mini|305px|Der Chor der Kathedrale von Soissons und das Monument aux Morts zum Gedenken der Kriegstoten mini|305px|Die Brücke über die Aisne in Soissons

Die Belagerung von Soissons fand am 2. und 3. März 1814 während des „Winterfeldzugs 1814“ der Befreiungskriege in Frankreich statt. In dieser Auseinandersetzung belagerten das preußische Korps Bülow und das russische Korps Wintzingerode der „Schlesischen Armee“ die französische Stadt Soissons an der Aisne in der Picardie. Die Belagerung endete mit der überraschenden Kapitulation der Verteidiger der Stadt, die für sich freien Abzug aushandelten.

Die Kapitulation von Soissons ist ein wichtiger Wendepunkt in den Befreiungskriegen, da sie der Schlesischen Armee unter Blücher ermöglichte, bei Soissons unbehelligt die Aisne zu überschreiten und sich damit der nachrückenden Napoleonischen Armee zu entziehen.

Besonders die französische Literatur hebt diesen Sachverhalt hervor, beginnend mit den Memoiren des französischen Marschalls Marmont (1832), der bekannte, dass er von dem Tage an, an dem Soissons fiel, Napoleon für verloren hielt.Marmont, 20. Buch Marmont schrieb dazu:

Die Literatur anderer Länder widerspricht mit guten Argumenten einer solchen Einschätzung der Kapitulation von Soissons. Aus deren Sicht wird die Übergabe Soissons an die Belagerer dazu benutzt, Napoleon von jeglicher Schuld an seiner endgültigen Niederlage zu exkulpieren, indem als Grund hierfür das Versagen Dritter, etwa der Verteidiger von Soissons, vorgeschoben wird.

Vorgeschichte Am 23. Februar 1814 erhielt Blücher von Zar Alexander I. und dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. den Auftrag, die von ihm geführte „Schlesische Armee“ mit dem russischen Korps unter Wintzingerode und dem preußischen Korps unter Bülow zusammenzuführen und anschließend gemeinsam auf die französische Hauptstadt Paris vorzurücken. Der Oberbefehl über diese Streitkräfte war Blücher übertragen worden. Für Blücher bestand allerdings eine Erschwernis dieses Auftrags darin, dass er keine genaue Kunde darüber hatte, wo sich diese Korps befanden. Beide hatten im Jahr 1813 zur „Nordarmee“ der Koalition gehört. Das Korps Bülow hatte sich im November 1813 von dieser getrennt, war dann in Holland einmarschiert und hatte dort – zusammen mit einem britischen Korps – die französischen Feldtruppen vertrieben und Anfang Februar von Norden kommend Frankreich erreicht. Das Korps Wintzingerode hatte sich im Dezember 1813 von der „Nordarmee“ getrennt und war über das Rheinland und Belgien nach Frankreich gezogen.

Donnerstag, der 24. Februar 1814 Um seinen Auftrag zu erfüllen, beschloss Blücher, zunächst nach Norden den beiden gesuchten Korps entgegenzuziehen. Noch in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 1814, ab 2:00 Uhr morgens marschierte die „Schlesische Armee“ von Méry-sur-Seine und seiner Umgebung ab und überschritt überwiegend noch in der Nacht bei dem Dorf Baudement unweit Anglure auf drei am Vortage errichteten Pontonbrücken die Aube. Der Train der Armee überschritt die Aube in Arcis-sur-Aube. Danach zerstörten die Begleitmannschaften die dortige Brücke.

Freitag, der 25. Februar 1814 mini|305px|Die Region zwischen Seine und Marne

Blücher hatte Kenntnis davon, dass sich etwas weiter nördlich bei Sézanne noch immer das französische Korps des Marschalls Marmont befand. Dieses stand dort zur Deckung der Straße von Chalons-en-Champagne nach Paris, der sogenannten „Kleinen Pariser Straße“, seit der Schlacht von Champaubert am 10. Februar 1814. Für den 25. Februar 1814 befahl Blücher daher den Angriff auf dieses französische Korps bei Sézanne. Marmont, der von dem Abmarsch der „Schlesischen Armee“ aus Mery-sur-Seine erfahren hatte, entzog sich der heranrückenden mehrfachen Übermacht durch einen Eilmarsch nach La Ferté-Gaucher. Als die Koalitionstruppen das französische Korps bei Sézanne nicht mehr fanden, zogen sie in dessen weiterer Verfolgung ebenfalls nach Westen: Die russischen Korps Sacken und Kapzewitsch am südlichen Ufer des Grand Morin am selben Tage noch bis Esternay, die preußischen Korps Kleist und Yorck hingegen zogen noch über Sézanne hinaus nach Norden, umgingen die Quellen des Grand Morin und zogen an dessen Nordufer weiter.

