mini|Luftbild der Klosteranlage in Weingarten mit der Basilika St. Martin, 2024 mini|Westfassade mini|Südansicht mini|Treppe von der Stadt zur Basilika mit Martinsbrunnen und ehemaliger Klosterapotheke (heute Pfarramt) mini|Innenansicht der Basilika mini|Chorfresko mini|Kreuzigungsaltar im nördlichen Querschiff
Die Basilica minor St. Martin und Oswald ist die 1724 geweihte frühere Stiftskirche der Reichsabtei Weingarten in Weingarten (vormals Altdorf) im baden-württembergischen Landkreis Ravensburg. Architektonisch ist die römisch-katholische Kirche keine Basilika, sondern eine barocke Emporenhalle.
Geschichte Vorgängerbauten Die Kirche ersetzte einen romanischen Vorgängerbau, der 1056 von Welf IV. als Grablege der Welfen gestiftet worden war. Er selbst wurde nach 1101 hier bestattet. Die Kirche und das zugehörige Kloster der Benediktiner stehen an der Stelle einer auf das 10. Jahrhundert zurückgehenden Pfalz auf dem Martinsberg und wurden mit dem Grundbesitz dieser ursprünglichen Stammburg der schwäbischen Welfen ausgestattet. Diese war ihrerseits an der Stelle eines alamannischen Herrensitzes entstanden, der sich neben einem germanischen Heiligtum befand. Die aus dem Kerngebiet des Fränkischen Reichs im Maas/Mosel-Raum eingewanderten Welfen weihten die Kirche dem fränkischen Nationalheiligen Martin von Tours. Abt Cono von Waldburg ließ zunächst eine 14 m lange Leutkirche erbauen. Ab 1124 entstand dann eine hochromanische, dreischiffige Säulenbasilika.
Barocke Neuanlage 1712 sind Entwürfe zum Kirchenneubau durch Franz Beer und Johann Jakob Herkomer dokumentiert. Der Grundstein der Barockkirche wurde am 22. August 1715 gelegt. Sie ersetzte die romanische Kirche der Benediktinerabtei. 1716 schied Franz Beer aus der Leitung der Bautätigkeiten aus. Seit 1717 war der württembergische Landbaumeister Donato Giuseppe Frisoni leitender Baumeister. 1724 wurde der Kuppelbau abgeschlossen. Die Weihe fand während der Amtszeit von Abt Sebastian Hyller am 10. September 1724 durch den Bischof von Konstanz Johann Franz Schenk von Stauffenberg statt, Titelheilige sind Martin von Tours und Oswald. Die Gesamtbaukosten wurden auf 273.000 Gulden beziffert, die in bar bezahlt wurden.
Die Kirche ist mit einer Kuppelhöhe von 67 Metern und einer Länge von 102 Metern das größte barocke Kirchenbauwerk Deutschlands und die größte Kirche in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.Bedeutung und Geschichte der Basilika. Katholische Seelsorgeeinheit Weingarten, abgerufen am 26. September 2026. Sie steht auf derselben Ebene mit dem gleichlangen Dom zu Passau. Abt Hyller, nach dem auch eine Straße in Weingarten benannt ist, wählte für den Neubau der Kirche bewusst nahezu die hälftigen Ausmaße des Petersdoms in Rom. Die Fresken schuf 1718 bis 1720 Cosmas Damian Asam. Die reichhaltigen Stukkaturen fertigte unter dem Architekten Donato Giuseppe Frisoni der Stuckateur Giacomo Antonio Corbellini. Der Wessobrunner Franz Schmuzer erstellte sechs Seitenaltäre. Das Chorgestühl schnitzte 1720 bis 1724 der Bildhauer und Stukkateur Joseph Anton Feuchtmayer.
Die in der Kirche aufbewahrte Heilig-Blut-Reliquie ist Gegenstand religiöser Verehrung in ganz Oberschwaben. Sie steht im Mittelpunkt einer der größten Reiterprozessionen Europas, des jährlich stattfindenden Blutrittes.
Säkularisation bis heute Die Benediktinerreichsabtei wurde 1803 nach dem Reichsdeputationshauptschluss zum ersten Mal aufgelöst. Seit 1811 dient die Kirche der katholischen Pfarrei St. Martin als Pfarrkirche. Nach der Wiedererrichtung des Klosters 1922 war sie zugleich auch wieder Klosterkirche der neu besiedelten Benediktinerabtei Weingarten, bis diese 2010 aus Personalmangel erneut aufgelöst wurde. Seit ihrem Bau dient die Basilika den Pilgern zum Heiligen Blut als Wallfahrtskirche. Aus Anlass der 900-Jahr-Feier der Gründung der Benediktinerabtei durch die Welfen wurde die Kirche 1956 von Papst Pius XII. zur Basilica minor erhoben.
