mini|Die Ostra-Allee am Zwinger mini|Die Ostra-Allee am Haus der Presse mit Blick zum Postplatz Die Ostra-Allee ist eine Straße in Dresden. Sie führte ursprünglich von einem heute nicht mehr erhaltenen Stadttor, dem Wilsdruffer Tor, durch die Wilsdruffer Vorstadt zum kurfürstlichen Ostravorwerk im westlichen Vorland der damaligen Stadt. Entlang ihres Verlaufes lagen seit mehreren Jahrhunderten mehrere landesherrschaftliche Grundstücke und ehemalige Manufakturen. Darunter befanden sich eine Glashütte, eine Schmelzhütte, der Silberhammer, einige Orangeriegebäude, der Herzogin Garten, das höfische Waschhaus, die herrschaftlichen Ställe, der Holzhof und in einem ehemaligen Obstgartengelände das spätere Prinz-Max-Palais.Dresdner Geschichtsblätter 1899, S. 201

Beschreibung Die Ostra-Allee, ein alter Fahrweg, der die alte Stadt mit dem Vorwerk beziehungsweise Kammergut Ostra verband, führt in den Landschaftsraum Ostragehege. Diese von Feuchtwiesen geprägte Landschaftszone lag beiderseits der früheren Weißeritzmündung in die Elbe. In unmittelbarer Nähe vom ehemaligen Holzhof und den kurfürstlichen Ställen sowie der Reitbahn befanden sich zur Elbe hin die Ostrawiesen, die später als Kleines Ostragehege bezeichnet wurden. Dieser Landschaftsraum ist in seiner ursprünglichen Form nicht erhalten geblieben. Auf diesem Areal befinden sich das Kongresszentrum, Geländeteile vom Haus der Presse und die Marienbrücke.

Der damaligen Verkehrsrichtung weiter folgend, querte der Weg den Weißeritzmühlgraben und danach die Weißeritz über die Ostrabrücke. Diese Brücke befand sich zwischen der heutigen Eisenbahntrasse (nördlich des Bahnhofs Dresden Mitte) und der Weißeritzstraße, dort in die Friedrichstraße einmündend. Von der landwärtigen Brückenseite führten Wege zum ehemaligen Dorf Ostra (später Friedrichstadt) und seinem Herrengut, in die ehemalige Auenlandschaft vom Großen Ostragehege und südlich in Richtung Wilsdruff. Mit dem Erwerb von Wiesen und Feldern am Dorf Ostra durch Kurfürst Moritz intensivierten sich die landesherrschaftlichen Nutzungen an der späteren Allee. Er tauschte dieses Areal 1559 vom Meißner Bischof Johann IX. von Haugwitz gegen Ländereien am Dorf Leubnitz ein. In der Folge entstand das äußere kurfürstliche Ostravorwerk als großes Landwirtschaftsgut für die Festung Dresden einschließlich des benachbarten Forsthauses.Alfred Hahn, Ernst Neef: Dresden. Ergebnisse der heimatkundlichen Bestandsaufnahme. Berlin (Akademie-Verlag) 1985, S. 100

Im Jahr 1563 übergab Kurfürst August das Ostravorwerk „mit dem Ochsenhof“ an die Kurfürstin Anna und erwarb von 1568 bis 1569 weitere Grundstücke bis in die Fluren von Cotta und Löbtau hinein. Um diese Zeit existierten bereits ein inneres und äußeres Ostravorwerk. Das innere Vorwerk (Ostro minor), im Bereich vom Kleinen Ostragehege wurde 1573 als Viehstall wegen der Hochwassergefahr aufgegeben. An seiner Stelle erbaute man nach Plänen von Hans Irmisch von 1582 bis 1583 eine Schmelzhütte für Kupfer, die bereits 1588 wieder abgerissen wurde. Dort errichtete man 1606 eine Schmelzmühle mit Mahlwerk, Drehbänken, Schleifwerk und Stampfanlagen. Die Schweden zerstörten sie 1706.Dresdner Geschichtsblätter 1899, S. 203 An der Ostra-Allee befand sich auch der 1622 errichtete Silberhammer zur Erzeugung der in der Dresdner Münze benötigten Silberzaine und ein 1623 erbauter Eisenhammer im Bereich der heute abzweigenden Maxstraße. Ferner gab es einen Gerberhof neben den Orangeriegärten und eine Glashütte („Ostrahütte“). Letztere wurde 1700 in Betrieb genommen und sollte große Spiegel fertigen. Dies gelang jedoch zunächst nicht und man beschränkte sich auf Trinkgefäße und andere gläserne Tischwaren.Dresdner Geschichtsblätter 1899, S. 206, 207

