Das Private Gymnasium Marienstatt ist ein 1910 gegründetes Gymnasium in Streithausen im rheinland-pfälzischen Westerwaldkreis, das sich in Trägerschaft der Zisterzienser der Abtei Marienstatt befindet. Die Schule ist eine sog. Ersatzschule, also eine vom Land anerkannte Privatschule. Deshalb wird auch kein Schulgeld erhoben.

Die Schule heute mini|Das B-Gebäude vom Parkplatz aus gesehen. mini|Das Marienstatter Klostertal vom Neubau (D-Trakt) des Gymnasiums, rechts der C-Trakt, daneben das Gästehaus des Klosters, links der B-Trakt, im Hintergrund Klostergebäude und Basilika mini|Das Logo der Schule an einer der Schultüren. Die Schule befindet sich im Westerwald, etwa fünf Kilometer von der nächstgelegenen Stadt, Hachenburg, entfernt. Da die Schule zur Abtei Marienstatt gehört, liegt sie nach der typischen Tallage solcher Klöster in dem von Wald umgebenen Tal der Nister am Eingang zur Kroppacher Schweiz, einem Natur- und Landschaftsschutzgebiet. Durch diese siedlungsferne Lage sind alle Schüler von vornherein Fahrschüler, wenn sie nicht längere Fuß- oder Radwege auf sich nehmen.

Die Schule liegt südöstlich der Abtei Marienstatt und ist von der Hauptpforte des Klosters aus, über einen Fußweg von einem an der K 21 liegenden Parkplatz oder durch das Treppenhaus des neuen Mensa-Gebäudes aus zu erreichen. Eine 1990 gebaute Sporthalle liegt etwa 500 m südwestlich des Klosters.

Der 2013 eröffnete Neubau wurde 30 Meter oberhalb des Tales an einen Hang gebaut. Damit ist die Schule auch über eine Abzweigung von der Bundesstraße 414 erschlossen.

In der Orientierungsstufe und der Sekundarstufe 1 ist die Schule dreizügig. Aus Kapazitätsgründen kann die Schule, die aus Denkmalschutzgründen nicht beliebig expandieren kann, nicht wesentlich mehr Schüler aufnehmen. Konfessionell ist die Schülerschaft in etwa ausgewogen, der Anteil der katholischen, evangelischen oder nicht konfessionell Schüler schwankt jedoch. Obwohl die Schule ursprünglich ein reines Jungeninternat war und erst seit 1967 Mädchen aufnimmt, ist das Verhältnis von Jungen und Mädchen heute ebenfalls ausgewogen. Die Schüler kommen aus fast allen umliegenden Orten bis hin zu den ferneren Städten Altenkirchen, Bad Marienberg und Westerburg. Das PGM befindet sich in der privaten Trägerschaft des im Kloster lebenden Zisterzienserordens. Daher gehören zum Lehrerkollegium immer Ordensangehörige, im Schuljahr 2020/2021 sind es zwei. Es gilt das rheinland-pfälzische Privatschulgesetz, nach dem diese kirchliche Privatschule einer staatlichen Schule gleichwertig ist, aber ihr – christliches – Profil bestimmen kann. Dies geschieht etwa durch den für alle Schüler obligatorischen Religionsunterricht und einer Reihe von außerunterrichtlichen Angeboten (Kirchenjahresgottesdienste, Wallfahrt, Jugendkreuzweg, „Tage der Orientierung“Christian Pulfrich: Ich, die Anderen und was mir sonst noch wertvoll ist – Wertebildung bei „Tagen der Orientierung“. In: Pädagogik. Verlagsgruppe Beltz, 2017, S. 18–21., Taizé-FahrtChristian Pulfrich: Ein ganz besonderer Ort – Ist es sinnvoll, mit Schulklassen nach Taizé zu fahren? In: Der Sonntag – Kirchenzeitung des Bistums Limburg, 2019, Nummer 36, S. 11., Schulseelsorge etc.). Bis 2006 war der Schulleiter stets ein Pater des Klosters, seit 2006 leitete (kommissarisch und seit 2008 regulär) mit Klemens Schlimm erstmals ein weltlicher Pädagoge das Gymnasium Marienstatt. Mit Andreas Wiemann-Stuckenhoff (seit 1. April 2016)http://www.gymnasium-marienstatt.de/index.php?id=319 hat die Schule derzeit wiederum einen weltlichen Schulleiter. Ihm zur Seite stehen der erste stellvertretende Schulleiter (Daniel Glauben) und der zweite Stellvertreter (Wilfried Marenbach).

