Die Siegesburg (auch Siegburg oder häufig Segeberger Schloss) war neben Flensburg und Plön die größte der drei Höhenburgen Schleswig-Holsteins.Deutsche Burgenvereinigung e. V. (Hrsg.): Burgen in Mitteleuropa. Ein Handbuch. Bd. II: Burgenlandschaften, Schleswig-Holstein, Höhenburgen. Stuttgart 1999, S. 115. Der Burgstall befand sich bis zum einstigen Gipfel auf dem ansteigenden Rücken des Kalkbergs in Bad Segeberg und war namensgebend für die heutige Stadt.
Errichtung der Burg Eine erste Burg auf dem Kalkberg wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts (1128) vom dänischen Herzog Knud Lavard erbaut und bereits 1130 vom Schauenburger Grafen Adolf I. wieder zerstört, weil er die Festung als Bedrohung empfand. Der römisch-deutsche Kaiser Lothar von Supplinburg ordnete nach einem Ratschlag des Missionars Vizelin 1134 einen Neubau der Burg auf dem Kalkberg an, die am Rande des Grenzgebietes zu den slawischen Wagriern als Stützpunkt für die Christianisierung Slawiens dienen sollte.
mini|links|Kaiser Lothar III. und Vizelin auf dem „Alberg“ (1134), Ölgemälde von Karl Storch dem Älteren, 1936
Die frühe Grenzburg bestand wohl nur aus einer hölzernen Palisadenmauer mit Graben auf dem Bergrücken, welche die gleichfalls schlichten Holzbauten auf dem Gipfel abriegelte. Befehligt wurde diese Burg von einem Burgvogt, stellvertretend für den jeweiligen Holsteinischen Grafen. Als heidnische Wagrier nach dem Tode Kaiser Lothars III. die Auseinandersetzungen zwischen Staufern und Welfen ausnutzten und 1138 Siedlung samt Kirche und Konventsgebäude sowie die umliegenden Dörfer niederbrannten, wurde auf dem Kalkberg nur die Vorburg zerstört. Im Winter 1138/39 fiel der neue Graf von Holstein und Stormarn Heinrich von Badewide in Wagrien ein und konnte nach dem Tode des Burgvogts Hermann zugleich das kaiserliche Bollwerk auf dem Kalkberg besetzen, das zu diesem Zeitpunkt ausdrücklich noch nicht zur Grafschaft Holstein gehörte. Erst bei seinem Abzug 1139 ließ Heinrich von Badewide die gesamte bisherige Burganlage in Flammen aufgehen, da er sich nach seiner Absetzung als Holsteinischer Graf in der Siegesburg nicht mehr behaupten konnte. Damit lag alles um den und auf dem Kalkberg wieder in Schutt und Asche. Sein Nachfolger (und Vorgänger) Graf Adolf II., 1143 von seinem Lehnsherrn Heinrich dem Löwen wieder eingesetzt, errichtete die Burg erneut und umgab sie erstmals mit einer steinernen Mauer. Seitdem Heinrich der Löwe die Siegesburg seinem Lehnsmann Graf Adolf II. ausdrücklich als gräfliche Residenz übertragen hatte, baute der Schauenburger von dieser größten und wichtigsten Festung Nordelbiens aus seine Landesherrschaft über Holstein, Stormarn und Wagrien zunehmend aus.
Die Siegesburg in der Konsolidierungsphase Nachdem Graf Adolf III. sich im Zuge erneuter Auseinandersetzung Heinrichs des Löwen mit Friedrich Barbarossa auf die kaiserliche Seite gestellt hatte, fiel der Löwe in Holstein ein und belagerte die Siegesburg, die 1180 aufgrund Wassermangels fiel. Unter Heinrich dem Löwen wurde die Segeberger Feste nun vorrangig in Stein weiter ausgebaut. Wie auf der Baustelle der benachbarten Marienkirche mit ihren Stiftsgebäuden war in der feldsteinarmen Landschaft das bevorzugte Baumaterial dafür der Ziegelstein. Wahrscheinlich fiel auch die Entscheidung zum Bau eines militärisch notwendigen, 146 Ellen (84,2 Meter) tiefen Burgbrunnens in diese Zeit; Kosten, Auftraggeber und Bauzeit sind heute nicht mehr bekannt, doch verraten Bauspuren im Inneren des Brunnens noch heute die Arbeit der mittelalterlichen Facharbeiter (Bergleute und Steinbrecher), die den technisch aufwendigen Bau des Brunnenschachtes leisteten. Nach der Fertigstellung des Brunnens musste die Siegesburg seit 1201 zwar noch wegen Fleisch- und Getreidemangels, jedoch nie wieder wegen Wassermangels kapitulieren. Die im Ausbau befindliche Burg stand Heinrich dem Löwen bereits 1182 als sicherer Gewahrsam für seinen Gefangenen Landgraf Ludwig III. von Thüringen zur Verfügung. Als Heinrich der Löwe 1189/90 von Neuem versuchte, seine ehemaligen Territorien nördlich der Elbe zurückzuerobern, konnte er die Siegesburg nur belagern, vermochte sie aber nicht zu erobern. Nach der erneuten Regentschaft Graf Adolfs III. fiel durch dessen Niederlage gegen den dänischen Statthalter von Schleswig Herzog Waldemar 1201 Holstein an das dänische Königshaus. Nach einem Jahr Belagerung musste auch die Siegesburg 1202 kapitulieren, Holstein geriet auf Jahrzehnte unter dänische Herrschaft und auch die Siegesburg erhielt nun einen dänischen Burgvogt. Erst während der kämpferischen Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in Nordelbien seit 1223 konnte sich ab Ende 1224 der junge Adolf IV. von Schauenburg in Holstein wieder festsetzen. Bis zur Schlacht bei Bornhöved (1227) war dabei auch die zuletzt dänisch belagerte Siegesburg immer wieder in Kämpfe verwickelt.
