mini|Haupteingang des Werks in Nischni Nowgorod (2019) mini|Restaurierter GAZ-A (2014) mini|In Deutschland als Oldtimer zugelassener GAZ-69A (2008)
Gorkowski Awtomobilny Sawod (, Gorkier Automobilwerk), kurz GAZ () ist ein russischer Kraftfahrzeughersteller mit Sitz in Nischni Nowgorod (1932–1990 Gorki genannt). Gegründet wurde GAZ 1932 als Resultat des ersten Fünfjahresplans der Sowjetunion. Bis 1932, dem Jahr der Umbenennung Nischni Nowgorods in Gorki, war das Werk unter dem Namen Nischegorodski Awtomobilny Sawod ( (abgekürzt )) bekannt. Heute gehört GAZ zur GAZ-Gruppe.
Der Buchstabe M in verschiedenen Typenbezeichnungen geht auf den von 1935 bis 1956 verwendeten Beinamen W. M. Molotow zurück. Er war von 1930 bis 1941 sowjetischer Regierungschef und von 1939 bis 1949 sowie 1953 bis 1956 sowjetischer Außenminister.
Geschichte Nachdem der Fünfjahresplan 1928 bis 1932 besondere Aufmerksamkeit auf die bis dahin wenig entwickelte Automobilproduktion legte, schloss der Oberste Wirtschaftssowjet 1929 ein Abkommen mit dem amerikanischen Autobauer Ford, von dem Produktionsanlagen importiert und Lizenzen für die ersten Modelle übernommen wurden. Der Autoschlosser Andrei Aleksandrowitsch Lipgart, der nach Hochschulbesuch 1930 zum Studium der US-Autoindustrie in die Vereinigten Staaten entsandt worden war, wurde 1933 Chefkonstrukteur von GAZ und blieb es bis 1951. Er zeichnete sich nicht nur durch hohe technische Kreativität, sondern auch durch sehr gute Führungsfähigkeiten aus.Volker Heyse, G. P. Rjabow, N. J. Bashaikin: Deutsche und Russen im Gouvernement Nischni Nowgorod: Geschichte und Gegenwart. Waxmann, Münster usw. 1995.
GAZ wurde eine der größten Autofabriken der Russischen SFSR; nachdem im Jahr 1930 mit dem Bau der Fabrikanlagen begonnen wurde, lief die Produktion im Jahr 1932 an. In den Vorkriegsjahren wurden vor allem Lastwagen, etwa der 1,5-Tonner GAZ-AA, aber auch Personenwagen wie der GAZ-A oder der GAZ-M1 (seit 1936) gebaut. Letzterer wird auch als Emka bezeichnet und basiert auf dem V8-40 von Ford. Während des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Zweiten Weltkrieg produzierte GAZ nur noch Lastkraftwagen für die Rüstungsindustrie. Dabei wurde das Werk mehrfach im Sommer 1943 während der Luftangriffe auf Gorki getroffen und hatte Produktionsausfälle zu beklagen. GAZ wurde 1941 und 1971 mit dem Leninorden ausgezeichnet, 1944 mit dem Rotbannerorden und 1945 mit dem Orden des Vaterländischen Krieges 1. Klasse.
Ein wichtiger Konstrukteur war Juri Dolmatowski.Maurice A. Kelly: Russian Motor Vehicles. Soviet Limousines 1930–2003. Veloce Publishing, Dorchester 2011, S. 95. Nach 1945 folgten Eigenentwicklungen wie 1946 der GAZ-M20 Pobeda, 1950 der luxuriöse GAZ-12 ZIM und 1954 das Amphibienfahrzeug GAZ-46 auf Grundlage des Geländewagens GAZ-69.
1952 wurde Lipgart nach Konflikten mit Generalsekretär Josef Stalin ins Uralski Awtomobilny Sawod, 1953 aber zurück in die Forschung und Motorenkonstruktion nach Moskau versetzt, wo er später ordentliches Mitglied des Akademie der Wissenschaften wurde und 1980 hochgeehrt verstarb.
Im Jahre 1956 begann die Produktion des GAZ-M21 Wolga; seit 1959 wurden die Luxusmodelle GAZ-13 Tschaika bzw. ab 1977 GAZ-14 Tschaika hergestellt.
1959 wurde der leichte Lkw GAZ-56 vorgestellt, der neben dem UAZ-450 das Angebot verfügbarer Kleintransporter nach oben hin abrunden sollte. Die Nutzlast betrug 1,5 Tonnen. Ein Lkw mit 2,5 Tonnen Nutzlast und 85 PS war der GAZ-52, der 1959 präsentiert wurde und den GAZ-51 ablösen sollte. Daraus wurde auch ein 4-Tonnen-Lkw GAZ-52A mit 110 PS abgeleitet.Die Kraftfahrzeugindustrie der UdSSR im Siebenjahrplan von 1959 bis 1965. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1959, S. 275–279. Die Serienfertigung begann jedoch erst 1966. Die Entwicklungen mündeten zunächst im ab 1961 produzierten Typ GAZ-53, der noch bis 1993 hergestellt wurde und entsprechend große Verbreitung fand.
