Kriens (schweizerdeutsch Chrien(d)s Material des Sprachatlasses der deutschen Schweiz. Die Aussprache , die als einzige im Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, S. 489 f., genannt wird, wird nur von Auswärtigen verwendet.) ist von der Einwohnerzahl her die drittgrösste Einwohnergemeinde und die zweitgrösste Stadt des Schweizer Kantons Luzern. Sie liegt am Fuss des Pilatus, grenzt im Osten an Luzern und ist Sitz eines der vier Luzerner Bezirksgerichte.
Geographie Kriens liegt am Fusse des Pilatus. Die Stadt besteht aus dem Zentrum (das verstädterte, ehemalige Dorf) mit diversen Quartieren, dem Ortsteil Obernau westlich davon, dem Weiler Hergiswald (5 km westlich des Dorfs; ) an der Strasse Kriens-Eigenthal und zahlreichen Einzelgehöften am Berghang zum Pilatus. Rund um den Bahnhof Kriens-Mattenhof entsteht seit etwa 2018 zwischen dem historischen Ortskern, der Luzerner Allmend und dem Quartier Kuonimatt ein neuer Ortsteil. Die Projekte wie zum Beispiel Schweighof, Mattenhof 1 und 2 und Nidfeld werden unter dem Sammelbegriff «Luzern Süd» vermarktet.
Die Grenze zum östlichen Nachbarort Luzern geht quer durch das Gelände der Brauerei Eichhof. Von dort verläuft sie in nordwestlicher Richtung durch den Gigeliwald und dann westlich des Stadtluzerner Quartiers Obergütsch und des Gütschwalds bis zum Gehöft Böschenhof. Von dort geht sie in leicht südwestlicher Richtung stets dem Nordhang des Sonnenbergs und des Blattenbergs entlang bis zum Gehöft Gspan. Dort dreht sie nach Südosten ab. Dabei trennt sie den Weiler Holderchäppeli (), geht über die Würzenegg (), den Chraigütsch () und den Höchberg () bis zur Lauelenegg () nordwestlich des Pilatus. Von dort führt die Gemeindegrenze über die Fräkmüntegg () und den Bieli () bis in den Hohwald in nordöstlicher Richtung. Sie führt von dort zum Steinibach und in dessen Lauf bis kurz vor den Bahnhof Horw.
Von dort führt die Grenze entlang der Bahnlinie von Horw über den Bahnhof Mattenhof nach Luzern in nördlicher Richtung zurück zum Gelände der Brauerei Eichhof. Im Gebiet Mattenhof wurde 2025 die Veranstaltungsstätte Pilatus Arena eröffnet. Der dazugehörige Pilatus Tower ist mit über 100 Metern das höchste Gebäude des Kantons Luzern sowie eines der höchsten Wohngebäude der Schweiz.
Der östliche Teil der Stadt Kriens liegt in einem Talboden (die Quartiere Kupferhammer bzw. Grosshof sowie Mattenhof bei der Stadt Luzern und Kuonimatt bei Horw). Vom Kupferhammer weg steigt dann das Gelände in westlicher Richtung sanft an bis nach Obernau (Höhendifferenz weniger als 90 Meter; bis ).
Im Norden des Ortsteils Dorf liegt der im Krienser Teil wenig bewaldete südwärts gerichtete Sonneberg. Der Hang südlich davon liegt in nördlicher Richtung und heisst Schatteberg.
Der Schatteberg ist der erste Anstieg zum Pilatus. Im unteren Teil ist er gerodet und teilweise überbaut. Der Grossteil des Geländes westlich von Obernau und südlich des Dorfs ist Waldgebiet. Westlich der Linie Krienseregg – Fräkmüntegg gibt es grosse Flächen Sumpfland. In ihm entspringen zahlreiche Zuflüsse des Ränggbachs, u. a. der Tschuggebach und der im Oberlauf Wissbach genannte Rotbach. Das ganze Gelände bildet den Nordabhang des Pilatus.
Von Bedeutung ist der Untere Chrienbach, der vor seiner Verbauung oft Unwetterschäden anrichtete. Er fliesst durch das Gemeindegebiet und mündet (überdeckt) in der Burgerstrasse (Stadt Luzern) von links in die Reuss. Richtung Horw und weiter in den Vierwaldstättersee fliessen der Schlundbach, der Schlim- oder Schlossbach und der bereits erwähnte Steinibach.
Vom Gemeindeareal von 2734 ha ist knapp mehr als die Hälfte (50,8 %) von Wald und Gehölz bedeckt. Knapp ein Fünftel (20,8 %) ist Siedlungsfläche, und 27,3 % werden landwirtschaftlich genutzt (Stand 2015/16).
Kriens grenzt im Süden an Hergiswil, im Süden und Osten an Horw, im Norden und Osten an die Stadt Luzern, im Nordwesten an Malters und im Westen an Schwarzenberg.
