mini|hochkant=1.5|Am Unternehmenssitz in Geislingen/Steige werden seit 1853 WMF-Produkte hergestellt. Die WMF GmbH (vormals WMF AG, für Württembergische Metallwarenfabrik) ist ein ehemals börsennotierter Hersteller von Haushalts-, Gastronomie- und Hotelleriewaren mit Sitz in Geislingen an der Steige.

Das Unternehmen wurde 1853 von Daniel Straub und den Gebrüdern Schweizer gegründet. 1880 entstand durch die Fusion mit Ritter & Co. die Württembergische Metallwarenfabrik AG.

Seit 2016 gehört das Unternehmen zur französischen Groupe SEB.

Porträt Der Konzern hält sechs Marken (WMF, Silit, Kaiser, Schaerer, Hepp und Curtis), ist an über 40 Standorten weltweit vertreten und hat knapp 200 firmeneigene Filialen in Deutschland, Österreich sowie der Schweiz. Die WMF produziert Haushalts- und Hotelwaren, unter anderem Kochgeschirr, Küchengeräte, Essbestecke, Trinkgläser und professionelle Kaffeemaschinen.

Geschichte Gründung Das Unternehmen ist aus der Metallwarenfabrik Straub & Schweizer hervorgegangen, welche 1853 vom Geislinger Müller Daniel Straub gemeinsam mit den Brüdern und gelernten Metalldrückern Louis und Friedrich Schweizer in Geislingen an der Steige gegründet wurde. Dies war bereits die zweite industrielle Gründung von Straub, denn aus einer Reparaturwerkstatt, die er im Zusammenhang mit dem Bau der Geislinger Steige gegründet hatte, ging 1850 die Maschinenfabrik Geislingen hervor, die vor allem Mühlenturbinen herstellte und in ganz Europa vertrieb. Ab 1862 arbeitete Gottlieb Daimler für etwa drei Jahre als Konstrukteur für die Metallwarenfabrik Straub & Schweizer. Nach dem Ausscheiden der Brüder Schweizer wurde die Fabrik 1866 in Straub & Sohn umbenannt. Die erste Filiale entstand aus dem in Berlin ansässigen Musterlager.

Im Jahr 1880 schloss sich das Unternehmen auf Anraten der Württembergischen Vereinsbank um Kilian von Steiner mit der damals finanziell geschwächten, aber fortschrittlicheren Metallwarenfabrik Ritter & Co, Esslingen am Neckar, zur Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft zusammen. Die WMF war gegründet und ging am 9. September 1887 an die Stuttgarter Börse. Die Württembergische Vereinsbank wurde Mehrheitsaktionär des neuen Unternehmens, gab diese Mehrheit im Jahr 1882 an den Stuttgarter Fabrikanten und Politiker Gustav Siegle ab. Die Nachkommen der Familie Siegle blieben in der Folge fast 100 Jahre lang, bis zum Verkauf ihrer Anteile im Jahr 1980, Mehrheitsaktionäre bei der WMF.WMF – die älteste Aktiengesellschaft in Baden-Württemberg. boersen-zeitung.de, 26. Februar 2011.

Das Unternehmen gründete 1881 eine Betriebskrankenkasse mit Zwangsmitgliedschaft und überdurchschnittlich guten Leistungen für ihre Mitarbeiter. Eine eigene Betriebssparkasse folgte 1883, ein Jugendheim 1907. 1887 gründete das Unternehmen für seine Mitarbeiter zudem den WMF-Wohlfahrtsverein, der verschiedene soziale Leistungen kostenlos oder zu günstigen Preisen anbot.

20. Jahrhundert mini|links|Aktie über 100 RM der Württembergischen Metallwarenfabrik vom April 1942 mini|Hauptsitz der WMF Group in Geislingen Im Jahr 1900 beschäftigte WMF bereits 3000 Mitarbeiter. 1912 baute das Unternehmen – in Zeiten steigender Fleischpreise – für die Abgabe von Fisch zum Selbstkostenpreis an die Mitarbeiter in Geislingen eine eigene Halle, die sogenannte Fischhalle. swp.de, 26. Mai 2012. Diese Halle besteht unter diesem Namen bis heute und beherbergt seit den 1970er-Jahren den Fabrikverkauf des Unternehmens. In den 1920er-Jahren wurden Produkte des designorientierten Projekts Neues Frankfurt hergestellt.

1932/1934 war WMF an der Entwicklung des tiefgezogenen Gehäuses aus rostfreien V2A-Stahl der Serienbild-Kamera Robot beteiligt.RoBoT Historie. robot-camera.de, 9. September 2017, abgerufen am 10. März 2018.