Einen großen Erfolg landete das Unternehmen nach dem Zerfall der Sowjetunion mit dem selbst entwickelten Transporter GAZelle. Mitte der 1990er-Jahre tauchten die ersten Exemplare auf den Straßen Russlands auf, und 2007 hatte der Ur-GAZelle und alle auf dieser Plattform basierenden neueren Modelle einen geschätzten Marktanteil von 30–50 %. Der GAZelle ist mit einem modifizierten Vierzylinder-Ottomotor der zuletzt produzierten Wolga-Modelle ausgestattet (produziert von ZMZ), was dem Fahrzeug einen unökonomisch hohen Benzinverbrauch von 15–20 l/100 km beschert. Daneben wird ein Turbo-Dieselmotor (Magna Steyr) mit 2,1 l Hubraum angeboten, der von ZMZ (Sawolschski Motorny Sawod) in Lizenz gebaut wird. Vereinzelt sind auf dem russischen Markt auch nachträglich auf westliche Turbo-Dieselmotoren umgerüstete GAZelles unterwegs.
Neben Kraftfahrzeugen produzierte GAZ außerdem Einzelmotoren, Ersatzteile, Fahrräder, Metallwerkbänke, Metallpressteile und anderes mehr.
Im April 2006 kaufte das Unternehmen in den USA Pressen und sonstige Anlagen eines kompletten Autowerks. Die Maschinen stammen aus dem DaimlerChrysler-Werk in Sterling Heights, Michigan, und dienten zur Produktion des Chrysler Sebring und Dodge Stratus. Gleichzeitig erwarb GAZ das Recht, auf der Plattform für Mittelklassewagen der Chrysler Group in allen GUS-Staaten Fahrzeuge unter eigener Marke und mit verändertem Design zu fertigen und zu vertreiben. Entsprechende Motoren sollen von Chrysler aus dem Werk im mexikanischen Saltillo geliefert werden. Der GAZ Siber wurde von März 2008 bis Oktober 2010 für den russischen Automobilmarkt produziert. Die Produktion eigener Pkw-Modelle wurde zu Gunsten der Nutzfahrzeugfertigung beendet und erst 2026 wieder aufgenommen.
mini|LDV Maxus Van (2006) GAZ hatte am 31. Juli 2006 den britischen Kleintransporter-Hersteller Leyland DAF Vans (LDV Limited) übernommen. Es sollten neue Kleintransporter und Kleinbusse unter dem Label Maxus bei GAZ produziert werden. Jedoch wurden von 2008 bis 2009 nur Modelle aus Großbritannien importiert bzw. als CKD-Bausatz montiert. Nach der Insolvenz von LDV Limited übernahm SAIC die Rechte und produziert das Modell unter einem eigenen Markennamen in China.
GAZ wollte in Zusammenarbeit mit der russischen Sberbank und dem kanadisch-österreichischen Automobilzulieferer Magna International beim deutschen Automobilhersteller Opel einsteigen, wie am 29. Mai 2009 bekanntgegeben wurde. GAZ und die Sberbank wollten dabei 35 %, Magna knapp 20 % der Anteile vom bisherigen Besitzer General Motors übernehmen. GAZ beabsichtigte, durch den Einstieg jährlich bis zu einer Million Opel-Fahrzeuge für den russischen Markt zu bauen, nachdem die eigene Produktpalette inzwischen veraltet und beim russischen Kunden nicht mehr gefragt war. Opel hingegen war nach einem ZDF-Bericht vom Mai 2009 in Russland aufgrund seiner fortschrittlichen Technologie sehr gefragt und eine „Modemarke“. Am 3. November 2009 wurde der Verkauf von Opel an Magna abgesagt.
GAZ und die Volkswagen AG vereinbarten am 14. Juni 2011, dass GAZ im Unterauftrag Volkswagen- und Škoda-Modelle mit einem Jahresvolumen von 110.000 Fahrzeugen fertigen sollte. Mit der Zeit wurde die Kapazität auf 132.000 Fahrzeuge pro Jahr erhöht; gefertigt wurden dort zuletzt die Typen VW Taos und Škoda Kodiaq, Karoq und Octavia. Infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine entschied der VW-Vorstand am 3. März 2022, die Produktion in Kaluga und Nischni Nowgorod einzustellen.
Am 22. Juni 2012 gaben GAZ und Mercedes-Benz die Produktion von Kleintransportern im Werk Nischni Nowgorod bekannt. Gebaut werden sollten hier ab Mitte 2013 jährlich bis zu 25.000 Einheiten des Mercedes-Benz Sprinter T1N der ersten Generation, die Mercedes-Benz über sein eigenes Vertriebsnetz in Russland vermarkten wollte. Im Juni 2016 meldete Daimler-Benz die Fertigstellung des 10.000sten Sprinters, der zu 40 Prozent im Zielland gefertigt worden war. 2018 wurde das Joint Venture eingestellt. Bis dahin waren insgesamt 30.000 Vans produziert worden.
