Die Afrika-WaldohreuleP. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, C. Hinkelmann, F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde – Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen. 3. Auflage. Deutsche Ornithologen-Gesellschaft. Radolfzell 2022, doi:10.17617/2.3418299 (Asio abyssinicus), gelegentlich auch Abyssinieneule, Abyssinien-Ohreule, Abyssinische Ohreule, Äthiopien-Waldohreule, Ostafrikanische Waldohreule oder Abessinienwaldohreule genannt, ist eine Art aus der Familie der Eigentlichen Eulen. Sie kommt in zwei Unterarten ausschließlich in Afrika vor.
Erscheinungsbild Mit einer Körpergröße von 42 bis 44 Zentimetern ist sie eine mittelgroße Vertreterin ihrer Gattung.König, Weick: Owls of the World, 2008, S. 481. Wie alle Ohreulen hat sie auffallende Federohren. Der Gesichtsschleier ist rötlich braun. Sie ist auf der Körperoberseite dunkelbraun mit einzelnen blassen Flecken. Auf der Vorderbrust ist sie dicht dunkelbraun und rotbraun gesprenkelt. Die übrige Körperunterseite weist braune Längs- und Querstreifen auf. Die Augen sind gelblich. Die Läufe und Zehen sind befiedert.
Die Waldohreule ist kleiner und hat einen blasseren Gesichtsschleier, der von einem dunklen und auffälligen Rand umgeben ist. Bei ihr fehlen außerdem die Längs- und Querstreifen. Bei der Kapohreule stehen die Federohren weiter auseinander.
Verbreitung und Lebensraum Die Afrika-Waldohreule besiedelt das äthiopische Hochland und die Bergwälder im Westlichen Rift. Sie ist vermutlich ein Standvogel. Sie besiedelt Heide und offenes Grasland sowie Sumpfgebiete mit Baumgruppen, bewaldete Regionen im Hochland, feuchte Waldtäler und -schluchten in Höhenlagen zwischen 2.800 und 3.900 Meter über NN.
Lebensweise Die Afrika-Waldohreule ist eine dämmerungs- und nachtaktive Eulenart. Sie übertagt häufig in der Nähe des Baumstammes sitzend. Das Nahrungsspektrum umfasst kleine Säuger. Sie frisst außerdem andere kleine Wirbeltiere und Eidechsen. Die Fortpflanzungsbiologie ist dagegen nicht sehr gut erforscht. Sicher belegt ist jedoch, dass sie territorial ist und dass sie ihr Gelege häufig in den aufgegebenen Nestern anderer Vögel legt. Ihre Fortpflanzungsbiologie ähnelt vermutlich der der Waldohreule.
Unterarten Bisher sind zwei Unterarten bekannt: Asio abyssinicus abyssinicus (, 1843)Guérin-Méneville: Oiseaux nouveaux découverts par MM, 1843, S. 321. – die Nominatform kommt in Eritrea und Äthiopien vor. Asio abyssinicus graueri , 1912Sassi: Eine neue Ohreule aus Zentralafrika, 1912, S. 122. – diese Unterart kommt im zentralen Kenia bis in den Osten der Demokratischen Republik Kongo vor.
Etymologie und Forschungsgeschichte Félix Édouard Guérin-Méneville publizierte die Afrika-Waldohreule unter dem Namen Otus abyssinicus. Das Typusexemplar wurde von Pierre Victor Adolphe Ferret und Joseph Germain Galinier im damaligen Kaiserreich Abessinien gesammelt. Bereits 1760 führte Mathurin-Jacques Brisson die neue Gattung Asio ein, der auch später die Afrika-Waldohreule zugeordnet wurde.Brisson: Ornithologie, ou, Méthode contenant la division des oiseaux en ordres, sections, genres, especes & leurs variétés, 1760, S. 28. Asio ist im Lateinischen „eine Eule mit langen Ohren“.Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names, 2010, S. 57. Abyssinicus bezieht sich auf das Sammelgebiet, aus der das Typusexemplar stammte. Graueri ist Rudolf Grauer gewidmet. Das Typusexemplar stammte aus seiner Sammlung und war am Tanganjikasee gesammelt worden.
Einzelnachweise
Literatur Claus König, Friedhelm Weick: Owls of the World. Christopher Helm, London 2008, ISBN 978-0-7136-6548-2.
Weblinks
Kategorie:Eigentliche Eulen