mini|alt=Die schwarz-weiße Zeichnung zeigt eine alte Frau, die ein langes Kleid trägt und zwischen Felsen sitzt; der Wind lässt ihren offenen Umhang wehen und im Hintergrund ist das Meer zu sehen.|Gunnhild auf den Orkaden nach dem Tod ihrer Söhne (Buchillustration von Christian Krohg, 1899) Gunnhild Königsmutter (altnordisch Gunnhildr konungamóðir, wörtlich übersetzt „Gunnhild, Mutter von Königen“), auch Gunnhildr Gormsdóttir (altnordisch für „Gunnhild, Tochter von Gorm“) oder Gunnhildr Ǫzurardóttir (altnordisch für „Gunnhild, Tochter von Ǫzurr“), war eine norwegische Königin im 10. Jahrhundert. Sie war mit Erik Blutaxt verheiratet und erscheint in mehreren altisländischen Sagas.

Quellenkritik Da keine zeitgenössischen Texte überliefert sind, beruht das heutige Wissen über Gunnhild vor allem auf Sagas aus dem 12. und 13. Jahrhundert wie der Heimskringla (darin u. a. die Eiríks sona saga, auch Saga af Haraldi konungi gráfeld ok Hákoni jarli genannt), der Fagrskinna, der Egils saga und der Njáls saga, in denen sie teilweise sehr negativ dargestellt wird: Gunnhild wird dort als grausam, heimtückisch, verräterisch, machthungrig, herrschsüchtig, geldgierig, aufhetzend und zauberkundig beschrieben; in der Egils saga erscheint sie als Gegnerin des Protagonisten Egill. Aufgrund des zeitlichen Abstands und literarischer Konventionen sind diese Schilderungen jedoch kritisch zu sehen.

Von den isländischen Traditionen teilweise unabhängig ist die auf Latein geschriebene Historia Norwegiæ, eines der ältesten erhaltenen Geschichtswerke über Norwegen.

Leben Gunnhild wurde zu Beginn des 10. Jahrhunderts geboren, wahrscheinlich um 910. Nach der Historia Norwegiæ war sie eine Tochter des dänischen Königs Gorm und seiner Frau Thyra Danebod und damit Schwester von Harald Blauzahn. Fast alle neueren Historiker gehen davon aus, dass diese Angabe richtig ist.

Hingegen war sie der Heimskringla zufolge eine Tochter des ansonsten unbekannten Ǫzurr toti (in Ágrip Ǫzurr lafskegg genannt) aus Hålogaland. Diese Saga berichtet legendenhaft, dass Männer des Königs Erik Blutaxt Gunnhild in Finnmark antreffen, wo sie bei zwei Zauberern aufwuchs, die sie aufgrund ihrer Zudringlichkeiten töten lässt.

mini|alt=Die schwarz-weiße Zeichnung zeigt links eine sitzende Frau, die mit der rechten Hand eine schwarze Katze streichelt und die linke Hand zu einer Faust ballt, und rechts fünf bärtige Männer mit Äxten, Schwertern und Trinkhörnern, die um einen Tisch sitzen und zu der Frau blicken.|Gunnhild und einige ihrer Söhne (Buchillustration von Christian Krohg, 1899) Durch die Ehe mit Erik Blutaxt wurde Gunnhild Königin von Norwegen. Zusammen sollen sie mindestens sieben Kinder gehabt haben, darunter Gamle, Guttorm, Harald Graumantel (altnordisch Haraldr gráfeldr), Ragnfred, Erlingr, Guðrøðr, Sigurðr slefa und die Tochter Ragnhildr.

Wahrscheinlich folgte sie Erik Mitte der 930er Jahre bei seiner Vertreibung aus Norwegen ins Ausland. Nach dem Tode Eriks in Jórvík (heutiges York) im Jahr 954 hatte sie die Vormundschaft über Harald Graumantel und ihre übrigen Söhne inne. Sie zog nach Dänemark und brachte ihren Bruder Harald Blauzahn dazu, sie gegen Håkon den Guten zu unterstützen. Nachdem dieser besiegt und getötet worden war, übernahmen ihre Söhne die Macht, womit auch Gunnhild Einfluss erwarb. Sie wurde „Königsmutter“ (altnordisch konungamóðir) genannt und ihre Söhne „Gunnhilds-Söhne“ (altnordisch Gunnhildarsynir).

Als mehrere von ihnen getötet worden waren, musste sie das Land verlassen und zog um 970 nach Orkney, wo eine ihrer Töchter mit dem Orkadenjarl Arnfinn Thorfinnsson verheiratet war. Vermutlich starb Gunnhild dort, allerdings ist nicht bekannt, bis wann sie lebte. Nach Ágrip und Theodoricus Monachus in der Historia de antiquitate regum Norwagiensium wurde sie von Männern des dänischen Königs getötet und als Zauberin in einem Moor versenkt, was jedoch unwahrscheinlich ist.

Gunnhild soll von kleinem Wuchs sowie schönem und vornehmem Aussehen gewesen sein. Der Fagrskinna zufolge interessierte sie sich für Dichtung, gab nach Eriks Tod ein als Eiríksmál bekanntes Gedicht über ihn in Auftrag und dichtete auch selbst eine Lausavísa:

Rezeption Eine 1835 gefundene Moorleiche, die Frau von Haraldskær, wurde von Niels Matthias Petersen zunächst als Gunnhild identifiziert und 1836 in einen Eichensarg gebettet. Zweifel an dieser Identifikation äußerte u. a. Jens Jacob Asmussen Worsaae, doch erst 1977 belegten Radiokarbondatierungen, dass die Frau bereits im 5. Jahrhundert gestorben war und daher nicht Gunnhild sein konnte.

Gunnhild ist die Protagonistin in Poul Andersons historischem Roman Mother of Kings von 2001, in Robert Lows Crowbone von 2012 tritt sie hingegen als Antagonistin auf. In der Fernsehserie Vikings wird Gunnhild von Ragnheiður Ragnarsdóttir gespielt.

Literatur

Nils Petter Thuesen: Gunnhild Gormsdatter. In: Nils Petter Thuesen: Norges dronninger gjennom tusen år. Tiden Norsk Forlag, Oslo 1991, ISBN 82-10-03458-8, S. 16–17 (norwegisch).

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Einzelnachweise

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