Die Siegesburg unter den Schauenburgern Als Folge der Niederlage des Dänenkönigs Waldemar II. residierte Adolf IV. fortan auf der zentral gelegenen Segeberger Burg und vermochte seine Grafschaft Holstein von hier aus weiter zu festigen. mini|Sühnetafel für den Mord an Graf Adolf 1315 in der Marienkirche mit einer anachronistischen Abbildung der Siegesburg auf dem Kalkberg von SO (rechte Bildhälfte) von 1595 Auch künftig diente die Segeberger Feste als Gefängnis: Die Töchter des dänischen Königs Erich IV. Plogpenning Ingeborg und Sophie wurden von dessen Bruder Abel (Herzog von Schleswig und Vormund von Adolfs Söhnen Johann und Gerhard für die Grafschaft Holstein) zusammen mit dem Ripener Bischof und weiteren dänischen Adligen im Jahre 1247 für ein Jahr als Geiseln hierhin entführt, um einen dänischen Einfall in Holstein abzuwehren. Und im Jahre 1253 geriet bei den Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in Schleswig der Schleswiger Bischof mit weiteren Persönlichkeiten auf der Siegesburg in Haft.
Die zentrale Bedeutung der Siegesburg als politisches Herrschaftszentrum und als Residenz wird deutlich bei der Landesteilung Holsteins: 1273 traf sich Graf Gerhard I. mit seinen Neffen Adolf V. und Johann II. auf der Segeberger Burg, um hier die Aufteilung Holsteins untereinander zu vereinbaren; an Adolf V. ging der Segeberger Anteil mit der Siegesburg als Stammsitz. Er starb jedoch 1308 kinderlos. Sein Neffe und potentieller Nachfolger, Johanns Sohn Adolf, fiel 1315 einem Mordanschlag des Dithmarscher Adligen Hartwig Reventlow auf seiner Segeberger Residenzburg zum Opfer. Im Jahre darauf teilten sich die Vettern Johann III. und Gerhard III. aus der Rendsburger Linie die Grafschaft Segeberg untereinander auf. Während Gerhard den Segeberger Anteil übernahm und zu einer Vogtei umwandelte, befestigte er die Siegesburg noch einmal erheblich. Doch diente ihm diese Festung fortan nur noch als bedeutungslose Nebenresidenz und als Gefängnis für Widersacher wie den dänischen Prinzen Otto, der nach einem gescheiterten Aufstand 1334 für sechs Jahre auf der Siegesburg gefangen gehalten wurde.
Zwischen 1342 und 1366 verpfändete Heinrich II. die Kalkbergfestung samt Stadt und Vogtei an die Hansestadt Lübeck, die sie zur Sicherung ihrer Handelswege nutzte und dafür bis zur Auslösung mit 200 hanseatischen Söldnern besetzte. Mit Adolf VIII., der sich bis zu seinem Tode 1459 häufig auf der Siegesburg aufhielt, erlosch das Familiengeschlecht der Schauenburger als Grafen von Holstein und Besitzer der Siegesburg.
