Xavier Le Pichon (* 18. Juni 1937 in Quy Nhơn, Französisch-Indochina, heute Vietnam; † 22. März 2025) war ein französischer Geologe und Pionier der Plattentektonik, für die er 1968 ein Modell vorschlug. Ab 1986 hielt er den Lehrstuhl für Geodynamik am Collège de France.

Leben Xavier Le Pichon erhielt seine Lizenz im Fach Physik an der Universität Caen im Jahr 1959. Vier Jahre später wurde er Forschungsassistent an der Columbia University in New York, und weitere drei Jahre später errang er den Doktortitel an der Universität Straßburg.

Le Pichon wurde in der Fachwelt durch das von ihm 1968 vorgelegte Modell der Plattentektonik bekannt. Dieses Modell beruht auf den Grundlagen, die Dan Peter McKenzie und Robert L. Parker ein Jahr vorher entwickelt hatten, und beschreibt den Aufbau der Kruste der Erde aus sechs großen Kontinentalplatten und ihre Bewegungen in den letzten 120 Millionen Jahren. Dank dieses Modells wurde es möglich, die Entstehung von Erdbeben und ihre Verteilung auf der Erde besser zu verstehen, und die Geschichte der Kontinente genauer zu beschreiben. 1973 wurde sein mit Jean Bonnin und Jean Francheteau geschriebenes Buch Plate Tectonics veröffentlicht, das viele Jahre ein Standardwerk im Bereich der Plattentektonik war.

1969 übernahm er die Leitung der geologischen Abteilung am Centre d’Océanologie in Brest und wurde einer der Leiter des „Projekts FAMOUS“. 1978 wurde er zum Professor an die Universität Pierre und Marie Curie in Paris berufen. 1984 wurde er zum Direktor der geologischen Abteilung an der École normale supérieure in der Rue d’Ulm in Paris ernannt. Seit 1986 hielt er den Lehrstuhl für Geodynamik am Collège de France.

Neben seiner Forschertätigkeit setzte sich Xavier le Pichon intensiv für die Belange von geistig Behinderten ein. Ab 1976 lebte er mit seiner Familie in einem Zentrum der Communauté de l’Arche. Xavier Le Pichon starb am 22. März 2025 im Alter von 87 Jahren.

Ehren und Auszeichnungen Le Pichon erhielt unter anderem folgende Ehrungen: 1973: Silbermedaille des CNRS 1984: Maurice-Ewing-Medaille der American Geophysical Union 1985: Mitglied der Académie des sciences; Ritter der Ehrenlegion 1988: Mitglied der Academia Europaea 1989: Ehrendoktor der Dalhousie University 1990: Japan-Preis; Offizier des Ordre national du Mérite 1991: Wollaston-Medaille der Geological Society of London 1992: Ehrendoktor der ETH Zürich 1995: Assoziatives Mitglied der National Academy of Sciences 2002: Balzan-PreisXavier Le Pichon Internationale Stiftung Preis Balzan 2019: Leopold-von-Buch-Plakette

Werke mit J. Francheteau und J. Bonnin: Plate Tectonics, Elsevier, 1973, 300 S. mit G. Pautot: Le Fond des Océans, Que sais-je ?, 1976, 128 S. mit C. Riffaud: Expédition Famous, à 3000 m sous l’Atlantique, Albin Michel, 1976, 300 S. Kaiko, voyage aux extrémités de la mer, Éditions Odile Jacob-Le Seuil, 1986, 255 S. Aux Racines de l’homme : de la mort à l’amour, Presses de la Renaissance, 1997, 300 S. mit Tang Yi Jie: La Mort, Desclée de Brouwer, 1999, 154 S. The oceanic crust, Scientific American, September 1983 (Heft Dynamic Earth)

Weblinks

(französisch). Biografie und Bibliografie von Le Pichon beim Collège de France (französisch).

Einzelnachweise

Kategorie:Geologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Geologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Académie des sciences Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Träger des französischen Nationalverdienstordens (Offizier) Kategorie:Träger des Japan-Preises Kategorie:Ehrendoktor der ETH Zürich Kategorie:Ehrendoktor der Dalhousie University Kategorie:Balzan-Preisträger Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1937 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Mann