Samstag, der 26. Februar 1814 Am nächsten Tage, dem 26. Februar 1814, zogen die russischen Korps weiter nach La Ferté-Gaucher. Das Korps Marmont hatte den Ort aber bereits nach Norden verlassen und die Brücke über den Grand Morin in Brand gesteckt. Die Eintreffenden konnten die Nachhut der Franzosen noch in der Ferne abziehen sehen. Da die Russen an dieser Stelle nicht mehr über den Fluss setzen konnten, zogen sie am selben Tag noch weiter bis Coulommiers, wo die Brücke noch unversehrt war, und der Grand Morin überschritten werden konnte. Bei La Ferté-Gaucher blieb ein starker Kosaken-Pulk als Deckung stehen.

Die Preußen hingegen, die La Ferté-Gaucher bereits auf dem Nordufer des Flusses erreichten, konnten das Korps Marmont unmittelbar verfolgen und zogen wie dieses auf der Straße nach La Ferté-sous-Jouarre nach Norden. Das Gros erreichte an diesem Tag noch den Ort Rebais. Die Vorhut überschritt bei Saint-Quen-sur-Morin den Petit Morin und kam bis an La Ferté-sous-Jouarre heran, wo sie in ein kurzes Reitergefecht verwickelt wurde.

Den Tag nutzte aber auch der französische Marschall Mortier, der mit seinem Korps seit dem 12. Februar 1814 bei Château-Thierry am Nordufer der Marne stand. Von Marmont über die Situation informiert, ließ er sein Korps nördlich der Marne nach La Ferté-sous-Jouarre marschieren, überschritt dort die Marne und vereinte sein Korps mit dem Korps Marmont.

Sonntag, der 27. Februar 1814 Als die Preußen am 27. Februar 1814 in La Ferté-sous-Jouarre einrückten, waren die Franzosen bereits abgezogen, die Marne-Brücke im Ort lag in Trümmern. Sehr früh am Morgen waren die französischen Korps bereits von La Ferté-sous-Jouarre aufgebrochen und auf der befestigten Straße direkt westwärts nach Meaux marschiert. Bei dem Dorf Trilport überschritten sie wieder die Marne, denn Meaux liegt am Nordufer des Flusses. Die von ihnen benutzte Brücke zerstörten sie hinter sich, wobei sie nacheilende preußische Reiterei mit Geschützfeuer auf Abstand hielten.

Die russischen Korps waren direkt nach Meaux marschiert und erreichten dort das Südufer der Marne. Sie fanden die alte steinerne Brücke unbeschädigt vor und die ersten Truppenteile der Vorhut begannen sofort über diese Brücke in die Stadt einzudringen. Als sie bemerkt wurden, stellte sich Marschall Marmont – wie er selbst berichtet – persönlich an die Spitze von 200 Marine-Kanonieren, die zur Verstärkung von der Küste gekommen waren, vertrieb die Russen wieder, verlegte den Zugang zur Brücke und sprengte diese. Den russischen Korps blieb keine andere Wahl, als am Südufer der Marne wieder nach Osten zu marschieren, um ebenfalls die Ponton-Brücken zu nutzen, die die Preußen bis zu ihrem Eintreffen errichtet hatten. An diesem Tage kamen sie noch bis Trilport.

Das erste Ergebnis des Tages war also, dass es den französischen Korps mit der Zerstörung aller Marne-Brücken gelungen war, der dreifachen Übermacht der „Schlesischen Armee“ zu entkommen.

