mini|Video: Der Deutsche Wetterdienst Der Deutsche Wetterdienst (DWD) ist eine Bundesanstalt mit Sitz im hessischen Offenbach am Main. Der Deutsche Wetterdienst ist eine teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr ( Abs. 1 DWDG). Die Bundesoberbehörde ist der nationale zivile meteorologische Dienst der Bundesrepublik Deutschland. Er erbringt meteorologische Dienstleistungen (Wettervorhersage) für die Allgemeinheit oder einzelne Nutzer, wie zum Beispiel die Schifffahrt, die Landwirtschaft oder die Wissenschaft.
Aufgaben und Struktur Die Hauptaufgabe ist es, vor wetterbedingten Gefahren zu warnen sowie das Klima in Deutschland zu überwachen, zu dokumentieren und seine Veränderungen zu bewerten.Genauer: Der DWD betreibt zugleich das nationale Klimaarchiv der Bundesrepublik Deutschland und verfügt mit der Deutschen Meteorologischen Bibliothek über eine der größten Fachbibliotheken zu den Themen Wetter und Klima weltweit. Es besteht ein ständiger Kontakt mit Bundesregierung, Bundes- und Landesministerien, Kommunen, Wirtschaft und Industrie zur Beratung und Zusammenarbeit. Gesetzliche Grundlage für den DWD ist das Gesetz über den Deutschen Wetterdienst (). Der DWD ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Ressortforschungseinrichtungen.
Zur Erfüllung dieser Aufgaben ist der DWD in folgende Bereiche gegliedert: Personal und Betriebswirtschaft Technische Infrastruktur und Betrieb Forschung und Entwicklung Wettervorhersage inkl. Flugwetterdienst, Wetterberatung usw. Klima und Umwelt inkl. Zentrales und Regionale Klimabüros, Klimaüberwachung, Agrarmeteorologie und Hydrometeorologie
mini|Zentrale des DWD in Offenbach mini|Wetterinfotafel an der Regionalzentrale Hamburg, links im Hintergrund früheres Amtsschild des DWD mini|Regionalzentrale in München
Entsprechend § 9 DWDG (Gesetz über den Deutschen Wetterdienst) ist dem DWD ein Wissenschaftlicher Beirat zugeordnet, der den Vorstand zur aktuellen Forschung berät. Er besteht aus zehn Mitgliedern, die jeweils auf die Dauer von vier Jahren durch das Bundesministerium für Verkehr berufen werden.
Im § 10 des DWDG ist ein Bund-Länder-Beirat bestimmt. Durch dessen Mitglieder werden die Interessen der Bundesressorts und der Länder vertreten.
Über das Hans-Ertel-Zentrum für Wetterforschung ist der DWD mit den nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen vernetzt. In diesem Rahmen vergibt der DWD Aufträge zur Grundlagenforschung um die Qualität für Wettervorhersage und Klimaservices ständig zu verbessern.
Standorte alternativtext=Außenansicht eines Bürogebäudes mit einer Wetterhütte davor|mini|250x250px|DWD-Niederlassung Potsdam, 2026 Neben der Zentrale in Offenbach gibt es sechs Regionalzentralen, die sich in Hamburg, Potsdam, Leipzig, Essen, Stuttgart und München befinden.Standorte. Darüber hinaus betreibt der DWD das dichteste und größte meteorologische Messnetz in Deutschland mit 181 hauptamtlichen automatischen Wetterstationen, darunter 15 Flugwetterwarten. Das nebenamtliche Messnetz des DWD umfasst 1697 Stationen, die von ehrenamtlichen Wetterbeobachterinnen und -beobachtern betreut werden.Zahlen und Fakten zum DWD. Stand 2015.
2015 eröffnete der DWD am Berliner Alexanderplatz die erste Stadtklimastation, um Messwerte der dicht bebauten Städte zu erhalten, in denen mehr als 70 Prozent der Bevölkerung lebt und arbeitet. Im Vergleich zu den Messstationen im Umland können in diesen Wärmeinseln die Temperaturen bis zu 10 °C höher sein. Damit will man besser auf den Klimawandel reagieren. 2018 wurde am DWD-Standort Freiburg im Breisgau, wo sich das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung Freiburg (ZMMF) befindet, die fünfte von insgesamt zehn geplanten Stadtklimastationen eröffnet.