Im Februar 1944 wurde für das Unternehmen das KZ-Außenlager Geislingen des KZ Natzweiler-Struthof eingerichtet, als abgetrennter Teil des bereits bestehenden Fremdarbeitslagers für Zwangsarbeit in der Heidenheimer Straße mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern. Die ersten Häftlinge für das KZ-Lager, etwa 700 jüdische Ungarinnen, trafen am 28. Juli ein und mussten ab dem 16. August für WMF arbeiten. Mindestens zwölf Personen sind im KZ-Lager aus nicht genau angegebenen Gründen verstorben. Kranke, schwerer verletzte oder schwangere Frauen wurden in das KZ Auschwitz transportiert, nach dessen Auflösung auch ins KZ Bergen-Belsen. Im März 1944 erweiterte WMF sein Barackenlager an der Heidenheimer Straße ein zweites Mal, um zusätzliche 400 Ostarbeiter unterbringen zu können, im November ein drittes Mal. Hunger und Krankheiten waren die Regel. Die gemeldeten Gräber von 24 Polen und 41 Russen sind nicht mehr auffindbar.Kleine Dokumentation zur Geschichte der Zwangsarbeit und des KZ-Außenlagers Geislingen an der Steige. Herausgegeben vom Stadtarchiv Geislingen anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar 2001. Im März 1945 bemühten sich Aufsichtsrat und Vorstand der WMF um Auflösung des Lagers, bevor die US-Truppen die Gegend erreichten. Ab Ende dieses Monats arbeiteten die Häftlinge nicht mehr für die WMF; im April 1945 wurden die letzten Insassen in Todesmärschen Richtung KZ Dachau „evakuiert“.

1950 beschäftigte das Unternehmen wieder 3000 Mitarbeiter; Mitte der 1960er-Jahre waren es 6000 Personen. In den 1950er- und 1960er-Jahren erarbeitete sich die WMF in privaten Haushalten durch die schlicht-funktionalen Entwürfe des Bauhaus-Schülers und Produktdesigners Wilhelm Wagenfeld einen Ruf als Produzent schöner und langlebiger Haushaltswaren, der bis heute anhält.

Ein erfolgreicher Geschäftsbereich ist seit Beginn der 1960er-Jahre die Produktion hochwertiger Kaffeemaschinen für den Gastronomiebereich.

1980 wurden die WMF-Anteile der Familie Siegle von Rheinmetall aus Diversifikationsgründen gekauft.Offensive ins Zivile. In: Die Zeit, Nr. 25/1992. Aufgrund von Kartellvorwürfen wurde die WMF jedoch 1985 für 60 Millionen Mark an den Wiesbadener Investor Wolfgang Schuppli und dessen Helvetic-Gruppe abgetreten. Schuppli wird zugutegehalten, dass er die unter der Führung von Rheinmetall etwas angestaubte Marke WMF innerhalb von wenigen Jahren – unter anderem durch den Austausch des Vorstands, den Ausbau der Markentochtergesellschaften (siehe Abschnitt Marken im Konzern) und die Zusammenarbeit mit internationalen Industriedesignern – erfolgreich sanierte. Ein weiterer Großaktionär durch Erwerb von Siegle-Anteilen war die Deutsche Bank. Schuppli verkaufte 1994 weitere Teile seiner WMF-Aktien an die Deutsche Bank, die Münchener Rück und die Württembergische Versicherung. Die vier Großaktionäre waren in Folge über einen Poolvertrag verbunden.Jedes Wort abgesprochen. wiwo.de, 14. Juni 2005.

Seit 2000 Anfang 2006 übernahm das Unternehmen den Schweizer Kaffeemaschinen-Hersteller M. Schaerer AG und baute damit seine Marktstellung in diesem Bereich aus.

mini|WMF-Filiale mit neuem Shop-Konzept (2015) Im April 2006 beteiligte sich die österreichische Fiba-Gruppe durch den Erwerb von Schuppli-Anteilen mit 20 Prozent der Anteile an der WMF und erhöhte ihre Beteiligung im September 2006 auf fast 37 Prozent. In: wirtschaftsblatt.at, 27. August 2008. Die Helvetic-Gruppe verringerte ihre Beteiligung auf knapp 16 Prozent.Schweizer Finanzinvestor übernimmt WMF. In: handelsblatt.com, 7. Juni 2006.

Mitte 2006 kaufte die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis über ihre Tochtergesellschaft Crystal Capital von den bisherigen Anteilseignern (Deutsche Bank, Münchener Rück/Larus und Württembergische Lebensversicherung, allesamt mit je ca. 17 Prozent der Anteile) für 92 Millionen EuroHandelseinig mit Capvis – KKR will WMF kaufen. In: teleboerse.de, 6. Juli 2012. überraschend 52 Prozent der Stammaktien und damit ein gutes Drittel der Gesamtanteile an der WMF.Deutsche Bank versilbert WMF. In: manager-magazin.de, 7. Juni 2006. Pressemitteilung WMF, 28. März 2012, Presseportal.