Blücher besann sich nun auf das eigentliche Ziel seiner Bewegungen, die Vereinigung mit den beiden Korps der früheren Nordarmee.Müffling, Das Kriegsgeschehen … Er ordnete den sofortigen Übergang über die Marne nach Norden an. Dies war möglich, da die russischen Korps in der „Schlesischen Armee“ eine reichliche Zahl Leinen-Pontons in den Feldzug mitgebracht hatten. Ihre Zahl war so groß,Müffling und Ollech geben die Zahl mit 50 Pontons an dass bis 16:00 bei Ussy-sur-Marne westlich von La Ferté-sous-Jouarre auf halbem Wege bis Trilport zwei Ponton-Brücken über die Marne gebaut werden konnten, die hier bereits ein stattlicher Fluss ist. Als erstes ging das Korps Kleist über den Fluss, dann das russische Korps Sacken. Es folgte der Train des Korps Yorck, während das Gros des Korps Yorck am Abend noch südlich der Marne stand. Der Übergang dieser Truppenteile über den Fluss zog sich bis tief in die Nacht hin.

Die Vorhut des Korps Kleist erreichte an diesem Tage noch den nördlicher gelegenen Ort Lizy-sur-Ourcq und konnte dort die Brücke über den Ourcq nach einem kurzen Gefecht in Stand setzen. Das Gros des Korps Kleist legte noch den halben Weg bis zum Ourcq zurück.

An diesem Tag ereignete sich noch mehr: Napoleon selbst verließ mit einer starken Truppe von über 30.000 Mann die Gegend um Troyes an der Seine und begab sich auf die Verfolgung der „Schlesischen Armee“. Er erreichte die Aube und überschritt in Arcis-sur-Aube den Fluss, nachdem die Brücke dort wieder instand gesetzt worden war. An der Seine ließ er 40.000 Mann unter dem Oberbefehl des Marschall MacDonald zurück. Zu diesen gehörten die Korps Oudinot und Gérard. Ihre Aufgabe war es, ein weiteres Vorrücken der „Böhmischen Armee“ zu verhindern. Hierzu veranlasste Napoléon, dass geschickt das Gerücht ausgestreut wurde, an der Seine ständen noch 100.000 Mann der napoleonischen Armee unter seinem persönlichen Kommando.

Die Korps Marmont und Mortier wurden an diesem und den nächsten Tagen durch 6.500 Mann, 800 Pferde und 48 Geschütze – von Paris kommend – verstärkt.Beitzke, VII. Buch, 10. Abschnitt Die Pariser Nationalgarde erhielt den Auftrag, die Gegend um Lagny-sur-Marne zu überwachen und jeden Vorstoß der Koalitionstruppen dorthin sofort zu unterbinden, aber bereits in diesen Tagen gab es unter den Nationalgardisten offene Meuterei und solche, die den Kriegsdienst verweigerten.

Der Lauf des Ourcq mini|305px|Das Flusssystem von Champagne und Picardie

Der Fluss Ourcq erreicht die Marne von Norden kommend bei dem Ort Mary-sur-Marne etwas südlich von Lizy-sur-Ourcq, genau am nördlichsten Punkt der großen Marne-Schleife zwischen La Ferté-sous-Jouarre und Meaux. Folgt man dem Lauf der Marne weiter, so fließt von rechts, also von Westen kommend, der Bach Therouanne bei dem Dorf Le Gué à Tresmes in die Marne. Folgt man hingegen dem Ourcq nach Norden, so liegen alle größeren Orte am westlichen – also rechten – Ufer des Flusses. Diese sind von Süden nach Norden May-en-Multien, Neufchelles, Mareuil-sur-Qurcq. Am anderen Ufer liegt der Ort Crouy-sur-Ourcq, etwas nördlich von May, mit dem Château de Gesvres-le-Duc am Flussufer. Noch etwas weiter nördlich ändert sich die Richtung des Ourcq, er fließt dort von Osten nach Westen, so dass Ferté-Milon zwar am rechten Ufer, aber nördlich des Ourcq liegt. Weiter östlich liegt Neuilly-Saint-Front südlich des Flusses.

An vielen dieser Orte versuchte die „Schlesische Armee“, den Ourcq nach Westen zu überqueren, was ihr aufgrund der Beweglichkeit und Aggressivität der französischen Korps nicht gelang, so dass sie wegen der von Süden heranziehenden Napoleonischen Armee immer weiter nach Norden abrücken musste.

Gefecht an der Therouanne (Gefecht bei Le Gué à Tresmes) am 28. Februar 1814