Ferner gab es seit Eröffnung der ehemaligen Flugsicherungsschule der Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS) in Langen (Hessen), die später nach Gründung der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH in der Flugsicherungsakademie der DFS aufging, in diesem Gebäudekomplex auch das Bildungszentrum des DWD. Dieses wurde im Juli 2025 vom Fachbereich Wetterdienst der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Offenbach abgelöst.Offenbach hat seit dem 1. Juli 2025 einen neuen Hochschulstandort mini|Stadtklimastation des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg mini|Eine der hauptamtlichen automatischen Wetterstationen (Appental) des DWD in Meßstetten auf 899,5 Metern Höhe
Geschichte Der DWD wurde am 11. November 1952 durch die Zusammenführung der Wetterdienste der verschiedenen westalliierten Besatzungszonen gegründet. Erster Präsident war Ludwig Weickmann, der aber aufgrund seines hohen Alters schon im Folgejahr von Rudolf Benkendorff abgelöst wurde. Dieser blieb bis 1955 im Amt und prägte die ersten Jahre entscheidend mit. 1954 erfolgte der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur Weltorganisation für Meteorologie.
1954 hängte der Deutsche Wetterdienst in Zusammenarbeit mit der Deutschen Eisenbahn-Reklame und dem Deutschen Reisebüro in Bahnhöfen der Deutschen Bundesbahn Wetterkarten im Format 52 × 68 cm aus und wechselte sie regelmäßig aus.Bundesbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 21. Mai 1954, Nr. 23. Bekanntmachung Nr. 265, S. 139.
Von 1955 bis 1957 wurde die Zentrale an der Frankfurter Straße in Offenbach gebaut. Der Entwurf von Paul Friedrich Posenenske zeichnete sich durch eine Trennung von Außenwänden und tragender Struktur aus, die durch die versetzten Fensterbänder betont wurde, und gilt als „bedeutender Bau der deutschen Nachkriegsmoderne.“Richtfest für Deutschen Wetterdienst in Offenbach. In: BauNetz.de. 2. April 2007. Das bald für die Anforderungen eines modernen Wetterdienstes zu klein werdende Gebäude wurde nach mehr als zehnjährigen Planungen Ende 2004 abgerissen, um einem Neubau Platz zu machen. Die neue von Michael Frielinghaus entworfene Zentrale wurde im September 2008 eingeweiht und beherbergt seitdem zentral in einem Gebäude die gesamte zu der Zeit etwa 900 Mitarbeiter umfassende Belegschaft des Standortes Offenbach.Neubau für 72 Millionen Euro in Offenbach. In: Frankfurter Allgemeine. 10. Juli 2003, abgerufen am 9. April 2020. Im Innenhof des Gebäudekomplexes wurden drei Holzarbeiten des Frankfurter Künstlers Thomas Bayrle installiert.Thomas Bayrle: Brushstroke 2008. In: Museum der 1000 Orte, abgerufen am 9. April 2020.
Seit 1960 ist der DWD selber nicht mehr im deutschen „Fernsehwetter“ aktiv – für die ARD übernahm der Hessische Rundfunk diese Aufgabe. Inzwischen gestalten alle deutschen Fernsehanstalten in Deutschland ihre Wettersendungen entweder mit eigenen Wetterredaktionen oder mit Hilfe externer Dienstleister. Der DWD liefert ausschließlich die Beobachtungs- und Vorhersagedaten, die der Arbeit der dortigen Meteorologen als Basis dienen.50 Jahre Hochs und Tiefs, Wetterprognosen im Fernsehen. In: Stuttgarter Zeitung. 1. März 2010, abgerufen am 9. April 2020.
Der DWD installierte 1966 seinen ersten Supercomputer, eine CDC 3800, und begann mit der täglichen Produktion einer numerischen Wettervorhersage.
1975 wurde das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage in Reading gegründet, um Vorhersagen von bis zu zehn Tagen zu erstellen.
Im Jahr 1989 nahm auf Bitte der Weltorganisation für Meteorologie im DWD das Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie (Global Precipitation Climatology Centre, GPCC) den Betrieb auf.
1990 integrierte der DWD den Meteorologischen Dienst der Deutschen Demokratischen Republik.
Seit den 1990er Jahren wird die Zahl der bemannten Wetterstationen im Deutschen Wetterdienst kontinuierlich reduziert, was zwangsläufig einen erheblichen Personalabbau zur Folge hat. Nach Ansicht des DWD sind Qualitätseinbußen nicht zu befürchten, da moderne Fernerkundungsinstrumente wie Wetterradar oder Wettersatelliten mit ihrer flächenhaften Messung für eine deutliche Verbesserung der Beobachtungsdaten sorgten.
Im Jahr 1999 nahm die Satellite Application Facility on Climate Monitoring (CM SAF) im DWD den Betrieb auf. Im Auftrag von EUMETSAT werden unter Leitung des DWD in internationaler Zusammenarbeit mit weiteren Partnern satellitenbasierte Datensätze für die Klimaüberwachung erstellt.
