Wunschmaschine (im Original ‚Begehrensmaschine‘) ist ein Neologismus, der von Gilles Deleuze und Félix Guattari 1972 in ihrem Werk Anti-Ödipus: Kapitalismus und Schizophrenie Band 1 für das Konzept eines produktiven maschinellen Unbewussten eingeführt wurde. Der Begriff wurde im philosophischen und psychologischen Diskurs international und im deutschen Sprachraum aufgegriffen, zum Beispiel bei Henning Schmidgen: Das Unbewußte der Maschinen und bei Klaus Theweleit: Männerphantasien, sowie – bei Verlust der philosophischen Bedeutung – in die Alltagskultur und Konsumkultur übernommen. An seiner Stelle verwenden Deleuze und Guattari 1980 in ihrem Werk Tausend Plateaus: Kapitalismus und Schizophrenie Band 2, philosophisch neu definiert, den Begriff „Assemblage“.

Definitionen Anti-Ödipus (Band I von Kapitalismus und Schizophrenie) versteht sich als Kritik der Psychoanalyse von Jacques Lacan und Sigmund Freud. Die Psychoanalyse erscheint hier als Instrument der Aufrechterhaltung von (u. a. kapitalistischer) Dominanz und Repression, vor allem durch die Unterwerfung des Subjekts unter die phallische Struktur der Kultur. Dagegen entwerfen Deleuze und Guattari das Konzept der Wunschmaschine, eines Unbewussten, dessen Funktion, anders als in der Psychoanalyse, nicht sprachlich strukturiert ist. Das Subjekt ist demnach nicht vom negativen Mangel gekennzeichnet (wie bei Lacan), sondern vom positiven Wunsch.

Siehe auch Maschinenparadigma Junggesellenmaschine Schizoanalyse

Literatur Gilles Deleuze und Félix Guattari: Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie I. Frankfurt am Main 1974 (orig. 1972), ISBN 3-518-07824-0. Sherry Turkle: The Second Self: Computers and the Human Spirit (1984), dt. Die Wunschmaschine. Vom Entstehen der Computerkultur. Reinbek: Rowohlt 1984, ISBN 3-498-06482-7.

Einzelnachweise

Kategorie:Philosophie des 20. Jahrhunderts