlichen auch die Besatzungen auf den Schiffen der Deutschen Marine während ihrer Missionen.

Die Arbeit der evangelischen Militärseelsorge steht unter dem Motto Domini Sumus (deutsch: Wir gehören dem Herrn).

Die Leitung der evangelischen Militärseelsorge ist einem Bischof übertragen. 2014 wurde das Bischofsamt mit Sigurd Rink erstmals hauptamtlich besetzt. Der Militärbischof steht in keinem Dienstverhältnis zum Staat oder zur Bundeswehr. Seit Oktober 2020 wird das Amt von Bernhard Felmberg wahrgenommen. Zwei an der Seelsorge beteiligte Einrichtungen unterstützen den Militärbischof: Das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr (EKA) und der Handlungsbereich Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr (HESB), beide mit gemeinsamem Sitz in Berlin. Das EKA ist als Bundesoberbehörde mit zentralen Verwaltungsaufgaben betraut und wird von einem Militärgeneraldekan geleitet, der ordinierter Theologe oder Beamter mit der Befähigung zum Richteramt ist. Dem EKA sind vier Evangelische Militärdekanate und 105 Evangelische Militärpfarrämter unterstellt.

Bedeutung / Akzeptanz

Empirische Studie zur Militärseelsorge (2026) Im Januar 2026 wurde die empirische Studie „Was kann und was leistet Militärseelsorge“ vorgestellt, die in Kooperation zwischen dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD (SI) und dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) entstand. Mit über 7.400 teilnehmenden Soldatinnen und Soldaten (Rücklaufquote von 30 Prozent) liefert sie repräsentative Daten zur Akzeptanz der kirchlichen Arbeit in der Truppe. Die Ergebnisse zeigen eine breite Zustimmung: 95 Prozent der Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz schätzen die Arbeit der Militärseelsorge, 91 Prozent tun dies im Grundbetrieb. Von denjenigen, die das seelsorgerliche Angebot bereits in Anspruch genommen haben, gaben 84 Prozent an, dies wieder tun zu wollen und weiterzuempfehlen. Für 95 Prozent der Befragten ist die absolute Verschwiegenheit der Militärgeistlichen von zentraler Bedeutung. Zudem wünscht sich die Mehrheit (57 Prozent) eine verstärkte ethische Bildung durch den Lebenskundlichen Unterricht, der die konkreten Herausforderungen des Dienstalltags reflektiert. Gottesdienste und Andachten erreichen laut der Studie 63 Prozent der Befragten und stellen eine zentrale Kontaktfläche dar.Studie „Was kann und was leistet Militärseelsorge“ (kostenfreier Download) beim Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, abgerufen am [AKTUELLES DATUM EINTRAGEN].

Die vollständige Studie sowie der zugehörige Kommentarband stehen als Open-Access-Publikationen beim Verlag Vandenhoeck & Ruprecht zur Verfügung.Kommentarband zur Studie (PDF-Download), abgerufen am [AKTUELLES DATUM EINTRAGEN].

Geschichte Die Militärseelsorge in Deutschland hat eine lange Geschichte. Vorläufer der Militärseelsorge in der Bundeswehr waren die Seelsorger in der WehrmachtDagmar Pöpping: Kriegspfarrer an der Ostfront. Evangelische und katholische Wehrmachtseelsorge im Vernichtungskrieg 1941–1945, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2017, ISBN 978-3-525-55788-4. und die Seelsorge bei den kasernierten zivilen deutschen Labor Service-Einheiten der US-amerikanischen Streitkräfte in Deutschland, die im Juni 1951 begann.katholische-militaerseelsorge.de: Die Protokolle des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bd. 5: 1951. Bearbeitet von Dagmar Pöpping, Göttingen: Vandenhoeck % Ruprecht, 2005, S. 164 ff.

Die evangelische Militärseelsorge in der Bundeswehr wurde im Jahr 1957 mit einem Militärseelsorgevertrag etabliert. Dieser soll einerseits die geistliche Unabhängigkeit, andererseits die größtmögliche Nähe zu den Soldaten gewährleisten. Ab dem 1. Januar 2004 gilt der Militärseelsorgevertrag (MSV) in allen Landeskirchen der EKD als Grundlage der „Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr“ (nach dem „Kirchengesetz zur Regelung der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr“ die gültige Sprachregelung).

Die evangelische Militärseelsorge war von Anfang an heftig umstritten und wurde besonders von Vertretern der aus der Bekennenden Kirche kommenden Bruderschaften abgelehnt. So erklärte der systematische Theologe Hans Joachim Iwand in einem Referat auf der Ersten Tagung der internationalen Christlichen Friedenskonferenz (CFK) in Prag 1958:

mini|Das Gorch-Fock-Haus der Marineschule Mürwik, welches die Evangelische Militärseelsorge des Standorts Flensburg-Mürwik beherbergt (Foto 2015).

In der DDR gab es keine Militärseelsorge. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands waren die ostdeutschen Landeskirchen zunächst nicht bereit, den Militärseelsorgevertrag und die westdeutsche Praxis der Militärseelsorge zu übernehmen. Sie befürchteten eine zu große Staatsnähe und machten Bedenken geltend gegen das staatliche Beamtenverhältnis der Militärpfarrer, die Stellung des Evangelischen Kirchenamtes für die Bundeswehr und seine Eingliederung in den Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung, die Doppelstellung des Militärgeneraldekans und die Mitwirkungsrechte des Staates bei der Ernennung des Militärbischofs. Erst nach einer Übergangsregelung trat der Militärseelsorgevertrag Anfang 2004 auch in den neuen Bundesländern in Kraft.EKD:

Siehe auch Militärseelsorge (Deutschland) Militärseelsorge (Bundeswehr) Katholische Militärseelsorge Zur Sache BW

Literatur Evangelisches Kirchenamt für die Bundeswehr (Hrsg.): Oasen. Worte, Bilder, Begegnungen aus der evangelischen Seelsorge im Auslandseinsatz der Bundeswehr. Im Auftrag des Evangelischen Militärbischofs, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2006, ISBN 978-3-374-02401-8. Evangelisches Kirchenamt für die Bundeswehr (Hrsg.): Zum Frieden berufen. Notizen aus der evangelischen Militärseelsorge [Heinz-Georg Binder zum 60. Geburtstag]. Lutherisches Verlagshaus, Hannover 1989, ISBN 3-7859-0593-9. Jens Müller-Kent: Militärseelsorge im Spannungsfeld zwischen kirchlichem Auftrag und militärischer Einbindung. Analyse und Bewertung von Strukturen und Aktivitäten der evangelischen Militärseelsorge unter Berücksichtigung sich wandelnder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen (= Hamburger theologische Studien. Band 1). Steinmann und Steinmann, Hamburg 1990, ISBN 3-927043-09-5. Dagmar Pöpping: Passion und Vernichtung. Kriegspfarrer an der Ostfront 1941–1945. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2019, ISBN 978-3-525-54145-6. Ines-Jacqueline Werkner: Soldatenseelsorge versus Militärseelsorge. Evangelische Pfarrer in der Bundeswehr (= Forum innere Führung. Band 13). Nomos, Baden-Baden 2001, ISBN 3-7890-7392-X.

Weblinks

Einzelnachweise

E Militärseelsorge Kategorie:Organisation (Militär) Kategorie:Nagelkreuzgemeinschaft Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1951 Kategorie:Evangelische Militärseelsorge