Der Eibsee ist ein See, neun Kilometer südwestlich von Garmisch-Partenkirchen und dreieinhalb Kilometer unterhalb bzw. nördlich der Zugspitze gelegen, im Wettersteingebirge in Bayern. Der See gliedert sich in fünf Teilbecken: das Hauptbecken Weitsee, den Untersee, den Braxensee, den Steinringpriel und den Frillensee. Braxensee, Steinringpriel und Frillensee sind durch Bergsturzschwellen vom Weitsee getrennt, sind jedoch mit ihm hydraulisch verbunden und daher spiegelgleich.

Der See gehört zur Gemeinde Grainau und ist in Privatbesitz.

Der Overtourism belastet den Eibsee als sensibles Landschaftsschutzgebiet zunehmend.

Eibsee (Weitsee und Untersee) mini|links|Brücke zwischen Weitsee und Untersee Im Nordosten ist der 4,8 Hektar große und 26 Meter tiefe Untersee durch eine 50 Meter breite Schwelle aus Bergsturztrümmern vom Hauptteil des Sees, dem 172 Hektar großen Weitsee, getrennt. Der Scheitel der Schwelle liegt bei mittlerem Wasserstand etwa 0,6 Meter unter dem Seespiegel. Bei Niedrigwasser fällt sie trocken. Der unterirdische Abfluss des Eibsees erfolgt im Untersee.

Eine kleine Brücke, Teil des Eibseerundwegs, führt über diese enge Schwelle. Unter der Brücke kann der Wanderer bei niedrigem Wasserstand die Strömung vom Weitsee in den Untersee beobachten beziehungsweise erkennen, dass das Wasser die sehr durchlässige Schwelle unterirdisch durchquert.

Die tiefste Stelle des gesamten Sees mit 34,5 Meter liegt nur etwa 90 Meter vom östlichen Südufer, ungefähr auf der Höhe des Frillensees, entfernt. Zu den vollständig abgetrennten kleinen Nachbarseen gehören der Frillensee im Süden (nicht zu verwechseln mit dem größeren Frillensee bei Inzell) sowie Braxensee, Steingringpriel, Steinsee, Froschsee und Drachenseelein im Norden.

Der See gilt aufgrund seiner Lage unterhalb der Zugspitze und des klaren, grün getönten Wassers als einer der schönsten Seen der Bayerischen Alpen. Er entstand, als sich am Ende der Würm-Kaltzeit der Isar-Loisach-Gletscher zurückzog und eine Senke hinterließ, die sich mit Wasser füllte. Zwischen 1700 v. Chr. und 1400 v. Chr. querte ein Bergsturz mit einer Fläche von 13 km² und einem Volumen von 350 Millionen m³ den mittleren und östlichen Teil des Sees. Die geschätzte Energiefreisetzung bei diesem Bergsturzereignis mit einer mittleren Sturzhöhe von 1400 m entspricht rund 2,9 Megatonnen TNT (etwa 220 Hiroshima-Bomben). Dies hatte eine wesentliche Modifizierung der morphologischen Form der Eibseesenke zur Folge. Dabei entstand die Gestalt des heutigen Sees mit seinen 29 Mulden und 8 Inseln. Es ist einer der seltenen Fälle, in denen Inseln und Untiefen eines Sees geologisch wesentlich jünger sind als das Seebecken selbst.Darstellung des Bergsturzes am Eibsee, Webseite des Umweltgeologen Hubert Engelbrecht, abgerufen am 18. November 2022

Rund acht unterseeische Kuppen weisen Tiefen von weniger als drei Metern auf. Die einzigen nennenswerten oberirdischen Zuflüsse sind der Kotbach, der in die Nordwestspitze des Sees mündet, sowie der Weiterbach im Süden.

Der See ist ein Blindsee, da kein oberirdischer Abfluss vorhanden ist und Wasser aufgrund der Beckenlage nur unterirdisch abfließen oder versickern kann. Man vermutet, dass das knapp zwei Kilometer nordöstlich befindliche Quellgebiet des Krepbaches (Lokalität Rohrlaine) von Eibseewässern unterirdisch gespeist wird.