Bevölkerung Ein erster Wachstumsschub erfolgte zwischen 1816 und 1837. Mit der fortschreitenden Ansiedlung von Industriebetrieben im 19. Jahrhundert stieg die Bevölkerung von 1850 bis zum Ersten Weltkrieg stark an (1850–1910: + 165,8 %). Nach zwei Jahrzehnten mit mässigem Wachstum folgte eine zweite starke Wachstumsperiode bis 1970 (1930–1970: + 174,9 %). Im Jahr 1951 konnte in Kriens der 10'000. Einwohner gefeiert werden, 1970 der 20'000. Mit der Erdölkrise wurde der Bevölkerungsanstieg in der stark industrialisierten Gemeinde abgebremst. Dennoch gehört Kriens weiterhin zu den grössten Gemeinden des Kantons Luzern, nur die Stadt Luzern und Emmen zählen mehr Einwohner.
Quellen: 1798–1837: Helvetische und kantonale VolkszählungenQuelle:Robert Gubler, Bevölkerungsentwicklung und wirtschaftliche Wandlungen im Kanton Luzern.Schluss Tabelle 1; Bundesamt für Statistik; 1850 bis 2000 Volkszählungsergebnisse, 2010 ESPOP, seit 2011 STATPOP
Sprachen Die Bevölkerung benutzt als Alltagssprache eine hochalemannische Mundart. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 89,36 % Deutsch, 2,55 % Italienisch und 1,92 % Serbokroatisch als Hauptsprache an.
Religionen – Konfessionen mini|225px|Katholische Kirche St. Gallus im Zentrum von Kriens
Früher war die Bevölkerung geschlossen Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Mit Stand 2000 sah die religiöse Landschaft wie folgt aus: Es gibt 66,79 % römisch-katholische, 15,82 % evangelisch-reformierte, 2,22 % orthodoxe und 0,19 % christkatholische Christen. Daneben findet man 7,44 % Konfessionslose, 3,28 % Muslime, 0,76 % Anhänger anderer nichtchristlicher Bekenntnisse und 0,57 % Juden. Die Muslime sind in der Mehrheit Albaner und Bosniaken; daneben finden sich etliche andere Volksgruppen. Die Orthodoxen sind meist Serben und Montenegriner. Die Juden sind grösstenteils Anhänger der (orthodoxen) chassidischen Richtung des Judentums und Schweizer.
Herkunft – Nationalität Ende 2022 zählte die Gemeinde 28'983 Einwohner. Davon waren 22'625 Schweizer Staatsangehörige und 6'358 (= 21,9 %) Menschen anderer Staatsangehörigkeit. Die grössten Zuwanderergruppen kommen aus Deutschland (1'033 Menschen), Italien (781), Portugal (407), dem Kosovo (374), Eritrea (304), Serbien (275), Spanien (209), Nordmazedonien (161), der Türkei (150), Kroatien (139), Sri Lanka (115), Bosnien und Herzegowina (113) und China (100). 1'148 Personen stammen aus übrigen europäischen Ländern, 1'036 aus weiteren aussereuropäischen Staaten, und 13 sind staatenlos oder unbekannter Herkunft.
Geschichte mini|Luftbild von 1949 mini|Kriens, 1910 In den ältesten Urkunden des Benediktinerklosters im Hof in Luzern wird Chrientes als einer ihrer 16 Dinghöfe aufgeführt. Das Kloster hatte das Gebiet als Geschenk zweier adeliger Schwestern erhalten. Die Originale der Urkunde stammen ungefähr aus dem Jahre 840 n. Chr. Im Jahr 1291 erwarben die Habsburger die Gemeinde. Sie blieb bis nach der Schlacht bei Sempach als Teil des Amtes Rothenburg in deren Besitz. Im Jahr 1392 übernahmen die (Stadt-)Luzerner die Rolle der Lehnsherren. Kriens gehörte zusammen mit Horw und dem Eigenthal von 1421 bis 1798 zur Vogtei Horw-Kriens. 1653 erhoben sich auch hier die Bauern unter Leitung von Hans Spengler. Bis 1803 war es Teil des Distrikts Luzern und gehört seither zum Amt Luzern. Wie zu Zeiten des Einmarschs der Franzosen in der Schweiz war Kriens auch in der Zeit der Freischaren und des Sonderbunds von kriegerischen Handlungen betroffen.
Bei einer Abstimmung am 4. März 2018 beschlossen die Stimmbürger von Kriens die Einwohnergemeinde ab dem 1. Januar 2019 als Stadt zu bezeichnen.Luzerner Zeitung online Die Gemeinde Kriens wird zur Stadt, 4. März 2018 Gleichzeitig wurde auf diesen Zeitpunkt auch das Wappen der Gemeinde modifiziert, sodass der Wappenbär neu heraldisch korrekter dargestellt wird.