Erweiterung zum Schloss unter dänischer Herrschaft Nachdem das Schauenburger Geschlecht im 15. Jahrhundert ausgestorben war, fiel die Burg mit der Grafschaft Holstein 1459 an den dänischen König Christian I., der sich im Jahr darauf zum Empfang der Belehnung mit der Grafschaft Holstein auf dem Segeberger Schloss einfand. Auch in den Folgejahren hielt sich Christian I. wiederholt auf der Siegesburg auf, um z. B. Urkunden wie den Segeberger Regress (1469) und das Segeberger Konkordat (1470) auszustellen oder Landtage (1480) abzuhalten. mini|3D-Modell Siegesburg auf dem historischen Kalkberg (um 1600) von Osten, Rekonstruktion von Nils Hinrichsen in Kooperation mit Uwe Oswald Während immer mehr Adlige in die Stadt Segeberg zogen, wurde die Burg zum repräsentativen Schloss erweitert und diente auch den nachfolgenden Dänenkönigen mit ihren vielköpfigen Gefolgen als zeitweilige Residenz. Im Jahre 1490 verhandelten der dänische König Johann I. und der Gottorfer Herzog Friedrich I. auf der Siegesburg gegen die Bestimmungen des Vertrages von Ripen die Aufteilung der Herzogtümer; als Hauptschloss im Königlichen bzw. Segeberger Anteil war wiederum die Segeberger Burg bestimmt. Der Zutritt zu den wichtigen Landesdokumenten im so genannten Blauen Turm hingegen war für beide Landesherren nur im gegenseitigen Einvernehmen vorgesehen, was König Christian II. jedoch nicht von einem gewaltsamen Zugriff abhielt. Während der Grafenfehde entführten die Holsteiner Handelswagen der Hanse auf die Siegesburg; bei anschließenden vorsorglich durchgeführten Schießübungen riss eine explodierende Kanone fünf Ritter in den Tod und zerstörte auch etliche Burggebäude. Dennoch belagerte der Lübecker Hauptmann Marx Meyer vom 27. Mai bis zum 2. Juni 1534 die Siegesburg anschließend vergeblich, bevor er die Stadt Segeberg in Schutt und Asche legte. Doch auch das Schloss war so stark beschädigt, dass Christian III. noch im Jahre 1550 anlässlich eines Aufenthaltes in Segeberg nicht auf dem Kalkberg, sondern im Chorherrenstift an der Marienkirche residierte. Nicht für sich, sondern für seinen Landesherren Friedrich II. ließ der dänische Statthalter und Amtmann Heinrich Rantzau, der in Segeberg sein Palais am Kleinen Segeberger See als Residenz vorzog, die verfallene Siegesburg wiederherstellen. In Rantzaus Neuen Beschreibung der Kimbrischen Halbinsel von 1597 heißt es unter Segeberg: „Während der zurückliegenden Jahre war die Burg durch den Zahn der Zeit größtenteils baufällig geworden; daher hat der Kimbrische Statthalter und Burghauptmann Heinrich Rantzau sie mit Mitteln des Königs instandsetzen und mit neuen Gebäuden und Mauern versehen lassen.“Heinrich Rantzau (1526–1599). Königlicher Statthalter in Schleswig-Holstein. Ein Humanist beschreibt sein Land, Schleswig 1999. S. 227. mini|"ARX SEGEBERGA", Kupferstich von Braun-Hogenberg, 1588 Auf einem Kupferstich von Braun und Hogenberg von 1588 ist der umfangreiche Baukomplex auf dem Kalkberg Ende des 16. Jahrhunderts differenziert festgehalten; zu erkennen sind etliche ringförmig angeordnete Schlossbauten nebst einem Bergfried und einer abgängigen Mauer mit einer kleinen Tür auf dem Gipfel des Kalkberges sowie turmbewehrte Festungsmauern und einige Wirtschaftsgebäude samt rückwärtigem Giebel des Torhauses auf der Vorburg. Auf halbem Wege hinunter zur Stadt standen die Gebäude des Vorwerks, die als landwirtschaftliche Versorgungseinrichtung ebenfalls zur Burg gehörten. Bereits im Jahre 1563 konnte der dänische König Friedrich II. wieder im Schloss auf dem Kalkberg empfangen werden. Auch Christian IV. weilte im September 1595 für zwei Tage bereits als junger König mit einem riesigen Gefolge und 700 Pferden auf der Siegesburg.
Zerstörung und Abbruch – Das Ende der Siegesburg mini|links|Die Siegesburg und Segeberg im Dreißigjährigen Krieg, Kupferstich, 1626 Bereits im Kalmarkrieg (1611–1613) setzte der Segeberger Amtmann Marquard Pentz mehrere schwedische Gefangene auf der Siegesburg fest. Nach dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges hatte Christian IV. die protestantischen Herzöge von Lüneburg, Lauenburg und Braunschweig, die Gesandten von England, Holland, Schweden, Brandenburg und Pommern sowie den vertriebenen Winterkönig zwischen Januar und März 1621 auf das Segeberger Schloss geladen, um die Protestantische Union wiederzubeleben. Doch nach der Niederlage des Dänenkönigs in der Schlacht bei Lutter am Barenberg besetzten kaiserliche Truppen Wallensteins von 1627 bis 1629 Segeberg und nahmen das unbefestigte Schloss auf dem Kalkberg kampflos ein.