Erich Emmerich Hugo Vad [] (* 2. Januar 1957 in Neheim-Hüsten) ist Brigadegeneral a. D. der Bundeswehr, Unternehmensberater, Publizist und Universitätsdozent. In seiner letzten dienstlichen Verwendung war Vad von 2006 bis 2013 Gruppenleiter im Bundeskanzleramt, Sekretär des Bundessicherheitsrates und militärpolitischer Berater der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Seit Beginn des Russisch-Ukrainischen Krieges löste er durch seine Einschätzungen Kontroversen aus.

Leben Herkunft und Ausbildung Erich Vad wurde als Sohn des Rechtsanwalts Hugo Vad und dessen Frau Luzia, geb. Bergmann, in Neheim-Hüsten (heute: Arnsberg) im Sauerland geboren. Nach dem Abitur am altsprachlich-humanistischen Görresgymnasium in Düsseldorf 1975 trat Vad als Offizieranwärter in den Dienst der Bundeswehr ein. Nach Erhalt des Offizierpatents studierte er seit 1976 Geschichtswissenschaft an der Hochschule der Bundeswehr München. 1978 legte er dort seine Diplomprüfung ab und beendete das Studium im Dezember 1979 mit dem Hauptdiplom. Er setzte sein Studium der Geschichte und Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster fort, an der er im Dezember 1983 bei Werner Hahlweg mit einer Arbeit über die Bedeutung Clausewitz' für die Truppenführung von heute promoviert wurde (Zweitgutachter war Wilhelm Goerdt, Drittgutachter Jehuda Lothar Wallach).

Militärische Laufbahn

Erste Verwendungen und Dienst als Stabsoffizier Vad wurde 1977 zum Leutnant befördert und war bereits nach seiner Diplomprüfung von 1980 bis 1987 im Panzeraufklärungs-Lehrbataillon 11 in Munster zuerst als Zugführer und danach zweimal als Kompaniechef eingesetzt. 1983 erfolgte die Beförderung zum Hauptmann. Von 1987 an war Vad ein Jahr lang im US-Panzertruppenzentrum (US Army Armor School) in Fort Knox, Kentucky, eingesetzt. Zurück in Deutschland, absolvierte er von 1988 bis 1990 den Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg und erhielt bei dessen Abschluss die Clausewitz-Medaille. Hiernach wurde er zum Major i. G. befördert und hatte von 1990 bis 1992 zwei Stabsverwendungen als Generalstabsoffizier für Logistik (G 4) und Chef des Stabes der Panzerbrigade 21 in Augustdorf unter dem Kommando von Günter Hannstein. Von 1992 bis 1995 war Vad nach Brüssel versetzt, wo er im Internationalen Militärstab der NATO und im Generalsekretariat der Westeuropäischen Union diente.

Nach dieser internationalen Verwendung wurde Oberstleutnant i. G. Vad 1995 in das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) versetzt, wo er in Bonn und Berlin bis 1999 in verschiedenen Referaten in der Stabsabteilung Militärpolitik im Führungsstab der Streitkräfte (FüS III 6, 2, 1) unter den Chefs des Stabes Benno Ertmann und Hartmut Moede diente. In dieser Zeit war er zeitweilig am United States Central Command tätig, zuständig für Sonderoperationen in Bosnien und Herzegowina. 1996 publizierte Vad im Westdeutschen Verlag sein Buch Strategie und Sicherheitspolitik – Perspektiven im Werk von Carl Schmitt. Von 1999 bis 2000 war Vad Referent für Rüstungskontrollpolitik im Auswärtigen Amt.

Im Anschluss daran war Vad, der Mitglied der CDU ist, von 2001 bis 2006 verteidigungspolitischer Referent der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, wo er die damalige Fraktionsvorsitzende Angela Merkel kennenlernte. Nach der Wahl Merkels zur Bundeskanzlerin 2005 wechselte Vad 2006 in das Bundeskanzleramt, wo er bis 2007 als Referatsleiter für Militärpolitik arbeitete. Im Mai 2007 wurde Axel Binder vom Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, für den militärpolitischen Schlüsselposten des Gruppenleiters 22 im Bundeskanzleramt vorgeschlagen. Schneiderhans Vorschlag wurde jedoch übergangen und der von der CDU favorisierte Vad löste Gerd Bischof auf diesem Posten ab. In dieser Position arbeitete er dem außenpolitischen Berater Christoph Heusgen zu, der Bundeskanzlerin Angela Merkel in allen Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik beriet.