Im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts war der Weg zum Ostravorwerk in Form einer Doppelreihe mit Obstbäumen bepflanzt. Sie waren als Spalier gezogen worden, was auf das Wirken von Gartenbaufachleuten schließen lässt. Als 1706 schwedische Truppen nach Sachsen einmarschierten, grub man die Bäume aus; sie wurden später nicht wieder eingepflanzt.Paul Gottlob Hilscher (Hrsg.): Der Sammler für Geschichte und Alterthum, für Kunst und Natur im Elbthale. Nr. 18, Ch. F. Grimmer, Dresden 1837, S. 287–288

Nachdem 1730 die Friedrichsstadt gegründet worden war, erfolgte 1741 eine Verbreiterung der Ostra-Allee und 1744 wurde der alte Fahrweg zu einer barocken Prachtstraße umgebaut. Damit beauftragte Graf Brühl den kurfürstlichen Post- und Straßenkommissar Johann Christian Trömer, der bis zur Glashütte eine Kastanienallee anlegte. Im Zuge dieser Arbeiten wurde am früheren Silberhammer eine Platzfläche mit Pflaster befestigt, weil sie bei Regenwetter schwer passierbar war. Seitdem trug diese wirtschaftlich bedeutungsvolle Straße den Namen Ostra-Allee und nahm den Charakter einer öffentlichen Straße an. Mit den Schlosserweiterungsplänen griff man 1743 die Überlegungen zur Errichtung eines neuen kurfürstlichen Reitstalls auf. Dieser entstand zwischen 1744 und 1755 westlich des Zwingers an der Ostra-Allee.

In seiner Stadtbeschreibung von 1804 spricht Friedrich Christian August Hasse für den stadtauswärtigen Teil nach der Brücke über den Flusslauf der Weißeritz von der Ostra- oder Brückenstraße.Friedrich Christian August Hasse: Dresden und die umliegende Gegend, 1804, S. 241 Um 1850 setzte sich für diesen Straßenabschnitt der Name Friedrichstraße durch.J.G. Hessler, O. Jessler: Grundriss der Haupt- u. Residenz-Stadt Dresden nebst den Vorstädten. Dresden 1849

Den ursprünglichen Verlauf der Ostra-Allee zur Weißeritzbrücke kennzeichnete ein Abknicken nach Westen in Höhe des Prinz-Max-Palais. Die gradlinige Fortsetzung in Richtung Nordwesten entstand erst mit dem Bau der Marienbrücke und erhielt 1862 den Namen Brückenstraße. 1877 änderte man dies, seit diesem Zeitpunkt verläuft die Ostra-Allee geradlinig bis zur Könneritzstraße und der abknickende Straßenzug wurde Maxstraße benannt.Karlheinz Kreglin: Dresden – Das Namenbuch der Straßen und Plätze im 26er Ring, Fliegenkopf Verlag Halle/Saale (1993)

Von 1963 bis 1991 war die Allee nach dem spanischen Kommunisten Julián Grimau benannt. Heute heißt sie wieder Ostra-Allee.Dresdner Geschichtsblätter 1899, S. 202

An der Ostra-Allee befinden sich heute fünf Kulturdenkmäler, neben dem Schauspielhaus und der ehemaligen Handelslehranstalt, ein Schulgebäude an der Ostra-Allee 9, sind dies die Gebäude an der Ostra-Allee 25, 27 und 29. Mit der Herzogin Garten und dem Zwinger grenzen zwei weitere Kulturdenkmale an die Ostra-Allee.

Die Ostra-Allee beginnt heute am Postplatz und endet an der Könneritzstraße; ihre nordwestliche Fortsetzung ist die Magdeburger Straße. In die Ostra-Allee münden westlich Malergäßchen, Hertha-Lindner-Straße, An der Herzogin Garten und Maxstraße, von Osten Am Zwingerteich und Kleine Packhofstraße.

Der jährlich stattfindende Dresden-Marathon verläuft unter anderem entlang der Ostra-Allee.

Bebauung mini|Palasthotel Weber Ostra-Allee / Ecke Postplatz mini|Logenhaus Ostra-Allee mini|Ehemalige Orangerie an der Der Herzogin Garten mini|Gebäude der ehemaligen Wasserwirtschaftsdirektion in Dresden

An der Ostra-Allee befanden und befinden sich eine ganze Reihe bemerkenswerter Gebäude. Die folgende Nummerierung entspricht im Wesentlichen dem heutigen Stand und gilt seit etwa 1870, zuvor existierten völlig andere Nummern, wodurch die Einordnung aus älteren Quellen erschwert ist.

Die ungeraden Nummern befinden sich an der Westseite der Straße, folgende Gebäude sind hier erwähnenswert:

Nr. 1 = Ecke Ostra-Allee/Postplatz (Palasthotel Weber): Das Hotel wurde im Monumentalstil der Reformarchitektur erbaut. Es war das architektonische Pendant zum Schauspielhaus Dresden der Ecke Ostra-Allee / Theaterstraße. Das Hotel wurde im Krieg teilweise beschädigt und 1968 gegen den Protest der Dresdner Bevölkerung abgebrochen. An seiner Stelle befindet sich heute die Freifläche vor dem Schauspielhaus.