1927/28 wurde die Fassade restauriert, 1952–56 der Innenraum. Bei der Innenraumrestaurierung wurde der originale Innenputz weitgehend entfernt. Eine umfassende Renovierung der Kuppel (Konstruktion, Außenhaut, Fresken) fand 2003 bis 2006 unter Leitung des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg statt. 2021 begann eine auf mehrere Jahre angelegte Renovierung des Innenraums inklusive Fresken und Dachstuhl.
Nach Auflösung der Benediktinerabtei Weingarten im Jahr 2010 ging die Wallfahrt zum Kostbaren Blut in den Verantwortungsbereich der Kirchengemeinde über. Seit 2007 ist Ekkehard Schmid (* 1965) Pfarrer an der Basilika St. Martin in Weingarten. Schmid ist seit 2012 auch Dekan von Allgäu-Oberschwaben und leitet seit 2022 die Seelsorgeeinheit Weingarten mit mehreren Kirchengemeinden. Er unterstützt die Idee, den neobarocken Hauptaltar aus den 1930er Jahren, der die Blutreliquie exponiert, im Zuge der laufenden Innenraumsanierung der Wallfahrtskirche zu beseitigen und durch einen einfachen, modernen Altar zu ersetzen, was Mitte der 2020er Jahre zu einem erbitterten und weit über Weingarten hinaus wahrgenommenen Streit zwischen unzufriedenen Pilgern und Gläubigen und den Kirchenverantwortlichen führte.
Architektur Außenbau Die Abteikirche Weingarten ist ein groß dimensionierter barocker Kirchenbau mit Doppelturmfassade, rund schließenden Querarmen, Tambourkuppel und halbkreisförmiger Apsis. Die Fassade erstreckt sich über sieben Achsen. Der Mittelteil wölbt sich in kräftiger plastischer Schwellung vor. Ein zurückweichende Achse verbindet Mitte und Turmuntergeschosse. Kolossalpilaster vermitteln zwischen Sockel und Gebälkzone, im vorschwingenden Mittelteil als Doppelpilaster, in den beiden Außenachsen als übereinandergelegte Pilaster. Der Sockel nimmt fünf Portalöffnungen auf. In den Hauptgeschossen durchbrechen zwölf große Rundbogenfenster die Fassadenmauer. Die Außenachsen werden über dem Hauptgebälk als Turmgeschosse weitergeführt. Zwischen den Türmen erhebt sich ein volutengekrönter Schaugiebel, der in seiner Mittelnische eine Marienstatue aufnimmt. Die hohe Tambourkuppel ist nur aus der Ferne zu sehen und bestimmt daher die Wirkung der Fassade aus der Nähe nicht.
Innenraum Der Innenraum ist als ganz in Weiß gehaltener Wandpfeiler-Emporensaal gestaltet. Der Grundriss zeigt eine Abfolge von sieben Abschnitten. Drei breitrechteckige Raumabschnitte bilden das Kirchenschiff. Es folgt der quadratische Kuppelraum, die Vierung. Daran schließt sich der leicht längsrechteckige Chorraum an. Zwischen Chor und Altarhaus ist, genau wie im Westen zwischen Eingangshalle und Langhaus, ein Vorjoch eingeschaltet. Den Rundungen von Fassade und Chorapsis entsprechen die gerundeten Querarme. Den Raumeindruck des Weingartner Innenraums bestimmen die Wandpfeiler. Sie tragen die Gewölbe und leiten zum Ziel der Raumflucht, dem Hochaltar. Die Pfeilerköpfe sind an drei Seiten mit korinthischen Pilastern besetzt. Kolossale Gebälkstücke leiten zu den Gewölbegurten über. Da die Emporen zurückgesetzt sind, nähern sich die Pfeiler in der Erscheinung Freipfeilern an. Dieser Eindruck wird durch Durchgangsarkaden zwischen den Abseiten noch verstärkt. Quertonnen überspannen die Abseiten. Über Langhaus und Mönchschor wölben sich insgesamt vier Kuppeln mit riesigen Fresken. Vier Pfeilermassive, die gedoppelte Gurtbögen tragen, umstehen die Vierung und tragen die Tambourkuppel. Die Querarmwände sind dreigeschossig gegliedert, wobei Laufgänge die Emporen ersetzen. Gewölbt werden die Querarme durch gurtgegliederte Halbkuppeln, in die Stichkappen einschneiden. Beherrschendes Motiv der Querhäuser aber sind die Altäre Frisonis mit ihrer Säulenarchitektur. Im Chor verbergen sich hinter dem Gestühl Seitenräume. Die Empore verläuft hier als Verbindungsgang an der Mauerwand. Der Altarraum ist ähnlich gestaltet wie die Querarme. Im gesamten Innenraum tauchen große Fenster den Saalraum in helles Licht. Der Weingartner Wandpfeilersaal erhält so „hallenartige Weite“. Der Bau der Abteikirche Weingarten stellt eine Synthese zahlreicher Einflüsse dar. Querhaus- und Chorrundung lassen sich vom Salzburger Dom herleiten, eine in Deutschland seltene Tambourkuppel besitzen neben dem Salzburger Dom etwa die Münchner Theatinerkirche und die Kemptner Stiftskirche, die vorgewölbte Fassade ist in der Salzburger Kollegienkirche von 1694 vorgebildet.