Dienst als General Ursprünglich war geplant, Vad zum 1. April 2010 zum Kommandeur des Zentrums für Verifikationsaufgaben zu ernennen, wo er zum Brigadegeneral befördert werden sollte. Auf Wunsch von Angela Merkel blieb er jedoch auf seinem Posten im Kanzleramt und wurde am 1. Juli 2010 dort – und entgegen dem erklärten Wunsch des Verteidigungsministeriums – befördert. Der letzte General auf diesem Dienstposten diente unter Helmut Schmidt. Laut einem Artikel in der Zeitschrift Focus soll er für Merkel angesichts des Untersuchungsausschusses zum Luftangriff bei Kundus als Berater besonders wichtig gewesen sein. Zum 1. Mai 2013 trat Vad freiwillig im Alter von 56 Jahren in den Ruhestand. Seine Nachfolge trat Oberst Andreas Delp an.

Andere Tätigkeiten und Politik Von 1994 bis 2001 war Vad Beisitzer im Vorstand der Clausewitz-Gesellschaft.Viktor Toyka, Rüdiger Kracht: Clausewitz-Gesellschaft. Chronik 1961–2011. Hrsg. durch die Clausewitz-Gesellschaft, Hamburg 2011, ISBN 978-3-9810794-6-3, S. 266. Ab 2015 war er Lehrbeauftragter am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München und unterrichtete Internationale Beziehungen an der Universität Salzburg. Vad war u. a. Dozent an der National Defence University und der amerikanischen Johns Hopkins University in Washington, D.C. und Bologna und hatte außerdem universitäre Lehraufträge in Glasgow. In den Jahren 2018/2019 war Vad Partner bei dem Schweizer Beratungsunternehmen Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten in Zürich. Seit 2022 ist er selbständiger Berater und als Rüstungslobbyist im Bundestag tätig.

Von 2001 bis 2007 war Vad Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Schwielowsee und zudem Fraktionsvorsitzender der CDU-/FDP-Fraktion in der Gemeindevertretung von Schwielowsee. Von 2009 bis 2013 war er Beisitzer im Landesvorstand der CDU Brandenburg. Nach seinem Umzug nach München trat Vad mehrfach als Vortragsredner bei der Hanns-Seidel-Stiftung, der Jungen Union Bayern sowie in diversen CSU-Gremien und -Verbänden auf.

Nach eigener Aussage (02/2025) ist er nicht (mehr) Mitglied einer Partei.

Privates Erich Vad ist verheiratet und hat drei Kinder.

Positionen und Kontroversen Erklärung des Ausrüstungsmangels mit „Strukturpazifismus“ und Afghanistaneinsatz In mehreren Medienverlautbarungen kritisierte Vad den mangelhaften Zustand und die fehlende Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. In der Wiener Presse machte er 2018 „eine unrealistische Hypermoral“ verantwortlich für die deutsche Sicherheitspolitik. Seiner Meinung nach hatte „keiner der letzten Verteidigungsminister in der Ära Merkel […] das Zeug dazu, die Streitkräfte einer der größten Wirtschaftsnationen der Erde nachhaltig zu formen“. Als Ursula von der Leyen im Frühjahr 2019 eine positive Bilanz ihrer Amtszeit als deutsche Verteidigungsministerin vorlegen wollte, wies Vad auf die mangelhafte personelle, materielle und finanzielle Ausstattung der Bundeswehr hin. Er ging mit der politischen und militärischen Spitze der Bundeswehr hart ins Gericht und unterstellte ihr Führungsversagen, altbackene Mentalität, Bürokratismus und Duckmäusertum, was die Times unter der Überschrift „German military failings begin at top“ am 15. April 2019 aufgriff. Vad wurde für seine Äußerungen, insbesondere in Bezug auf von der Leyen, vom damaligen Generalsekretär der CDU, Paul Ziemiak, kritisiert.