Nr. 3 bis 7 An dieser Stelle befanden sich ursprünglich der Silberhammer und das Königliche Hofwaschhaus sowie ein Wohnhaus. Die beiden erstgenannten wurden 1897/98 abgerissen, letzteres stand bis 1911 und musste dann dem heute hier befindlichen Neubau des Schauspielhauses weichen. Dieser 1912/13 errichtete Bau hat heute die Anschrift Theaterstraße 2, erstreckt sich aber mit seiner Schaufassade entlang der Ostra-Allee.

Nr. 9 (Haus der Dresdner Kaufmannschaft): Hier wurde nach Abriss des Malersaals das heute denkmalgeschützte Haus der Dresdner Kaufmannschaft von 1912 bis 1914 mit einer „dreizonale[n] Fassadengliederung“ durch Alexander Hohrath erbaut. Das Gebäude an der Ecke zum Malergäßchen wurde 1945 teilweise zerstört, später beherbergte es eine Berufsschule.

Nr. 11 (Bürohaus Officio): Die „dreizonale Fassadengliederung“ des historischen Hauses an der Ostra-Allee 9 wurde von dem 1993/1995 erbauten Bürohaus „Officio“ an der Nr. 11 wiederaufgenommen und „modifiziert weitergeführt“. Die Entwürfe für das Haus lieferte der Architekt Bernhard Winking. Das Gebäude wurde als Blockrandbebauung der Ostra-Allee konzipiert und stellt die Fortsetzung des Gebäudeblocks auf der Westseite des Dresdner Schauspielhauses dar. Auf einem zweistöckigen Sockelgeschoss erheben sich vier Obergeschosse, die durch eine gleichmäßige mit Sandstein verkleidete Lochfassade zusammengefasst werden. Ein von der Fassade zurückgesetztes Staffelgeschoss mit Walmdach bildet den oberen Abschluss des Baus.Lupfer et al., Nr. 40 (Bürohaus Officio, Ostra-Allee 11, 1993–95, Bernhard Winking)

Nr. 13 Von 1843 bis 1847 wohnte hier der Komponist Richard Wagner. Das Mietshaus wurde von Bernhard Schreiber in das am 29. November 1870 eingeweihte Gewerbehaus des Dresdner Gewerbevereins umgebaut.Chronik des Gewerbe-Vereins zu Dresden als Festschrift zur 50jährigen Stiftungsfeier, Dresden 1884, S. 173 An das frühere und nurmehr teilweise als solches genutzte Wohnhaus wurde ein Anbau mit einem im Stil der Neorenaissance errichteten Saal angefügt. Er bot 2057 Personen PlatzPaul Schumann, Friedrich Kummer: Dresden und das Elbgelände. Verlag des Vereins zur Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs, 1918 und war ab 1871 die Spielstätte der Gewerbehaus-Kapelle,Adreßbuch für Dresden und seine Vororte, 1904 die 1915 in Dresdner Philharmonisches Orchester und 1923 in Dresdner Philharmonie umbenannt wurde. Auch die Königliche Kapelle, die heutige Sächsische Staatskapelle Dresden, spielte ab 1871 regelmäßig Konzerte im Gewerbehaus.Chronik des Gewerbe-Vereins zu Dresden als Festschrift zur 50jährigen Stiftungsfeier, Dresden 1884, S. 177 Bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 wurde das Gewerbehaus zerstört und die Ruine bei der Großflächenenttrümmerung beräumt.Michael Schmidt: Spaziergang durch das alte Dresden in Ansichtskarten um 1900 – die Pirnaische Vorstadt, die Seevorstadt und die Wilsdruffer Vorstadt. Sonnenblumen-Verlag: Dresden 2007, ISBN 3-9804637-2-9 An dieser Stelle mündet heute die Hertha-Lindner-Straße in die Ostraallee.

Nr. 15 (Logenhaus Ostra-Allee): Dort war bis zu seiner Zerstörung 1945 das Logenhaus Ostra-Allee der Loge Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute zu sehen. Es wurde 1837 bis 1838 nach Entwürfen von Gustav Hörnig erbaut. Es war in der Wilsdruffer Vorstadt zwischen Schauspielhaus und der Herzogin Garten gelegen. Ein weiteres Schmuckstück an der Ostra-Allee war die Ehemalige Orangerie an der Der Herzogin Garten.

Nr. 15b (Ecke An der Herzogin Garten). Hier befand sich bis 1945 das 1902 eröffnete gut bürgerliche Hotel Reibeholz „Herzogin Garten“. Es war solide eingerichtet, verfügte über 100 Betten, elektrisches Licht, Aufzug und Zentralheizung. Mit Zimmerpreisen ab 1,25 Mark pro Nacht war es deutlich günstiger als das nahe gelegene Hotel Weber. Im Gebäude befanden sich außerdem ein Restaurant und ein Saal für Hochzeiten und Vereinsfestlichkeiten.Griebens Reiseführer, Band 5, Dresden 1904–1905