mini|Der die Landschaft prägende Kirchturm mini|Kirche St. Peter (Schanfigg). Blick in den Chor mit Glasbild von Gisueppe Scartrezzini Die reformierte Kirche in St. Peter im Schanfigg ist ein evangelisch-reformiertes Gotteshaus, das ersturkundlich 831 erwähnt ist und über Jahrhunderte die bestimmende Talschaftskirche war.
Geschichte Die Kirche mit dem Patrozinium St. Peter wird im Urbar von 831 als Besitzung von Pfävers urkundlich erstmals genannt. Teile der Schiffsmauern stammen noch von dem frühmittelalterlichen Bau. Anfangs des 15. Jahrhunderts wurde ein neuer Chor errichtet. Um 1479 Bau des spätgotisch eingewölbten Chores und der spätgotischen Holzdecke. 1737 Einbau eins Kirchengestühls. 1751 Erneuerung des Daches, der Turmstiege und des "Läubli" (Balkon) am Turm. 1879 wird das Christophorusbild an der südlichen Aussenwand übermalt. 1922 Gesamtrenovation und Errichtung der Vorhalle durch die Architekten Schäfer & Risch. Im Jahre 2000 wurde die Fassade der Kirche einer Restaurierung unterzogen.
Baubeschreibung
An das einschiffige Langhaus schliesst sich ostwärts der nur wenig eingezogene, dreiseitig geschlossene Chor mit Rippengewölbe an. Die drei Spitzbogenfenster sind neu gefasst (1922). Das Schiff ist höher als der Chor. Die spätgotische Holzdecke ist im Querschnitt trapezförmig. Mittelfries und Anschlussbretter sind in Form von Nasenbögen ausgeschnitten und mit Rosetten und Wellenbändern in Flachschnitt dekoriert. Ein aufgemaltes Wappen des Hauses Österreich weist auf den frühest möglichen Termin der Decke hin (1479).
Der hochmittelalterliche Turm wohl aus der Zeit des 11. oder 12. Jahrhunderts stand vom Schiff getrennt und wurde erst 1922 durch Errichtung der Vorhalle mit dem Schiff in Verbindung gebracht. Die Achse der Kirche weicht von jener des Turms ab. Das nachträglich im 15. Jahrhundert aufgesetzte Glockengeschoss ist verputzt. Im fünften Geschoss bergseitig Spuren einer Balkontüre.
An der Friedhofmauer eingesetzt eine roh zugehauene Rundschale mit Ablaufrinne. Äusserer Durchmesser 76 cm. Eintiefung Durchmesser 40 cm. Möglicherweise vorchristlich.
Ausstattung
In der Nordwand eine Sakramentsnische. Achteckiger Taufstein in Form eines Bechers mit niedrigem Fuss und hoher Schale von Anfang 15. Jahrhundert. Kanzel als Polygonkorpus mit gekröpften Füllungen, Pyramiden und Intarsien. Datum: 1727. Im Chor das Glasfenster Petri Berufung. Das Werk wurde auf Empfehlung von Augusto Giacometti 1926 von Giuseppe Scartezzini geschaffen.
Wandmalerei
An der Nordwand des Chores Wandmalereien aus dem ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Als Umrahmung des Wandtabernakels eine Komposition, deren Motive einem spätgotischen Schnitzaltar entnommen sind. Unten zwei Engel, einer davon mit Laute. Darüber ein Gespreng mit Fialen, Masswerk und geschlungenen Ruten. Auf zwei von Drachen besetzten Seitenteilen zwei Engel, unter dem Baldachin Maria zwischen Petrus und Paulus, zu ihren Füssen das Schweisstuch. Der Fonds als geblumter, gelber Vorhang, seitlich von zwei Engeln zurückgeschlagen. Das gleiche Motiv findet sich in der Umrahmung des Sakramentshäuschens in der Kathedrale Chur. Orgel
Die Orgel geht wohl auf den Orgelbauer Pankratius Kayser von St. Margarethen (TG) zurück. Diese datiert gemäss einer Inschrift ins Jahr 1782. Auf der Frontseite der Orgel die Inschrift "Gehört allein den 2 Ehrsahmen Gemeinden St. Peter und Pagig". Die Inschrift "Herr Landammann Josias Schatz und Herr Landammann und Bdtsch Antoni Michel" auf der Seitenwand weist wohl auf die Stifter der Orgel hin. Ursprünglich stand die Orgel auf einem Orgelstuhl an der Nordwand im Chorbogen. 1922 deutlicher Umbau durch Metzler. 1986 Restaurierung mit Reduktion auf die originale Manuallade aber mit ausgebauter tiefen Oktave. 2015 Revision mit Sanierung der Windladen durch Orgelbauer Thomas Wälti, Gümligen BE. Disposition: 1 Manual und Pedal. Sieben Register.