Religion, Latein und Griechisch haben, gemäß dem Bildungsprofil eines christlichen Humanismus, einen hohen Stellenwert. Jeder Schüler nimmt verpflichtend am Religions-, wie am Lateinunterricht (entweder als erste, zweite oder dritte Fremdsprache) teil. Latein verpflichtend ab der MSS 10 hat auch die Gruppe der in dieser Jahrgangsstufe neu das Gymnasium besuchenden ehemaligen Realschüler, wenn sie keine zweite Fremdsprache mitbringen. Altgriechisch kann jeder in der 8. Klasse als dritte Fremdsprache anstelle von Französisch wählen. Es werden Latein-, Altgriechisch- und Religionsleistungskurse angeboten.

Außer einem breiten Angebot an Studien- und KlassenfahrtenChristian Pulfrich: Interesse an Literatur wecken – Klassenfahrt mit Hamburg-Krimi als „Reiseführer“. In: Pädagogik. Verlagsgruppe Beltz, 2019, S. 14–18. gibt es an der Schule Austauschprogramme mit Belgien (Zevenkerken), Irland (Roscrea), Russland (St. Petersburg) und Ungarn (Pécs). Neben den Sprachen erfreuen sich auch die naturwissenschaftlichen Fächer einer besonderen Wertschätzung, zumal im naturwissenschaftlichen Trakt eine entsprechende Ausstattung bereitsteht, die ein Technischer Assistent betreut. Und nicht zuletzt die musischen Fächer Musik und Bildende Kunst erfreuen sich großer Beliebtheit.

Das Angebot an Arbeitsgemeinschaften ist vielfältig, im Schuljahr 2020/2021 wurden 32 AGs angeboten. Unter anderem besteht ein Schulchöre. Der Mittel- und Oberstufenchor war unter Norbert Buhrmann wiederholt Landessieger von Rheinland-Pfalz. Außerdem gibt es eine Big Band und eine Band. Viele Arbeitsgemeinschaften ermöglichen den Schülern, sich nach einem langen Schultag zu bewegen – entweder in diversen Sportangeboten (Jungen- und Mädchenfußball, Tischtennis, Badminton, Duathlon, Bewegung) oder in Outdoor-Angeboten (Abenteuer, Geocaching). Die Tischtennismannschaften sind mehrfacher rheinland-pfälzischer Schulmeister und haben das Bundesland erfolgreich bei den Bundesfinalespielen in Berlin vertreten. In vielen AGs steht die Umwelt im Mittelpunkt: „Natur und Umwelt“, Geocaching und ganz in benediktinischer Tradition gibt es eine Imker-AG.

Seit 2003 hat die Schule ein eigenes Logo: „zwei schwungvolle Striche auf einem grauen Quadrat“, entworfen von der Kunsterzieherin und Grafikerin Karin Anne Beckers und der ehemaligen Marienstatter Abiturientin Melanie Hahmann. Die Abstraktion der Form lässt viele Deutungen zu, auch den Bezug auf den Schulalltag in Marienstatt, den „Lerngegenstand“, den Schulort und die „fruchtbaren Verbindungen, um die sich alle an Schule Beteiligten immer wieder bemühen müssen“. Und nicht zuletzt besteht zum Zisterzienserorden als Schulträger ein Deutungsbezug: „Dass das Logo auf das Wesentliche reduziert ist, entspricht dem Geist der Zisterzienser, die die Schule bis heute tragen.“

Entwicklung zur Schule mit Ganztagsangebot Pilotschule G8GTS Nach einer Mehrheitsentscheidung aller Schulgremien im Jahr 2007 wurde das Gymnasium Marienstatt eine G8GTS-Schule, d. h. die Gymnasialzeit wurde von neun Jahren (=G9) auf acht Jahre verkürzt (G8) und der nötige Mehrunterricht durch eine offene Ganztagsschule (GTS) kompensiert, die bis in den Nachmittag für alle Schülerinnen und Schüler offen ist. Die ersten Schüler, die nach diesem Ganztagsschulkonzept unterrichtet wurden, waren die fünften Klassen des Schuljahrs 2010/2011. In den Jahrgangsstufen 5 und 6 konnten die Schüler und ihre Eltern zwischen Ganztags- und Halbtagsbetrieb wählen (es gab eine Ganztags- und zwei Halbtagsklassen). Ab der Jahrgangsstufe 7 war für alle drei Klassen Ganztagsunterricht. Im damaligen Konzept wurden Hausaufgaben faktisch abgeschafft und durch Lernzeitaufgaben ersetzt. Daher liegen in der Unterrichtszeit auch Lernzeiten. Zudem wurde großen Wert auf eine Rhythmisierung gelegt, d. h. Phasen des Arbeitens und Lernens wechseln sich mit Phasen der Entspannung, des Spiels und des Essens ab. Eine Mensa – zunächst in den Räumlichkeiten der Abtei, ab dem Schuljahr 2013/2014 im Mensa-Neubau – ermöglicht die Verpflegung aller Schüler in der Mittagszeit. Im Schuljahr 2017/2018 verließen die letzten G9-Schüler im Frühjahr 2018 die Schule mit ihrem Abitur und der erste G8-Jahrgang hatte im Sommer 2018 Abitur. Neben den Lehrern betreuen zusätzliche Ganztagsmitarbeiter und zwei FSJ-Kräfte die Kinder. Das Private Gymnasium Marienstatt war eines der wenigen Gymnasien in Rheinland-Pfalz, die G8GTS als Pilotschule eingeführt hat. Damals war der politische Wille, dass alle weiteren Gymnasien in den Folgejahren ebenfalls auf G8 verkürzen.