Modelle Die folgenden Tabellen und Listen spiegeln nur einen Ausschnitt der Produktion des Werkes wieder, sie ist chronologisch nach dem ersten Produktionsjahr der Fahrzeuge geordnet. Zu Gunsten der Übersichtlichkeit wurde auf die gesonderte Darstellung von einzelnen Modellvarianten verzichtet. Diese finden sich im Artikel zum jeweiligen Fahrzeug.
PKW und Geländewagen 1932–2010 GAZ baute ab seiner Gründung knapp 80 Jahre lang PKW, bis die Produktion eigener Modelle 2010 eingestellt wurde. In den 1930ern war die Geschichte des Werks eng mit der des KIM-Werks in Moskau verknüpft. Erst nach dem Kriegsende spezialisierte sich GAZ nach und nach auf die Fertigung von Mittelklassefahrzeugen, während in Moskau die Kleinwagenproduktion mit dem Moskwitsch-400 aufgenommen wurde. Von 1946 an baute GAZ den GAZ-M20 Pobeda, der als erster Pkw des Herstellers neben der genormten Nummer auch offiziell einen Modellnamen erhielt. Abgelöst wurde er durch den GAZ M-21 Wolga. Dieser Wagen war der erste in einer langen Reihe, der den Modellnamen Wolga trug. In der Sowjetunion spielte er im offiziellen Sprachgebrauch des Herstellers eine untergeordnete Rolle. Verbreiteter war er sowohl in der russischen Alltagssprache als auch im Export, wo er teilweise in seiner kyrillischen Schreibweise , je nach Exportziel aber auch transkribiert als Volga oder Wolga, als Markenname verwendet wurde.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion versuchte GAZ mehrfach, die Pkw-Produktion zu modernisieren und neue Typen zu entwickeln. Abgesehen von einigen auf dem GAZ-3102 Wolga basierenden Modellen, dem letzten sowjetischen Pkw des Herstellers, konnte sich keines der Fahrzeuge am Markt durchsetzen. Die Weltfinanzkrise 2007–2008 traf auch den russischen Automarkt hart, 2010 stellte das Werk die eigene Pkw-Produktion zu Gunsten der Nutzfahrzeugsparte ein.
Modell(russischeBezeichnung) Bauzeit Anmerkung Bild GAZ-A() 1932–1936 Lizenzbau des Ford Modell A von 1930. 150px GAZ-M1() 1936–1946 Orientierte sich stilistisch und technisch am Ford Modell 40 von 1934. 150px GAZ-M415() 1939–1941 Pick-up auf Basis des GAZ-M1 150px GAZ-11-73() 1939–1946 Wie GAZ-M1, jedoch mit leistungsstärkerem Sechszylindermotor 150px GAZ-61() 1939–1945 4×4-Geländewagen mit verschiedenen GAZ-Pkw-Karosserien; Kleinserie 150px GAZ-64() 1941–1943 4×4-Geländewagen 150px GAZ-67() 1943–1953 4×4-Geländewagen 150px GAZ-M20 Pobeda() 1946–1958 Pkw 150px GAZ-12 ZIM() 1950–1960 Limousine 150px GAZ-69() 1953–1972 4×4-Geländewagen 150px GAZ-M72() 1955–1958 4×4-Pkw auf Basis des GAZ-M20 Pobeda 150px GAZ M-21 Wolga() 1956–1970 Limousine, ab 1965 als GAZ-21 Wolga bezeichnet 150px GAZ-22 Wolga() 1962–1973 Kombi auf Basis des GAZ-21 Wolga 150px GAZ-23 Wolga() 196? Limousine mit V8-Motor auf Basis des GAZ-21 Wolga GAZ-13 Tschaika() 1959–1981 Oberklasselimousine 150px GAZ-24 Wolga() 1968/70–1985 Limousine 150px GAZ-14 Tschaika() 1977–1988 Oberklasselimousine 150px GAZ-3102 Wolga() 1982–2009 Limousine 150px GAZ-31029 Wolga() 1992–1997 Limousine, Modernisierte Variante des GAZ-3102 Wolga 150px GAZ-3110 Wolga() 1997–2004 Limousine 150px GAZ-3111 Wolga() 1998–2004 Limousine 150px GAZ-31105 Wolga() 2004–2010 Limousine 150px GAZ-2330 Tigr() 2005 4×4-Geländewagen, hauptsächlich für das Militär und Polizei gebaut, es existieren auch diverse gepanzerte Versionen GAZ Wolga Siber() 2008–2010 Mittelklasselimousine in Chrysler-Partnerschaft 150px
Fertigung für andere Hersteller