Maße des Kirchenbaus mini|Grundriss der Basilika Weingarten (aus: Schlegel 1924: S. 16.) Arthur Schlegel: Die Benediktiner-Kirche zu Weingarten. Konrad Baier Verlag, Weingarten 1924; S. 16. Länge: 102 m Länge einschließlich Chorumgang: 106 m Höhe der Kuppel (außen): 67 m Höhe der Kuppel mit Laterne (innen): 61 Kuppeldurchmesser: 15 m
Ausstattung Fresken Die Deckenfresken wurden zwischen 1718 und 1720 von Cosmas Damian Asam ausgeführt und stellen einen Höhepunkt der barocken Kirchenmalerei in Deutschland dar. Insgesamt schuf Asam rund 1100 m2 freskierte Fläche. Die Fresken bilden einen farbkräftigen Kontrast zum ansonsten überwiegend weißen Kircheninnern.Fresken in der Basilika St. Martin in Weingarten auf Wikimedia Commons.
Fresken im Langhaus Das Fresko im Vorjoch behandelt Christi Geburt inmitten von Hirten, anbetenden Engeln und heiligem Joseph. Im ersten Langhausjoch ist die Gewinnung der Heilig-Blut-Reliquie dargestellt. Gerahmt von einer antikischen Architektur spritzt Christi Blut aus der Seitenwunde. Unterhalb des Strahls ist schon die Heilig-Blut-Reliquie auf rotem Kissen zu sehen. Links auf einer Wolkenbank der den Fuß Jesu stützende Engel, rechts der hl. Longinus mit der Lanze. Das von Weintrauben umgebene Wappen ist das des zur Zeit der Entstehung der Fresken in der Abtei Weingarten amtierenden Abtes Sebastian Hyller. Das Fresko des zweiten Langhausjochs zeigt die Glorie des heiligen Benedikt auf einer Wolke thronend im Kreis von Heiligen und Päpsten. Im dritten Langhausjoch ist die Himmelfahrt Mariens zu sehen: Maria fährt umgeben von musizierenden Engeln und Putten, die Blumengebinde halten, gen Himmel. Zurück bleiben unten die um den leeren Sarkophag versammelten Apostel.
Kuppelfresko Das Fresko in der Kuppel führt die Versammlung der auf Wolkenbänken sitzenden Heiligen vor Augen. Eine eigene Gruppe bilden Gottvater auf der Weltkugel, der die Krone reichende Christus und Maria in blauem Mantel und rotem Gewand. Links davon Johannes der Täufer mit der Fahne und Petrus mit dem Fischernetz. Auf der gegenüberliegenden Seite König David mit der Harfe, Helena mit dem aufgefundenen Kreuz, Cäcilie an der Orgel und Laurentius mit dem Rost. Auf einem inneren Wolkenkreis drängen sich zahllose Engelköpfe. Die bemalte Fläche der Kuppel nimmt ca. 400 m2 ein. Weiter unten, in den Zwickeln zwischen den Vierungsbögen, sind die vier lateinischen Kirchenväter dargestellt: Hieronymus mit Löwe und Kardinalshut, Augustinus mit flammendem Herzen und Buch, Ambrosius mit Bienenstock und Buch sowie Gregor der Große mit Tiara, Taube und Buch.
Fresken in Querarmen und Chor Kleinere längsovale Fresken in den Querarmen thematisieren die Gaben des Heiligen Geistes, die als auf Wolken lagernde Allegorien dargestellt werden. Zu sehen sind im nördlichen Querarm die Stärke mit der Säule (Fortitudo) und der Verstand mit Öllampe, Schlange und Spiegel (Intellectus). Im südlichen Querarm sind es die Frömmigkeit mit dem Weihrauchfass (Pietas) und die Weisheit mit dem Sonnenstab (Sapientia).
Der Chor ist dem Pfingstwunder gewidmet. Hier zeigt die gemalte architektonische Rahmung ein Säulenrund mit Säulenädikulä auf mächtigen Konsolen, worüber sich eine kassettierte Kuppel erhebt. Maria sitzt im Kreis der Apostel, über ihren Köpfen schweben die in der Bibel genannten „Zungen wie von Feuer“. Auf Wolkensäulen fahren Engel nieder. Im sich zum Himmel öffnenden Oculus erscheint die Taube des Heiligen Geistes. Im Altarhaus hat das Fresko die Verehrung des Apokalyptischen Lammes zum Thema.
Altäre
mini|Blick auf den aktuellen Haupt- und Volksaltar, im Hintergrund der barocke Hochaltar