Die Bürgerwiese ist eine Straße in Dresden südöstlich der Altstadt in der östlichen Seevorstadt.

Geschichte → Zur Geschichte der Gartenanlage siehe: Bürgerwiese

Eine Bürgerwiese als umzäunte, später ummauerte Viehweide wird bereits 1469 erstmals urkundlich erwähnt. Während der auf der westlichen, stadtauswärts gesehen rechten Seite gelegene Weg seit 1681 als „Halbe Gasse“ bezeichnet wurde, hieß der auf ihrer linken Seite zum Dohnaischen Schlag führende Weg „Dohnaische Gasse“.Fritz Löffler: Das alte Dresden. Geschichte seiner Bauten. 1981, S. 350, S. 401, Bildnr. 494.

Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die bis dahin eher ländlich-vorstädtische Bebauung entlang der Bürgerwiese durch großbürgerliche Wohnbauten ersetzt. Auf dem Areal der in Höhe des Dohnaischen Schlages an die Bürgerwiese angrenzende Gartenanlage des Palais Moszinska begann zum Beispiel Frédéric de Villers, Französisch-Lehrer an der Dresdner Kadettenschule, mit der Bautätigkeit.Heidrun Laudel: Architektur und Bauwesen. In: Reiner Gross, Uwe John: Geschichte der Stadt Dresden. Band 2. Stuttgart 2006, S. 648. (dazu auch eine Abbildung im selben Band, S. 649) Er verkaufte zudem Parzellen seines riesigen Grundstücks und gilt als einer der Auslöser des Baubooms im späteren Englischen Viertel südlich der Bürgerwiese.Thomas Wieczorek: Das Villenviertel an der Bürgerwiese. In: Ronald Franke, Heidrun Laudel (Hrsg.): Bauen in Dresden im 19. und 20. Jahrhundert. Dresden 1991, S. 25 f. Entlang der Bürgerwiese entstanden um 1840 mehrere repräsentative Wohnbauten, wie etwa das Mietshaus de Villers und das ebenfalls am Rand des ehemaligen Palaisgartens erbaute Seebachsche Haus. Zudem nahmen hier Regierungsmitglieder und prominente Mitglieder des Adels ihre Wohnung, etwa die Fürstin Pückler im Eckhaus zur Lüttichaustraße.

Mit der zunehmenden Zahl wohlhabender Anwohner entstand auch das Bedürfnis nach einer angemessenen Gestaltung der Anlage. 1838 beschloss die Dresdner Stadtverordnetenversammlung, die tieferliegende Innere Bürgerwiese mit Bauschutt aufzufüllen und nach Plänen des Pillnitzer Hofgärtners Carl Adolph Terscheck in eine öffentliche Parkanlage umzugestalten. Die Gestaltung der Inneren Bürgerwiese bis zum Dohnaischen Schlag war 1850 beendet.Sylvia Butenschön: Geschichte des Dresdner Stadtgrüns. Berlin 2007, S. 140 f. In dieser Zeit entstand durch Verfüllung des Jüdenteichs auch der Georgplatz am nördlichen Ende der Straße.

Aufgrund von Änderungen der Dresdner Hausnummern und Straßennamen sind die an ihr befindlichen Gebäude in den verschiedenen Ausgaben der Dresdner Adressbücher zum Teil an unterschiedlicher Stelle zu finden. Die Halbe Gasse auf der Südseite der Dresdner Bürgerwiese und die Dohna’sche Gasse (so genannt im Jahre 1850) auf ihrer Nordseite wurden in den 1860er-Jahren zur Adresse An der Bürgerwiese zusammengefasst. Im Adressbuch von 1866 zum Beispiel erscheint zum Beispiel das Haus mit der Katasternummer 275 und der Steuernummer 6900 mit der neuen Adresse Bürgerwiese 17.Adreß- und Geschäftshandbuch der königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden für das Jahr 1866. S. 84 des Häuserbuchs. Später wurde in Dresden das Nummerierungssystem auf die heute noch übliche Orientierungsnummerierung umgestellt (im Gegensatz zur bis dahin angewandten Hufeisennummerierung). Dadurch erhielten die Häuser an der ehemaligen Halben Gasse die geraden, diejenigen an der Dohnaischen Gasse die ungeraden Hausnummern. Aus dem Haus An der Bürgerwiese 17 beispielsweise wurde nun die Bürgerwiese 18.Vergleiche zum Beispiel das Adressbuch von 1932, S. 110 f.

Die Straße bildet die Fortsetzung der Waisenhausstraße und mündet in die Parkstraße, die entlang des außerhalb des Dohnaischen Schlages liegenden Teils der Bürgerwiese verläuft.