Trockenjahr 2026 mini|left|Trockengefallene Schwelle zwischen Weitsee und Untersee im August 2026 Der Wasserstand des Eibsees im Jahr 2026 war der niedrigste seit Beginn der Wasserstandsaufzeichnungen im Jahr 2008. An der Messstelle lag der Pegelstand im Sommer 2026 1,0 bis 1,5 Meter unter den üblichen Werten. Ein Novum, wie es Karlheinz Daamen vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) dem Münchner Merkur gegenüber angab. Die Schwelle zwischen Weit- und Untersee fiel komplett trocken, so dass man, wie es der Hotelchef des Eibseehotels ausdrückte, das Auto anstatt der Brücke zur Querung benutzen könne. Gründe werden in weniger Schmelzwasser, geringen Niederschlägen im Sommer, sowie der langanhaltenden Hitzeperiode im Jahr 2026 gesehen. Hohe Lufttemperaturen fördern die Verdunstung. Daamen ordnet das Jahr 2026 als „extremes Trockenjahr“ ein, das Teil der Serie zu trockner Jahre seit 2003 ist. In diesem Zeitraum verringerte sich laut WWA die mittlere Grundwasserneubildung um ungefähr 15 Prozent. Ob von einer dauerhaften Entwicklung auszugehen ist, könne man erst in einigen Jahren bewerten, so Daamen.

Name Sein Name ist auf die Eibe zurückzuführen, die früher sehr zahlreich um den See herum vorkam. Am See ist sie nur noch vereinzelt zu finden und tritt nur noch in den Bannwäldern in der Nähe des Sees auf. Einen guten Blick auf den See hat man von der Seilbahn Zugspitze und von der Bayerischen Zugspitzbahn aus, welche beide auf die Zugspitze hinaufführen.

Angelgewässer Während der Angelsaison vom 1. Mai bis zum 31. Oktober werden hauptsächlich Hechte, Bachforellen, Regenbogenforellen, Renken, Karpfen, Schleien und verschiedene Weißfischarten von Hobbyanglern gefischt.

Kleine Nachbarseen Frillensee: 1,271 Hektar (ha) Wasserspiegel Steingringpriel: 0,28 ha (30 m nördlich des Eibsees) Braxensee: 0,24 ha (vollständig abgetrennt, 13 m nördlich des Eibsees) Umfang 200 m Steinsee: 0,08 ha, 185 m nördlich des Eibsees (Steingring) bzw. 100 m nördlich des Steingringpriels Froschsee: 0,035 ha (350 m²), 40 m nördlich des Eibsees (Steingring)

Nur der Frillensee bildet ein eigenes Flurstück. Für die kleineren Seen sind deshalb vom zuständigen Vermessungsamt Weilheim-Schongau keine genaueren Flächenangaben verfügbar.

Die Ausbuchtung des Eibsees nördlich der Braxeninsel, nur 13 m vom abgetrennten Braxensee entfernt, heißt ebenfalls Braxensee, Fläche 0,32 ha, engste Stelle 18 m.

Die Ausbuchtung des Eibsees nördlich der Sasseninsel, nur 30 m vom abgetrennten Steingringpriel entfernt, heißt Steingring, Fläche 1,4 ha, engste Stelle 60 m.

Inseln mini|Blick von der Zugspitze auf die Sasseninsel und Steinbichl im Eibsee Im Eibsee liegen je nach Zählweise acht bis neun kleine Inseln entlang der Nordseite, alles Trümmer des Bergsturzes (wie auch die Untiefen), mit einer Gesamtfläche von etwa 1,2 Hektar (12.260 m²) bei mittlerem Wasserstand. Von West nach Ost, mit Flächenangabe (auf dem Bild sind auch Untiefen sichtbar):

500px500px|Der Eibsee Nr. Insel Flurstück Fläche(m²)Alle Flächenangaben 1 bis 7 aus dem BayernAtlas-Grundsteuer (nur Landfläche, abgerufen am 18. Juli 2022, abrufbar bis 31. Dezember 2022)1Almbichl (Alpenbühl, fr. Alpenbüchel) 1039 1.1702Ludwigsinsel (fr. Heißenbüchel) 1038 2.1413Scheibeninsel (fr. Scheibenbüchel) 1040 3994Maximiliansinsel (Schöne Insel) 1041 9905Schönbichl (Schönbühl, fr. Schoenbüchel)1042 6526Braxeninsel1043 6557Sasseninsel (fr. Saßenbüchel, 'Roseninsel')1044 4.3908Steinbichl (Steinbühl, fr. Steinbergl)   8.1nördliche Insel- 4008.2südliche Insel- 10 Gesamtfläche der Inseln im Eibsee  10.807

Nur die kleinste Insel, Steinbichl, 50 Meter südöstlich der Sasseninsel, bildet kein eigenes Flurstück. Steinbichl besteht eigentlich aus einem größeren Felseninselchen mit rund 400 m² sowie einem kleineren sieben Meter südlich der Südostspitze mit 10 m².