Glocken
Im Turm hängen auf einer Ebene vier elektrisch angetriebene GlockenStaatsarchiv Graubünden. Nachlass Wilhelm Joos (1903-1988) Glockenexperte. 1957 St. Peter GR, reformierte Kirche. A Sp III/11g 3.154:
Glocke 1: Durchmesser 122 cm. Gewicht ca. 1200 kg. Inschrift als Distichon: "MDCCXVIII (1718) LIBERTAS NULLA EST, MELIOR MAJORVE POTESTAS / QUAM SERVIRE DEO CUI BENE SERVIT AMOR" - "JOH. FLORIANUS DE MICHAELIS CAPITANEUS LANDAMUS ATQUE TILY PRAETOR NICOLAUS SCHMID LANDAMANUS." Glocke 2: Durchmesser 92 cm. Gewicht 461 kg. Inschrift: "ZUM KLANG DER ANDERN HABE ICH MICH GESTELLT. NUN IST ZUM HELLEN VOLLAKKORD EIN LIED DER HARMONIE GEWORDEN ZUR EHRE GOTTES TÖNEND DURCH DIE WELT." - GLOCKENGIESSEREI H. RÜETSCHI AG AARAU 1957. Glocke 3: 74 cm. Gewicht ca. 300 kg. Inschrift: "IGESUSC (Jesus) MATHEUS MARCUS LUCAS JOHANNES. Glocke aus dem 14. Jahrhundert. Glocke 4: Durchmesser 60 cm. Gewicht ca. 150 kg. Inschrift am Hals in Unzialen: "MARIA GOTTES ZEL HAB IN DINER HUOT W(E)N ICH UIBER SCHEL". Glocke aus dem 14. Jahrhundert. Für die Glocke 2 fand am Ostermontag, 22. April 1957 der Glockenaufzug statt. Seither erklingt das Geläute im Quartsext-Akkord e' - a' - cis'' - e''.
Kirchliche Organisation St. Peter trat ca. 1530 unter Philipp Gallicius oder möglicherweise Jakob Spreiter zum evangelischen Glauben über. Innerhalb der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden gehört St. Peter als Predigtstätte der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Mittelschanfigg. Direkt gegenüber der denkmalgeschützten Kirche befindet sich das Pfarrhaus der Kirchgemeinde Mittelschanfigg.
Varia Bei der Renovation 1922 wurde auf der Aussenwand ein Gemälde mit Christophorus-Motiv entdeckt und freigelegt, später jedoch wieder zugedeckt.Die Gemeinden des Kantons Graubünden. Chur/Zürich 2003, S. 344. Vor der Kirche fand von 1851 bis nach der Jahrtausendwende die Schanfigger Bsatzig statt.
Trivia Die an der Friedhofmauer eingesetzt roh zugehauene Rundschale wird im Volksmund "Warzenstein" genannt. Das in ihm gesammelte Wasser soll - beim Mittagsläuten benutzt - Warzen und Sommersprossen tilgen können.
Literatur Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band II, Seiten 204-209. Verlag Birkhäuser 1937 Hans Batz: Die Kirchen und Kapellen des Kantons Graubünden, Band IV, Seiten 85-88. Casanova Druck und Verlag, Chur 2004 Albert Frigg: Die evangelische Talschaftskirche zu St.Peter im Schanfigg – Eine Chronik. Eigenverlag Frigg, St. Peter 1989.
Weblinks
Website der Kirchgemeinde Mittelschanfigg
Einzelnachweise
Kategorie:Peterskirche St. Peter Kategorie:Kirchengebäude in Arosa Kategorie:Kulturgut von regionaler Bedeutung im Kanton Graubünden Kategorie:Ersterwähnung 840