Historische Bebauung bis 1945 mini|hochkant|Palais Kaskel-Oppenheim, Bürgerwiese 5–7 mini|hochkant|Vorderhaus des „Dianabads“, Bürgerwiese 22

Wie schon beschrieben, wechselte die Nummerierung der an der Bürgerwiese liegenden Häuser mehrfach. Im Folgenden sind die Häuser mit ihren in der Literatur am häufigsten genannten Adressen gelistet, die aber teilweise unterschiedliche Abschnitte der Straßengeschichte betreffen. So befanden sich das als Bürgerwiese 14 bezeichnete Seebachsche Haus und das Mietshaus Bürgerwiese 20 nacheinander an derselben Stelle. Auf diese Problematik wird, wenn nötig, in den Artikeln zu den Gebäuden eingegangen.

Alle der im Folgenden erwähnten Gebäude wurden im Februar 1945 bei den Luftangriffen auf Dresden zerstört.Bürgerwiese, Blüherpark, Güntzwiesen. auf: dresden-und-sachsen.de

5–7: Das Palais Kaskel-Oppenheim wurde von Gottfried Semper 1845–1848 für Martin Wilhelm Oppenheim in der Dohna’schen Gasse 5/6 erbaut.Häuserbuch: „Dohna’sche Gasse“, in Handbuch für Dresden, Band 1, 1850, S. 34 Das Haus wurde 1945 stark beschädigt, seine Ruine 1951 gesprengt.Matthias Lerm: Abschied vom alten Dresden. (vgl. Literatur)Fritz Löffler: Das alte Dresden. Geschichte seiner Bauten. 1981, S. 345, S. 382, S. 401, Bildnr. 476, S. 493 f. 14: Das palaisartige Mietshaus Bürgerwiese 14 wurde 1838 von Woldemar Hermann erbaut, sein Abbruch erfolgte 1899. Während seine kubische Geschlossenheit vom Klassizismus geprägt war, zeigte das in der Mitte des Hauptgeschosses angeordnete Venezianische Fenster („Palladio-Motiv“) Formen der Neorenaissance.Volker Helas: Architektur in Dresden 1800–1900. 1991, S. 139 (Bürgerwiese 14, 1838 von Hermann)Volker Helas: Villenarchitektur in Dresden. 1999, S. 52 (Woldemar Hermann, Bürgerwiese 14, 1838). 16: Das Seebachsche Haus wurde 1839 von Hermann Nicolai erbaut und 1899 abgebrochen.Fritz Löffler: Das alte Dresden. Geschichte seiner Bauten. 1981, S. 385, S. 406, Bildnr. 502. 17: Das herrschaftliche Mietshaus Bürgerwiese 17 wurde 1846–1847 von H. Lehmann auf dem Eckgrundstück zur Lüttichaustraße erbaut und 1945 zerstört. Der palastartige Bau galt als eines der ersten Mietshäuser Dresdens und wurde auf einer kolorierten Lithographie von Carl Wilhelm Arldt um 1860 festgehalten.Fritz Löffler: Das alte Dresden. Geschichte seiner Bauten. 1981, S. 485 (Bürgerwiese […] Nr. 17, Ecke Lüttichaustraße […] H. Lehmann, 1846/47, 1945 zerstört […]), S. 385, S. 401, Bildnr. 494.Volker Helas, Gudrun Peltz: Jugendstilarchitektur in Dresden. 1999, S. 140 (Bürgerwiese 17 / Lüttichaustraße (Hans-Dankner-Straße), 1846/47 von Lehmann). 18a: Das Mietshaus Bürgerwiese 18a wurde 1870–1872 von Oswald Haenel und Bruno Adam erbaut und 1945 zerstört. Es galt als Beispiel für ein an Vorbildern der französischen Renaissance orientiertes herrschaftliches Wohnhaus, wobei die Fassade in allen vier Geschossen in „rein bearbeitetem“ Sandstein ausgeführt waren. Eine prächtige Loggia und ein Erker schmückten die Fassade.Volker Helas: Architektur in Dresden 1800–1900. 1991, S. 140 (Bürgerwiese 18a, 1870/1872 von O. J. S. Haenel und Adam). 20: Das Mietshaus Bürgerwiese 20 wurde 1900 von Felix Reinhold Voretzsch mit einer kostspieligen Fassade errichtet. So betrugen die Baukosten 320.000 Mark.Volker Helas, Gudrun Peltz: Jugendstilarchitektur in Dresden. 1999, S. 184 (Bürgerwiese 20), S. 102. Auf Erdgeschosshöhe stützten im Dresdner Barock- und Rokokostil gestaltete Atlanten einen mit reicher jugendstilhafter Bauplastik geschmückten Erker. Das Haus zeigte, so eine zeitgenössische Beschreibung, „in der Komposition der Facade bereits einen völlig modernen Zug, der sich ebenso entschieden auch in dem größten Teile der plastischen Ornamentik offenbart[e]“.Die Architektur des XX. Jahrhunderts (Mappenwerk), 1. Jahrgang 1901, S. 41/42 (Text), Tafel 56 (Abbildung). 22: Das Mietshaus Bürgerwiese 22 wurde 1900 von Felix Reinhold Voretzsch als Vorderhaus zum „Dianabad“ errichtet und 1945 zerstört. Die Fassade des aufwändigen Mietshauses zeigte eine Mischung von Neobarock und Jugendstil; der hohe gestalterische Aufwand hatte besonders hohe Baukosten zur Folge.Volker Helas, Gudrun Peltz: Jugendstilarchitektur in Dresden. 1999, S. 75.Volker Helas, Gudrun Peltz: Jugendstilarchitektur in Dresden. 1999, S. 184 (Bürgerwiese 22 (Dianabad)).Fritz Löffler: Das alte Dresden. Geschichte seiner Bauten. 1981, S. 485 (Bürgerwiese […] Villersches Haus […] abgebrochen […] dafür Dianabad […]), S. 246. 24: Hier hatte nach 1934 bis zur Zerstörung 1945 die NSDAP-Gauleitung Sachsen ihren Sitz.Friedrich Reichert: Rundgang durch die zerstörte Dresdner Innenstadt im Februar und März 1945. In: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Verbrannt bis zur Unkenntlichkeit – Die Zerstörung Dresdens 1945, DZA Verlag für Kultur und Wissenschaft, Altenburg 1994, ISBN 3-9804226-0-7, S. 65.