Vad bemängelte im März 2022, dass die Bundeswehr trotz eines hohen jährlichen Budgets von knapp 50 Mrd. Euro nicht einsatzbereit sei: „Ein befreundeter israelischer General fragte mich einmal: Wie schafft ihr Deutschen es, mit fast 50 Milliarden Euro nicht einsatzbereit zu sein? Die Israeli haben nur die Hälfte und sind Tag und Nacht startklar.“ Vad erklärte, dass man mittelfristig über die Wehrpflicht neu nachdenken müsse. Für ihn sei „der deutsche Strukturpazifismus“ für die Vernachlässigung wesentlich verantwortlich.

Als weiteren wesentlichen Grund führte der Berater der Bundeskanzlerin den Afghanistaneinsatz an, dieser habe erhebliche Ressourcen gebunden. Eine ähnliche Kritik hatte Vad zuvor bereits geäußert, z. B. im April 2019.Ex-General kritisiert Leyen und Zustand der Bundeswehr (www.tagesspiegel.de, 14. April 2019) Laut Vad war auch das deutsche Krisenmanagement im Zusammenhang mit der Evakuierung aus Afghanistan unzureichend und wenig vorausschauend.

Positionen zum Krieg Russlands gegen die Ukraine Am 24. Februar 2022 erklärte Vad bei einer Sondersendung der politischen Talkshow Maybrit Illner zu den Aussichten des Widerstands gegen die Invasion: „Militärisch gesehen ist die Sache gelaufen. Und meine Bewertung ist, dass es nur um ein paar Tage gehen wird und nicht mehr.“ Dies gelte aber nur, wenn Putin „nicht den Schritt in die Westukraine“ vollziehe. Dann sei „mit massivem Widerstand zu rechnen.“ In diesem Fall könne es einen langwierigen „Guerillakrieg im Stile Afghanistan“ geben."Es geht nur um ein paar Tage" (www.zdf.de, 24. Februar 2022)

„Putin wird diesen Krieg gewinnen, weil die russischen Streitkräfte modern sind, gut ausgestattet sind, weil sie eine vielfache Überlegenheit auch haben, weil sie eine strategische Ausgangsbasis haben, gegen die man sich einfach nicht verteidigen kann“ hielt Vad zu Kriegsbeginn fest.

Am 7. März 2022 äußerte Vad während der Schlacht um Kiew im Morgenmagazin des ZDF, perspektivisch bestehe für die ukrainischen Truppen keine Aussicht darauf, sich dauerhaft gegen die russischen Truppen durchzusetzen. Aus militärischer Sicht sei es sinnvoller, , wo die Versorgung einfacher sei. Kämpfe um Städte wie Kiew hätten reinen Symbolcharakter. Die russische Strategie im Ukraine-Krieg sei es, die großen urbanen Zentren einzukesseln und viele Flüchtende hinauszulassen. Dies sei die Strategie der Russen, mit der sie sich auch Zeit ließen. Auf die Frage, ob der über 60 Kilometer lange russische Konvoi vor Kiew feststecke, lautete Vads Antwort: „Er steckt nicht fest. Man sieht eigentlich daran, dass sich die Russen sehr sicher fühlen. […] Und ich denke mal, aus diesen Kolonnen heraus da sind die Kräfte, die sie brauchen letztlich für diesen Kampf um Kiew. In Kiew sitzt die Regierung, auch die militärische Leitung des Landes, die Geheimdienstzentrale, die wichtigen Kommunikationspunkte, und deswegen denk ich in den nächsten Tagen militärisch wird sich das sehr stark auf Kiew fokussieren.“ Der Stau bedeute eine „Vorbereitung zum Sturm auf Kiew“.

Wenige Tage später löste sich der Konvoi auf und Russland zog seine Kräfte komplett aus dem Umfeld Kiews zurück, um sie in die Ostukraine zu verlagern, womit Russland die Schlacht um Kiew verloren hatte.

Im April 2022 ging Vad davon aus, die Zerstörung der Geburtsklinik in Mariupol sei „nicht Putins Absicht gewesen, […] so schrecklich das ist“. Er verglich den Tod von Zivilisten im Ukrainekrieg mit Kriegen jüngeren Datums wie im Irak, in Libyen und Afghanistan, bei denen es quantitativ erheblich mehr sogenannte Kollateralschäden gegeben habe.