In der kleinen Holzblockhütte auf der Maximiliansinsel wurden jährlich rund 25 standesamtliche Trauungen durchgeführt. Hierzu mussten die Beteiligten mit Ruderbooten auf die Insel übersetzen. Im Oktober 2015 schaffte der Gemeinderat von Grainau diese Möglichkeit aus Kostengründen mit 13:3 Stimmen wieder ab. Das Eibsee-Hotel als Eigentümer der Insel bietet jedoch nach wie vor Trauungsfeierlichkeiten im Anschluss an eine vorhergehende standesamtliche Trauung an.Tanja Brinkmann: Aus für Insel-Trauungen, merkur.de, 29. Oktober 2015, abgerufen am 5. Juli 2025.

Geschichte mini|links|hochkant=2|Eibsee im Fürstengang Freising 1700 mini|Hotel und Weiler 1900

In der Bronzezeit vor geschätzt 3400–3750 Jahren ereignete sich der Eibsee-Bergsturz von der Zugspitze herunter.Bergsturz in der Bronzezeit – Zugspitze war früher wohl ein Dreitausender. Spiegel Online, 26. Juni 2018.

Hermann von Barth schrieb 1871 über den Eibsee:

1884 ersteigerte August Terne den Eibsee für 10.000 Goldmark und errichtete um 1900 am Ostufer einen Gasthof. Seine beiden Söhne Karl und Hans bauten 1913 dort ein kleines Hotel, das sie nach dem Ersten Weltkrieg zu einem Gebirgshotel mit einer Kapazität von über 200 Betten vergrößerten. 1941 wurde das Hotel von der deutschen Luftwaffe requiriert. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die US-Armee das Anwesen und nutzte See und Hotel zur Erholung ihrer Streitkräfte. 1972 wurden Eibsee und Eibseehotel an die Familie Terne-Rieppel zurückgegeben.

Der See war früher Austragungsort für Schlitten- und Skijöringrennen. Ab 1929 war die Zufahrtsstraße auch Schauplatz von Bergrennen mit motorisierten Fahrzeugen.

Overtourism Bei schönem Wetter herrscht am Eibsee laut Rangerin Michaela Wölfle oft eine Art Ausnahmezustand. Die Bedeutung des Sees als Ausflugsziel hat sich um die Bedeutung als Social-Media-Kulisse erweitert. Die sehr vielen Besucher setzen auch das sensible Landschaftsschutzgebiet unter Druck.

Der Eibsee in der Kultur Ein Ölgemälde des Eibsees aus dem Jahr 1825 ist Bestandteil der bayrischen Staatsgemäldesammlung und ist in der Neuen Pinakothek in München zu besichtigen. Es trägt den Titel Der Eibsee bei Partenkirchen und wurde von Carl Rottmann gemalt. Das Gemälde basiert auf einer Naturstudie, die der Künstler frei gestaltet hat. So wirkt das Bergmassiv erhöht und isoliert sowie weiter entfernt als in Wirklichkeit. Es ist in der Tradition der heroischen Landschaftsdarstellung gemalt, dabei wurde jedoch das Besondere der Örtlichkeit einbezogen.

Im Kapitel Ein Wochenende wie Himbeereis und Schlagsahne des Romans Das doppelte Lottchen beschreibt Erich Kästner einen Ausflug von Mutter und Luise zum Eibsee, bei dessen Anblick von oben Luise sagt: „Als ob der liebe Gott bloß mal so hingespuckt hätte“.

Trivia Am 6. März 2025 mussten 16 ins Eis eingebrochene indische Touristen aus dem See gerettet werden.

Galerie

Siehe auch Liste der Seen in Bayern

Weblinks

Detaillierte Beschreibung der Rundwanderung um den Eibsee

Einzelnachweise

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