Historische Bebauung der Nebenstraßen bis 1945 Parkstraße mini|Parkstraße 2 mini|Parkstraße 7 (Palais Kap-herr) mini|Beuststraße 1 mini|Beuststraße 2 (Villa Häbler)

Die Parkstraße verläuft entlang des außerhalb des Dohnaischen Schlages liegenden Teils der Bürgerwiese. Die Grenze der Namensänderung im gleichen Straßenzug liegt leicht westlich der Kreuzung der Parkstraße mit der Blüherstraße und der Gret-Palucca-Straße (historisch wurde aus praktischen Erwägungen an die ehemalige Einmündung der Beuststraße in diesen Straßenzug gelegt, wobei das (südöstliche) Eckgrundstück Beuststraße / Parkstraße zur Beuststraße gehörte). Da die Parkstraße nur einseitig bebaut war, wurden die Hausnummern fortlaufend vergeben.

2: Die Villa Parkstraße 2 wurde 1869 von Otto Grahl erbaut und 1945 zerstört. Das Gebäude zitierte in Grund- und Aufriss die Villa Rosa von Gottfried Semper. Im Inneren befand sich wie dort ein durch Oberlicht erhellter zweigeschossiger Zentralraum. Das Triumphbogenmotiv zur Goethestraße zitierte die Gemäldegalerie Alte Meister. Das Gebäude wurde Vorbild für die Villa Altenzeller Straße 50 in Dresden.Volker Helas: Architektur in Dresden 1800–1900. 1991, S. 157 (Parkstraße 2 / Goethestraße, 1869 von Grahl). 3: Die Villa Parkstraße 3 wurde 1867–1868 von Hermann Nicolai erbaut und 1945 zerstört.Volker Helas: Villenarchitektur in Dresden. 1999, S. 108 (Hermann Nicolai, Parkstraße 3, 1867–1868). Bemerkenswert sei die „ausgewogen[e]“ Komposition des Hauses als Ganzes.Volker Helas: Architektur in Dresden 1800–1900. 1991, S. 157 (Parkstraße 3, 1867/1868 von Nicolai). Die Schmucklosigkeit des Baus sei „schulbildend“ und könne „kaum übertroffen“ werden. So zeigten die Fenster lediglich „schlicht profilierte“ Fenstergewände und oberhalb der Fenster war nur eine einfache, gerade Verdachung ohne Dekor angebracht worden. Heute befindet sich an ihrer Stelle ein 1994–1996 errichteter „ungewöhnlicher viergeschossiger Neubau“ der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW),Dieter Schempp, Reiner Blunck, LOG ID: LOG ID. BGW Dresden. (= Opus, Nr. 30.) Edition Axel Menges, Stuttgart 1998, ISBN 3-930698-30-7. der 1998 mit dem Erlweinpreis für Architektur der Stadt Dresden ausgezeichnet wurde / Lupfer u. a., Nr. 82 (Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) 4: Die Villa Pilz wurde 1868–1869 von Bernhard Schreiber erbaut und 1945 zerstört. Auch dieser Bau zitierte die Villa Rosa von Gottfried Semper, wobei das Aufrissschema durch den französischen Landhausbau geprägt war. Bei der Fassade mit fünf Fensterachsen nahm ein mittig angebrachter Risalit drei Fensterachsen ein. Dessen Wandfläche schmückte eine die Vertikale betonende Pilasterordnung, eine Attika bildete seinen krönenden Abschluss.Volker Helas: Architektur in Dresden 1800–1900. 1991, S. 157 (Parkstraße 4, 1868/69 von Schreiber)Volker Helas: Villenarchitektur in Dresden. 1999, S. 108 (Bernhard Schreiber, Parkstraße 4, 1868–1869). Die 1954 gegründete Kinder- und Jugendsportschule „Artur Becker“ bezog 1969 einen Neubau auf diesem Grundstück. 6: Die Villa Hachez wurde 1868/1869 erbaut und wurde 1945 im Zuge der Luftangriffe auf Dresden zerstört.