Weiterentwicklung zu einem G9-Gymnasium mit Ganztag in Angebotsform Im Schuljahr 2018/2019 entschied man sich, wieder von G8 auf G9 zurückzukehren und ein freiwilliges Ganztagsangebot zu konzipierenhttps://www.gymnasium-marienstatt.de/ereignisreich/tag-der-offenen-tuer/faqs/. Beim Westerwald-Kreis und der ADD wurde deshalb einen Antrag zu einer Weiterentwicklung der Schule hin zu einem „G9-Gymnasium mit Ganztag in Angebotsform“ gestellt. Diesen Antrag genehmigte die ADD Ende Oktober 2019https://www.gymnasium-marienstatt.de/ereignisreich/einblicke-ins-schulleben/einblicke/news/tag-der-offenen-tuer0/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=ffe7797d5121d72df05db44fcdbe3c37, so dass der Wechsel im Schuljahr 2020/2021 durchgeführt werden konnte. Vom verpflichtenden Ganztag ab der Jahrgangsstufe 7 ist nun abgerückt worden: Zwei Klassen sind nun wieder Halbtagsklassen mit „additivem Ganztag“, also mit freiwilligen Lern- und AG-Angeboten am Nachmittaghttps://www.gymnasium-marienstatt.de/ereignisreich/tag-der-offenen-tuer/faqs/ – die Eltern können jedes Schuljahr neu entscheiden, ob sie einzelne (oder alle) Tage vom Ganztagsangebot wählen möchten oder nicht. Eine Ganztagsklasse wird aber von der Jahrgangsstufe 5 durchgängig bis zur Jahrgangsstufe 10 angeboten, um den Ganztagsbedarf in der Verbandsgemeinde Hachenburg decken zu könnenWesterwälder Zeitung, 2. November 2019. Für beide Angebotsformen dauert die Orientierungsstufe so wieder vom fünften bis zum sechsten Schuljahr, die Mittelstufe vom siebten bis inklusive zehnten Schuljahr. Auch der Sprachenunterricht veränderte sich mit Beginn des Schuljahres 2020/21: Die Kinder können – wie zuvor – Englisch und Latein sowie wahlweise Französisch oder Griechisch lernen – jetzt jedoch in einem klassenübergreifend Unterricht, so dass es keine Rolle spielt, ob das Kind in einer Ganztags- oder Halbtagsklasse ist. Die Fünftklässler des Schuljahres 2019/2020 werden also 2027 der letzte G8-Abiturjahrgang sein. 2028 wird es dann aufgrund der Verlängerung der Mittelstufen-Zeit kein Abitur geben, 2029 wird das Abitur dann wieder – wie bei allen G9-Gymnasien in Rheinland-Pfalz – Ende Januar/Anfang Februar (schriftlich) und im März (mündlich) abgelegt werden.

Mensa Die Mensa wurde im neuen „D-Gebäude“ erbaut und ging im Oktober 2013 an den Start. In der Vollküche wird das Essen direkt vor Ort mit saisonalen und regionalen Zutaten zubereitet. Um die Qualität zu sichern, findet eine enge Vernetzung mit der „Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung in Rheinland-Pfalz“ statt. Beim „Tag der Schulverpflegung 2015“ erhielt man den ersten Preis in der am höchsten dotierten Kategorie „Schulessen und Qualität“. Bereits 2017 erreichte die Mensa die höchste Stufe des Qualifizierungsprogramms („3. Stern“). Zudem gehörte man zum ausgewählten Teilnehmerkreis des bundesweiten Projekts „KeeKS – Klima- und energieeffiziente Küche in Schulen“. Das Essen findet klassenweise in Tischgruppen statt, in denen sich die Kinder gegenseitig das Essen reichen und vor dem Essen gemeinsam beten. Ein wöchentlich wechselnder Tischdienst wird in den Klassen eingerichtet. Derzeit finden drei Essensschichten (fünfte, sechste und siebte Stunde) statt.https://www.gymnasium-marienstatt.de/lernen-und-mehr/mensa/.

Digitalisierung Die digitale Bildung wird am PGM seit einigen Jahren deutlich vorangetrieben. Noch vor dem Corona-Lockdown hat man am PGM verschiedene digitale Neuerungen einführt, so dass der Online-Unterricht auch während der Schulschließung funktionieren konnte.