Die Holland-Klasse ist eine Klasse von vier Patrouillenschiffen der niederländischen Marine, die seit 2012 in Dienst steht.
Geschichte Die Boote wurden im Rahmen des Project Patrouilleschepen für Patrouillen und Überwachungsaufgaben in der exklusiven Wirtschaftszone der Niederlande und den karibischen Inseln der Niederländischen Antillen beschafft. Die Firma Royal Schelde / Damen Shipyards Group erhielt den 240 Millionen Euro Entwicklungs- und Bauauftrag im Dezember 2007, während Thales Nederland sich einen 125-Millionen-Euro-Auftrag für die Entwicklung und Lieferung integrierter Mastmodule sicherte.
Einheiten Die ersten beiden Schiffe wurden bei Royal Schelde in Vlissingen gebaut, wobei die Rumpfsektionen aus dem rumänischen Zweigbetrieb der Damen-Gruppe in Galați kamen. Die beiden weiteren Einheiten wurden komplett in Rumänien gebaut. Sie erhielten die Namen von niederländischen Provinzen und tragen vor ihrem Namen das Kürzel Zr. Ms. beziehungsweise anfangs noch zur Amtszeit von Königin Beatrix Hr. Ms. was für Zijner/Harer Majesteits schip, zu Deutsch Seiner/Ihrer Majestäts Schiff, steht. Außerhalb der Niederlande wird aber in Anlehnung an das britische Kürzel HMS oft HNLMS verwendet, was für His/Her Netherlands Majesty's Ship steht.
Kennung Schiff Kiellegung Stapellauf Indienststellung P840 Holland 8. Dezember 2008 2. Februar 2010 6. Juli 2012 P841 Zeeland 5. Oktober 2009 20. Mai 2010 23. August 2013 P842 Friesland 26. November 2009 4. November 2010 22. Januar 2013 P843 Groningen 9. April 2010 21. April 2011 29. November 2013
Auf Grund von Haushaltskürzungen sah das im April 2011 veröffentlichte Weißbuch der Regierung jedoch vor, nur zwei Schiffe in Dienst zu stellen, die beiden weiteren Einheiten sollten weiterverkauft werden. Inzwischen sind jedoch alle Einheiten in die Marine übernommen worden.
Technik mini|links|Heckansicht der Holland (P 840) Die Boote in Fregatten-Größe sind die ersten Einheiten der niederländischen Marine nach dem Zweiten Weltkrieg, die eine leichte Panzerung besitzen, was zu Spekulationen in den Niederlanden führte. Ein weiterer Grund für Spekulationen ist die für Hochseepatrouillenboote ungewöhnlich leistungsstarke Sensorausstattung, welche von Thales geliefert wird. Diese umfasst insbesondere einen X-Band-AESA-Radar vom Typ SEASTAR/SEA WATCHER 100 sowie einen S-Band-AESA-Radar vom Typ SMILE/SEA MASTER 400, welche zusammen mit weiteren Sensoren im sogenannten I-Mast 400 zusammengefasst sind. Die Spekulationen diesbezüglich beziehen sich vor allem auf Möglichkeiten der Installation deutlich leistungsfähigerer Waffensysteme und insbesondere auch der Einrüstung der ESSM. Die Boote werden durch eine RENK CODELOD Antriebsanlage angetrieben. Das doppelschräg verzahnte Getriebe stellt einen Eingang für einen MAN 12V 28/33D Dieselmotor mit 5460 kW Leistung und einen Elektromotor mit jeweils einer Lamellenkupplung bereit. Im Dieselbetrieb erreicht das Boot eine maximale Geschwindigkeit von 21,5 Knoten, im rein elektrischen Betrieb werden mit 400 kW pro Welle circa 11 Knoten erreicht. Das Getriebe ist für geräuscharmen Betrieb ausgelegt und integriert das Drucklager im Getriebegehäuse.
Bewaffnung Neben den im Folgenden aufgeführten Waffensystemen verfügen die Schiffe der Holland-Klasse über zwei 12,7-mm-Waffenstationen Hitrole NT und zwei körpergesteuerten 12,7-mm-Maschinengewehren M2HB.
Geschützturm
Das 76-mm-Geschütz von OTO Melara befindet sich auf dem Vorderdeck vor dem Brückenaufbau. Die Waffe mit 62 Kaliberlängen verschießt eine breite Munitionspalette mit einer Kadenz von bis zu 100/min und einer Mündungsgeschwindigkeit von 925 m/s. Die effektive Reichweite gegen Bodenziele beträgt 16.000 m, gegen Luftziele als Flak bis zu 7.800 m. Das Geschützrohr kann um 35°/s in der Elevation in einem Bereich von +85°/−15° bewegt werden. Die Drehgeschwindigkeit des Turmes beträgt 60°/s. Die Masse wird durch die Verwendung von Leichtmetall reduziert, das Gehäuse besteht aus GFK. Die kleine Mündungsbremse reduziert den Rückstoß von 11 t um 10 % auf 9,9 t, die dann mittels Hydraulik abgefangen werden.
Das Geschütz arbeitet wie folgt: Unter Deck befindet sich der Doppelbeladering mit einer Aufnahmekapazität von 70 Patronen, die durch die Drehbewegung der Beladeinrichtung von dem äußeren in den inneren Ring befördert werden. Auf der linken Seite wandern die Patronen in eine Förderschnecke in der Drehachse des Turmes, welche die Munition senkrecht nach oben führt. Oben angekommen werden die Patronen von Pendelarmen entgegengenommen. Diese zwei Pendelarme schwenken alternierend (bewegt sich einer nach oben, schwenkt der andere nach unten) und geben die Patrone an die Zuführtrommel in der Rohrachse ab. Die Patrone fällt auf die Beladeschale, wird angesetzt, der Verschluss steigt und der Schuss kann ausgelöst werden.
Waffenstation Die 30-mm-Waffenstationen MARLIN 30 von Oto Melara befinden sich zwischen 76-mm-Geschütze und Brücke. Die Waffenstation besteht aus einer ferngesteuerten Lafette, in welche eine Bushmaster-II-Maschinenkanone verbaut ist. Diese hat eine Kadenz von bis zu 200/min und eine Reichweite von bis zu 3.500 m.
Besatzung Die Besatzung hat eine Stärke von 54 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften.
Weblinks
Ocean-going patrol vessel (OPV) auf defensie.nl (englisch) Holland class Offshore Patrol Vessel / OPV auf seaforces.com (englisch) Holland Class Offshore Patrol Vessels auf naval-technology (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Militärschiffsklasse (Niederlande) Kategorie:Patrouillenbootsklasse