Bis Anfang 2012 lagen die Stimmrechtsanteile von Crystal Capital und von FIBA bei den genannten Prozenten. Im Juli 2012 übernahm die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) die Anteile von Crystal Capital/Capvis für mehr als 238 Millionen Euro.Schwäbisches Traditionsunternehmen: US-Investor KKR kauft Küchen-Ikone WMF. In: focus.de, 6. Juli 2012. Durch den weiteren Zukauf u. a. von 12 Prozent Anteilen der Fiba Geislinger Zeitung, 16. November 2012. erhöhte sich der Anteil an den Stammaktien auf 71,6 Prozent (49,7 Prozent am Gesamtkapital). In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der WMF mit insgesamt knapp 15 Prozent an Capvis beteiligt waren,Capvis bestätigt starke Einbindung der WMF-Chefs. In: stuttgarter-zeitung.de, 17. Juli 2012. was nach Ansicht von Fiba-Eigentümer Andreas Weißenbacher 2006 für den Verkauf an Capvis ausschlaggebend gewesen sein soll.Die Kritik am WMF-Vorstand weitet sich aus. In: stuttgarter-zeitung.de, 24. Juli 2012.

Rohbestecke werden seit Juli 2010 aus dem etwa zehn Jahre zuvor gegründeten Werk im chinesischen Heshan bezogen. In: swp.de, 2. Juli 2010. Im Frühjahr 2013 veräußerte der Konzern die Marken Princess und Petra des Geschäftsbereiches Elektrokleingeräte, um sich auf das Premiumsegment mit der Marke WMF zu fokussieren.WMF konzentriert sich bei Elektrokleingeräten auf eigene Kernmarke. Pressemitteilung der wmf group, 17. Mai 2013.

Im August 2013 löste Peter Feld den Vorstandsvorsitzenden Thorsten Klapproth ab, der diese Position zehn Jahre innegehabt hatte.Vorstandswechsel bei WMF WMF Group, Pressemitteilung vom 17. April 2013. Feld gab im April 2014 bekannt, dass im Konzern rund 400 Arbeitsplätze abgebaut und zirka 50 Filialen geschlossen werden sollten. Der Exportanteil sollte von 46 Prozent auf etwa 80 Prozent erhöht werden und damit zur Expansion beitragen.WMF braucht Schlankheitskur vor Expansion. Wirtschaftswoche, 10. April 2014.

Im März 2015 wurde die WMF von der Börse genommen; das Unternehmen wurde kurz darauf in eine GmbH umgewandelt. Im Mai 2016 übernahm die französische Groupe SEB WMF von KKR für mehr als 1,5 Milliarden Euro.Der französische Konzern SEB will den Küchengerätehersteller WMF übernehmen. In: finanzen.net, 24. Mai 2016.

Ende 2017 wurde das rund 11.000 Einzelstücke umfassende historische Warenarchiv der WMF vom Landesdenkmalamt ins Denkmalbuch eingetragen.Inventarisation des historischen Warenarchivs der WMF in Geislingen an der Steige. (Projektbeteiligte: Dieter Büchner/Tim Heilbronner/Heinz Scheiffele), abgerufen am 8. September 2022.Dieter Büchner: „Alles Schöne, was man so braucht.“ Das historische Warenarchiv der WMF in Geislingen an der Steige. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege 1/2018, S. 30.Ein Salzstreuer wird zum Kulturdenkmal. In: spiegel.de, 29. Januar 2019. Im Juli 2019 gab SEB die Absicht bekannt, die Herstellung von Edelstahlkochgeschirr in Geislingen bis Ende 2020 einzustellen und 400 Arbeitsplätze abzubauen. Mitarbeiter der WMF protestierten dagegen durch Spazierengehen auf dem Firmengelände.

Am 20. April 2026 wurde bekannt, dass die WMF im Rahmen einer seit 2025 laufenden strategischen Überprüfung zahlreiche Filialen in Deutschland schließt. Maßgeblich sind Kriterien wie Standortlage, Kundenfrequenz und wirtschaftliche Rentabilität. Bereits seit 2025 wurden mehrere Verkaufsstellen aufgegeben, weitere Schließungen, unter anderem in Sachsen, sind bis August 2026 vorgesehen. In betroffenen Filialen finden Räumungsverkäufe statt, während das Unternehmen zugleich am stationären Handel festhält und ergänzende Vertriebskanäle ausbaut.

Im Juni 2026 wurden 3 Produktionsstandorte in Deutschland geschlossen.

Marken und Sortiment Die WMF-Gruppe hatte 2014 drei Geschäftsbereiche: Globales Kaffeemaschinengeschäft (Umsatz: 349 Mio. Euro), Globales Hotelgeschäft (Umsatz: 79 Mio. Euro) und