Name mini|Schloss Schauensee
Der Ursprung wie auch die Bedeutung des Ortsnamens Kriens sind nicht eindeutig feststellbar. Vermutlich stammt der Name vom indoeuropäischen Wort *krei, was so viel wie «scheiden» oder «trennen» bedeutet. Vermutlich von dieser Wurzel wurde mit einem Suffix -nt ein alter europäischer Gewässername *crientas gebildet, der sich über gallorömische Formen bis zum heutigen Kriens entwickelt hat und dabei von einem Gewässer auf den Ort übertragen wurde.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, ISBN 3-7193-1308-5, S. 489 f. Die erste urkundliche Erwähnung von Kriens erfolgt in einer Urkunde des 9. Jahrhunderts als in Chrientes.
Gemäss Angelo GaroviAngelo Garovi: Die Örtlichkeitsnamen der Stadt Luzern im Mittelalter. Kommissionsverlag Keller & Co AG, Luzern 1975. und Johann Ulrich Hubschmied bedeutet das gallo-romanische Wort Chrientas bzw. Chrientes so viel wie «Streuegras» (mit Bezug auf die ehemals mit Schilf und Ried bewachsene Talsohle).Alfred Helfenstein: Das Namengut des Pilatusgebietes. Keller, Luzern 1982, ISBN 3-85766-004-X, S. 47.
Politik Einwohnerrat (Legislative)
Die Anliegen der Bevölkerung werden durch einen Einwohnerrat vertreten. Er besteht aus 30 Mitgliedern und wird alle vier Jahre im Proporzwahlverfahren gewählt. Von 2008 bis 2016 bestand der Einwohnerrat aus 36 Mitgliedern. Der Einwohnerratspräsident für das Amtsjahr 2024/25 ist Michael Portmann (SP).
Partei2024 2020 2016 * 2012 2008 2004 SVP6 6 7 8 10 6 Grüne4 6 4 3 4 4 FDP5 6 6 7 7 6 SP5 5 5 6 6 6 Die Mitte6 4 6 8 7 6 GLP1 2 1 1 0 0 Die Junge Mitte1 1 1 1 1 1 Junge Grüne1 – 0 1 0 0 JungsozialistInnen und Junge Linke– – 0 1 0 0 Liberale Senioren / Groupe Politique 60 Plus1 – 0 0 1 1 Chance21– – 0 0 0 * Verkleinerung des Einwohnerrats von 36 auf 30 Mitglieder
Stadtrat (Exekutive) Der Stadtrat von Kriens besteht aus fünf Mitgliedern. Der Stadtpräsident und die Stadträte für Bildung, Soziales, Bau und Finanzen. Die Stadträte werden alle vier Jahre im Majorzverfahren gewählt, wobei das Präsidialamt separat gewählt wird.
Bei den Gesamterneuerungswahlen 2020 wurde eine komplett erneuerte Stadtregierung gewählt. Sie setzt sich seit dem 1. September 2020 wie folgt zusammen:Departemente der Stadt Kriens per 1. September 2020Stadtrat von KriensOrganigramm der Stadt Kriens Christine Kaufmann-Wolf (Die Mitte): Stadtpräsidentin (Präsidialdepartement) Maurus Frey (Grüne): Bauvorsteher (Bau- und Umweltdepartement) Cla Büchi (SP): Sozialvorsteher (Sozialdepartement) Marco Frauenknecht (SVP): Bildungsvorsteher (Bildungs- und Kulturdepartement) Roger Erni (FDP): Finanzvorsteher (Finanzdepartement)
sowie Martin Mengis, Stadtschreiber (Stadtkanzlei)
Kantonsratswahlen Bei den Kantonsratswahlen 2023 des Kantons Luzern betrugen die Wähleranteile in Kriens: SVP 20,72 %, SP 19,34 %, FDP 17,32 %, Mitte (einschliesslich Junge Mitte) 16,87 %, Grüne (mit JG und GrüneUnt) 14,88 %, glp (mit JGLP) 10,46 % und EVP 0,41 %.https://www.lustat.ch/files_ftp/daten/kt/0003/w173_302t_kt0003_gd_d_2023.html Kantonsratswahlen: Stärke der Parteien 2023
Nationalratswahlen Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Kriens: SVP 23,3 %, Mitte 20,4 %, SP 18,2 %, FDP 14,5 %, Grüne 12,6 %, glp 8,8 %, übrige 2,3 %.
Städtepartnerschaften San Damiano d’Asti, Piemont (Italien)
Wirtschaft In Kriens gab es 2025 ca. 1600 Unternehmen mit etwa 12'000 Arbeitsplätzen; zwei Drittel davon im Dienstleistungssektor. Der Pilatusmarkt Kriens gilt als das viertgrösste Einkaufszentrum der Zentralschweiz.
Die Pilatus-Bahnen AG haben hier ihren Hauptsitz.
Verkehr Überregional mini|Ehemaliger Güterschuppen der Kriens-Luzern-Bahn am Stadtplatz (2012)