Am 1. Dezember 1999 begann die operationelle Nutzung des globalen Wettermodells GME, das die Modelle GM und EM ersetzt.
2006 wurde das Datenverarbeitungs- und Visualisierungssystem NinJo eingeführt, das im Rahmen internationaler Kooperation entstand. Am 15. Juli 2005 wurde der Wetterpark Offenbach eingeweiht.
2008 wurde die neue DWD-Zentrale an gleicher Stelle – der Frankfurter Straße – eröffnet. Das alte Gebäude aus den 1950er Jahren musste weichen, hätte es doch wegen neuer Sicherheitsvorschriften umfassend umgebaut werden müssen. Zudem schuf der Neubau ausreichend Platz für die Beschäftigten, die bis dahin in angemieteten Büros untergebracht waren, sowie für den neuen Großrechner. (PDF; 24 kB) Pressemitteilung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, 4. September 2008. In: dwd.de, abgerufen am 9. April 2020. (PDF; 261 kB) Bau-Infos. In: dwd.de, abgerufen am 9. April 2020.
Von März 2009 an betrieb der DWD einen NEC SX-9-Hochleistungscomputer mit einer Spitzenleistung von 109 TFLOPS, um Wettervorhersagen zu berechnen.
Bis Ende 2013 hat der DWD seine 16 Stationen des Radarverbunds von operationellen Verbundradars mit Qualitätssicherungsradaren auf Dual-Polarisations-Radargeräten umgestellt. Bereits im Jahr 2011 wurde eine 17. Station in Niederrieden bei Memmingen in Betrieb genommen.DWD: (PDF; 2,3 MB) In: dwd.de, 4. März 2011, abgerufen am 30. November 2012. 2014/2015 reduzierte der DWD seine mit Personal besetzten Wetterwarten von 70 auf nunmehr 51 Standorte.
2014 wurde der bisherige Hochleistungsrechner durch zwei neue Supercomputer von Cray zur Berechnung der numerischen Wettervorhersage für 24 Millionen Euro ersetzt, die je 550 Teraflops leisten und die Verwendung eines genaueren Prognosemodells ermöglichen.
Anfang 2015 wurde GME durch das neue, mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie entwickelte ICON ersetzt, das sowohl global als auch auf einem Europa-Ausschnitt betrieben wird. Zusätzlich besteht mit COSMO-DE ein feinskaliges, regionales Wettermodell, das Deutschland, Österreich und die Schweiz abdeckt.
Ende 2016 wurden die Cray-Hochleistungsrechner auf eine Spitzenleistung von je 1,1 Petaflops ausgebaut. Seit 2020 nutzt der DWD einen NEC-Supercomputer SX-Aurora mit bis zu 5,6 Petaflops.
Seit 2021 setzt der DWD das ICON-Modell auch für die hochaufgelöste Vorhersage (ICON-D2 mit 2 km horizontaler Auflösung) ein. Das ICON-Modell wird Basis des COSMO-Konsortiums (bestehend aus Deutschland, Schweiz, Italien, Russland, Rumänien, Griechenland, Polen und Israel) für die hochaufgelöste numerische Wettervorhersage.
Anlässlich seines 70-jährigen Bestehens zeigte der DWD von Mitte April bis Mitte Mai 2023 im Paul-Löbe-Haus in Berlin die Ausstellung 70 Jahre zwischen Natur und Gesellschaft.
Im April 2024 wurde das DWD-Gesetz geändert. Diese Änderung schuf die Rechtsgrundlage dafür, dass der DWD die Bevölkerung besser vor Gefahren durch Extremwetter warnen und ein Naturgefahrenportal entwickeln und betreiben kann.
Ein Jahr später, im April 2025, wurde das vom DWD in Zusammenarbeit mit Partnern entwickelte Naturgefahrenportal offiziell gestartet.
Präsidenten Zeitraum Name 1946–1952 Ludwig Weickmann 1953–1955 Rudolf Benkendorff 1955–1966 Georg Bell 1966–1977 Erich Süßenberger 1977–1984 Ernst Lingelbach 1984–1992 Heinz Reiser 1992–1995 Tillmann Mohr 1995–2005 Udo Gärtner 2006–2010 Wolfgang Kusch 2010–2023 Gerhard Adrian seit 2023 Sarah Jones
Öffentliche Dienstleistungen Allgemein mini|Wetterstation am Standort Westermarkelsdorf Insel Fehmarn mini|Eine von 17 Wetterradar-Stationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Dreieich-Offenthal